Hallo Ihr alle,
ich möchte hier mal meine Geschichte schreiben, nicht um Mitleid zu bekommen, aber um einfach alles von der Seele zu kriegen und vielleicht um Anregungen zu erhalten, wie ich damit umgehen kann. Der Tod zieht sich durch mein Leben und ich werde *Vorsicht Sarkusmus* ungefragt zum Trauerexperten.
Als ich 15 Jahre alt war, lernte ich meine Jugendliebe kennen. Wir waren über Jahre eigentlich unzertrennlich und zogen, als ich 17 war zusammen und heirateten 1990. Ich war früh von daheim ausgezogen, da meine Mutter starb als ich 13 war und ich nicht mit meiner Stiefmutter unter einem Dach leben konnte. Meinen Vater kenne ich nicht, der Mensch der in meiner Geburtsurkunde steht hat ein Kuckuckskind.
Wir genossen unser Leben und alles war gut, bis er – durch einen guten Freund – nach einer längeren Krankheit und schlimmen Operation, in Drogen abrutschte. Ab dem Moment war es ein ewiger Kampf, mit Lügen, wir haben viel gestritten, mit Suizidversuchen und 1993 nahm er sich das Leben. Er war zu schwach um aufzuhören und kam mit der Situation nicht klar.
Ich stand mit 24 Jahren da und war Witwe. Irgendwann kam ich klar, sortierte mein Leben neu lernte einen neuen Mann kennen. US-Soldat der wollte, dass ich mit ihm nach Texas ziehe. Alles in allem habe ich damals nach 2 Jahren einen Rückzieher gemacht, da ich ihm draufkam, dass er fremdging.
Mehrere Jahre genoss ich das Leben als Single und lernte schließlich 2000 meinen zweiten Mann kennen. Er war in Trennung und wurde kurz danach geschieden. Seine Kinder zogen vor meiner Zeit mit der Mutter aus und da er viel Unterhalt und die Wohnung abbezahlen musste, kamen sie als das Geld und die Geschenke weniger wurden, kaum vorbei.
Wir zogen bald zusammen und waren 17 Jahre ein glückliches Paar. Er war nie wirklich krank, hatte mal eine Gallen-Operation und eine Knie-Operation und war sonst fit und gesund. Dachten wir. Das änderte sich letzten Herbst. Eigentlich schien es eine normale Magen-Darm-Geschichte zu sein, bis er plötzlich eine quittengelbe Hautfarbe bekam. Galle konnte ja nicht mehr der Auslöser sein, die war schon entfernt und der Hausarzt entschied sich, um die Ursache zu finden, zur Krankenhauseinweisung.
Bereits am gleichen Abend kam der Verdacht auf eine Veränderung an der Bauchspeicheldrüse auf.
Obwohl wir beide keine Medizinlaien sind, haben wir es erstmal zur Seite geschoben, gut geredet - aber das Schicksal war nicht wirklich gnädig. Es war ein großer Tumor der sich durch die ganze Bauchspeicheldrüse gefressen hatte, mit Lymphknotenbeteilung. Noch operabel und nach der großen Operation begann auch bald die Chemo-Therapie.
Es ging Woche für Woche abwärts, bereits im Dezember waren mehrere Leber-Metastasen vorhanden und kurz danach hatten sie sich auch in der Lunge und im Bauchfell breitgemacht.
Mein Mann wurde depressiv, aggressiv und hat von Anfang an den Kampf aufgegeben. Vielleicht hatte er es im Gefühl, dass es nicht mit der Operation zu heilen ist. Ich weiß es nicht. Ich habe jeden Strohhalm aufgegriffen, jeden Bericht, jede neue Studie alles gewälzt und ihm angeboten, egal wie er sich für was entscheidet, hinter ihm zu stehen.
Aus meinem großen, starken Mann wurde ein Häufchen Elend der nur noch aus Haut und Knochen bestand. Die zweite Chemotherapie half auch nicht und die letzte hatte er dann (verständlicherweise) aufgrund der fiesen Nebenwirkungen abgebrochen. Er sprach kaum noch mit mir und war auch allen, die ihn mochten gegenüber abweisend. Zum Teil hat er uns beleidigt und war sehr aggressiv. Keiner war ihm böse deswegen, aber die Verhaltensveränderungen taten und tun immer noch sehr weh.
Ihm ging es 1-2 Wochen besser und dann fiel er ins Leber-Koma und starb 5 Tage später.
Es war am Ende eine Erlösung, es war einfach gut für ihn, dass er sterben durfte.
Und wir standen da. Ich als Witwe, Freunde und seine Ex-Familie war unsichtbar. Seine Tochter erdreistete sich sogar öffentlich zu jemandem zu sagen „gut wenn er stirbt, dann brauche ich später nicht für ihn aufkommen“ (die Kinder kommen später auf den Plan als es um den Pflichtteil geht und ich bin immer noch am Gutachten abwarten und beim Anwalt – aber die Geschichte würde hier den Rahmen sprengen).
Seitdem sind 7 Monate vergangen und wenn ihr möchtet, kann ich gerne später oder die Tage erzählen was seitdem passiert ist.
Antworten
Ergebnis 1 bis 8 von 8
Thema: Zum zweiten Mal verwitwet
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07.11.2017, 12:31
Zum zweiten Mal verwitwet
liebe Grüsse
Birgit
und die Katzenbande
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07.11.2017, 12:38Inaktiver User
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
Mir läuft es eiskalt den Rücken runter.. und die Angst krabbelt in mir hoch...
Mein tief empfundenes Beileid... 🍀🌷
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07.11.2017, 13:59
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
Mein Beileid...und viel Kraft.
Hier laufen wohl auch Intrigen (?), die dir momentan noch mehr Kraft rauben?
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07.11.2017, 16:13
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
Danke euch beiden
Nein sie versuchen so viel Geld wie möglich abzugreifen. Den beiden geht ihr Vater ganz weit wo vorbei. Sie haben ihn weder besucht, noch waren sie auf der Beerdigung. Ja und Anfang September kam dann der Anwaltsbrief vom Sohnemann.liebe Grüsse
Birgit
und die Katzenbande
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07.11.2017, 17:33Inaktiver User
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
Liebe Bibi
Auch mein tief empfundenes Mitgefühl !
Ich kann durchaus erahnen, wie du dich fühlst. Ich bin seit 7 Jahren Witwe und habe meinen Mann auch wegen eines Krebsleidens verloren. Ich bin damals - da zum Glück immer berufstätig und finanziell unabhängig - von meinen Witwenansprüchen zurückgetreten. Das war so ausgemacht, da wir beide Kinder aus unserer Erstehe hatten. Und trotzdem gab es Erbstreitigkeiten, denn seine Kinder wollten mir nicht einmal die zwei Bauernschränke und drei Bilder lassen, die mein Mann in die Ehe eingebracht hat. Alles andere , komplett eingerichtetes Haus, Grundstücke,....hat er der Erstfrau bei der Scheidung überlassen.
Es ist so, die Kinder aus Erstehe mögen den neuen Partner nicht und rächen sich dann, wenn der eigene Elternteil stirbt.
Etwas allerdings können sie dir nicht nehmen, die Erinnerung an eure gemeinsame schöne Zeit, bevor die Bitterkeit der Krankheit begonnen hat.
Du hast viel mitgemacht, aber ganz sicher kommen wieder hellere Zeiten und auch du wirst wieder lachen
können !
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07.11.2017, 17:43
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
Bibi, natürlich ist es schwer, seinen Lebenspartner zu verlieren, und dazu mein Mitgefühl.
Ich kann aber nichts Verwerfliches darin sehen, dass die Kinder ihren Pflichtteil wollen - und auch genau nachfragen, wie hoch der ist. Das steht ihnen zu - schlimm genug, wenn sie enterbt wurden.
Und wenn das Verhältnis zwischen Vater und Kindern nicht gut war - dann fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass das nur "die bösen Kinder" waren.
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07.11.2017, 22:18
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
Marta-Agata : Ja aber das kann man ganz friedlich mit mir regeln und muss nicht über den Anwalt gehen. Dass ihnen der zusteht bestreite ich nicht und ich werde ihn auch bezahlen. Kein Thema. Er hätte damals ohne mich die Wohnung verkaufen müssen und wäre verschuldet aus der Sache rausgegangen. Daher habe auch ich 17 Jahre geholfen die Wohnung zu halten und davon bekommen sie auch ihren Anteil. Nur kann man da einfach mit mir reden. Die Art und Weise finde ich schlimm. Denn ich stecke noch in der Trauer und habe vorher 6 Monate Alptraum hinter mir gehabt. Stand da mit Null Euro über vier Monate und habe trotzdem die Wohnung und alles gerettet.
Er war immer gut zu seinen Kindern und sie waren immer willkommen und Aussagen wie sie die Tochter getan hat bzw. nicht mal am Friedhof verabschieden geht nicht. Ich war längere Zeit auch krank und bekam an den Kopf geworfen "geh wieder arbeiten dann bekommen wir mehr Geschenke". Das sind Charakterzüge die mir nicht einleuchten und so war ich nie, werde ich nie und wurde so nicht erzogen.liebe Grüsse
Birgit
und die Katzenbande
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10.11.2017, 17:12
AW: Zum zweiten Mal verwitwet
wenn ich darf....
Das Leben ist einfach nicht fair.
Du als Next hattest von vornherein schlechte Karten.
Bezieh die Kommentare und das Verhalten nicht auf Dich; das ist alles das Ding der ersten Familie. Du kommst nur gerade recht als Boxsack.simplemind
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Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
George Bernhard Shaw
4.6.18



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