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  1. Registriert seit
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    Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hallo Leutz,
    ich möchte mich an Euch wenden da mir bisjetzt niemand mein Gefühl nehmen konnte und ich die Ansichten von Euch mal gerne anhören würde.
    Ich bin seit ca. 2einhalb Jahren mit meiner Freundin zusammen. Wir haben bislang eine Beziehung geführt die mir sehr gefallen hat. Viel zusammen gemacht, geistige Nähe, körperliche Nähe und wenn es mal gehakt hat konnten wir drüber reden und lösen. Alle auf einem guten Weg.
    Vor ca. einem halben Jahr ist ihr Vater gestorben. Das war ein ziemlicher Schock für alle. Ich habe versucht Sie zu unterstützen was mir mehr oder weniger gelang und tue das immer noch.
    Die Beziehung verändert sich aber. Wir haben kaum noch Sex, der Austausch von Zärtlichkeiten ist auf ein Minimum reduziert und wir reden wenn wir mal einen Konflikt haben nicht mehr so schnell miteinander. Das alles hat sich so entwickelt. War auch kurz nach dem Tod ihres Vaters noch anders, wird aber immer extremer obwohl es in meinem Verständnis doch besser werden sollte.
    Ich fange an, das auf mich zu beziehen, suche die Fehler bei mir und werde langsam nervös.
    Meine Frage: Gibt es jemanden der so eine Situation auch kennt, auch gerne von der anderen Seite aus und der mir meine Befürchtungen nehmen kann. Ich habe Angst, das ich das irgendwann nicht mehr aushalte wenn meine Beziehung körperlos wird. Geht sowas vorbei? Seh ich was falsch? Muss ich nur geduldiger sein?
    Geändert von Jeronimo2012 (22.02.2011 um 11:20 Uhr)


  2. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Meine Mutter ist vor einem halben Jahr sehr plötzlich gestorben. Seitdem bin ich selbst ausgesprochen abweisend anderen Menschen gegenüber geworden. Ich pflege nur noch die nötigsten Freundschaften, und auch die sehr unregelmäßig. Manchmal kann ich es tagelang kaum ertragen, im Büro Leute um mich rum zu haben. Kommunikation über meine Gefühle ist nach den ersten schlimmen Wochen fast unmöglich geworden. Ich fühle mich wie ein Seeigel - hohl und gleichzeitig nach außen stachelig.

    Ob es deiner Freundin genauso geht, weiß ich nicht. Für mich kann ich sagen, daß ich im Moment - bin Single - die Vorstellung von körperlicher Nähe, von den selbstverständlichen Forderungen eines Miteinanders, kaum ertragen kann. Alles ist nur noch oberflächlich, bedeutungslos, ohne Beständigkeit. Im Grunde sind mir meine Mitmenschen zur Zeit herzlich egal, von meinen Geschwistern abgesehen. Selbst meine Schwägerin ist mir gleichgültig, bei meinem Neffen schwanke ich in meinen Gefühlen.

    Ich hoffe und bin zuversichtlich, daß diese Phase auch vorüber geht, genau wie die akute Trauer und das Begreifen. Aber vorhersagen, wie lange es dauert und ob eine Beziehung das aushalten könnte, müßte, würde, das kann ich nicht.

  3. Avatar von Simplemind66
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hallo Jeronimo,

    Trauer und ihre Auswirkungen folgen keinem "Muster", geschweige denn bestimmten Abläufen. Auch wenn die Umgebung glaubt, es müsse doch langsam besser werden, ist das für den Trauernden völlig egal.

    Es gibt Trauerphasen. Wie lange sie dauern und wie intensiv sie gelebt werden kann niemand vorhersagen. Selbst wenn es nach außen hin aussieht als wenn die Beziehung zum Verstorbenen eher lose oder gar "gestört" war, sagt das nichts über die Intensität der Trauer aus.

    Für deine Beziehung heißt das: Geduld haben und Reden.
    simplemind
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    Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte
    George Bernhard Shaw
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hallo Jeronimo,

    ich kann mich den Aussagen von SimpleMind66 nur anschließen.

    Ein halbes Jahr ist auch noch nicht wirklich eine lange Zeit. Ich habe meinen Papa vor 4 Jahren verloren und es vergeht immernoch kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke und dann gibt es auch die Tage, an denen es noch ganz schlimm wehtut.

    Es wird sicherlich eine Zeit lang dauern, bis sich Deine Freundin mehr oder weniger an den Gedanken "gewöhnt", dass der Papa nun nicht mehr da ist. Das ist einfach sehr sehr schwer und bringt natürlich auch die ganze Gefühlswelt durcheinander.

    Auf der anderen Seite kann das aber wirklich sehr anstrengend für den Partner werden und Momente geben, in denen der Partner die ganze Trauer und das ganze damit verbundene Verhalten einfach nicht ertragen kann. Das ist auch verständlich, denn wer möchte nicht ein unbeschwertes Leben führen, in dem auch wieder gelebt, geliebt und nicht nur getrauert wird?

    Ich glaube es ist wichtig, dass Du Deiner Freundin noch bissl Zeit lässt. Ich finde aber auch, dass Du neben Deiner Unterstützung auch ganz ganz ganz vorsichtig Deine Gefühle und Deine Ansichten mitteilen solltest.


  5. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hallo Jeronimo, man verändert sich einfach durch den Verlust. Ich hab im Oktober meine Mutter bis zu ihrem Tod begleitet und ich bin ein anderer Mensch seitdem, eigentlich war ich immer lustig und aufgeschlossen, und wehe es waren keine Leute um mich rum; seitdem bin ich am liebsten zuhause, gerne auch allein, Leute um mich rum ertrag ich nicht, besonders nicht größere Gruppen, das banale Gerede interessiert mich einfach nicht mehr; bin auch am Überlegen, ob ich wieder mal so werde wie früher, aber wenn, dann ist das noch ein sehr weiter Weg dorthin.
    Und ... man muss mich derzeit nehmen wie ich bin, das ist bestimmt nicht immer leicht für meine Familie, das weiß ich auch; es ist nicht kalkulierbar wie ich momentan drauf bin, ich kann beim Essen sitzen und alles ist ok, ich kann aber auch mittendrin Tränen in den Augen haben und losheulen.
    Ich denk man muss Geduld haben, auch wenn es nicht immer leicht ist. Und die wünsch ich dir, LG Birgit


  6. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hey u,

    vielen Dank für Eure Meinungen und Ansichten. Ich glaub schon dass sie noch Zeit hat bei mir. Ich liebe sie und will ein Leben weiter mit ihr auch ein verändertes. Ich spüre allerdings in mir Grenzen wenn so liebevolle Rituale erstmal flöten gehen. In der Zeit wo sie da und doch nicht da ist brauche ich manchmal ein Zeichen. Wenn das nicht so ist fühle ich mich wie im freien Fall und das ständig.
    Aber ihr habt Recht wenn ihr sagt das es Geduld braucht. Jeder geht auch anders damit um. Wenn ich trauere hab ich die Erfahrung gemacht, suche ich immer zwischendrin Nähe.
    Dann werde ich mich mal aufmachen und versuchen die richtige Balance zu finden. Danke Euch

  7. Inaktiver User

    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Was ich ganz wichtig finde: versuche zu verstehen, dass ihr Verhalten nicht gegen dich gerichtet ist, auch wenn es schwerfällt.


  8. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hi ewk,

    das ist wirklich die schwerste Übung dabei. Wie macht man das?


  9. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hi Jeronimo,

    mir ging es so: die Trauer hat mich eingehüllt, ich hab mich gefühlt wie in einem großen Kokon. Da war kaum Raum für was anderes. Meine Arbeit und Pflichten hab ich roboterhaft erledigt, ohne drüber nach zu denken. Nähe zu zu lassen war manchmal gar nicht möglich, zum Glück ist mein Mann damit gelassen umgegangen. Ich wußte immer, dass er 100% da ist und zu mir steht.

    Redet ihr miteinander? Über ihre Trauer? Darüber, dass du Zeichen brauchst?

    vg mipp


  10. Registriert seit
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    AW: Veränderung des Partners und der Beziehung durch Trauer

    Hi Mipp,

    wenn sie es zuläßt reden wir über die Trauer. Ich bin auch für Sie da, auch 100 prozentig, nehme ihr manche Sachen ab die noch wegen Erbschaft usw. zu tun sind. Am Anfang war noch alles auf einem "normalen"Weg , sie konnte bei mir heulen oder fluchen und ich war gelassen, verstehe mich al ihre Stütze. Mir ist klar, dass ich auf sie warten muß aber umso länger der Todestag weg ist umso zurückgezogener wird sie und ich habe ein wenig die Gelassenheit verloren. Habe ihr schon öfter gesagt, dass ich manchmal ein Zeichen brauch, weiß aber nicht inwieweit das eingedrungen ist. Vor einer Woche haben wir uns mal länger drüber unterhalten, auch ein bißchen gestritten. Sie fühlte sich angegriffen und warf mir vor ich hätte kein Verständnis für die Situation, ich müßte verstehen, dass sie sich momentan nicht annähern kann. Hast du deinem Mann Zeichen gegeben? Wie hattet ihr euch darüber verabredet?
    Geändert von Jeronimo2012 (25.02.2011 um 13:19 Uhr)

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