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  1. Inaktiver User

    die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Wollen wir hier diese so hilf- und trostreichen schönen Gedichte sammeln, die es gibt, zum Thema Tod und Sterben?


    Zum *immer-wieder-nachlesen* wenn wir der Stärkung bedürfen?


    Ich mache mal den Anfang mit Khalil Gibran


    und hoffe, ihr macht weiter!




    eure MiraMaureen










    ***********************************************


    Ihr möchtet wissen, um das Geheimnis des Todes.


    Doch wie solltet Ihr es entdecken,


    so ihr nicht danach forschet im Herzen des Lebens?


    So ihr wahrhaftig den Geist des Todes erschauen wollet,


    öffnet weit euer Herz dem Leibe des Lebens.


    Denn Leben und Tod sind eins,


    so wie Fluß und Meer eins sind.


    Und was ist Sterben anderes,


    als nackt im Wind zu stehen


    und sich in der Sonne aufzulösen?


    Und was heißt, nicht mehr zu atmen, anderes,


    als den Atem zu befreien vom rastlosen Lauf,


    damit er ungehemmt aufsteige und sich entfalte -


    zu GOTT hin?


    Erst wenn ihr aus dem Fluß des Schweigens getrunken habt,


    werdet ihr wahrhaft singen.


    Und erst wenn ihr den Gipfel des Berges erklommen habt,


    werdet ihr zu steigen beginnen.


    ************************************************


  2. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Aus den Kindertotenlieder


    von Friedrich Rückert




    Du bist ein Schatten am Tage


    und in der Nacht ein Licht;


    du lebst in meiner Klage


    und stirbst im Herzen nicht.




    Wo ich mein Zelt aufschlage,


    da wohnst du bei mir dicht;


    du bist mein Schatten am Tage


    und in der Nacht mein Licht.




    Wo ich auch nach dir frage,


    find´ ich von dir Bericht,


    du lebst in meiner Klage


    und stirbst im Herzen nicht.




    Du bist ein Schatten am Tage


    und in der Nacht ein Licht;


    du lebst in meiner Klage


    und stirbst im Herzen nicht.




    *************************************






    Ein Fest ohne Ende




    Eines Tages


    werden wir Körper haben


    deren Leichtigkeit die Schmetterlinge neiden


    mit einer Vollkommenheit


    die die Engel staunen lehrt




    wir werden Körper haben


    von Licht umschmeichelt


    von Sonne durchstrahlt


    wir werden lächelnde Weite sein




    und wir werden diejenigen sein


    die sich zärtlich


    an die warme Erde schmiegen


    die lustvoll das Wasser umarmen


    die lachend im Feuer tanzen


    und kraftvoll mit den Winden fliegen




    wir werden dazu gehören


    unsagbar schön


    unendlich leicht




    kein Schmerz und keine Narben


    kein Hinken und Stolpern


    keine Lähmung, kein Sterben


    und keine Träne wird mehr sein




    und dieses Fest


    werden wir feiern


    mit all jenen


    die uns trotzdem


    dennoch oder gerade darum liebten


    und unsere Schönheit immer schon ahnten




    ein Fest ohne Ende


    so ist es uns verheißen




    © Bernadette Grabner











  3. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Beim Aufgang der Sonne


    und bei ihrem Untergang


    erinnern wir uns an sie;




    Beim Wehen des Windes


    und in der Kälte des Winters


    erinnern wir uns an sie;




    Beim Öffnen der Knopsen


    und in der Wärme des Sommers


    erinnern wir uns an sie;




    Beim Rauschen der Blätter


    und in der Schönheit des Herbstes


    erinnern wir uns an sie;




    Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht, erinnern wir uns an sie;




    Wenn wir müde sind


    und Kraft brauchen,


    erinnern wir uns an sie;




    Wenn wir verloren sind


    und krank in unserem Herzen


    erinnern wir uns an sie;




    Wenn wir Freude erleben,


    die wir so gern teilen würden


    erinnern wir uns an sie;




    So lange wir leben,


    werden sie auch leben,


    denn sie sind nun ein Teil von uns,


    wenn wir uns an sie erinnern.




    Aus den Toren des Gebets Reformiertes jüdisches Gebetbuch







  4. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    und sollt´ich geh´n


    solange du noch hier....




    ...so wisse, dass ich weiterlebe,


    nur tanz´ich dann zu einer anderen weise


    und hinter einem schleier,


    der mich dir verbirgt.


    sehen wirst du mich nicht,


    jedoch hab nur vertrauen.


    ich warte auf die zeit, wo wir


    gemeinsam neue höhen erklimmen


    - einer des anderen wahrhaftig.


    Bis dahin leere du den becher deines lebens bis zur neige,


    und wenn du mich einst brauchst


    lass nur dein herz mich leise rufen


    ....ich werde da sein.


  5. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Dieses Gedicht wurde 1929 vom Bruder (Erich) meiner Oma geschrieben. Sein Sohn Rolf starb 5-jährig (ich weiß aber nicht mehr woran). Meine Oma hat mir dieses (und weitere von ihrem Bruder selbstverfasste Gedichte) vererbt.




    Am Grab




    Da liegst du nun, mein lieber kleiner guter Junge,


    still in einem kühlen Grab.


    Von Leid erfüllt schweigt meine Zunge,


    weil ich dich ja so lieb gehabt.




    Inhalt warst Du meines Lebens,


    des Schaffens froh war ich für Dich,


    nun scheint mir sinnlos alles Streben,


    denn du gingst fort, wie schmerzt es mich.




    Könnt ich noch einmal dich in meine Arme schließen,


    nur halten deine liebe kleine Hand,


    doch du liegst steif und kalt zu meinen Füßen,


    und zwischen uns ist Erde, Staub und Sand.




    Blumen blüh´n auf deinen nied´ren Hügel,


    ich weiß: du liebtest sie so sehr,


    als Engel hast du sicher gold´ne Flügel,


    die Blumen schöner noch und mehr.




    Du brachtest manchesmal von einer Wiese


    ein kleines Sträußchen mir ins Haus,


    und gabst wohl acht daß ich´s nicht ohne Wasser ließe,


    sie haben Durst! schaltst du mich aus.




    Im Geiste seh´ich Dich noch spielen


    im Garten hinten und in der Stube auf dem Tisch


    mit deinen Autos, all den vielen,


    du brauchtest manchesmal dazu auch mich.




    Am Abend legte ich Dich nieder,


    mit Deinem Peter fest im Arm,


    des Morgens früh erwachtest Du dann wieder


    in Deinem Bettchen mollig weich und warm.




    Doch nun schläfst Du in der Ewigkeit


    Gott schenkte Frieden Dir und Ruh´,


    ich muß noch warten, noch hab ich Zeit,


    doch einst da schlaf auch ich so fest wie Du.




    Zur Erinnerung an meinen lieben Rolf.


    Erich Oestreich, 1929


  6. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Teil 2




    Es war einmal




    Es war einmal ein kleiner Junge, den hatte ich sehr lieb,


    mit seinem Plappermäulchen war er ein rechter Herzensdieb.


    Blank waren seine Äuglein - wie Sterne in der Nacht,


    die gaben mir viel Sonnenschein aus ihrer dunklen Pracht.


    Oft strich mir seine kleine Hand zart über´s Angesicht,


    das war ein süßes Kosen, ach ich vergess´es nicht.




    Er drückte mir sein kleines Herz so innig an die Brust,


    und machte mir des Lebens Leid zu seelig süßer Lust.


    Zwei Ärmchen im Verlangen schlang er so fest um mich,


    und seine runden Wangen, die küßte ich.


    Sein silberhelles Lachen war Jubel, Glück und Freud´,


    ich dacht: so könnt es immer sein; doch weiß ich´s besser heut´.




    Grad als ich so glücklich war trat Gott in meine Tür


    und sprach gib mir Dein Kind, ich nehme es zu mir.


    Da war es plötzlich still um mich, so öde und so leer,


    in meinem Schmerze wünschte ich oh wär´ich selbst nicht mehr.


    Doch als ein Strom von Tränen sich mir in die Augen drängt,


    hör ich, wie eine Stimme leise an zu sprechen fängt.




    Bitte, bitte weine nicht, sieh´ doch, es geht mir gut!


    Trüb nicht Deiner Augen Licht, ich bin in sich´rer Hut.


    Mach Dir nicht das Leben schwer, sieh´mein Bild Dir an,


    denk, daß wir uns wiederseh´n und lächle dann.


    denk, ich sei ein Märchen, aus einer anderen Welt,


    wie du mir so manchesmal am Bettchen eins erzählt.




    Beim Träumen und beim wachen will ich stets vor dir steh´n,


    will mit dir scherzen, lachen - ist das nicht wunderschön?


    ich will Dir Blumen pflücken, ein Sträußchen in der Hand´


    komm´ ich dann lieber Vati, zu Dir ins Haus gerannt.




    Es gibt so viele Märchen, so wunderbar und fein,


    doch dies ist wohl das schönste - Gott laß es bitte Wahrheit sein.




    ........


    Zur liebevollen Erinnerung an meinen lieben Rolf


    Erich Oestreich, 1929


  7. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    mehr als zwei jahre habe ich diese beiden gedichte nicht mehr in die hand genommen.




    sie berühren mich (immer wieder) sehr. zumal den vielen gedichten auch ein foto beiliegt, das den kleinen rolf zeigt...




    dieses foto erhielten damals die familienmitglieder nach der beerdigung.


    auf der rückseite des fotos steht:




    oh rätselhafte dunkle augen,


    was blickt ihr mich so seltsam an?


    als wolltet ihr mich etwas fragen,


    worauf ich selbst nicht antwort finden kann.




    ihr kleinen süßen roten lippen,


    was schweigt ihr ohne ende?


    so sprecht doch, sagt mir ein wort


    ach, daß ich wieder froh sein könnt.




    vergebens war nun alles bitten,


    auch diese hände halten still,


    und strecken sich uns nicht entgegen,


    weil es gott so haben will.




    .....





  8. Avatar von rotbraun
    Registriert seit
    23.04.2002
    Beiträge
    25

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Ihr Lieben,


    ich bin mir nicht ganz sicher, ob das folgende Gedicht als Trauergedicht gelten kann und doch finde ich es schön, deshalb stelle ich es auch ein.


    Es soll in keinster Weise die Trauerarbeit schmälern und verurteilen, vielleicht hilft es aber doch dem einen oder anderen. Eigentlich ist es eher ein Abschieds- bzw. Neuanfang-Gedicht.






    Stufen




    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend


    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,


    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend


    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.


    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe


    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,


    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern


    In andre, neue Bindungen zu geben.


    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


    Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.




    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,


    An keinem wie an einer Heimat hängen,


    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,


    Er will uns Stuf´um Stufe heben, weiten.


    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise


    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;


    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise


    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.




    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde


    Uns neuen Räumen jung entgegensenden,


    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden....


    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.






    Hermann Hesse





  9. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Memento
    Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
    Nur vor dem Tod derer, die mir nah sind.
    Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

    Allein im Nebel tast ich todentlang
    Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
    Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

    Der weiß es wohl, dem dieses wiederfuhr
    Und die es trugen, mögen mir vergeben.
    Bedenkt: Den eigenen Tod, den stirbt man nur,
    Doch mit dem Tod der anderen muß man Leben.

    (Mascha Kalèko)


  10. Inaktiver User

    Re: die schönsten Gedichte zum Thema Tod und Sterben

    Denk dir ein Bild, weites Meer.
    Ein Segelschiff setzt seine weißen Segel und
    gleitet hinaus in die offene See.
    Du siehst, wie es kleiner und kleiner wird.
    Wo Wasser und Himmel sich treffen,
    verschwindet es.
    Da sagt jemand: Nun ist es gegangen.
    Ein anderer sagt: Es kommt.
    Der Tod ist ein Horizont,
    und ein Horizont ist nichts anderes als die Grenze unseres Sehens.
    Wenn wir um einen Menschen trauern,
    freuen sich andere, ihn hinter der Grenze wieder zu sehen.

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