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  1. Inaktiver User

    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Selbstbestimmtes Sterben in Deutschland bedeutet natürlich nicht, dass ich einen Arzt brauche, der mir eine tötliche Spritze gibt. Das wäre AKTIVE Sterbehilfe, wie sie nur in den Benelux-Ländern und zwei amerikanischen Staaten gesetzlich geregelt ist. Auch in der Schweiz ist aktive Sterbehilfe strafbar!

    Es geht aber (fast immer) tatsächlich selbstbestimmt, das heißt, dass der Sterbewillige den 'letzten Schritt' - z.B. die Einnahme bestimmter Medikamente - selbst vollziehen muss. Und das ist auch gut so, finde ich!

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Ganz schwieriges Thema in einem Land, dass vor nicht allzu langer Zeit unwertes Leben systematisch vernichtet hat.

    Solange es wirklich "nur" um die begleitete Selbsttötung geht, könnte man es jedem selbst überlassen, was er wie macht. Aber auch schon bei dem Begleiter mache ich Fragezeichen. Wer stellt sicher, dass nicht der Begleiter auch seine eigenen Interessen an einem Tod hat? Wer stellt sicher, dass der Arzt nicht "überzeugt" wurde, ein hilfreiches Gutachten zu schreiben? Wer erlangt die sichere Erkenntnis, dass auf den Sterbewilligen nicht Druck ausgeübt wurde, damit er endlich den Schritt gehen möge

    Wer diese Welt verlassen will, findet auch heute einen Weg - einsam, aber sicher. Wäre es ein Liebesbeweis, wenn ich meinen Partner auf diesem Wege begleiten würde (oder ich kann sagen hätte - leider).

    Ich bin sehr unsicher. Ich möchte auch nicht leiden, wenn es keine Heilung mehr gibt, und es gibt sicher Fälle, in denen die Prognose 100% sicher ist und der Wille des Menschen sehr eindeutig. Ebenso gibt es Menschen, die am Leben hängen, die Hoffnung nicht aufgeben, auch unter den größten Mühen und Qualen weiterleben wollen. Wer zieht die Grenzen, wer beschreibt die Grautöne?

    Peter Puppe, der Sterbehelfer mit eigener Homepage. Hier schreiben alle anonym, aber dennoch fände ich es bei dem Avatar zu diesem Thema wichtig zu wissen, ob sich jemand des Namens bedient, um seine Meinung zu verstärken, oder ob da jemand mit Erfahrung mitschreibt.

    Schwieriges Thema - ich bin mal gespannt.
    Der Sinn des Lebens ist das Glück.
    Und wenn das Glück dich verlässt, lauf hinterher.

    Kranich-Frain-Schlamperl-Sternensammlerin-Lebensliebe+Sonnenkranich-?

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Ja, stimmt, in der Schweiz ist es auch so, dass der Patient das verschriebene Mittel selbst trinken muss.
    Früher oder später stößt jedem alles zu. Das Leben achtet auf Vollständigkeit.
    (George Bernard Shaw)

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es geht aber (fast immer) tatsächlich selbstbestimmt, das heißt, dass der Sterbewillige den 'letzten Schritt' - z.B. die Einnahme bestimmter Medikamente - selbst vollziehen muss. Und das ist auch gut so, finde ich!
    Fast immer - und was ist in den anderen Fällen?
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    Kranich-Frain-Schlamperl-Sternensammlerin-Lebensliebe+Sonnenkranich-?

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    @Lebensliebe, man kann hinter allem Eigeninteressen und Böses wittern. Lug und Trug und Bestechlichkeit gibt es ja in JEDEM Lebensbereich. Das allein ist für mich kein Argument, die Freitodbegleitung abzulehnen.

    Aber ist es nicht auch vorstellbar, dass es menschlich ist, Menschen unter ganz bestimmten Voraussetzungen eine von ihm gewünschte Freitodbegleitung zu ermöglichen?

    Das Gesuch auf Freitodbegleitung durch Dignitas muss zum Beispiel persönlich verfasst werden. Es dauert nach Aussagen von Dignitas vom Zeitpunkt meines Gesuchs an ca. drei Monate, bis man das Medikament erhalten kann. Ich denke, kein Arzt möchte in den Knast, weil sich herausstellt, er hat mich aus Eigeninteresse "umgebracht".

    Wenn ich Mitglied bei Dignitas bin und dann trotz größter Einschränkungen am Leben hänge, wer zwingt mich denn, die angebotene Möglichkeit auf Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?

    Wenn ich ein Tier habe, versuche ich doch auch, ihm nach Möglichkeit Leid zu ersparen. Natürlich kann ich es nicht fragen, inwieweit es trotz Schmerzen weiterleben möchte. Ich kann nur nach bestem Wissen und Gewissen handeln, mich versuchen, in meinen Hausgenossen oder meinen vierbeinigen Freund hineinzuversetzen und dann eine von Liebe getragene Entscheidung treffen.
    Umso mehr hat doch mein Partner, der sich selbst äußern kann, einen Anspruch darauf, dass er sein Leben, dass für ihn unerträglich ist, würdig beenden darf. Und wie gesagt, die geistige Zurechnungsfähigkeit des Sterbewilligen wird von Dignitas, so habe ich den Eindruck, lieber zu viel als zu wenig geprüft.
    Früher oder später stößt jedem alles zu. Das Leben achtet auf Vollständigkeit.
    (George Bernard Shaw)

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Gitta, ich habe mich da vielleicht nicht richtig ausgedrückt. Ich wittere dahinter nicht Lug und Betrug, aber ich sehe das Thema aus sehr unterschiedlichen Facetten und Erfahrungen.

    Ich beschäftige mich schon sehr lange mit Tod und Sterben, komme selbst aus einer Familie, in der in der Nazizeit eine 2stellige Zahl Angehöriger sich selbst getötet haben, um dem KZ zu entgehen. Ich glaube, bin mir ziemlich sicher, dass meinem Großvater beim Sterben geholfen wurde und habe mit meinen Eltern und Geschwistern die Vereinbarung, dass wir uns nicht leiden lassen, da wir die Möglichkeiten haben, uns am Ende zu helfen. Mein Lebensgefährte hat sich selbst getötet, als ihm sein Leben zu schwer und aussichtslos erschien, und ich habe hier mal einen Strang eröffnet, als ich entscheiden mußte, ob bei eine 99,5 jährigen Verwandten operiert werden sollte, um ihr Leben zu verlängern.

    In meiner Nachbarschaft wurde vor kurzem eine 85-Jährige schwer krebskranke Frau von einem Auto angefahren und starb. Ich meinte, dass es für die Frau doch eine Erlösung sein müsse, so dem ohnehin anstehnenden sehr viel qualvolleren Tod zu entgehen. Die meisten Menschen hatten eine andere Meinung: hauptsache leben.

    Ich wünsche mir auch, in Würde zu sterben, aber ich habe auch erlebt, dass Menschen, deren Tod aus Sicht eines gesunden Menschen eine Erlösung sein sollte, bis zur letzten Sekunde verzweifelt um ihr Leben gekämpft haben.

    Ich finde das Thema sehr schwierig, so sehr individuell und personen-/situationsbezogen, dass ich hoffe, dass es nie gesetzlich geregelt wird. Den Willen eines Menschen zum Leben oder zum Sterben kann man m. E. nicht in justitiable Worte fassen.
    Geändert von Lebensliebe (20.09.2012 um 21:58 Uhr)
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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Aber es zwingt doch niemanden, sich für den Freitod zu entscheiden; es ist für Dignitas eine Voraussetzung der Freitodbegleitung, dass der Betroffene sich aus freien Stücken dafür entscheidet.
    Ich halte ich es für unmenschlich und auch für entmündigend, Menschen, die ihren Willen im Gegensatz zu Tieren sogar eindeutig äußern können, auf Gedeih und Verderb zum Weiterleben zu zwingen.
    Ob mir die Schmerzen zu stark oder eine Behinderung zumutbar oder nicht mehr zumutbar ist, das möchte ICH entscheiden, das hat kein Papst, kein Bischof, keine Kirche, kein Politiker und keine Gesellschaft für mich zu entscheiden.
    Ich möchte nicht von der Gesellschaft gegen meinen Willen gezwungen werden, entweder meinen Tod hinauszuzögern oder aber eine Methode zu wählen, vor der ich Angst habe.

    Die Gründe, Mitglied bei Dignitas zu werden, sind bei vielen dieselben wie bei mir: Obwohl ich noch relativ gesund bin, nimmt das Risiko, krank zu werden, mit der Zeit zu und damit auch gewisse Ängste: Was wird die nächsten 30 bis 40 Jahre auf mich zukommen? Werde ich eine schwere Krankheit bekommen? Werde ich vielleicht irgendwann mal schwer krank sein und dann keine Angehörigen mehr haben oder irgendwann mal vielleicht auf fremde Menschen angewiesen sein? Und dann eine letzte Möglichkeit zu haben, schmerzfrei einschlafen zu dürfen - ob ich diese mal nutzen werde oder nicht - nimmt vielen einiges von dieser Angst, die ja sicher mit der Zeit nicht weniger wird. Und weniger Angst = mehr Gelassenheit und mehr Lebensqualität.
    Also hat diese Organisation doch schon einen Sinn erfüllt.

    Und wenn du und viele andere bestimmt auch skeptisch sind oder vielleicht auch der Meinung sind, dass sie es sich unter keinen Umständen vorstellen können, ihr Leben aktiv zu beenden,
    es ist für niemanden ein Zwang, einer derartigen Organisation beizutreten, und schon gar niemand wird gezwungen, sich für den Freitod zu entscheiden.
    Aber denjenigen, die das anderes sehen, sollte man dann ebenfalls die Freiheit lassen, sich anders zu entscheiden.
    Geändert von Gitta777 (20.09.2012 um 22:30 Uhr)
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    (George Bernard Shaw)

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Zitat Zitat von Gitta777 Beitrag anzeigen
    Ja, stimmt, in der Schweiz ist es auch so, dass der Patient das verschriebene Mittel selbst trinken muss.
    wer sollte es denn auch sonst trinken?
    dadadadiamoisongdesisahoidaso!

    Dialektfreiheit ist kein kulturelles Verdienst

    (Ulrich Maly)

    Was Leute tun, tun sie normalerweise wegen sich. Nicht wegen dir.
    (wieder mal ein wunderbares Zitatgeschenk vom Wusel)


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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Manche Dinge sind sehr klar - da gebe ich dir völlig recht, Gitta. Es gibt sicher Menschen, die geistig völlig klar, unglaublich leiden müssen und für die der Tod leichter als das Leben ist. Es gab doch in den letzten Jahren pressebekannte Fälle aus Frankreich und England.

    Ich kenne einige, die Dignitas Mitglied sind. Ich habe aber auch schon den sehr entnervten Satz einer Ehefrau gehört, deren Mann nach einem Schlaganfall bewegungsunfähig war, so dass sich das Leben der ganzen Familie änderte: hoffentlich kann ich ihn bald in die Schweiz bringen. Der Mann war immer weicher als seine Frau - wer weiß, wie lange er noch nein sagt.

    Ich glaube, die meisten Menschen sterben in der Theorie wesentlich leichter als in der Realität. Ich möchte nicht leiden, ich habe keine Angst vorm Tod, aber ich weiß, dass ich das tatsächlich erst dann wirklich sicher sagen kann, wenn es so weit ist.
    Der Sinn des Lebens ist das Glück.
    Und wenn das Glück dich verlässt, lauf hinterher.

    Kranich-Frain-Schlamperl-Sternensammlerin-Lebensliebe+Sonnenkranich-?

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    AW: Mitglied bei Dignitas - Sterbehilfe

    Zitat Zitat von Lizzie64 Beitrag anzeigen
    wer sollte es denn auch sonst trinken?
    Sehr witzig.
    Der Sinn des Lebens ist das Glück.
    Und wenn das Glück dich verlässt, lauf hinterher.

    Kranich-Frain-Schlamperl-Sternensammlerin-Lebensliebe+Sonnenkranich-?

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