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  1. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo zusammen,

    nun endet die Sommerzeit, die Tage sind schon merklich kürzer geworden. Der 2. Sommer ohne mein Goldherz. Eigentlich hatte ich ja gehofft, es gar nicht so lange ertragen zu müssen. Ich habe eh nie verstanden, wieso mein halbes Herz einfach die Frechheit besessen hat, weiter zu schlagen. Das frage ich mich heute auch noch.

    Ja, man lernt sich einzurichten, in diesem ach so anderen Leben. Ganz zuhause bin ich da trotzdem nicht, ich fühle mich eher auf Durchreise. Da kann man das beste draus machen, aber angekommen werde ich mich nie fühlen. Er fehlt, ohne ihn bin ich nicht ganz und werde es auch nie wieder sein.
    Ich merke das besonders an so Sachen wie z.B. der jährliche Check beim Frauenarzt. Hab ich letztes Jahr sausen lassen, nun denke ich wieder daran, einen Termin zu machen und dann...ich gehe (wie wohl die meisten) da nur sehr ungern hin. Wieso tu ich mir das an? Wegen der Vorsorge. Aha. Was würde ich denn machen, wenn man was findet? Wie soll ich denn begreiflich machen, dass ich mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit eh keine Therapie möchte? Das einzige Pro wäre, dass ich mir so evtl. zumindest die Wahl erhalte, ob ich kämpfen möchte oder nicht. Die Endlichkeit hätte dann auch eine absehbare Länge.

    Es sind solche Kleinigkeiten, die mir ganz deutlich zeigen, wie sehr ich mich auf Durchreise fühle. Und wie sehr ich um kleine Dinge kämpfe, diese vernünftig und normal abzuarbeiten. So lange, bis sie wieder zur Gewohnheit werden. Das ist wohl eine Auswirkung der be/geraubten Zukunft.

    Aber immerhin ist die Gegenwart so gut, wie sie ohne meinen Mann nur sein kann. Zeit für mich und uns, meine geistigen Vitalfunktionen sind sehr praktisch gelagert (z.B. Finanzen), besser könnte es ohne ihn wirklich nicht sein. Allerdings wäre alles (selbst der ungeliebte Job in Vollzeit) mit ihm doch sehr viel besser. Wie dieses Gedicht..."nicht nichts, aber so viel weniger".

  2. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Zitat Zitat von Midyu Beitrag anzeigen
    Wie dieses Gedicht..."nicht nichts, aber so viel weniger".
    Auch hallo zusammen,

    das mit den Arztterminen war bei mir in der ersten Jahren genauso. Exakt!
    Es war mir wurst.

    Hat sich mit den Jahren aber geändert. Ich glaube unter anderem wegen der Hunde (neue Generation natürlich) und weil ich soviel Angst vor Abhängigkeit und Fremdbestimmung habe, in die ich bei Krankheit geraten würde. So ganz ohne Angehörige.

    Für euch:
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
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  3. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo katelbach,

    ich glaube ich bin nicht die einzige hier, die sich von dir echt verstanden fühlt. Doppelten Respekt davor, dass du dich auf einen neuen Partner und neue kleine Wesen eingelassen hast. Hunde leben per se schon nicht ewig und trotzdem ist die Liebe zu ihnen mitunter unendlich.

    Ich finde das wirklich stark!

  4. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Liebe Midyu,

    das mit den Hunden ist einfach.

    Ich hatte meine beiden Ollen noch, als ein kleines Bündel Angst versehentlich bei mir landete. Ich wollte keinen weiteren Hund, naja, nach einer Übernachtung blieb sie ... Und irgendwann, da waren die Ollen hochbetagt gestorben, da ergab sich eine "Verwaiste".

    Alles andere ist sehr viel komplizierter.
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    Geändert von katelbach (19.09.2019 um 22:42 Uhr)


  5. Registriert seit
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo,

    das mit dem Arzt ist bei mir dasselbe. Beim Frauenarzt war ich jetzt schon das 2. Jahr nicht mehr. Letztes Jahr habe ich meinen Termin Rainer zu Liebe abgesagt, weil er da einen Termin an der Uniklinik hatte. Danach keinen neuen mehr ausgemacht. Dieses Jahr ist es mir wurscht gewesen. Wenn was wäre, dann wäre es eben so. Nur beim Zahnarzt sollte ich dieses Jahr noch vorstellig werden wegen dieses verk*ckten Bonushefts... Wenn da ein Jahr fehlt, nicht gut. Auch für spätere eventuelle Zuzahlungen. Haha.

    Ich fühle mich in diesem Leben ohne ihn, als stünde ich mit gepackten Koffern am Bahnsteig und warte auf den Zug, der mich nach Hause bringt. 9 Monate und 14 Tage ohne ihn. "Angekommen" bin ich in diesem Leben nicht. Ich will es immer noch nicht, so, wie es jetzt ist...

  6. Avatar von Midyu
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo Katelbach,

    das war wohl Vorsehung, das kleine Bündel, wie? Ich wehre mich trotz aller Tierliebe mit Händen und Füßen gegen ein eigenes...Verantwortung für ein Lebewesen...puh. Aber zurückweisen könnte ich es auch nicht. Dass alles andere kompliziert ist, ist mir klar. Ich stelle mir das auch als Partner extrem schwierig vor, sich öfter als Nummer 2 zu fühlen. Sofern da nicht eine ähnliche Geschichte das Verständnis fördert. So ein schwermütiger Partner, der geistig dann auch schon mal wieder in ganz anderen Zeiten und Welten abdriftet, der durch das Erlebte auch ein echtes Problem hat, sich allzu sehr einzulassen. Als ob wir mit den Jahren nicht schon genug Macken an den Tag legen würden

    Als ich hier angefangen hatte zu lesen, war es ein furchtbarer Gedanke, selbst nach so vielen Jahren wie du oder Lyanna noch immer diesen Schmerz so genau fühlen zu können, manchmal davon überrollt zu werden. Nun habe ich mich damit abgefunden. Wie ich heute morgen zu meinem Mann sagte: dich zu lieben ist das positivste Gefühl, das wärmste Gefühl und das richtig(st)e Gefühl, das ich jemals hatte. Das will ich nicht hergeben, egal wie schmerzvoll der Preis dafür ist. Das habe ich als meinen Weg nun akzeptiert.

    Hallo Shiva,

    ich verstehe deine Abneigung gegen dieses neue Leben nur zu gut. Allerdings habe ich mich ja entschlossen (naja eher überreden lassen) erst einmal weiterzumachen. Und das eben so gut wie möglich. Dass ich nicht bereit bin, dies alles möglichst lange zu erleben hält mich trotzdem nicht davon ab, es mir hier doch so dankbar und gut wie möglich zu gestalten.

    Ich bin nun einmal die einzige, die unsere gemeinsame Erinnerungen noch hat. Ich bin diejenige, die mein Mann so geliebt hat. Es kann ja wirklich sein, dass es danach etwas anderes gibt und er mir zuschaut. Damit rede ich mir das eben schön.
    Klar ist es egal, ob Erinnerungen weg sind, wenn ich weg bin; es sind ja beide weg, denen sie was bedeuten. Trotzdem.
    Vielleicht kann ich ihm irgendwann, irgendwie eine Art Denkmal setzen, einfach verhindern, dass er so einfach aus dieser Welt rausgelöscht wurde. Er würde darauf keinen Wert legen, ebenso wie ich das auch für mich nicht bräuchte, aber...TROTZdem.
    Irgendetwas tun, was ihn sehr glücklich gemacht hätte. Deshalb versuche ich hier und jetzt das beste noch mögliche rauszuholen. Das ist keine Verrat an ihm, an uns oder an der Tatsache, dass ich das alles immer noch als extrem falsch, unfair und einfach nicht richtig finde.

    Besonders wenn ich an seinem Grab stehe treffen mich diese Gedanken. Falsch, falsch, falsch. Zuhause rede ich mit ihm ja, als wäre er noch da, auch wenn sein interdimensionaler Sprung Teil der Unterhaltungen...naja wohl eher Ansagen... sind. Pipi Langstrumpf, weißte? Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt (auch wenn dazu der Körper doch immer fehlen wird). Wenn das Wasser in dem wir schwimmen dunkel dreckig ist, lohnt es sich doppelt, AUF der Welle zu surfen und nicht drin zu tauchen. Oder so.

    Ha, wenn ich so etwas schreibe, fühle ich mich fast schon wie ein Heuchler, ich sage mal dazu: heute und jetzt, bin ich eben nicht tief traurig und schwupps denke ich, diese Schmerzlosigkeit sofort zu teilen. Sieh es mir nach .


  7. Registriert seit
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Liebe Midyu,

    es gibt beschissene und weniger beschissene Tage. Das ist bei mir ja auch so. Es ist ja nicht so, dass ich nicht weitermachen würde. Ich hoffe halt, dass es sich zeitig von selbst erledigt. Ich kümmere mich um meine Katzen, so wie vor ihm und auch während UNS, allerdings fehlt, seit es UNS nicht mehr gibt, das Herzblut. Vor UNS waren die Katzen mein Ein und Alles, quasi eine Art Kinderersatz. Die Freude und diese stille innere Zufriedenheit, die hat Rainer mitgenommen.

    Und ich kann es nicht ändern. Aber dieser Gedanke: unfair, ungerecht, falsch, unmenschlich - geistert immer in meinem Kopf rum. Liebende zu trennen IST unmenschlich. Meine blasphemischen Gedanken hierzu behalte ich für mich.

    Egal, an welches "Glaubensmodell" man glaubt, eine Dauer von UNS von 6 Monaten und 11 Tagen IST unfair. Daran gibt es nichts zu rütteln. Auch wenn unsere Seelen sich wiederfinden (das tun sie, keine Diskussion!) und dann bis in die Unendlichkeit zusammen sein werden, IST eine Dauer von lächerlichen 6 Monaten hier unfair. Wobei. Ich bin ja dankbar, dass es diese 6 Monate überhaupt gab. Schließlich findet nicht jeder seinen Seelenmenschen. Aber 6 Monate Glück ist für ein Restleben, in dem er fehlt, nicht fair. Oder habe ich da einen Denkfehler...?


  8. Registriert seit
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    AW: Für immer und noch viel länger...

    Hallo, ihr Lieben.

    Nee, als Denkfehler sehe ich das nicht.
    Manche Dinge kann man einfach nicht fassen. Bei mir ist es der Punkt, dass ich meinen Freund genau dann verlieren musste, als ich für mich klarbekommen hatte, dass ich ihn trotz aller Schwierigkeiten wirklich liebe und mit ihm zusammen sein wollte.

    Und wie du schreibst, Midyu, dieses wunderschöne Gefühl erkannt hatte.

    Ansonsten erzähle ich grad mal meinen Stand der Dinge: Es sind jetzt 1 Jahr und 4 Monate. Ich befinde mich an einem Urlaubsort, an dem ich vor einigen Jahren mit meinem Freund war und letztes Jahr allein. Das letzte Jahr hier waren die ersten Tage schlimm. Jetzt geht es mir auch nicht gerade gut, habe viele Zukunftsängste.
    Aber ich merke, ich habe den Verlust etwas in mein Inneres integriert. Es ist, als ob sich eine dünne Schutzschicht gebildet hat. Kein Vergessen, aber etwas wie Schutz.
    Ich habe Erinnerungsstücke von ihm dabei. Es geht.
    Ich glaube, freundliche Beziehungen zu anderen Menschen haben das bewirkt.
    Austausch und der Klinikaufenthalt.
    Ich schreibe das, weil ich euch Mut für gute Tage geben möchte.
    Genau, aber es gibt solche und solche Momente.
    Das ist geblieben.

    Alles Liebe für euch! 💕

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