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  1. Inaktiver User

    AW: Wer hat schon mal eine Leiche gefunden?

    @Chillamilka,

    ich finde es respektlos, Polizisten als Bullen zu bezeichnen.

  2. User Info Menu

    AW: Wer hat schon mal eine Leiche gefunden?

    Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich Hausbesuche bei Kunden mache, diese Kunden werden von Krankenhäusern, Hausärzten etc. gemeldet, damit wir sie beraten, beliefern und schulen. (Medizintechnik)

    Ein neuer Patient, Herr X, wurde angemeldet, Versorgung war natürlich SOFORT notwendig. Ich telefonierte mit dem Kunden, machte einen Termin in 1,5 Stunden mit ihm aus, setzte mich ins Auto und fuhr gleich los, da Herr X in 2,5 h wieder los musste, um zur Behandlung in die Klinik gefahren zu werden.

    Auf mein wiederholtes Klingeln reagierte niemand. Erneute Anrufe blieben ebenfalls unbeantwortet. Ich hatte bei der Meldung des Kunden noch die Telefonnummer eines Angehörigen bekommen, dieser lebte im Nachbarhaus. Ich zog ihn zu Rate, wir vermuteten Herrn X bei einem schnellen Einkauf im Geschäft um die Ecke und warteten.

    Als später noch der Taxifahrer klingelte und nach Herrn X fragte, den er zur Klinik bringen sollte, fragte ich, ob denn der Angehörige einen Schlüssel für die Wohnung habe. Hatte er. Herrn X fanden wir dann auf der Couch liegend vor. Kein Lebenszeichen. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

    Vorher hatte ich noch nie einen Toten gesehen. Es hat mich noch einige Tage beschäftigt, leider hatte ich in der ersten Zeit nicht wirklich einen Ansprechpartner um darüber zu sprechen.
    Schlimm fand ich, dass ich wohl die letzte Person war, mit der er gesprochen hat.
    Dass er sehr krank war und der Tod vielleicht eine Erlösung für ihn darstellte, nehme ich als tröstlich wahr.

    Mittlerweile denke ich nur noch selten daran - jetzt seit Monaten erst wieder als ich die Threadüberschrift las.

    Ich wünsche JEDEM, der so etwas erlebt einen zuhörenden, zugewandten Gesprächspartner - sofern gewünscht.


  3. Inaktiver User

    AW: Wer hat schon mal eine Leiche gefunden?

    Als junge Frau war ich Zeugin eines Verkehrsunfalls, bei dem ein Mann ums Leben kam.

    Ich kniete neben ihm und sah wie er starb.
    Wie verhält man sich da?
    Ich hielt ihn am Oberkörper, berührte ihn an der Wange, redete mit ihm, wobei ich ja nicht wusste, ob er mich überhaupt hören konnte.

    Außer dem Straßenbahnfahrer, der wohl die Polizei informierte war weit und breit niemand da.

    Am nächsten Tag rief ich bei der Polizei an und sie sagten mir, dass er im Krankenwagen schon tot war.

    Auch bei mir war es so, dass ich die letzte war die mit ihm gesprochen hatte. Das war zwar einerseits belastend aber ich hoffte, dass er meine Worte und Berührungen noch gespürt hat.
    Ich denke heute noch nach Jahrzehnten manchmal daran.
    Damals bei der Unfallaufnahme fragten die übrigens sehr freundlichen Beamten, ob alles in Ordnung sei.
    Heute gäbe es wahrscheinlich die Möglichkeit mit jemand ,z.B. einem Seelsorger zu sprechen.

    So habe ich im Privaten immer wieder davon erzählt, sehr oft geträumt, aber irgendwann war es gut.

  4. User Info Menu

    AW: Wer hat schon mal eine Leiche gefunden?

    Hallo!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich kniete neben ihm und sah wie er starb.
    Wie verhält man sich da?
    Ich hielt ihn am Oberkörper, berührte ihn an der Wange, redete mit ihm, wobei ich ja nicht wusste, ob er mich überhaupt hören konnte. (...)

    Am nächsten Tag rief ich bei der Polizei an und sie sagten mir, dass er im Krankenwagen schon tot war.

    Auch bei mir war es so, dass ich die letzte war die mit ihm gesprochen hatte. Das war zwar einerseits belastend aber ich hoffte, dass er meine Worte und Berührungen noch gespürt hat.
    Sei sicher, dass er das noch gemerkt hat.
    Man ist sich heute relativ sicher, dass das Gehoer als letztes versagt - und auch sanfte Beruehrungen sind sicher nicht nachteilig.

    Dein Erlebnis erinnert mich an eine Schilderung meines Vaters vor ein paar Jahren.
    Er war im Winter mit meinem Paten zum Sonntags-Spaziergang aufgebrochen.
    Als er zurueckkehrte, schilderte er das Erlebte.
    Sie waren einem Jogger begegnet, der ein, zwei Schritte, nachdem er sie passiert hatte, zusammengebrochen war. Sie hatten sofort mit der Wiederbelebung begonnen, ihm einen Mantel untergelegt und ihn mit dem anderen zugedeckt. Zwei Mountainbike-Fahrer kamen wenige Augenblicke spaeter vorbei, einer davon war Arzt.
    Mein Vater lief um Hilfe (kein Mobil-Empfang) und wies den Krankenwagen am Waldweg ein (die muessen ja auch wissen, wo sie in den Wald sollen, gibt ja keine Hausnummern) - zu spaet.

    Waehrend er das einmal erzaehlte und es damit abgehakt war (sein Motto ist: "Selig ist, wer vergisst, was nicht mehr zu aendern ist!") hat es meinen Paten lange Zeit nicht losgelassen - und er hat seinen neuen Mantel, den er an dem Tag das erste Mal trug, trotz Reinigung nicht mehr anziehen wollen ("Da ist doch einer drin gestorben!")
    So unterschiedlich reagieren Menschen auf die gleiche Situation.

    Ich selbst habe zwar zweimal Menschen im Moment ihres Sterbens begleitet (und ein paar weitere allgemein in der Sterbephase (Hospiz)), aber noch keinen Toten gefunden. Moege es so bleiben.

    Gruss von

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  5. User Info Menu

    AW: Wer hat schon mal eine Leiche gefunden?

    Hallo!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    @Chillamilka,
    ich finde es respektlos, Polizisten als Bullen zu bezeichnen.
    Sie hat doch nur ihren spontanen Gedanken niedergeschrieben, der ihr damals durch den Kopf schoss.
    Das ist doch keine Abwertung - zumal sich auch viele mir bekannte Polizisten selbst als Bullen bezeichnen.
    Abwertend wird es erst duch den Kontext - und hier ist keine Herabwuerdigung zu sehen.

    Gruss

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