Die Antworten hier werden dir, wie du ja schon schriebst,etwas weiter helfen.
Andererseits kann man niemandem die Trauer abnehmen,verkürzen oder "wegstreicheln".
Trauer ist so wahnsinnig intim und individuell. Und wenn dann noch Druck von außen
kommt" du müsstest aber schon wieder...."dieses oder jenes,ist das ein Albtraum.
Das habe ich mir leider auch gefallen lassen und mich deshalb immer weiter zurückgezogen,
obwohl ich rein äußerlich schnell wieder funktionierte.Der normale Alltag war ein Stroh-
halm, neben meinen Kindern,an den ich mich klammern konnte-aber leben war das nicht.
Mir half bedingt der Austausch mit anderen Betroffenen,aber auch da tickt jeder anders,
nicht jeder Kontakt ist wirklich hilfreich, "Vorbilder" brauchte ich zB. nicht.
Es aushalten das für den Betroffenen NICHTS mehr so ist wie zuvor,dass es einen Riss im
Leben gibt der noch nicht mal komplett heilen,sondern nur langsam vernarben kann,
trotzdem bereit sein die Freundschaft aufrecht zu halten,gefühlsmäßig involviert zu werden
und auch die eigenen Ängste und Hilflosigkeit aushalten können-das ist schon ganz viel !
Deine Freundin wird ihren persönlichen Weg gehen und die Trauer durchleben müssen,
aber es ist schön das Menschen ihr dabei helfen![]()
Antworten
Ergebnis 11 bis 20 von 27
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04.06.2013, 15:23
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
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04.06.2013, 19:52
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Danke Meagan, aber ob ich das wirklich verkraftet habe, bezweifle ich. Das wird wohl noch Jahre dauern. Ich versuche im Sinne meines verstorbenen Sohnes zu handeln. Ich habe ihn in mein jetziges Leben integriert. Jeden Abend stelle ich eine Kerze für ihn ins Fenster, sein Grab besuche ich so oft wie möglich.
Er hat gewollt, dass ich weiterlebe. Er wird immer bei mir sein - in meinem Herzen.
Turmalin
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04.06.2013, 20:49
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
SamSpade - es ist schön, dass du die Frage gestellt hast. Es kann kein 'normaler' Mensch wissen wie entsetzlich weh der Verlust der Herzenspartners tut. GsD gibt es Google und Foren und man kann, wie Du, nachfragen.
Im Grunde nimmt sich der liebe Mitmensch viel Zeit um sich über allerart Dinge, Gegenstände, wie z.B. 'der beste Föhn', Kochrezepte, Heizung, Auto usw stundenlang od. sogar tagelang zu informieren, aber wenn ein Mensch vor Trauer am Boden liegt kommt man anschein. nicht auf das Naheliegendste.
Es gibt div. Trauerforen wie z.B. verwitwet.de, MeineTrauer.de und andere, man muss nur einige Beiträge lesen und weiss ziemlich schnell wie es Trauernden geht.
Wenn du deiner Bekannten helfen willst, dann lade sie mal zum Essen ein od. bring etwas Gesundes mit, denn auch nach längerer Zeit essen viele nicht mehr 'vernünftig'. Anfangs vergeht ihnen total der Appetit, man hat einfach keinen Hunger mehr, will nicht mehr essen u. meist auch nicht mehr leben.
Erzähl irgendeine nette Begebenheit mit ihm, rede von ihm, vll 'gestern hätte ich deinen Mann so sehr gebraucht, mein Auto sprang nicht an od. was anderes, oder 'gestern musste ich an unseren Ausflug denken', vll auch eine lustige Anekdote, Hauptsache ER kommt darin vor. Viele Menschen trauen sich nicht vom Verstorbenen in Gegenwart der Trauernden zu sprechen, das ist total falsch, denn so bekommt sie das Gefühl er stirbt noch einmal, wird ausgelöscht aus der Erinnerung.
Ich habe meinen Mann vor gut 2 J. kurz vor seinem 62 Geburtstag verloren, er wachte morgens einfach nicht mehr auf, Herzinfarkt im Schlaf, ein Mann stark wie ein Baum, lebensfroh, gesund? und plötzlich ist alles anders. Nach 3-4 Mon. hatte ich selbst Herzbeschwerden, Atemnot, Schwindel u. der Arzt sagte 'alles Trauerreaktion, sie sind gesund'. Ich sage es fehlte ein Stück meines Herzens, es ging mit ihm, und mein Herz versuchte verzweifelt es zu ersetzen. Ich versuche weiterzuleben, weil ich noch bin, weil meine Kinder mich brauchen, mein Enkel u. doch fühle ich mich oft total allein gelassen.
Es gibt keine Zeit für 'jetzt muss aber mal gut sein', weil es nicht mehr so ist wie es war, es wird nie wieder wie vorher weil der Liebste, die Liebe, fehlt, das wichtigste was das Leben lebenswert macht. Trauer hört nicht auf, sie verändert sich, man lernt mit ihr zu leben aber sie hört nie auf, man wird sie mit sich tragen bis zum eigenen Ende. D.h. nicht, dass man deswegen nicht wieder Freude am Leben hat aber es ist nicht mehr diese überschäumende Freude die man vorher hatte. Ich habe auch heute noch ganz böse Abstürze, aber die Zeit zwischendrin ist leichter u länger geworden.
Auch ich habe mich sehr zurückgezogen, bin z.T. sehr enttäuscht von vielen Leuten. Freunde, Bekannte, Nachbarn u. sogar die engste Familie haben null Ahnung wie es wirklich in einem aussieht, ihr Leben geht ja ganz normal weiter. Ich habe mit 3 Freundinnen gebrochen, sortiere aus, und bin froh, dass es neue Freunde gibt die mein Leid verstehen, weil sie es selbst erlebt haben.
"Es weiss ja keiner der's nicht erlebt wie's ist wenn einer die Flügel hebt und leise, leise sich auf die Reise die letzte macht..."Gruß - Pummel
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Wenn Schwimmen schlank macht, was machen Wale falsch????
Wer mit den Menschen auskommen will, darf nicht zu genau hinsehen.
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04.06.2013, 21:04
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
hallo,
Pummel - ich hab mich nach dem Suizid meines Sohnes vor 3 Jahren auch innerlich völlig zurückgezogen. Nach außen denken viele, die hat es überwunden. Nein, das wird man nie können.
Man kann versuchen, einigermaßen weiterzuleben - ich für meinen Enkel, den ich viel zu wenig sehen darf. Und es gibt so viele Tage voller Einsamkeit und Trauer - und die Frage, wie alles weitergehen soll.
Und auch ich habe einige Freunde verloren - irgendwie habe ich mich wahrscheinlich auch verändert und es fehlt das Verständnis. Drei Jahre, eine lange Zeit, und doch, als wäre es gestern erst gewesen.
Ich wünsche Dir viel Kraft.
LG
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05.06.2013, 13:45
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Hallo,
mein Gott, ich weiss gar nicht was ich sagen soll.
Ich bin geschockt und betroffen von euren Geschichten und eurem Leid.
Ich komme mir gerade so blau - aeugig und naiv vor, dabei habe ich "Erfahrung" mit Tod und Trauer, aber halt nicht so.
Ich wuensche euch allen von Herzen die Staerke, die ihr fuer die Bewaeltigung eurer Situationen benoetigt.
LG, sam
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05.06.2013, 13:58Inaktiver User
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Ich denke, über die emotionale Seite kann man nicht richten - aber wenn sie nach fast einem Jahr nicht arbeiten kann ist das ja normalerweise existenzgefährdend, das hat also für mich schon eine andere Qualität als sich z.B. im Freundeskreis auch für längere Zeit zurückzuziehen.
Ich finde das schon bedenklich, aber ich glaube, von außen kannst du da nicht viel machen. So schlimm es ist. Ein Buch schenken ist vielleicht eine gute Idee, aber ob sie das an sich ranlässt?
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05.06.2013, 14:02
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Hallo Kupferkanne,
da hast Du vollkommen recht - ich kann jedoch die Bedenken und Befürchtungen der TE verstehen, wenn sie ein Verharren in der Trauer festzustellen meint (so habe ich das verstanden). Ich denke, es gibt bestimmt Punkte, die über ein gesundes Maß an Trauer hinaus gehen. An diesem Punkt eine Hilfe sein zu wollen oder Hilfe anzubieten, halte ich für einen ganz wunderbaren Freundschaftsdienst.
Ein Bekannter meines Vaters verlor seine Frau vor 5 Jahren: er sitzt seitdem nur noch in seiner Wohnung bei heruntergelassenen Rolläden im Dunkeln, auf dem Couchtisch ein Foto der Verstorbenen mit Trauerflor und entzündeten Kerzen. Er verlässt die Wohung nur noch für den täglichen Friedhofsbesuch und wenn der Kühlschrank leer ist. "Ich trauere.", ist sein Standardsatz, wann immer ihn seine Jahrgangskollegen oder Freunde aus der Wohnung "locken" wollen, um mal etwas zu unternehmen.
Was ich damit sagen will: ja, es gibt kein Handbuch für Trauer und Trauerbewältigung, aber es gibt durchaus Grenzen, über die hinaus ein permanenter Zustand intensivster Trauer einhergehend mit Passivität und dem massiven Einschränken des täglichen Lebens sicher etwas "Ungesundes" hat.
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05.06.2013, 14:06Inaktiver User
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Das seh ich auch so. Egal in welcher Geschwindigkeit - aber irgendwie muss man die Trauer früher oder später in sein Leben integrieren können, das heißt ja nicht dass man aufhören muss zu trauern. Zumindest muss man doch irgendwie wieder in sein Alltagsleben reinfinden, Eltern kennen das ja - und oft ist grad das auch eine Krücke die über Tiefpunkte hinweghilft.
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05.06.2013, 21:46
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
ohneHoffnung - du hast eine PN!
Kinder sollten nicht vor den Eltern gehen, stelle mir das ganz furchtbar vor. Du hast mein ganzes Mitgefühl.
Ja es ist bei vielen so wie du es erzählst. Ich bin in einem Trauertreff u. von Anfang an hatte ich gleich das Gefühl 'hier versteht dich ein Jeder' und es ist so wichtig, dass man nicht nur mitleidig angesehen wird sondern Menschen um sich hat die wissen wie es einem geht.
SamSpade - ich finde es sehr positiv, dass du dich informierst u. den Willen hast ihren Kummer zu verstehen.
Es ist was anderes ob ich einen betagten Verwandten, Nachbarn od. auch Eltern verliere, oder ob es der Mensch ist dem mein ganzes Herz gehört, wie es beim Partner od. Kind der Fall ist.
Meine Mutter ist 1 Jahr vor meinem Mann gestorben, er wurde an ihrem 1. Todestag beerdigt. SIE war krank, alt u. hatte überhaupt keine Freude mehr am Leben, für sie war es Erlösung, ER hätte sicher noch gerne gelebt, uns fehlt ein ganzer Lebensabschnitt, der wo man einander noch mehr braucht weil man eben alt wird. Er hätte bald die Rente bekommen, wir hatten so viele Pläne was wir mit der freien Zeit gemeinsam machen wollten u. nun muss ich es alleine machen, seine Vertrautheit, sein Schutz, Humor, alles Gewohnte fehlt, man hat gar keine Lust sich aufzuraffen u. was zu unternehmen.
Schnell - 1 Jahr ist NICHTS, man hat gerade mal geschafft zu überleben, atmet, funktioniert, mehr nicht. In meinem Treff sind einige Leute die 2,3 u. mehr Jahre hinter sich haben u. sagen, dass sie das Gefühl haben immer wieder an den Anfang zurück katapultiert zu werden. Man lernt mit der Zeit mit der Trauer zu leben, macht eigentl. den 'Anderen' was vor, weil man nicht als Versager, Psycho, unfähig sein Leben i.d. Griff zu kriegen, dastehen will aber gegen Gefühle gibt es noch keine Pille. Einer braucht länger, andere verdrängen einfach nur besser.
Eine Frau am Friedhof fragte mich mal wie es mir denn so nach 2 J. ginge u. ich sagte 'es wird leichter'. Sie fauchte mich regelrecht an u. sagte 'nichts wird leichter'; sie ist seit 14 J. Witwe.
Wiesenblume - das mit deinem Bekannten finde ich schon auch extrem, Männer nehmen leider Hilfen nicht so an. Wir haben auch nur 2 Männer in unserem Treff aber sie kommen GsD immer wieder, er tut ihnen doch gut. Der Ältere, um die 70, ist seit ca. 8 Mon. Witwer u. immer wieder laufen ihm die Tränen; der Andere weint sicher eher zuhause. 30, 40 Jahre Gemeinsamkeit kann man nicht mit Vernunft verarbeiten, der Partner ist in einem eingebrannt, da ist Heimweh, Sehnsucht, Verlassenheit, jeder braucht seine eigene Zeitspanne um damit klar zu kommen.
Schnellschnell/Wiesenblume - leben eure Partner noch?Geändert von Pummel (05.06.2013 um 21:49 Uhr)
Gruß - Pummel
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Wenn Schwimmen schlank macht, was machen Wale falsch????
Wer mit den Menschen auskommen will, darf nicht zu genau hinsehen.
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06.06.2013, 13:19Inaktiver User
AW: Trauerbewaeltigung - zurueck ins Leben
Ja, ein Jahr ist nichts was das Empfinden des Verlustes angeht. Trotzdem: wenn jeder nicht mehr arbeiten könnte der jemanden verloren hat, wie soll das denn gehen?
Auch wenn ich sehr sinnvoll finde sich emotional den Raum und die Zeit zu geben die man braucht denke ich doch, dass ein Alltagsgerüst auch hilft sich in der Trauer nicht zu verlieren.
Ich selbst hab keinen Partner durch den Tod verloren, kenn aber aus meiner Alleinerziehendenarbeit junge Witwen. Die rückblickend alle gesagt haben, dass es zwar sehr schwer war - aber ihnen dennoch auch geholfen hat dass sie wegen der Kinder einfach den Alltag irgendwie bewältigen mussten.


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