Hallo,
vor 2 Wochen ist mein Papa mit 59 Jahren an Krebs gestorben. Die Zeit bis zu seinem Tod war schon schlimm. Auch wenn es abzusehen war, kam es dann doch plötzlich und es ist auf einmal endgültig.
Ich bin weiter arbeiten gegangen um mich wenigstens ein bißchen abzulenken, aber sobald ich alleine war, kamen die Tränen. Auch bei meinem Freund hatte ich mich eigentlich gut aufgehoben gefühlt. Da er an dem Wochenende seine Kinder hatte und meine bei ihrem Papa waren, war ich dann bei meinem Freund. Er hatte für den Sonntag seine Mutter, Oma und den Bruder zum Kaffee eingeladen. Ich hatte ihm gesagt, wenn die kommen, dann gehe ich. Ich hätte keine Lust gefragt zu werden, wie es mir geht oder was es neues gibt. Er wusste aber auch, dass ich nicht alleine sein wollte. Aber anscheinend hat er es erst so wirklich verstanden, als ich heulend gefahren bin. Ich hatte irgendwie darauf gehofft, dass er auf die Idee kommt es abzusagen. Er wusste, wie schlecht es mir da ging. Es war gerade mal 3 Tage her, dass mein Papa gestorben ist. Ich war dabei und habe ständig die Bilder vor Augen.
Ich war ziemlich enttäuscht von meinem Freund und er meinte ich hätte Recht und hat sich entschuldigt. Aber ich blocke seit dem total. Obwohl ich es eigentlich garnicht will. Erwarte ich zu viel von ihm?
Seit dem Sonntag habe ich mich total zurückgezogen und eingeigelt. Fühle mich wie betäubt und kann auch nicht mehr richtig weinen. Als wäre ich einfach leer.
Ich fühle mich nur noch unverstanden. Überall geht der Alltag weiter... Als wäre alles beim Alten. Meine 3 Kids verstehen das ja auch nicht und wollen, dass ich funktioniere... Da ich Alleinerziehend bin, muss ich auch funktionieren. Auf der Arbei funktioniere ich auch... Glaube, die tut mir sogar gut.
Im Moment habe ich alles verdrängt, bin streitlustig und gereizt. Habe aber Angst, dass irgendwann alles auf einmal hoch kommt...
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 18
-
10.07.2015, 23:46
Papa gestorben... bin sehr launisch
-
14.07.2015, 06:43
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Hallo Mama3
Mein herzliches Beileid zu dem Verlust deines Vaters
Du bist zur Zeit in einer Ausnahmesituation und da lädst du dir einfach zuviel auf.
Das (volle?) arbeiten neben 3 Kindern ist einfach zuviel.
Trauerarbeit braucht Zeit und auch Raum.
Deine Angehörigen wissen einfach nicht, wie sie mit dir umgehen sollen/können /dürfen.
Einerseits brauchst du Ablenkung, andererseits Ruhe.
Vielleicht wäre ein Besuch bei deinem Hausarzt eine Idee?simplemind
_____________________________________
Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
George Bernhard Shaw
4.6.18

-
14.07.2015, 06:58
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Mein Vater ist auch vor 18 Monaten gestorben, ich war auch bis zum Schluss bei ihm. Nach 1 Woche bin ich wieder arbeiten gegangen, es hat mir gutgetan. Was deinen Freund angeht, warum hast du nicht klar geäussert, dass du nicht möchtest dass er die Verwandtschaft einlädt. Klare Ansagen sind wichtig. Dass du derzeit neben dir stehst ist das normalste von der Welt und es wird auch noch lange dauern bis du diesen Verlust einigermaßen verarbeitet hast. Lass dir alle Zeit der Welt. Deine Gereiztheit solltest du aber nicht an den anderen auslassen. Sag einfach wie du dich derzeit fühlst und dass du deshalb so reagierst.
Mir kommen heute noch, nach 1,5 Jahren, immer mal wieder die Tränen in die Augen wenn ich an Papa denke. Er war ein wunderbarer Mensch und starb auch an Krebs.
-
22.07.2015, 22:08
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Danke für eure Antworten.
Ja, es ist wirklich viel, aber das einzige, was der Hausarzt machen könnte, wäre mich krank zu schreiben. Und die Arbeit tut mir eigentlich gut. Ich kann auch mit meinen Kollegen gut reden...
Und der Rest ist eben Alltag. Das muss einfach weiter funktionieren.
Ich mache noch ein Fernstudium. Das habe ich einen Monat liegen lassen. Jetzt fange ich langsam wieder an...
Arbeiten gehe ich nur Teilzeit.
Mein Pensum ist ja sowieso schon Grenzwertig mit Arbeiten, Studieren und alleine mit 3 Kindern. Da ist es in der Ausnahmesituation nur normal, wenn ich mal am Rad drehe...
Am Montag war ich mit meinem Freund mal einen Tag Kajak fahren. Haben uns Urlaub genommen und einfach mal ohne Kinder raus...
Ich dachte bei dem Streit, dass ich es ihm vorher deutlich genug gesagt hatte. Ist wohl eher das Frauen-Männer-Kommunikationsproblem. Seine Mum jammert eigentlich bei jedem Treffen nach dem nächsten Treffen und er hatte sie ca 1-2 Wochen vorher schon eingeladen. Seinem Freund hatte er den Freitag von sich aus abgesagt. Seiner Family nicht. Hatte da so ein bißchen im Kopf... naja, ist ja schon 3 Tage her.
Ich denke, es ist auch nochmal was anderes, ob man schonmal jemanden verloren hat. Er kann sich da nicht so richtig reinversetzen...
-
22.07.2015, 22:21
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Mein Beileid zu deinem schweren Verlust.

Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie du dich gerade fühlst - meiner starb auch mit 60.
"Seelsorge" ist das Stichwort in solchen Situationen, die einen total überfordern.
Du könntest jemanden gebrauchen, der dir hilft, deine traurige Seele zu "pflegen", zu verstehen, zu begleiten.
Dafür geeignet sind: Seelsorger, Therapeuten, Trauerbegleiter (bitte mal gugeln).
Familienmitglieder sind oft selber überfordert, und Freunde wissen kaum, wie sie damit umgehen können, wie man derzeit "drauf" ist. Man denkt immer, die müssen sich doch denken können, dass es mir jetzt so-und-so geht. Ist aber nicht so. Müssen sie auch nicht. Sie können nur verstehen, was wir ihnen sagen. Und da man selber auch nicht gerade super klar im sich-ausdrücken ist, geht manches einfach etwas schief. Dann ist man über die Maßen enttäuscht und fühlt sich noch verlassener.
Das ist der Trauer zuzuschreiben. Man ist völlig neben der Spur!
Erkläre deinem Partner doch, dass er momentan mit ziemlich emotionalen Ausbrüchen von dir rechnen muss, die du selber grad schlecht steuern kannst. Die Trauer überfällt einen manchmal mit unglaublicher Wucht. Dann reagiert man merkwürdig.
Du könntest vielleicht noch zum Thema etwas lesen, um dich selbst besser zu verstehen?
Es gibt gute Bücher.
Eine Trauerbegleitung habe ich damals gehabt, in Form einer Gruppe, es war ein viertel Jahr nach dem Todesfall für mich aber sehr früh. Das ist individuell verschieden, du könntest eine Trauerbegleiterin suchen und erstmal gründlich befragen, ob das das richtige für dich sein könnte.
Wie alt sind deine Kinder?
Sind sie nicht traurig über den Tod ihres Großvaters?
Du kannst auch, wenn du familiäre Unterstützung brauchst jetzt, auf eine Familienhelferin zugehen. Sie werden z.B. von der Diakonie vermittelt.
Soweit meine ersten Gedanken.
Komm gut durch die Nacht...
GLG KarlaThe original Karla
est. 2006











-
23.07.2015, 01:08Inaktiver User
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Verstehen kann das nur,wer etwas ähnliches durchmachen musste.
Und damit meine ich keine Uroma, die man eigentlich nie sah... die Leute, die Trauer nicht kennen und verstehen, greifen dann gern mal auf eigene Erfahrungen zurück und begreifen nicht, dass es die Intensität der Bindung ist, nicht der Tod eines Menschen an sich, der so niederschmettert.
Da könntest du dir den Mund fusselig reden, die würden es nicht verstehen, weil sie es nicht nach-fühlen können. Du brauchst neben der Ablenkung auch einfach Leute um dich rum, die ähnliches erlebt haben und ähnlich damit umgegangen sind wie du es jetzt tust.
-
23.07.2015, 10:31
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Liebe Mama3,
ich drücke Dich auch mal... Kann Dich gut verstehen, mein Papa ist vor 17 Jahren mit 58 auch an Krebs gestorben und ich vernmisse ihn noch immer schrecklich
.
Kann der Vater Deiner Kinder sich eventuell in den nächten Wochen mehr um die Kinder kümmern? Du brauchst Raum zum trauern, das ist einfach so. Und jeder trauert auch anders.
Eine Trauerbegleiterin zu kontaktieren finde ich eine gute Idee.Alles zu seiner Zeit.
-
30.07.2015, 11:21
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Ich danke euch!
Meine Kinder sind 8,6 und 4. Sie sind da sehr unterschiedlich. Der große fand es eher spannend. Der Mittlere malt, wenn ihn irgendwas nahe geht. Er hat ein Friedhofsspiel gemalt und mir gesagt, wenn wir traurig sind, können wir das spielen. Die kleine fand es garnicht schlimm, weil wir ihn ja wiedersehen, wenn wir tot sind und hat gefragt, ob man mit den Armen wedeln muss um in den Himmel zu fliegen oder ob es reicht, wenn der Wind pustet.
Die letzten beiden Wochenenden hatte ich auch die Kinder, weil es so abgesprochen war. Da waren auch Sommerfeste usw. Da haben sich die Kinder total drauf gefreut und ich mich sonst auch immer. Da wollte ich sie dann auch garnicht zum Papa geben. Ab Freitag machen sie 10 Tage Urlaub bei ihm. Mal sehen, wie es dann bei mir wird.
Mein Freund fragt ständig, wann wir uns sehen. Er hat jetzt in den Ferien 3 Wochen seine Kinder und irgendwie ist mir grad nicht nach Treffen. Manchmal ist es ok, aber meistens hab ich keinen Nerv auf den Trubel. Manchmal versteht er es oder tut zumindest so, manchmal ist er beleidigt hab ich das Gefühl. Ich hab ein bißchen Angst, dass ich im Moment so kalt bin, dass da auch noch was kaputt geht...
Seelsorge... weiß ich noch nicht, ob das etwas für mich ist oder ich mich dann eher damit stresse, einen Babysitter zu finden um dann zu so einer Gruppe zu gehen. Wie laufen denn so Gruppensitzungen ab? Was macht man da?
Im Prinzip ist es ja eine Wunde, die Zeit braucht zum heilen. Mein Papa kommt nicht wieder, die Bilder vom Monatelangen sterben bleiben im Kopf. Von seinem nicht wahrhaben wollen, noch alles selber schaffen wollen, dem Körperabbau im Zeitraffer...
Damit muss ich irgendwie klar kommen...
-
30.07.2015, 11:35
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Könnte nicht dein Freund mal deine Kinder hüten, während du zur Beratung gehst? Irgendwie wird er dich doch sicherlich unterstützen wollen, in dieser schweren Zeit.
Du könntest mal nach "Trauerbegleitung" gugeln,
und dort mal anrufen. Sowas machen Privatmenschen, die sich durch eine Weiterbildung zum Trauerbegleiter qualifiziert haben. Diejenige Person kann dir dann erklären, wie sie arbeitet.
Ich denke, das ist das beste. Denn jede/r arbeitet sicherlich auch ein wenig anders.
GLG KarlaThe original Karla
est. 2006











-
30.07.2015, 14:26
AW: Papa gestorben... bin sehr launisch
Dein Freund kommt etwas unsensibel rüber... Oder ist er einfach nur so unsicher, wie er sich verhalten soll?
Darf ich mal fragen, wie alt er ist und wie lange Ihr schon zusammen seid?
In der Regel helfen klare Ansagen wie "Ich möchte alleine sein." oder "Ich will zum Friedhof gehen." oder eben auch "Kannst Du mal ein paar Stunden auf meine Kinder aufpassen, ich brauche Zeit für mich."
Hast Du denn sonst noch Familie, die einspringen könnte?
Trauerbegleitung gibt es als Gruppen- und Einzelarbeit. Vielleicht gibt es auch ein Hospiz in Eurer Nähe, die bieten so was auch an.
Ansonsten ist es schon so, dass so ein Trauerfall einen ganz schön verändern kann. Und auch die Bezieung an sich.
Bei mir war es so, dass der Tod meines Vaters letztendlich (über viele Wege) dazu geführt hat, dass mein erster Mann und ich uns einige Jahre danach getrennt haben. Reden hätte eventuell geholfen, aber das weiß keiner im Nachhinein. Zumal es auch andere Baustellen gab.Alles zu seiner Zeit.


Zitieren