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Thema: Andreas


  1. Registriert seit
    16.07.2014
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    92

    Andreas

    Am 10.07.2014 habe ich meinen Seelengefährten tot in seiner Wohnung gefunden. Er ist einfach so gestorben, sah ganz friedlich aus und war erst 51 Jahre alt. Wir waren 4 Jahre ein Paar und hatten es nicht einfach miteinander zu Beginn. Aber grade seit vorletztem Sommer wurde es immer besser, wir hatten Pläne, wir haben uns einfach verstanden. Sein Sohn ist 19 und da wir nicht verheiratet waren liegen alle Rechte und Pflichten bei ihm. ich danke dafür, dass ich bei allem gleichberechtigt dabei war, dass ich Andreas waschen, kleiden und in den sarg betten konnte, dass wir (gemeinsam mit seiner Exfrau und seinem Freund) eine sehr passende Trauerfeier gestaltet haben und auch die Grabstätte ausgesucht haben.

    Trotzdem finde ich es manchmal furchtbar kein Recht auf irgendetwas zu haben..geduldet fühlt sich das dann an. Unsere Geschichte war so kurz und er fehlt mir so sehr. An manchen Tagen bin ich nur leer, an anderen Tagen ertrinke ich fast in Tränen. Ich bin erst 41 und schon Witwe und dabei haben wir doch grade erst angefangen.

    Mir machen die widersprüchlichen Gefühle zu schaffen, ich weiß ja dass er immer für Loslassen war, aber ich benutze sein Duschgel und sein Deo und trage nachts sein T-Shirt und kann noch gar nicht glauben dass er nicht mehr da ist. Und dann überfällt mich dieses Wissen und ich frage mich wie das Leben weitergehen soll wenn der Anker fehlt. Er war mein bester Freund, der wusste alles von mir, mehr als jeder andere Mensch. Er war mein Liebhaber- und ist es normal sich zu fragen ob man jemals wieder Sex haben wird? Und warum frage ich mich das schon jetzt?

    Unbewohnt in mir

    Katrin

  2. Moderation Avatar von katelbach
    Registriert seit
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    AW: Andreas

    Liebe Katrin,

    alles ist normal in eienr Ausnahmesituation. Alles.

    Ich war unwesentlich älter als Du, 44, als ich meinen Lebensmenschen verloren habe. Er wra 49.
    Es ist schon 13 Jahre her, doch ich bin oft immer noch durch den Wind.

    Ich habe noch immer seinen Ab angerufen, solang das Firmenhandy noch nicht umprogrammiert war, hab einen Pullover von ihm mit ins bett genommen und habe heute noch die letzte Flasche seines Parfums im Bad stehen.
    Andererseits habe ich 2 Monate nach seinem Tod in wilder Hektik unsere Wohnung umbauen lassen.

    Und ich habe auch früh gedacht, dass es schrecklich ist, keinen Sex mehr zu haben.
    Eine Freundin, die ihren Mann noch viel früher verloren hat, erzählte mal, dass sie das erste Jahr fast nur an Männer gedacht hat. Danach kam erst der richtige Zusammenbruch.

    Gib Dir Zeit und denk dran: es ist bei einem solchen Verlust alles normal. Unser Hirn schützt sich durch alles mögliche vor dem Durchknallen. Auch durch sonderbare Gedanken.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin


  3. Registriert seit
    15.07.2013
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    238

    AW: Andreas

    Hallo Katrin,

    ich kann Dir so gut nachempfinden.

    Mein Partner ist gestorben, als ich 37 war. Wir waren ein perfektes Team, beruflich und privat - 15 Jahre lang keinen Tag getrennt. Keiner, und am wenigsten ich, hatten eine Ahnung wie es weitergehen soll.

    Schön, dass Du die Trauerfeier mitgestalten konntest. Ich habe alles selbst organisiert, die Urne zu Hause geschmückt, die Rede geschrieben und gehalten, die Urne zu Grabe getragen. Im Nachhinein weiß ich, wie wichtig das war um zu begreifen, um Abschied zu nehmen und letztlich um weiter zu machen. Soviel Kraft mich das auch gekostet hat, hat es mir gleichsam den Weg geebnet um weiterzuleben.

    Ich kenne das: Ich sah auf die Straße und dachte: Gott, das sind die Männer die da draußen so zur Verfügung stehen? Ich werde nie einen neuen Mann haben. Das, und vor allem die Tatsache, dass mein Partner erst wenige Wochen tot war, und ich solche Gedanken habe, haben mich erschreckt und total verwirrt.

    Und was soll ich sagen. Ich habe den besten Mann getroffen, den es auf Erden für mich gibt und heute (erst 4 Jahre nach dem Tod meines damaligen Partners) sind wir frisch verheiratet. Er ist in der schlimmsten Zeit meines Lebens mein bester Freund geworden, lässt mich noch heute trauern, unterstützt mich in allen Belangen und hat gleichzeitig nie das Gefühl ein Ersatz oder Nachfolger zu sein. Und das zu recht.

    Auch wenn im Moment viele Menschen gute Ratschläge haben, aus Erfahrung sprechen und Dir Mut machen, glaube mir, es ist was dran.

    Noch zum Thema „Sex“: Ich habe kurz nach dem Tod meines Partners Sex als Gefühl von Leben für mich entdeckt. Ich möchte jetzt hier nicht näher darauf eingehen (wenn Du magst als PN), aber ich habe Dinge gemacht von denen ich niemanden erzählt habe, weil ich glaubte, es ist nicht zu verstehen. Aber Sex hatte für mich sowas lebendiges, ich fühlte mich am Leben, vielleicht auch begehrt, gebraucht (für den Moment). Es gibt sicher unzählige Erklärungsversuche dafür. Mir hat es gut getan und das hat gezählt. Schließlich musste ich mit dem neuen Leben (wie es immer alle nannten), dass ich mir nicht ausgesucht hatte, klarkommen.

    Fühl Dich umarmt…


  4. Registriert seit
    16.07.2014
    Beiträge
    92

    AW: Andreas

    Ich danke euch sehr für euere Worte. Meine Gedanken kreisen ja nicht darum mir jetzt einen neuen Mann zu suchen, aber auch der Verlust der körtperlichen Nähe beschäftigt mich oft. Und jede Umarmung die mich trösten soll erinnert meinen Körper daran wie er sich angefühlt hat und wie sich mein Körper in seiner Umarmung gefühlt hat.Und dazu kommt dann alles andere, er war ja mein bester Freund und wenn meine pubertierende Tochter mir auf die Nerven ging bin ich oft für ne halbe Stunde zu ihm gefahren um zu erzählen und aufzutanken und dann ging es wieder besser..Bestimmt kennt jede hier diese Gefühle und den Verlust von Alltäglichkeiten.Und das alles tut so unglaublich weh. Nachts trau ich mich kaum zu schlafen weil von ihm träumen schlimm ist-und nichtträumen auch.Tags hoffe ich dass der Tag vorbei geht und habe Angst vor der Nacht. Natürlich schlafe ich dann doch irgendwann, ich bin so erschöpft von allem dass ich für ein paar Stunden ins nichts falle.
    @sunflower: gerne eine PN. Und es freut mich sehr dass du wieder glücklich bist, das macht ja auch Hoffnung auf Heilung, irgendwann

  5. Avatar von Hexenherz
    Registriert seit
    07.07.2014
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    2

    AW: Andreas

    Zitat Zitat von 100714 Beitrag anzeigen
    Am 10.07.2014 habe ich meinen Seelengefährten tot in seiner Wohnung gefunden. Er ist einfach so gestorben, sah ganz friedlich aus und war erst 51 Jahre alt. Wir waren 4 Jahre ein Paar und hatten es nicht einfach miteinander zu Beginn. Aber grade seit vorletztem Sommer wurde es immer besser, wir hatten Pläne, wir haben uns einfach verstanden. Sein Sohn ist 19 und da wir nicht verheiratet waren liegen alle Rechte und Pflichten bei ihm. ich danke dafür, dass ich bei allem gleichberechtigt dabei war, dass ich Andreas waschen, kleiden und in den sarg betten konnte, dass wir (gemeinsam mit seiner Exfrau und seinem Freund) eine sehr passende Trauerfeier gestaltet haben und auch die Grabstätte ausgesucht haben.

    Trotzdem finde ich es manchmal furchtbar kein Recht auf irgendetwas zu haben..geduldet fühlt sich das dann an. Unsere Geschichte war so kurz und er fehlt mir so sehr. An manchen Tagen bin ich nur leer, an anderen Tagen ertrinke ich fast in Tränen. Ich bin erst 41 und schon Witwe und dabei haben wir doch grade erst angefangen.

    Mir machen die widersprüchlichen Gefühle zu schaffen, ich weiß ja dass er immer für Loslassen war, aber ich benutze sein Duschgel und sein Deo und trage nachts sein T-Shirt und kann noch gar nicht glauben dass er nicht mehr da ist. Und dann überfällt mich dieses Wissen und ich frage mich wie das Leben weitergehen soll wenn der Anker fehlt. Er war mein bester Freund, der wusste alles von mir, mehr als jeder andere Mensch. Er war mein Liebhaber- und ist es normal sich zu fragen ob man jemals wieder Sex haben wird? Und warum frage ich mich das schon jetzt?

    Unbewohnt in mir

    Katrin


    Hallo Katrin,

    erst einmal mein Mitgefühl für Dich.
    Ich habe vor einem Jahr ganz plötzlich meinen Mann verloren und kann vieles nachvollziehen.
    Du hattest das Glück dich von deinem Seelenmenschen verabschieden zu können indem Du ihn nicht nur gefunden hast sondern auch dass Du ihn anziehen und in den Sarg betten durftest.
    Mir und meinen Kindern ist dies verwehrt geblieben da mein Mann im Ausland verstarb und nach der Überführung ( dauerte 3 Wochen ) uns keine Erlaubnis zum letztmaligen " Sehen " gegeben wurde.
    Wir mussten es akzeptieren und genau das fällt bis heute sehr schwer. Der Verstand sagt dass es ihn nicht mehr gibt aber beim Gefühl ist es noch immer nicht angekommen.
    Der Schmerz verändert sich aber verschwinden wird er sicher nicht.
    Du wirst noch ganz viel Kraft brauchen um deine Augen wieder in der Welt umherschweifen zu lassen und dich nicht mehr nur nach innen gerichtet zu betrachten.
    Dafür braucht es Zeit und Unterstützung von Freunden.

    LG Hexenherz


  6. Registriert seit
    16.07.2014
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    92

    AW: Andreas

    Liebe Hexenherz,

    du hast recht. Ich bin froh, dass es vor meinem Urlaub passiert ist und bei allem Entsetzen froh ihn selber gefunden zu haben und diese letzten Dinge noch für ihn tun zu können. Hätte ich es am Telefon erfahren wäre es noch schlimmer. Ich hoffe sehr, dass dir der Abschied irgendwie trotzdem gelingt. Mir fällt es so schon schwer das alles zu glauben, obwohl ich es ja im Wortsinn begriffen habe, wie viel schwerer muss es sein wenn das nicht möglich ist. Und bestimmt wird es besser, ich muss daran glauben weil ich ein Kind habe, weil ich leben will, weil es irgendwann besser werden muss. Aber es ist ja erst 12 Tage her und deshalb einfach noch unglaublich..


  7. Registriert seit
    16.07.2014
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    92

    AW: Andreas

    Hatte schlimme Tage. Morgen geht es in den Urlaub und ich kriege die Sachen nicht gepackt. Habe versucht mich aus seiner Wohnung zu verabschieden und dann die halbe Nacht geheult. Eine Rose an seinen Baum gebracht als es dunkel wurde. Immer wieder hinterrücks überfallen vom Schmerz, von Sehnsucht. Wie oft habe ich in den letzten Tagen gedacht: langsam wird es wirklich Zeit für ein Wiedersehen. Ich vermisse ihn..

  8. Avatar von yolo
    Registriert seit
    19.06.2013
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    31

    AW: Andreas


    Unbekannterweise...


  9. Registriert seit
    16.07.2014
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    92

    AW: Andreas

    Den Urlaub haben wir geschafft, es war einfach zu früh um weit von ihm weg zu sein. trotzdem hat es gutgetan mit meiner Tochter zu sein. Im Moment wird alles jeden Tag schlimmer, der Verlust von allem immer deutlicher, der Alltag bei Freunden normal, meiner bleibt traurig..Alles Dinge die hier beschrieben werden, alles das haben andere auch so erlebt, aber manchmal ist es kaum auszuhalten.

    Katrin


  10. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Ach Liebster,

    nicht nichts ohne dich
    aber nicht mehr viel

    du fehlst

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