+ Antworten
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 24

  1. Registriert seit
    26.02.2012
    Beiträge
    48

    Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Hallo,


    vor 2 Wochen ist meine Mutter (80J.) verstorben. Ich bin 45 J.

    Sie war sehr lebenslustig und relativ gesund.
    Dann der Sturz.....Diagnose Oberschenkelhalsbruch.
    Nach 5 Wochen KH-Aufenthalt starb sie an einer Lungenembolie.
    Nach einigen OPs , wegen Dekubitus, (offen wundgelegene Stellen), wollte sie auch nicht mehr. Es wären noch einige OPs gefolg, dann Geriatrie usw. Sie wäre ein Pflegefall geworden, das ist amtlich.

    AmKrankenbett hab ich ihr gesagt, sie darf gehen, wenn sie will.
    Das fiel mir sehr schwer, aber ich tat es aus Liebe zu ihr.

    Seit gut 20 Jahren wohne ich weiter weg und sah sie nicht allzu oft, wegen der Entfernung.
    Aber wir hatten immer ein sehr inniges Verhältnis.....und sie fehlt mir. Wir hatten feste Zeiten zum telefonieren usw..

    Trotz der Trauer überwiegt die Freude daran , das dieser Leidensweg meiner Mutter doch recht kurz war und ihr der weitere Leidensweg erspart geblieben ist.

    Ich weiß, sie ist im Himmel und es geht ihr gut. keine Schmerzen, kein leid , keine Qual. Sie ist erlöst.
    Sie ist nun wieder mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zusammen.
    An deren Verlust sie sehr zu knabbern hatte.

    Bin ich jetzt unnormal , oder kalt , wenn ich mich doch für SIE freue,
    anstatt MEINEN Verlust zu beweinen ?

    Ist diese Einstellung wirklich nicht normal ?

    LG Lillekille

  2. Avatar von Renate-Alice
    Registriert seit
    28.12.2013
    Beiträge
    2.883

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Lillekille:
    Bin ich jetzt unnormal , oder kalt , wenn ich mich doch für SIE freue,
    anstatt MEINEN Verlust zu beweinen ?
    NEIN, ganz sicher nicht!
    Bei meiner Mutter war es anfangs wie bei deiner! Sie war zwar schon 84 und lebte in einem Seniorenheim, aber sie war noch flott unterwegs und an allem interessiert. Dann Sturz, Oberschenkelhalsbruch, OP....Schlaganfall und ins Leben zurückgeholt. Die Ärzte prophezeiten mir ihr Sterben in den nächsten drei Wochen. Sie starb nicht, aber als sie merkte, dass sie halbseitig gelähmt war und nie mehr in ihr früheres Leben zurückkehren konnte, wollte sie nicht mehr. Sie lehnte alles ab, was ihr vielleicht helfen hätte können, Physiotherapie, Logopädie,...weil sie sterben wollte. Das konnte sie damals noch äußern- aber was hätte ich tun sollen? So musste sie fünf Jahre als Pflegefall, nicht mehr fähig, zu sprechen, mit immer wiederkehrenden Schmerzen und Spitalsaufenthalten leiden, bevor sie gehen konnte.
    DAS alles hat sich deine Mutter erspart. Und dir das Mitleiden, das ein fürchterliches ist!
    Nein, deine Einstellung ist vollkommen richtig und beweist, wie sehr du deine Mutter geliebt und geachtet hast!

  3. Moderation Avatar von Promethea71
    Registriert seit
    11.09.2004
    Beiträge
    16.392

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Ich finde deine Reaktion völlig normal.

    Ich war nach dem Tod meiner Großmutter auch froh, das sie es überstanden hatte und ihr schlimmeres erspart blieb.
    Und ich nehme mal an, du warst die letzten Wochen auch sehr mit Bürokratie und Abwicklung beschäftigt, ich kann mir gut vorstellen, dass du noch nicht die Zeit und Muße hattest zu trauern - also DEINEN Verlust zu betrauern und ich könnte mir vorstellen, dass das noch kommt.


    Und ja man kann gleichzeitig für den Verstorbenen froh und glücklich sein, dass er nicht leiden musste sondern leicht gehen konnte und gleichzeitig (oder eben mit Verzögerung) den eigenen Verlust betrauern.

    Mir ging es lange so, dass ich bei allen möglichen Ereignissen dachte "ach, das musst du nachher Oma erzählen, das wird sie amüsieren" und dann kam die Erkenntnis, dass sie nicht mehr ist.

    Sie war in meinem Leben sehr wichtig und auch sehr präsent und was ich am meisten vermisse ist, dass es nie wieder einen Menschen in meinem Leben gibt, der mich so gut und so lange kennt - das ist unwiederbringlich vergangen und darüber bin ich traurig.

    Trotzdem bin ich im gleichen Moment froh, dass sie nicht noch mehr leiden musste und es gab keine Alternative zu ihrem Tod, denn es hätte nicht mehr besser werden können, sondern nur noch schlimmer und das hätte ich ihr auf keinen Fall gewünscht, im Gegenteil, ich hätte ihr gewünscht, dass sie so frühzeitig hätte gehen können wie deinen Mutter.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"


  4. Registriert seit
    27.06.2014
    Beiträge
    287

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Ich sehe das ähnlich. Man darf sich auch darüber freuen, wenn jemand das Sterben geschafft hat.
    Es werden immer wieder Momente kommen, wo Du bedauerst, dass sie nicht mehr lebt. Dass Du jetzt nicht tief traurig bist, ist ein Zeichen, dass Ihr Euch gegenseitig gut respektiert habt, und ihr euch gegenseitig schon zeitig loslassen konntet.

    Auch bei meiner Mutter, die etwa ein Dreivierteljahr Pflege brauchte, hatte ich nie das Gefühl, dass sie zu früh gehen musste. Es war eher Erleichterung, dass Tod und Abschied endlich überstanden sind.
    Mit meinen Geschwistern war ich mir einig, dass wir den größten Teil der Trauerarbeit schon während der Pflegezeit geleistet haben. Da war genug Zeit, sich Sorgen zu machen und Abschied zu nehmen. Dass Du Dich jetzt erleichtert fühlst, braucht Dir kein schlechtes Gewissen zu machen.

  5. Avatar von brighid
    Registriert seit
    16.12.2007
    Beiträge
    60.822

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Zitat Zitat von Lillekille Beitrag anzeigen


    Ist diese Einstellung wirklich nicht normal ?

    LG Lillekille
    ich finde diese einstellung völlig normal. du hast sie in liebe losgelassen.

    das kann nicht jeder.


    meine hochachtung vor deiner menschlichen größe!! chapeau
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  6. Registriert seit
    23.11.2012
    Beiträge
    1.133

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Das ehrt dich, dass du zuerst mal daran denkst, dass deine Mutter nun erlöst ist. Natürlich bist du traurig und sie wird dir immer mal wieder fehlen. Aber du hast etwas verstanden, was heute in unserer modernen Medizin oft vergessen wird:
    Wir dürfen auch sterben und für einige von uns (vorallem sehr alte Menschen ohne Aussicht auf Besserung) ist das auch die bessere Alternative.
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)


  7. Registriert seit
    15.11.2013
    Beiträge
    7.511

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Das Leben deiner Mutter wäre eine Qual geworden und sie wollte nicht mehr. Da würde ich mich auch für sie freuen, dass ihr Wunsch nach einem schnelleren Sterben erfüllt worden ist. Das hat überhaupt nichts mit herzlos zu tun.

    Viele Menschen können einfach nicht mit dem Tod umgehen und wollen die Betroffenen möglichst lange im Leben behalten, egal wie qualvoll das wird und egal wie die Betroffenen selbst darüber denken. Manch einer würde es in Kauf nehmen den Betroffenen länger leiden zu lassen, nur um nicht mit dem Tod konfrontiert zu werden.

    bringt aber letztendlich nichts. Für mich gehört der Tod zum Leben dazu. Es ist ein antürlicher Vorgang, den wir akzeptieren müssen.
    - == Manches beginnt groß, manches klein, und manchmal ist das Kleinste das Größte == -


  8. Registriert seit
    26.02.2012
    Beiträge
    48

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Hallo ,

    vielen Dank für Eure ehrlichen Meinungen.
    Eure Antworten haben mich sehr gerührt und mich sehr sehr beruhigt.

    Ja, ich habe meine Mutter sehr geliebt....und liebe sie auch weiterhin.

    An dem Tag an dem meine Mutter starb , da war ich nicht gut drauf.
    Mir war sehr weinerlich zu Mute, was sonst nicht meine Art ist.

    Im Nachhinein weiß ich jetzt warum ich so weinerlich war.
    Ich habe gespürt das meine Mutter geht.

    Und dieses Band , zwischen ihr und mir, das kann uns keiner mehr nehmen.

    Auch heute hab ich immer noch das Gefühl sie stände hinter mir.

    LG Lillekille

  9. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
    Registriert seit
    01.04.2010
    Beiträge
    22.129

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Mir ging es so ähnlich, als mein Stiefvater mit 83 Jahren starb, und ich habe mich auch gefragt, ob das "normal" ist, es dann aber irgendwann so hingenommen, weil es da kein richtig oder falsch gibt ... Es heißt ja nicht, dass man den Menschen nicht geliebt hat und dass er einem nicht fehlt.

    Er wäre wohl auch im Überlebensfall schwer pflegebedürftig gewesen, etwas, das für ihn ein riesengroßer Horror gewesen wäre, und meine Mutter hätte eine solche Situation nervlich schlecht "gepackt". So traurig es war, Abschied nehmen zu müssen, hatte ich aber doch unterm Strich das Gefühl, dass es für alle Beteiligten gut so war, zumal wir in bis zum Ende begleiten konnten und auch dabei waren, als er ging - kurz nachdem meine Mutter zu ihm gesagt hatte "Du darfst gehen, wenn du willst".

    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

  10. Avatar von Hillie
    Registriert seit
    16.06.2004
    Beiträge
    31.529

    AW: Mutter verstorben ...und mir geht es gut ??????

    Du musst dir keine Vorwürfe machen. Mir erging es ebenso. Wir haben meine Mutter (90 Jahre alt) die letzten Wochen bei uns zu Hause gepflegt. Ich habe sie gehen lassen, als sie von sich aus sagte, dass sie nicht mehr wolle. Wir haben Abschied genommen und sie ist in Frieden eingeschlafen. Natürlich war die Trauer da, aber es war eine ruhige, stille Trauer. Das ist jetzt über 13 Jahre her. Ich denke immer wieder an meine Mutter und bin froh, dass ihr Lebensende so ausgesehen hat und ihr Leid und Pflegeheim erspart geblieben ist.
    Niemand ist mit einem Etikett um den Hals auf die Welt gekommen, auf dem steht "Mensch erster Qualität" oder "Mensch zweiter Qualität". Die Etiketten haben wir Menschen erfunden.
    Anita Lasker-Wallfisch (geb. 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz



+ Antworten
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •