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Thema: Andreas


  1. Registriert seit
    16.07.2014
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    AW: Andreas

    Ihr Lieben,

    ich glaube auch dass diese Erfahrung eine andere Frau aus mir macht, ich spüre es ja jetzt schon. Man kann dahinter nicht mehr zurück und das ist beängstigend und gut zugleich..denn so sehr es auch weh tut war es das wert. Diesen Mann getroffen zu haben, diese unsere Geschichte gelebt zu haben möchte ich nicht missen. ich habe in der Zeit die wir hatten so viel über mich und ihn und Nähe und Distanz und und und gelernt und erlebt, habe so viele Bilder und Erinnerungen an eine einzigartige Zeit die ich nie mehr vergessen werde.

    Und die Wand zwischen mir und anderen spüre ich auch..aber auch dass es Menschen bei und neben mir gibt die ich nicht erwartet habe. Und trotzdem lache ich, oft auch in Gesprächen über Andreas, über seine Stoffeligkeit, seine Meinung, seine Art von Humor..all das ist ja immer da und begleitet mich. Sehr oft tut es sehr weh wenn Bilder auftauchen, manchmal erfüllt mich aber auch eine stille Freude darüber genau das mit ihm erlebt zu haben. wenn ich jetzt Motorrad fahre fährt er immer mit..und auch wenn mir dann die Tränen kommen weil er nicht vor oder hinter mir fährt ist er doch dabei..

    Und ich hoffe ganz stark dass es stimmt : Es wird wieder schön, aber anders.

    Morgen gehe ich die Grabplatte aussuchen, mit seinem Sohn, und mir graut davor. Andererseits kann ich dann wieder etwas fertigstellen, so wie die Wohnung jetzt leer ist hat er dann seinen Platz, nicht nur Wiese sondern seinen Namen. Wie an der Klingel..heul..

    Allen eine ruhige Nacht,

    Katrin


  2. Registriert seit
    27.01.2006
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    AW: Andreas

    Zitat Zitat von 100714 Beitrag anzeigen
    Morgen gehe ich die Grabplatte aussuchen, mit seinem Sohn, und mir graut davor. Andererseits kann ich dann wieder etwas fertigstellen, so wie die Wohnung jetzt leer ist hat er dann seinen Platz, nicht nur Wiese sondern seinen Namen. Wie an der Klingel..heul...
    Hallo Katrin,

    nein, nicht wie an der Klingel! Sondern als Erinnerung an die ganzen wunderschönen Zeiten, die du mit ihm hattest und die dir niemand nehmen kann.

    Viel Kraft!

  3. Avatar von Katbury
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    AW: Andreas

    Grabplatte/stein aussuchen, daran erinnere ich mich auch noch gut.
    Das waren so "Verrichtungen" wo ich mir selber zugeschaut habe, also ich in einem Film mitspiele. Magst Du uns erzaehlen, was du ausgesucht hast?
    Ich bin damals, in den ersten zwei Jahren nach seinem Tod, in einen wilden Aktionismus verfallen: ich dachte mir "das kann es nicht sein, da muss es noch was geben! Wenn alles so schnell aus sein kann..." Jedenfalls habe ich Arbeit, Wohnort und Umfeld ziemlich radikal veraendert.
    Neuanfang? Weglaufen? So genau weiss ich das bis heute nicht aber er hat mich auf den Weg gebracht, dafuer bin ich Ihm wirklich sehr dankbar!
    Mein Leben, bis ans Ende der Welt ginge ich mit Dir!
    (Opernplakat in Berlin)


  4. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Ihr Lieben,

    manchmal dauert es bis ich wieder schreiben kann.. Die letzte Woche war extrem anstrengend und aufreibend für mich. Ich suche nach wie vor meinen Platz in diesem anderen Leben.

    Aber der Stein ist schön. es ist ein Naturstein und darauf kommen sein Name und seine Daten, in seiner Handschrift. Es war ein gutes Gefühl das für ihn zu tun, aber eigentlich hätte ich ihm lieber etwas gutes getan und ihn bei mir gehabt..
    Das war dann wieder mal so ein Moment der mir sehr deutlich macht dass es eben kein vorübergehender Zustand ist ohne ihn zu sein und ich habe ihn so sehr vermisst. Und das wird immer mehr: ich habe das Gefühl als ob der Schock der ersten Wochen nachlässt und langsam zu mir durchdringt was sein Tod für mich wirklich bedeutet. Mir fallen oft so kleine Fragen ein die ich an ihn hätte, ich kann fühlen wie er mich nachts in den Arm genommen hat, ich höre was er zu sagen hätte - und dann kommt die Verzweiflung weil es keine Antwort gibt, weil er mir dann so fehlt, weil ich eben doch alleine im Bett liege.
    In einem Gespräch mit meiner Tochter fing sie bitterlich an zu weinen als ich sagte dass für ihn doch immer das wichtigste war seine Menschen glücklich zu sehen..Und ich frage mich wie ich das schaffen soll, glücklich werden in diesem anderen Leben. Er würde das wollen, da bin ich ganz sicher, aber da hat er mir eine Aufgabe gegeben die mir unlösbar erscheint.

    Katrin


  5. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Ihr Lieben,

    heute stellen sich wieder mal so schwer zu beantwortende Fragen... Wird es leichter wenn man verstehen und akzeptieren kann dass er immer bei mir sein wird, dass ich immer mit ihm in Kontakt bleiben werde auch wenn sein körperliches Sein nicht mehr ist? Warum ist es so schwer meinen Platz zu finden in meinem Leben wie es jetzt aussieht? Wie lange kann ein Mensch ertragen so einsam und verlassen zu sein, so leer? Ist es richtig oder falsch die Fassade hochzuziehen die anderen ein normales Leben vorspielt? Wieviel davon brauche ich um überhaupt ein Leben zu haben das irgendwie funktioniert?

    Ich staune immer wieder darüber wie oft mir einfach die Tränen über das Gesicht laufen, von einem Moment zum anderen, und ich wünsche mir immer noch mein Leben zurück und ich träume immer wieder von ihm, und manchmal machen mich Erinnerungen für kurze Momente glücklich weil wir da etwas gemeinsames hatten, aber viel öfter weine ich darüber dass es keine neuen Erinnerungen geben wird.

    Heute ist die Grabplatte gesetzt worden. Ich habe sie vorgestern angesehen und die Steinmetzwerkstatt debei fast mit Tränen überschwemmt. Seine Handschrift auf diesem Stein zu sehen, zu hören was sein Kommentar dazu gewesen wäre- das hat mich fast zerrissen vor Schmerz. Morgen werde ich zu seinem Baum gehen und mir anschauen wie es an seinem Platz aussieht. Nach einigem Überlegen habe ich seine beste Freundin eingeladen diesen ersten Blick mit mir zu machen. Sie ist nah genug um zu verstehen was es mir bedeutet, versteht ganz sicher meine Gefühle und ist sachlich genug mich vor dem totalen Untergang zu bewahren.

    Katrin


  6. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Und was mir noch so einfällt: Dass ich diesen Schmerz ertragen muss, dass ich so unendlich einsam bin, dass mir sogar die schlimmste deiner Macken fehlen, all das ist es Wert. Ich bin so sehr froh dich gekannt zu haben und dich zu lieben. Mit dir habe ich viel über mich gelernt und über Nähe und Distanz, mit dir habe ich Dinge erlebt die ich nicht für möglich gehalten habe und wenn es jetzt so weh tut, wenn der Schmerz so groß ist, dann weiß ich sicher: jeder Moment, auch die schweren, es hat sich gelohnt, es war gut diesen Weg mit dir zu gehen. Ich wäre gerne noch weiter gegangen, und du sicher auch. Gute Reise, wohin auch immer du gehst.

    Katrin


  7. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Schön sieht es aus unter deinem Baum.


  8. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Vielleicht am Samstag. Da bin ich auf ein Konzert gegangen von einer Gruppe die ich das letzte Mal mit Andreas gesehen habe. Ich hatte das Gefühl es wäre eine gute Idee..ich stand alleine da, habe einige Bekannte getroffen die aber über einen kurzen Gruß nicht hinauskamen und fühlte mich sehr verloren. Und dann begann die Musik und ich hatte das Gefühl als würde er hinter mir stehen, so wie beim letzten Mal- nur umdrehen darf ich mich nicht, dann ist er weg. Und das war so schön ihn zu spüren, so nah bei mir- und so schrecklich..nach der Hälfte konnte ich es nicht mehr ertragen und musste rausgehen. Da traf ich dann eine Freundin von ihm die ich nur einmal gesehen hatte vor der Beerdigung und die war unglaublich nett und hatte sogar Taschentücher für meine Tränenflut. Das hat gutgetan, mit jemandem zu reden der ihn kannte.. Als ich später zu Hause war habe ich dann bedauert nicht länger drin geblieben zu sein und die Nähe aufzunehmen. Allerdings habe ich dieses Gefühl im Moment so oft: er steht hinter mir..das ist so surreal und manchmal macht es mir angst. Werde ich verrückt, jetzt doch noch? Lasse ich einfach nicht los und fantasiere ihn mir her weil ich es ohne nicht ertrage? Ist das normal? Und dann erwischt es mich immer wieder so kalt und heftig und er fehlt mir so sehr. Und ich bin von mir und der ewigwn Traurigkeit selber genervt, ich möchte mal wieder was schönes tun ohne diesen Grundton von schwarz der immer dabei ist, ich möchte den Moment genießen wenn es Anfang November 20 Grad hat und ich in der Sonne Kaffee trinken kann- und nicht denken wie es jetzt mit ihm wäre. Aber es hört nicht auf. Und dass er mir die Welt nicht mehr grade rückt nachdem ich ne halbe Stunde geredet hab und er dafür nur zwei Sätze braucht..

    Und jetzt kommt der Winter und das macht mir wirklich angst. er selber fand diese dunklen Tage oft schlimm, nur richtige Kälte mit Schnee war schön. Und ich sehe nur riesige Mengen leerer Zeit und Dunkelheit vor mir. Am liebesten würde ich Weihnachten ausfallen lassen, das geht aber nicht, meine Tochter braucht wenigstens diesen Halt. Hat sie doch schon genug mit ihrer wankelmütigen, oft heulenden Mutter zu tun. Ab und zu laufen die Tränen und ich merk es nicht..

    Damit genug für heute

    Katrin

  9. Avatar von VanDyck
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    30.12.2005
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    AW: Andreas

    Hi Katrin ...

    Ich lese weiter mit - mein Mitgefühl gilt dir und deiner Tochter.

    Am liebesten würde ich Weihnachten ausfallen lassen, das geht aber nicht, meine Tochter braucht wenigstens diesen Halt.
    Sofern ihr es euch überhaupt vorstellen könnt: besteht evtl. die Möglichkeit, bzw. hast du schon mal dran gedacht, an Weihnachten dorthin zu fahren, wo das nicht so eine Rolle spielt?
    Auch dorthin, wo viel Sonne ist?

    VanDyck
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Ich habe das Maus zurück geholt.
    The Green Mile


  10. Registriert seit
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    AW: Andreas

    Daran hab ich gedacht..und wieder verworfen. Meine Tochter will ihren Papa sehen und die Großeltern, ich habe Geburtstag in der Woche und ganz davon abgesehen fehlt dafür einfach das Geld. Ich hätte auch angst davor dass es dann so wird wie im Sommer, da waren wir ja drei Wochen nach Andreas´Tod im lange geplanten Urlaub und es war schrecklich einsam für uns. Es ist jetzt zwar nicht mehr so frisch aber ich bin nicht sicher wieviel Veränderung ich noch ertragen kann. Irgendwie wie werden wir auch das überstehen und aushalten. Auch wenn ich schon den vorwurfsvollen Blick meiner Mutter auf mir fühlen kann der mir sagt ich sollte mich doch nicht so hängen lassen, endlich auf die Beine kommen, ihr hattet doch eh keine Perspektive..das hat sie mir erst letzte Woche gesagt..nach vier Jahren die wir hatten..trotz aller Pläne von denen sie zum Teil auch wusste..wir wollten nicht zusammenziehen solange noch ein Kind mitziehen muss..was weiß sie schon, die Mutter..ich war so getroffen, enttäuscht, sauer..

    Katrin

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