Hallo,
ich brauche Euren Rat. Vor ein paar Wochen Anfang Dezember ist meine Mama ganz plötzlich und unerwartet gestorben. Sie ist einfach nicht mehr aufgewacht und lag schlafend da, als mein Vater sie fand. Die Ärzte gehen von einem plötzlichen Herztod aus. Sie wurde nur 59 Jahre alt.
Ende Oktober habe ich meinen Mann geheiratet, da war noch alles gut und wir waren so glücklich. Im April kommt - wenn alles gut geht - unser Baby und meine Mama war schon jetzt die stolzeste Oma, die es nur geben kann. Es war einfach alles perfekt. Und jetzt ist sie weg und sie kommt nicht wieder. Ich weiß einfach nicht mehr weiter und habe das Gefühl unter den ganzen schrecklichen Gefühlen zu zerbrechen. Ich bin nur froh meinen Mann zu haben, der sich wirklich gut um meinen Papa und mich kümmert.
Zwischendurch kommen bei mir immer wieder Gefühle hoch, dass ich mein Kind nicht ohne meine Mama will. Im selben Moment gebe ich mir selbst in Gedanken eine Ohrfeige, weil der kleine Krümel ja gar nichts dafür kann und eigentlich freuen wir uns ja auch auf ihn. Aber es ist so schwer. Es ist mein erstes Kind und meine Mama, die mir so unendlich viel bedeutet hat und die sich so wahnsinnig gefreut hat, wird es nicht kennenlernen. Ich hab ihr viel zu selten gesagt, wie lieb ich sie hab.
Dann geht es meinem Papa verständlicherweise sehr schlecht. Ich hab ihn quasi noch nie weinen sehen und jetzt sehe ich wie unfassbar schlecht es ihm geht und habe Angst, dass die Trauer immer bleibt. Ich mache mir große Sorgen um ihn. Meine Eltern waren immer am liebsten zu zweit zusammen und hatten zwar einige Bekannte aber jetzt niemandem, mit dem man abends einfach mal was trinkt oder so. Mein Papa arbeitet und hier findet er auch Ablenkung. Aber morgens und abends ist er in einem großen leeren Haus allein. Seit dem Tod sind mein Mann und ich jeden Abend bei ihm und essen zusammen und gucken Fernsehen (wir wohnen zum Glück nur ein paar Minuten entfernt). Das tut uns allen sehr gut und das werden wir auch erst mal weiterführen. Aber das ist nicht der Lebenssinn, den mein Papa will und braucht - denke ich zumindest. Und wenn nächstes Jahr das Baby kommt, weiß ich nicht, wie ich 100% für ihn da sein kann. Er ist meine Prio 1 aber mit allem anderen dazu fühle ich mich manchmal verzweifelt und überfordert.
Einer Trauergruppe o.ä. möchte er sich nicht anschließen, was ich auch irgendwie verstehen kann. Alle anderen Bekannten sind alle noch verheiratet oder haben Hobbies ohne Ende und die Verwandten wohnen gerade weit genug weg, um nicht mal eben zwischendurch hinzufahren.
Ich wäre dankbar über jeden Rat, wie ich mit dem Leben weitermachen und meinem Papa helfen kann. Ich habe unendlich Angst, dass ihm etwas passiert oder er nie mehr glücklich wird. Im Moment hasse ich dieses Leben so sehr. Es fühlt sich unglaublich ungerecht an.
Danke schon mal.
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Ergebnis 1 bis 6 von 6
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18.12.2015, 07:52
Mama verloren - was soll ich jetzt nur machen
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18.12.2015, 08:27
AW: Mama verloren - was soll ich jetzt nur machen
Oh je, das tut mir so unendlich leid für dich, deinem Vater und deinem Krümel, der ja seine Oma nie kennenlernen wird.
Einen Rat, wie alles besser wird kann man dir nicht geben. Du und dein Vater ihr trauert um einen lieben Menschen, den ihr nun vermisst.
Ich kann dir nur sagen, dass du glücklich dankbar sein darfst einen Menschen an deiner Seite gehabt zu haben, den du so lieben und wertschätzen konntest. Dadurch wird deine Mama immer in deinen Herzen sein und alles das, was sie dir gutes mit auf den Weg gegeben hat, kannst du nun an deinen Krümel weiter geben - welch großes Geschenk.
Ich kann dir keinen Rat geben außer dem, dass es gut ist, dass ihr so traurig seit. Und glücklich werdet ihr bestimmt wieder. Aber jetzt noch nicht, jetzt liegt das Glück gerade in weiter Ferne. Jetzt müsst ihr auch neu orientieren und sortieren,- den Verlust verarbeiten. Diese Ungerechtigkeit. Die Lücke. Das braucht Zeit.
Ich konnte mir immer gut vorstellen, dass mein Vater, den ich sehr früh verloren habe, mich und meinen Sohn beschützt. Er- mein Vater- war somit nicht weg, sonder weiterhin da, und zwar als Schutzengel.Geändert von FrauDorothea (18.12.2015 um 08:32 Uhr)
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18.12.2015, 10:11
AW: Mama verloren - was soll ich jetzt nur machen
Hallo Sinabinatina,
zuerst mal möchte ich dir sagen:Nicht gestorben, sondern nur vorausgegangen!
Das nimmt in der Regel etwas Schwere von Dir und kann helfen das du es aus einer andern Sicht siehst, die sich leichter anfühlt.
Es tut mir sehr leid für Dich, das dies in deiner Schwangerschaft geschehen ist. Deine Gefühle allesamt kann ich sehr gut nachvollziehen und erfassen. Die Welt erscheint dir jetzt ungerecht. die Belastung zu groß. Du fühlst dich allein gelassen und beraubt, der überfreudigen Zeit, während du und alle anderen sich auf den neuen Erdenbürger freuen. Auch wenn ich diese Zusammenhänge kenne ist es schwer die richtigen Worte zu finden, vor allem online, da ich Dich nicht persönlich kenne. Doch vielleicht nutzt dir ein bischen etwas aus meiner Erfahrung.
Trauerschmerz hat seinen eigenen Weg. Und man kann niemals vorab sagen wie lange es dauert, und es ist auch von allen anderen Lebensumständen unabhängig. Der Schmerz der dich jetzt tief verletzt und getroffen hat, dir seine Freude raubt und dreinen gewöhnlichen Alltag, legt sich wie ein Grauschleicher oftmals über das gesamte Leben. Man hat das Gefühl, man kommt da nicht mehr raus. Doch da habe ich gute Nachrichten. Man kommt da raus, auch wenn man es sich das gar nicht vorstellen kann. Noch besser ist, selbst etwas dafür zu tun. WAs du dafür tun kannst, ist folgendes:
Ein Wechselspiel zwischen Verdrängen und Akzeptieren das solltest du dir nach dem all das noch so frisch ist auf jeden Fall erlauben.
Und doch auch wenn es schwer fällt den Alltag leben. Deiner Trauer solltest du wenn dir danach ist auch Ausdruck verleihen.
Das erleichtert immer wieder. Wer nicht richtig trauert und es nur verdrängt, bildet einen inneren Trauersee. Der wird nie verschwinden und sich auch evtl. nach Jahrzehnten erst Bahn brechen wird.
Deshalb wäre gut, wenn du lernst jetzt intensiv auf dich selbst zu achten und die gegenwärtige Trauer in deinem Leben zu leben. (Natürlich so wie es auch deinem Alltag zuträglich ist.)
Ganz toll wäre wenn du spürst das es dir gerade mal etwas besser geht, dich mit deinem Ungeborenen zu beschäftigen und zu versuchen die Freude zurückzugewinnen.
Nicht zwanghaft, aber schon. (z.B. mit Babysachen einkaufen, etc)
Versuche deinen Geist darauf zu trainieren, das die Freude auf dein Kind das du bald in Händen haben wirst, wieder zu dir kommt und auch bei dir bleibt. Das redet sich leicht, wirst du vielleicht denken. Und ja ich gebe dir Recht, es ist nicht einfach, aber möglich.
Kurz gesagt: Versuche die Situationen erst mal wieder von einander zu trennen. Dein kommendes Kind und der Verlust deiner Mutter. Das wird es dir erleichtern, die Freude auf das Kind wiederzubekommen. Und das ist wirklich wichtig!
Vor allem wird es dich und dein Kind beruhigen. Die Beachtung hat das Kind auch verdient und Du, auch deien Mann und der Opa die Freude.
So lernt man nicht nur einem großen Gefühl wie der Trauer die einen einfach übermannt, im momentanen Leben Platz zu geben. Sondern auch die anderen Gefühle noch zu beachten. Gib Ihnen DU den Raum und die Zeit, das ist erlaubt und hat nichts mit "vergessen" deiner Mama zu tun.
Es ist natürlich, das du dich auch um deinen Vater sorgst, doch deine Sorge schwingt hier auch mit, das du das später nicht mehr schaffen kannst.
Ja, genau.
Deshalb wäre es schon sehr gut und richtig, das er die Leere die er jetzt empfindet, etwas zu füllen, in dem er sich aktiv mit dem Thema beschäftigt, als nur in der Trauer zu versinken.
Das heißt : Trauerseminare besuchen, gute Trauerbücher lesen und ja auch einer Gruppe anschliessen, wo man auf Leute trifft, die sehr wohl, viel zur Verarbeitung der eigenen Trauer beitragen können, durch Ihre eigenen Erlebnisse.
Dort wird man auch nicht nur ältere Menschen finden, Nein auch viele junge Leute haben so ein Schicksal und diese wen sich öffnen kann das sehr hilfreich sein.
Bevor man das allerdings los legt, sollte man sich schon ein bischen informiert, bzw. belesen haben. Also ich meine nicht gleich Wälzer an Büchern, sondern kleine überschaubare Schriften, Broschüren die man gern anguckt. Öfters lesen kann.
(Bring deinem Papa vielleicht mal eine hilfreiche Lektüre mit oder lese sie ihm zuerst vor und lasse sie ihm dann da) um das Interesse zu wecken.
Zum Schluss noch ein Buchtipp: Ich begleite Dich durch Deine Trauer, Jorgos Canakakies.
Ist nur ein dünnes kleines Büchlein. Nicht überfordernd. Doch der Autor spricht mir Dir als wäre er im Raum anwesend. Er gibt viel Tipps und holt dich wirklich ab da wo du bist. Mir hat das sehr geholfen. Ich gebe es nicht her, weil ich so gelernt habe wie es geht, Trauer leben zu lassen. Wenn sie das darf, geht sie nämlich weg und dann ist auch mal wieder Platz für andere Gefühle.
Beste Grüsse AkasiaGeändert von akasia (18.12.2015 um 10:20 Uhr)
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18.12.2015, 10:28Inaktiver User
AW: Mama verloren - was soll ich jetzt nur machen
Sei erst einmal ganz lieb gedrückt. Ich kann gut verstehen, dass es Dich total aus der Bahn wirft.
Und es wird sicherlich Zeit brauchen, bevor Ihr alle damit einigermaßen umgehen könnt. Ganz wird es nie verschwinden.
Ich kann Dir nur schildern, wie es mir (bald 56) ging, als ich Oma wurde. Es war ein großartiges Gefühl. Einem wird auf einmal bewußt, dass man Spuren auf der Welt hinterlässt. Dass man nicht gehen wird, ohne dass etwas von einem zurück bleibt.
Dieses Gefühl hatte Deine Mama sicherlich auch. Es ist etwas ganz anderes, als "nur" Mutter zu werden. Oma ist weitumfassender.
Vielleicht hilft es Dir ein ganz, ganz klein wenig, dass Du gerade dafür sorgst, dass sie Spuren hinterlässt.
Dein Krümel wird viel von ihr in sich tragen.
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19.12.2015, 14:14
AW: Mama verloren - was soll ich jetzt nur machen
Liebe Sina,
deine Mama ist verstorben. Plötzlich, schnell. Ihr konntet euch nicht einstellen darauf. Das ist erstmal ein Schock, ein Riesenschock. Aber - und ich sage dir das vor dem Hintergrund, dass meine eigenen Eltern gestorben sind, als ich 4 war und meine Großeltern, bei denen ich aufwuchs, als ich 17 war: Deine Mutter musste nicht jahrelang qualvoll an Schläuchen und Maschinen vor sich hinvegetieren. Glaube mir, so vielen geht es so...
Deine Mama hat einen schnellen, gnädigen Tod gefunden. Sie durfte einschlafen.
Verdammt JA, viel zu früh! Meine Mama starb, da war sie 40...
Nun hast du dieses Jahr ein schier unfassbares "Programm": Deinen Mann im Oktober geheiratet, im April kommt euer erstes Kind. Soviel Schönes, aber das Tempo ist unfassbar schnell. Da dies wegweisende Dinge sind, die auch Anstrengungen mit sich bringen.
Jetzt fällt in eine Zeit des Glücks, in eine Zeit, in der du fruchtbar und aufgeblüht mit Baby im Bauch durch den Winter streunerst, der Tod der Mutter hinzu. Wie soll man Tod und Leben gleichzeitig verdauen? Es geht nicht, Liebes, es geht nicht.
Mit Sicherheit sitzt deine kleine Mami jetzt auf Wolke 7, da oben im blauen Himmel. Und lässt ihre Beine baumeln. Und guckt auf ihre kleine Sina hinunter: Mit Sicherheit hätte sie gewollt, dass es dir gut geht in deiner Schwangerschaft. Was ich dir sagen will: Dein Baby ist jetzt deine Aufgabe. Du wirst selbst Mama. Das steht jetzt über allem und jedem: Die kleine Frucht in deinem Bauch.
Dein Papa ist jetzt traurig, ja. Aber es ist sicher nicht DEINE Aufgabe, ihn zu trösten! Er ist ein starker, erwachsener Mann, der sich um sich selbst zu kümmern vermag. Du bist jetzt konzentriert auf dein Baby. Dein Vater wird - nach einer Zeit der Trauer und Stille - auch mit der Geburt deines Kindes GROSSVATER! Was meinst du, wie ihn das glücklich machen wird!
Also...bemühe dich, nicht allzu sehr den Fokus auf deinen Papa zu lenken. Der wird gut klarkommen.
Ein Tipp: Lade deine Mama mal die Tage zu dir ein. Verbringe einen Tag mit ihr! Stehe auf, mach ihr ein Frühstück. Trink eine schöne Tasse Kaffee mit ihr, geht mit ihr in der Winterluft spazieren und backe mit ihr Plätzchen! Und wenn der Tag zuende ist, hattet ihr einen schönen Tag - und sie darf wieder gehen.
Ach und: Lies ein bischen was in der Bibel. Im neuen Testament. Oder die Psalme. Jesus tut jetzt gut, glaube es mir.
Sei lieb gegrüßt und umarmt,
Deine Blue
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03.01.2016, 18:45
AW: Mama verloren - was soll ich jetzt nur machen
Es tut mir sehr leid dass deine Mama gestorben ist.
Mein Papa starb im Juni. Er wurde auch 59 Jahre.
Es gibt keine Worte, die wirklich helfen. Ich fand einfach alles nur noch sch... und der Alltag hat mir mit 3 Kindern keine Pause gegönnt.
Es dauert einfach lange das zu verarbeiten und es wird immer Situationen geben, die weh tun. Du hast eine tolle Familie und zusammen werdet ihr auch damit klar kommen. Deine Mama ist in deinem Herzen immer bei dir... und dein Baby ist ein tolles Geschenk...


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