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    verwirrt Hochbetagt trauern....

    Hallo, ich habe überlegt ob das hier eher in den Familienstrang gehören würde,
    ich glaube aber hier ist der bessere Platz.
    Es geht um meinen Vater, wird im Herbst 87. Im April verlor er seine Frau, unsere
    Mutter, sie war zuletzt sehr gebrechlich.Es gab keinen Pflegedienst, wollten beide
    nicht, dafür eine Haushaltshilfe, die 3-4 Mal pro Woche kam bzw. kommt, angemeldet
    als Minijob. Alles andere, inkl. kochen usw machte mein Vater selber.
    Meine Mutter starb sehr plötzlich zuhause und mein Vater trauert momentan
    sehr heftig, nach fast 65 Jahren-minus ein Jahr "Entlobung", nW. Woche hätten
    sie Diam. Hochzeit gehabt.
    Nun ruft mich dauernd die H-Hilfe an,ich müsse was unternehmen, mein Vater
    sei wunderlich geworden, es ist nicht mehr verantwortbar ihn allein zu lassen,
    sie erwarte eine Entscheidung wie es weiter gehen soll, er bräuchte dringend
    Essen auf Rädern, will er nicht, besser eine 24 Stunden-Betreuerin, und er sei so
    gut wie dement.

    Ihre Indizien: er geht nur selten ans Telefon, wenn sie dort anruft, er sagt er
    geht nur dran wenn er mag, er rasiert sich nicht mehr , ist mir nicht aufgefallen,
    er isst viel zu wenig, er wird immer komischer im Verhalten, sie hat ohne ihn
    zu fragen Medikamente meiner Mutter entsorgt, die er nicht benötigt, trotz-
    dem sei "der Teufel los" gewesen. Seit dem schließt er die Schlafzimmertür ab,
    sie könne dort nicht saubermachen, auch sei er seit Wochen nicht aus dem
    Haus gegangen, die Rollos dürfen nicht ganz hochgezogen werden.
    Auch würde er immer beleidigender ihr gegenüber. Er hat sie in den gut 3 Jahren
    wo sie dort ist, einige Male "rausgeworfen"; es ging dann aber wieder gut.

    "Beleidigung":sie hat ihn gefragt welcher Wochentag ist, welches Datum....
    er hat geantwortet, wenn sie jemand Dementen sehen wolle, links hängt
    der Spiegel.... Die Frau ist Anfang 60, im Großen und Ganzen
    kamen sie ganz gut klar bisher.
    Auch würde er nur noch vorm Fernseher sitzen, mein Mann hat ihm 32 DVDs
    geschenkt, Onedin-Linie (mein Vater fuhr lange zur See) und da guckt er
    mehrere Folgen nacheinander, bei jungen Leuten nennt man das "Bing-Glotzen"
    was geht sie das an ?!
    Mein Neffe hat ihm ein smartphone geschenkt mit prepaid Karte, er kommt damit
    angeblich besser klar als ich laut meiner Tochter- er ruft nur niemanden an.
    Neulich hat er dem Pastor die Tür vor der Nase zu geschlagen, peinlich- aber
    kein Verbrechen.
    Meine Tochter war vorhin dort, mit dem kleinen Sohn, da hat er Erdbeeren
    gepflückt, die haben sie zusammen gegessen, nix: er geht nie raus.
    Er hat über den Exfreund meiner Tochter gelästert, keinen Schuß Pulver wert,
    euer Hund hatte mehr Charakter- den Erzeuger seines Urenkels- das sieht
    sie alles sehr locker, hat dann unvermittelt angefangen zu weinen, erstere Situation
    normal für meinen Vater, letztere nicht- aber ist das krankhaft, nur weil er
    alt ist !? Die Haushaltshilfe erwartet nun von mir Und meinem Bruder "Entscheidungen
    wie es weiter gehen soll"....mein Bruder, seine Frau und Tochter reisen morgen für
    eine Woche an, wohnen bei uns, sie erwartet das wir sie bald kontaktieren....
    Es wird der sozialpsychiatrische Dienst und das Seniorenbüro unserer Gemeinde
    in den Raum gestellt, falls wir nicht "reagieren"- ICH FINDE DAS FRECH !

    Meine Tante, seine 14 Jahre jüngere Schwester, sagt:. die hat 'nen Vogel! Sie
    war einige Wochen bei ihm mit im Haus- und ihr ist außer Trauer nichts
    Anormales aufgefallen- man soll ihn einfach in Ruhe lassen- das finde ich auch.
    WIE "darf" ein alter Mensch "richtig trauern"- gibt's da schon Normen ?!
    Man kommt nie zur Ruhe, wir verreisen diesen Sommer nicht wegen all dem,
    aber jetzt dreht sich das Gedankenkarussell unentwegt- ich habe das alles so
    satt- danke für's Lesen.
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  2. Inaktiver User

    AW: Hochbetagt trauern....

    Diese Frau kommt seit 3 oder 4 Jahren mehrmals die Woche zu deinen Eltern(deinem Vater ins Haus. Da ist davon auszugehen, dass sie Veränderungen WESENTLICH besser einschätzen kann als Familie, die iohn weniger sieht, oft nur übers Telefon.

    Ich würde in jedem Fall ihre Meldungen ernst nehmen und froh sein, dass da jemand ist, dem es auffällt, und der euch unterstützt in der "Überwachung" (in Ermangelung eines besseren Wortes).

    Es ist in meinen Augen wahrscheinlicher, dass IHRE Beobachtungen korrekt sind - dein Vater hat einen schweren Schlag erlitten, und es kann durchaus sein, dass er die Zeit ehe deine Mutter starb durch die Anforderungen ihrer Pflege noch gefordert war und funktioniert hat. Jetzt sind diese Anforderungen weg, und auch ein guter Teil Lebensmut.

    Menschen in diesem Alter verkraften es schon sehr schwer, wenn nur ein guter Bekannter stirbt - wieviel schlimmer, wenn es der Lebensgefährte ist, mit man Jahrzehnte verbracht hat.

    "Nur" Trauer? Trauer kann einen Menschen in diesem Alter durchaus umbringen. Deswegen würde ich die nächste Zeit mal ein etwas engeres Kontaktnetz knüpfen, familiär.

  3. User Info Menu

    AW: Hochbetagt trauern....

    Liebe hexe, ich bin vom Fach und selber über 27 Jahre als Altenpflegerin tätig gewesen,
    was Demenz angeht kenne ich mich ziemlich gut aus. Mein Vater ist definitiv nicht
    dement, das kann ich beurteilen-ich kenne ihn seit 51 Jahren und würde das sicherlich
    mit als Erste merken, bzw. auch meine Kinder,
    Mir geht es darum das er das Recht haben darf traurig und strange drauf zu sein,
    ohne das gleich ein Riesen-Bohei gemacht und das Ganze in die "kranke Ecke"
    einsortiert wird. Ich mag das Wort nicht bemühen, aber was die Frau da abzieht kann
    man als übergriffig bezeichnen- uns gegenüber und auch meinem Vater.
    Auf keinen Fall hat sie das Recht zu verlangen das er sich so benimmt wie sie es er-
    wartet, darum geht es mir.
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  4. Inaktiver User

    AW: Hochbetagt trauern....

    Na ja, dann sucht euch doch eine andere Haushaltshilfe, wenn ihr die übergriffig findet. Wenn es denn ein reines Arbeit-gegen-Geld Verhältnis sein soll, dann dürft ihr die Frau bitte auch nicht mit den emotionalen Befindlichkeiten behelligen, wenn sie das nichts angehen soll.

    Bei mir kommt eher so an, als wenn hier "Personal" auf seinen Platz verwiesen wird.

    Ich glaube, es ist nicht so einfach jemand zu finden, der zuverlässig so eine Arbeit macht unter den Umständen.

  5. Inaktiver User

    AW: Hochbetagt trauern....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich würde in jedem Fall ihre Meldungen ernst nehmen und froh sein, dass da jemand ist, dem es auffällt, und der euch unterstützt in der "Überwachung" (in Ermangelung eines besseren Wortes).

  6. Moderation

    User Info Menu

    AW: Hochbetagt trauern....

    Wie dicht ist denn die Familie an ihm dran?

    Was für ein Interesse könnte die Frau daran haben, dass "alles" geregelt wird? Dann verliert sie doch ihren Job.
    Braucht dein Vater sie denn aktuell überhaupt?
    Weißt du ob er zB einkaufen geht und ob er sich Essen macht?

    Aus der Entfernung ist dass schwer zu beurteilen.
    Einerseits ist eine heftige Trauerphase wohl völlig normal und natürlich hat man dann weniger Sinn für Rasieren und fröhliche Aktivitäten.

    Andererseits habe ich es gerade bei alten Leuten auch erlebt, dass sie sich schneller "fangen", auch wenn der Ehepartner stirbt, weil sie damit gerechnet haben und auch wertschätzen können, dass der andere nicht mehr leiden muss. Und einige die ich kenne, haben dann noch neue Sachen angefangen, wie zB bei deinem Vater vielleicht das DVD gucken.

    Aber nach nicht mal drei Monaten finde ich Phasen von Abschottung und schlechter Laune vollkommen normal.


    Ich würde mich in Ruhe mit meinem Vater hinsetzen und überlegen, was er will. Will er diese Frau weiterhin beschäftigen. Will er seine Wohnsituation verändern? Will er eine neue Haushaltshilfe?
    Hat er schon Ideen für sein weiteres Leben? Wie geht er mit der Trauer um? Wie geht er mit anderen Sachen deiner Mutter (Kleidung etc.) um?


    Ich finde es einerseits auch übergriffig von der Haushaltshilfe, irgendetwas was nicht aktuell verdirbt oder Schaden anrichten kann zu entsorgen. Auch wenn er die Medikamente nicht braucht, es steht ihr nicht zu, die ohne Nachfrage zu entsorgen.

    Ich habe so ein gewisses Bild vor meinem geistigen Auge, dass sie jetzt so ein bisschen "die Frau" im Haus sein will und ihm sagen, was er zu tun und zu lassen hat und dass sie ihn bevormunden will - das will er sich aber verständlicherweise nicht gefallen lassen.

    Aber ich weiß natürlich nicht, ob diese Bild stimmt.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    .... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/


    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  7. Moderation

    User Info Menu

    AW: Hochbetagt trauern....

    Da er sie auch als deine Mutter noch lebte schon "einige Male rausgeworfen" hat, ist es vielleicht einfach an der Zeit, dass er sich eine neue Hilfe sucht.

    Ich unterstelle, dass er sie damals immer wieder zurück genommen hat, weil er sie wegen deiner Mutter brauchte. Aber irgendwas passte ihm ja auch damals schon nicht.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    .... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/


    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  8. User Info Menu

    AW: Hochbetagt trauern....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Na ja, dann sucht euch doch eine andere Haushaltshilfe, wenn ihr die übergriffig findet. Wenn es denn ein reines Arbeit-gegen-Geld Verhältnis sein soll, dann dürft ihr die Frau bitte auch nicht mit den emotionalen Befindlichkeiten behelligen, wenn sie das nichts angehen soll.

    Bei mir kommt eher so an, als wenn hier "Personal" auf seinen Platz verwiesen wird.

    Ich glaube, es ist nicht so einfach jemand zu finden, der zuverlässig so eine Arbeit macht unter den Umständen.
    Wir behelligen die Frau doch gar nicht- sie behelligt uns andauernd, sie ist bei meinem Vater
    angestellt, das muss er entscheiden, nicht wir.d
    Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
    kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
    wir waren

    Aharon Appelfeld

  9. Inaktiver User

    AW: Hochbetagt trauern....

    Ich lese da, dass sich die Haushaltshilfe überfordert fühlt und an dich appelliert, sich um den Vater zu kümmern. Ohne die Umstände beurteilen zu können, finde ich das erst einmal besser als wenn sie gleichgültig den Boden schrubben würde.

    Sie ist, wenn ich das richtig verstanden habe, keine Pflegefachkraft und ordnet Dinge, die sie beobachtet, anders ein als du.

    Das würde ich ernst nehmen, egal wie es um deinen Vater tatsächlich steht.

    Warum bist du denn so genervt?

  10. Inaktiver User

    AW: Hochbetagt trauern....

    Zitat Zitat von gezeitenfrau Beitrag anzeigen
    Wir behelligen die Frau doch gar nicht- sie behelligt uns andauernd, sie ist bei meinem Vater
    angestellt, das muss er entscheiden, nicht wir.d
    Na, dann verweise sie doch an deinen Vater und gut ist.

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