Antworten
Seite 3 von 6 ErsteErste 12345 ... LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 30 von 60
  1. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Liebe Paula,

    ich weine mit dir. Und wünsche dir alle Kraft dieser Welt für einen ganz besonderen Menschen mit einem riesengroßen Herzen.

    Deine Basine .

  2. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Ach Paula,

    das erste Mal Geburstag... ich würde gerne etwas Tröstendes sagen und weiß, dass das nicht wirklich geht.

    Was ich aber sagen möchte, ist auch: du musst nicht immer Kraft haben. Dein "kraftloser Gruß" hat mich sehr berührt. Woher soll die auch immer kommen, die Kraft? Kannst du dir nicht ein paar Tage Kraftlosigkeit gönnen? Geht das vielleicht, mal nicht ins Büro zu gehen? Meine Ärztin hat mich einmal in einer schweren Phase einfach eine Woche krank geschrieben. Sie wollte mich sogar zur Kur schicken, aber das wollte ich nicht. Aber immerhin eine Woche Pause von der Kraft war schon viel. Es war eine geschenkte Woche zum weinen und traurig sein und nicht kraftvoll sein müssen. Das geht nicht immer. Geht das nicht vielleicht auch bei dir?

    Ich weiß nicht, ob sich das jetzt komisch anhört, aber ich wünsche dir, dass du dir gnädig sein kannst. Hast du noch andere Kinder oder Menschen, für die du "auf der Matte" und kräftig sein musst?

    Alles Liebe für dich, auch in kraftlosen Zeiten.

  3. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Liebe Paula,

    oh ja, diese bittergrauen Tage

    Wehr dich nicht dagegen, sei schwach, sei traurig und halte den Ansturm der Gefühle nicht auf,
    denn sonst nimmst du dir durch das dagegenanhalten deine letzten Kraftreserven.

    Es ist unmöglich, dem auszuweichen.

    Aber es ist möglich, diese Welle zu reiten. Laß dich tragen von ihr.
    Wir meinen, am Schmerz zu ersticken, aber die Trauer will uns nicht töten.
    Die Trauer selbst weiß nicht um unsere bleischweren Herzen, sie existiert einfach.
    Sie kommt unweigerlich immer wieder.

    Aber sie GEHT AUCH WIEDER

    Und jedes Mal wird ihre Wucht etwas geringer...
    Anfangs unmerklich geringer,
    aber es kommt der Tag, an dem sie zu Besuch kommt und wir öffnen ihr mit einem wehmütigen Lächeln unsere Tür zum Haus unserer Seele.

    Sie ist nun einfach Teil unseres Lebens geworden.

    Wir werden getragen von Liebe, und kein Blei ist so schwer, dass es nicht getragen werden kann.

    Oh ja, wir sind stark, auch wenn wir manchmal "schwach" sind.



    Lavendelmond

  4. User Info Menu

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Liebe Paula,

    oh ja, diese bittergrauen Tage

    Wehr dich nicht dagegen, sei schwach, sei traurig und halte den Ansturm der Gefühle nicht auf,
    denn sonst nimmst du dir durch das dagegenanhalten deine letzten Kraftreserven.

    Es ist unmöglich, dem auszuweichen.

    Aber es ist möglich, diese Welle zu reiten. Laß dich tragen von ihr.
    Wir meinen, am Schmerz zu ersticken, aber die Trauer will uns nicht töten.
    Die Trauer selbst weiß nicht um unsere bleischweren Herzen, sie existiert einfach.
    Sie kommt unweigerlich immer wieder.

    Aber sie GEHT AUCH WIEDER

    Und jedes Mal wird ihre Wucht etwas geringer...
    Anfangs unmerklich geringer,
    aber es kommt der Tag, an dem sie zu Besuch kommt und wir öffnen ihr mit einem wehmütigen Lächeln unsere Tür zum Haus unserer Seele.

    Sie ist nun einfach Teil unseres Lebens geworden.

    Wir werden getragen von Liebe, und kein Blei ist so schwer, dass es nicht getragen werden kann.

    Oh ja, wir sind stark, auch wenn wir manchmal "schwach" sind.



    Lavendelmond
    Hallo,

    ich möchte mich den Worten von Lavendelmond anschließen, hätte es aber niemals so genau auf den Punkt bringen können. Man muß die Trauer wirklich immer wieder zulassen, auch nach vielen Jahren noch, denn trotz der oft schon "langen" Zeit fehlt einem doch trotzdem die Tochter wie bei Paula oder die Mutter wie bei mir, die vor 15 Jahren im Alter von 46 Jahren an einer heimtückischen Herzerkrankung verstarb.

    Und diese bitteren bleigrauen Tage erwischen mich meist hinterrücks und kaum einer versteht, warum ich nach all der Zeit immer noch trauere, "Das ist doch schon so lange her" und "Reiss Dich doch mal zusammen".

    Mit Macht hat mich die Trauer überkommen, als ich kürzlich aus der Zeitung vom Tod meiner Großmutter mütterlicherseits erfahren habe, da die Familie meiner Mutter nach ihrem Tod aus unerfindlichen Gründen nichts mehr mit uns zu tun haben wollte.

    Erschreckenderweise - für mich - habe ich nicht um meine Großmutter getrauert, ihr Tod hat mich kaltgelassen, sondern ganz intensiv eine ganze Woche lang die Gedanken um meine Mutter kreisen lassen, die sicher gerne noch meinen Mann und mein Kind kennengelernt hätte. Und nun ist nächste Woche einen Tag nach meinem eigenen der Geburtstag meiner Mutter - das wird auch wieder schwer .

    Traurige Grüße

    Spatz

  5. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Zweiter April Zweitausendsechs.
    Ich bin schon dankbar dafür, daß es heute nicht regnet, nicht schneit, daß kein trüber und zäher Nebel sich über mich legt und mir noch mehr das Atmen erschwert, als es ohnehin schon der Fall ist.
    An Tagen wie diesen weiß ich die sanfte Frühjahrssonne zu schätzen und das Zwitschern der Vögel im Morgengrauen hat gut getan. Früh war ich wach, eigentlich zu früh. Im warmen Bett habe ich die Nähe meines kleinen Katers genossen, der eng an mich gekuschelt schnurrend den Tag begrüßt hat.

    Die vergangene Woche habe ich bewußt verbracht. Bewußt mit lieben Menschen. Habe fünfe gerade sein lassen und mich ins Straßencafé gesetzt, einfach so, zwei Stunden lang, Müssiggang, Nichtstun, Gedankenlaufenlassen.

    Und ich habe die Gedanken zugelassen, die ich mir sonst verbiete: Was wäre wenn ...
    Wie wäre es heute, wärst Du noch am Leben. Welche Frisur würdest Du tragen, welche Musik hören, welchen Beruf hättest Du Dir ausgesucht? Was wäre, wenn dieser Zweite April Zweitausendsechs ein ganz normaler Geburtstag wäre? Was hätte ich Dir geschenkt?

    Der Tag ist -fast- vorbei. Wie immer waren es wenige, die Deiner gedacht haben und die mich haben wissen lassen, daß Du in ihren Gedanken weiterlebst. Wie in jedem Jahr habe ich mich an die Hoffnung geklammert, daß hinter dem Läuten des Telefons sich jemand verbirgt, der mir sagen möchte, daß er an Dich -an uns- gedacht hat.

    Und wie immer war Deine Patentante zur Stelle -an meiner Seite- und wir haben ein Gläschen auf Dich getrunken. Deine Geburtsstunde -Sechzehnuhrzehn- haben wir dort verbracht, wo Dein Gedenkstein heute liegt -im Garten beim Gartenteich- und der alte, rote Kater, von dem wir nicht wissen, wohin er gehört und woher er kam -plötzlich war er da, an einem wolkenverhangenen Novembertag- saß auf der Mauer und hat uns zugeschaut, als wisse er genau, was wir da tun und warum wir da sitzen, auf der feuchten Erde -neben dem Gartenteich- und warum wir uns an den Händen halten -haltsuchend-. Zur Feier des Tages hab ich ihm ein paar Leckerchen gebracht, dem roten, alten Kater.

    Vorhin habe ich mit Deinem Papa telefoniert, liebe Gewohnheit, nach all den Jahren noch. "Hallo Geburtstagskindmama" hat er gesagt und dabei gelacht, wie all die Jahre zuvor auch.

    Der Tag ist -fast- vorüber. Bei einer Pizza Salami -mit ganz viel Käse!- werden wir den Tag ausklingen lassen.

    Schöner wäre er gewesen, wärest Du da.


  6. User Info Menu

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Liebe Paula,
    ja was wäre wenn? Diese Frage stelle ich mir auch gelegentlich aber die Antwort??? Na ja??? Ich möchte dich einfach ganzzz fest umarmen.
    Dein Schatz kann stolz auf seine Mama sein und sie ist es auch ganz bestimmt, da oben, da wo unsere Kinder sind. Sie haben heute bestimmt ein wunderschönes FEst gefeiert unsere zwei, Seite an Seite, da bin ich mir sicher.

    Ganz ganz liebe Grüße
    Petra mit Claudia heute besonders nah

  7. User Info Menu

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Liebe Paula,
    wenn ich deine Zeilen lesen, bleibt die Welt immer für einen kleinen Moment stehen und Trauer und Liebe ziehen in mein Herz und meine Seele ein. Ich denke oft an dich und deine Tochter und schicke dir ganz viel Frühlingsstrahlen und ein paar Leckerli für den roten Kater...

    Gestern war ich auf dem Friedhof an meinem Wohnort. Meine Mama liegt jetzt seit sieben Monaten 400 Kilometer weit weg in Frankfurt und ich konnte nur zweimal ihr Grab besuchen. Es war so lange mit Schnee bedeckt und ich hoffe, dass jetzt der Frühling einzieht und es zart und sanft mit Blüten bedeckt. Ich stand an den Gräbern von zwei lieben Menschen, die ich kannte und habe geweint und gehofft, dass sie weiß, wie oft ich an sie denke. Und dass ich an diesen Gräbern stellvertretend um sie weinen darf. Manchmal denke ich, dass ich sie sehen kann. So als ob sie nur am anderen Ufer steht und mir durch den Nebel des Lebens zuwinkt. Und ich weiß, irgendwann gehe ich auch an das andere Ufer, sie ist nur vorgegangen. Ich wünsche ihr sehr, dass sie jetzt erlöst ist von ihren Ängsten und Schmerzen.
    Gestern habe ich am Bodensee Steine gesucht. Daraus möchte ich einen Engel für sie machen. Er soll in unserem Garten stehen und der Ort sein, an dem ich sie suchen und ihr Licht und Liebe schicken kann.
    Amaruschka

  8. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Ich habe die Macht eines Grabes unterschätzt. Nie hätte ich gedacht, daß mir diese Stätte in dieser Form so sehr fehlt. Die Möglichkeit, mich in mein Auto zu setzen, die Autobahn entlang zu fahren, Musik im Ohr, Autobahnraststätte Würzburg, Lavazza Coffe-Shop, Blick hinaus auf die Raststätte, auf die Menschen dort. Ich liebe Raststätten. Man sitzt dort und kann Menschen beobachten, die man garantiert nie wieder sehen wird, ich frage mich, woher sie kommen und warum sie unterwegs sind, gerade an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit.
    Die Fahrt zum Friedhof hatte immer so etwas Tröstliches. Ein Ziel vor Augen hatte ich. Bei der dritten Tasse Lavazza-Kaffee wußte ich, daß ich in allerspätestens einer Stunde ankomme. Ein bunter Frühlingsstrauß auf der Rücksitzbank, "Pur" im Ohr, Musik von damals. So lang her.

    Das erste Jahr ohne ein Grab, ohne Autobahnfahrt, ohne Lavazza-Kaffee und ohne Ziel. Das erste Jahr mit Deinem Grabstein in meiner Nähe, in unserem Garten. Primelchen hab ich gepflanzt und den ganzen Mittag über Ausschau gehalten nach dem alten roten Kater. Am Nachmittag kam Dein Papa auf eine Tasse Kaffee, nur ein halbes Stündchen, aber wichtig. Ich werde ihn ewig dafür lieben, daß er und ich immer Eltern geblieben sind, wenn wir auch kein Ehepaar mehr sind.

    Heute Abend bin ich lange im kühlen Dunkel des Gartens gesessen. Der alte rote Kater saß mit gebührendem Abstand neben mir, hat seine Leckerchen genossen und von Zeit zu Zeit ausgiebig gegähnt. Er hat mich nicht ein einziges Mal angeschaut, aber an der Art und Weise, wie er da neben mir lag, konnte ich erkennen, daß er dort so lange bleiben wird, bis ich das Feld räume.

    Deine Todesstunde - Vierzehnuhrfünfundzwanzig - habe ich verpasst. Und ich merke in diesem Jahr zum ersten Mal, daß der Schmerz, der eigentliche Schmerz, milder geworden ist. Zwar haben mich die Tage vor Deinem Geburts- und Todestag sehr gefangen genommen - aber es ist erträglicher als die Jahre zuvor. Vielleicht meine ich es nur, aber ich spüre zum allerersten Mal nicht den Wunsch in mir, alles hinzuwerfen. Du fehlst mir, Dein Grab fehlt mir, aber der Druck auf meiner Brust ist nicht mehr derselbe wie noch vor einem Jahr.

    Als ich vor wenigen Minuten einen letzten Blick in den Garten geworfen habe, hätte ich schwören können, den alten roten Kater noch immer sitzen zu sehen. Ich werde ihm morgen eine extra Portion Lachs- und Forelle-Leckerchen rauslegen.

    Stille Grüße in die Nacht

    Paula

  9. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Liebe Paula, ich war auf dem Weg zu erstarren.
    Als ich jetzt wieder in Deinem Thread mitgelesen habe, sind die gefrorenen Tränen zerschellt und geborsten und ich habe mich und meine Trauer endlich wieder gefühlt.
    Hab Dank für Deine wunderbaren Beiträge.
    Ich schick Dir eine behutsame Umarmung.
    Sontagskatze

  10. Inaktiver User

    Re: Vom Leben mit der Trauer

    Zur Zeit habe ich eine Hoch-Zeit. Die vielen Bücher über Trauer, Trauerbewältigung und all die "nützlichen und praktischen Tipps für das Leben danach" habe ich - wie schon unendliche Male zuvor - in die große Kiste im Keller verstaut, wohl wissend, daß ich sie wieder rauskramen werde zu einem Zeitpunkt, den ich in weiter Ferne hoffend erwarte. Ich fühle mich gut und wohl, kann mich freuen an der langsam erwachenden Natur, am quakenden Frosch im Gartenteich, an den Krokussen und an den längeren Tagen.

    Ich fühle eine Energie und Kraft in mir, die mich mutig macht.

    Sehr gefreut habe ich mich über einen Brief meines Ex-Schwiegervaters, der mich um Erlaubnis gebeten hat, ein Foto meiner Tochter und mir in seiner Familien-Chronik einzubinden, an der er im Moment arbeitet. "Sei so nett, liebe Paula, und erlaube mir, ein Bild meiner ältesten Enkeltochter abzudrucken." - Ich hab geschluckt und mich gefreut über die Worte des alten Herrn. Über dieses "Ich hab sie nicht vergessen".

    Ich wünsche allen einen wunderbaren Frühling mit einem ebenso leichten Herzen, wie ich es im Moment habe. So voller Hoffnung und Zufriedenheit ...

    Paula

Antworten
Seite 3 von 6 ErsteErste 12345 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •