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  1. Registriert seit
    15.02.2010
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    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Hallo zusammen!

    Ich bin hier auch nur bedingt richtig. Im November 2009 hat mein Vater Suizid begangen. Die meisten von Euch sind schon einen Schritt weiter als ich, da das Ereignis schon länger zurück liegt. Bei mir ist alles noch relativ neu und ich kann derzeit nicht beurteilen, ob der Schmerz irgendwann nachlässt. Ich quäle mich ständig mit dem Gedanken nach dem Warum und ob ich vielleicht Signale übersehen habe. Und ich frage mich, ob es ihm egal war, was er seiner Familie damit antut.

    Bei dem Verlust des Vaters tröstet mich allerdings der Gedanke ein wenig, daß es "normal" ist, eines Tages seine Eltern zu verlieren. Doch wie schlimm muss es sein, den Tod seines Kindes zu erleben!

    Und genau aus diesem Grund haben die beiden Brüder meines Vaters beschlossen, meinen Großeltern (88 und 92 Jahre alt) die Wahrheit nicht mehr zuzumuten. Sie glauben, er sei an einem Herzinfarkt gestorben. Obwohl ich sicher bin, daß es für sie so leichter ist, den Tod Ihres Sohnes zu verkraften, ist es für mich um so schwerer. Ich muss unglaublich vorsichtig sein, nicht das Falsche zu sagen. Ich kann nicht die Wahrheit aussprechen, kann nicht wirklich die Fragen stellen, die mich beschäftigen und innerlich zermürben.

    Ist es richtig, aus Rücksicht zu lügen? Oder haben Sie ein Recht auf die Wahrheit?

    Ich wünsche Euch allen ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße
    Ich-bin-kein-Huhn

  2. Avatar von themir
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    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    ... ich bin sehr berührt von diesem Strang und werde mich auch gleich wieder still zurückziehen ...




    ... als ich gerade heute in einer Buchhandlung war, hatte ich dieses Buch in den Händen; ich schreibe einfach mal den Titel hier hin:

    Danielle Steel
    Sein Strahlendes Licht
    Die Geschichte meines Sohnes

  3. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Zitat Zitat von themir Beitrag anzeigen
    ... ich bin sehr berührt von diesem Strang und werde mich auch gleich wieder still zurückziehen ...
    Schade, dass Du das schreibst, Themir. Ich schätze Deine Beiträge sehr aus anderen Strängen - daher denke ich, dass Du hier sicher auch etwas zu sagen hättest.

    Aber letztlich reagierst Du wie so viele, die berührt sind, sprachlos werden und sich zurückziehen. Selbstmord macht einsam.

  4. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Zitat Zitat von Ich_bin_kein_Huhn Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen!

    Ich bin hier auch nur bedingt richtig. Im November 2009 hat mein Vater Suizid begangen. Die meisten von Euch sind schon einen Schritt weiter als ich, da das Ereignis schon länger zurück liegt. Bei mir ist alles noch relativ neu und ich kann derzeit nicht beurteilen, ob der Schmerz irgendwann nachlässt. Ich quäle mich ständig mit dem Gedanken nach dem Warum und ob ich vielleicht Signale übersehen habe. Und ich frage mich, ob es ihm egal war, was er seiner Familie damit antut.

    Bei dem Verlust des Vaters tröstet mich allerdings der Gedanke ein wenig, daß es "normal" ist, eines Tages seine Eltern zu verlieren. Doch wie schlimm muss es sein, den Tod seines Kindes zu erleben!

    Und genau aus diesem Grund haben die beiden Brüder meines Vaters beschlossen, meinen Großeltern (88 und 92 Jahre alt) die Wahrheit nicht mehr zuzumuten. Sie glauben, er sei an einem Herzinfarkt gestorben. Obwohl ich sicher bin, daß es für sie so leichter ist, den Tod Ihres Sohnes zu verkraften, ist es für mich um so schwerer. Ich muss unglaublich vorsichtig sein, nicht das Falsche zu sagen. Ich kann nicht die Wahrheit aussprechen, kann nicht wirklich die Fragen stellen, die mich beschäftigen und innerlich zermürben.

    Ist es richtig, aus Rücksicht zu lügen? Oder haben Sie ein Recht auf die Wahrheit?

    Ich wünsche Euch allen ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße
    Ich-bin-kein-Huhn
    Erst 3 Monate ist es her - das ist noch sehr frisch. Da ist der Schock noch groß, und es liegt noch ein weiter Weg vor Dir. Es tut mir sehr leid, dass Du so etwas erleben musst.

    Wir haben hier in diesem Forum immer mal wieder diskutiert, ob die Trauer eine Wertigkeit erfahren kann, also Eltern ist nicht so schlimm wie Partner; am Schlimmsten ist der Tod eines Kindes. Aber so eine "Hierarchie" festzulegen, führt zu nichts. Der Verstorbene ist ja kein Alleinstehender, sondern der Tod umfasst mehr Reaktionen und Erfahrungen als nur das Weggehen einer Person. Auch die Zurückbleibenden haben ein Recht darauf, in ihrer Sicht auf den Tod gewürdigt zu werden. Von Außen betrachtet - in der Theorie - ist der Tod eines jungen Menschen wohl weniger grausam als der eines alten Menschen, aber im persönlichen Erleben kann das anders aussehen. Jeder Trauernde ist eine eigenständige Persönlichkeit, die selbst den Massstab setzt, wie lange und wie intensiv sie trauert. Und jeder Massstab ist richtig.

    Selbstmord ist für die Zurückbleibenden eine große Last, mit der sie sich eine ganze Weile gewollt oder nicht auseinandersetzen müssen. Ich würde es den alten Eltern wohl auch nicht mehr zumuten, wenn ich mir sicher wäre, dass sie nichts ahnen. Aber sicher bin ich mir damit nicht.

    Was hältst Du davon, wenn Du zu dem Thema mal einen eigenen Strang eröffnest? Ich denke, dass Du mehr Antworten bekommst, wenn sich Deine Frage in der Strangüberschrift zeigt. Ich bin sicher, dass es ein Thema ist, dass viele angeht, aber hier wird es vielleicht von dem großen Thema überlagert.

  5. Avatar von themir
    Registriert seit
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    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    @schlamperl








    Zitat Zitat von Ich_bin_kein_Huhn Beitrag anzeigen

    Ich quäle mich ständig mit dem Gedanken nach dem Warum und ob ich vielleicht Signale übersehen habe. Und ich frage mich, ob es ihm egal war, was er seiner Familie damit antut.

    ... manchmal scheint es einfach keine Antworten zu geben ...




    ... Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich - weltweit - etwa eine halbe Million Menschen an Suizid, in Deutschland jährlich etwa 12.000 Menschen.

    In manchen Lebenssituationen - auch bei bestimmten Berufsgruppen - kann das Risiko erhöht sein, und auch wenn ein Entschluss zum Suizid bereits von jemandem getroffen ist, kann es für andere so wirken, als ob alles in Ordnung ist ... .





    Ich kann nicht die Wahrheit aussprechen, kann nicht wirklich die Fragen stellen, die mich beschäftigen und innerlich zermürben.

    Ist es richtig, aus Rücksicht zu lügen? Oder haben Sie ein Recht auf die Wahrheit?


    ... schwierig zu beantworten ... - das kannst nur Du selbst entscheiden ...



    ... als ersten Gedanken hatte ich , dass sie auf jeden Fall ein Recht auf die Wahrheit haben, und dann ... -> ... sie sind ja nicht die Jüngsten - 88 und 92 (wie sieht es mit ihrer Gesundheit aus ?) ...


    ... was würdest Du tun, wenn nicht die beiden Brüder Deines Vaters beschlossen hätten, die Wahrheit zurückzuhalten ? ...


  6. Registriert seit
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    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Hallo klarzurwende,
    ich freue mich für dich, das du so liebevolle Menschen um dich hast, die dir helfen. Ich glaube, damit hast du großes Glück im Unglück gehabt.
    Ich habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Die meisten "Bekannten" sehen mich garnicht mehr oder haben es furchtbar eilig, wenn sich eine Begegnung nicht verhindern ließe. Es sind sogar 2 sehr alte feste Freundschaften darüber zerbrochen. Sicher bin auch ich nicht mehr "die Gleiche", aber ich glaube die meisten Menschen wissen einfach nicht, wie sie mit diesem Thema umgehen sollen, es ist Ihnen einfach zu schwer. Ich kann das verstehen, wer will sich schon damit auseinandersetzen, wenn er nicht muß, so wie wir. Wir können nicht weglaufen.
    Wasserfrau


  7. Registriert seit
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    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Hallo ich_bin_kein_Huhn,
    ich möchte dir von Herzen mein Beileid aussprechen. Ich glaube, das Trauer sehr individuell ist und niemand das Recht hat zu behaupten, die Trauer um ein Kind sei die Schlimmste. Ich finde es gut das du dich einbringst und so versuchen kannst deine Trauer ein wenig auszudrücken. Es ist ja alles noch so frisch so nah bei dir.
    Als ich las, das die Brüder deines Vaters beschlossen haben, den Suizid vor den Eltern zu verheimlichen, war mein erster Gedanke: Wie furchtbar, wenn sogar die eigene Familie sich belügt! Ich kann zwar verstehen, das sie Rücksicht nehmen wollen, aber ist das der einzig mögliche und vor allem der richtige Weg? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich meinen Kindern am Anfang auch nicht die ganze Wahrheit erzählt habe, weil ich Angst hatte, ihnen damit zu schaden (9 u. 12 J.), aber irgendwann stand ich auch da wo du stehst und mußte aufpassen, was ich sage, konnte nicht frei sprechen. Und die Fragen der Kinder kamen auch, denn Kinder bekommen vieles mit, auch wenn man es nicht ausspricht. Nach Rücksprache mit einem Kinderpsychologen haben wir dann in dessen Beisein ganz offen darüber gesprochen und ich kann nur sagen, es war für alle positiv. Zwar kann man die Kinder und deine Großeltern nicht gleichsrtzen und ich weiß ja auch nichts über ihren Gesundheitszustand, aber vielleicht wäre es doch gut, noch einmal mit deinen Onkeln darüber zu reden. Und vor allem.....gehe noch einmal in dich und frag dich,was du für richtig hälst. Es brennen sicher viele Fragen in dir. Ich weiß nicht ob dir deine Großeltern diese beantworten könnten oder wollten, aber vielleicht hätten sie ja selber welche?
    Wasserfrau

  8. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber letztlich reagierst Du wie so viele, die berührt sind, sprachlos werden und sich zurückziehen. Selbstmord macht einsam.
    Dann sag ich doch auch was dazu. Ich kenn etliche Leute, die sich das Leben genommen haben, wenn auch gottlob niemand mir persönlich wirklich nahestehenden.

    Manchmal denke ich aber, es war für diejenigen auch eine Befreiung von einem Leben, das ihnen einfach zu schwer gewesen ist und dass sie jetzt ihren Frieden haben.

    Nieman anderer hätte ihnen diese Last nehmen können - aber jetzt sind sie frei.

  9. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    Zitat Zitat von themir Beitrag anzeigen
    @schlamperl


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dann sag ich doch auch was dazu.
    Danke Euch 2.

    Meine Trauerzeit ist lange vorbei, aber mir fällt es hier immer wieder auf: oft kommen User in die Trauerstränge und drücken ihr Mitgefühl aus, trösten, fragen und reichen die Hand. Bei den Suizidsträngen wird viel mitgelesen und geschwiegen.

    Es ist mir auch so gegangen wie es Wasserfrau beschreibt. Meine Umgebung stand auch hilflos davor - so wie ich. Mir verschlug es für lange Zeit die Sprache, außer Tränen hatte ich in einer Unterhaltung kaum etwas beizutragen - irgendwann fehlte auch Anderen die Kraft, manchen ganz schnell, manche haben länger durchgehalten, wenige haben bis heute durchgehalten. Die "Neuen" waren oft froh, dass es schon so lange her ist, nur wenig Neue haben es zum Thema gemacht.

    Dabei wäre es doch hier in der bri einfacher. Hier kann man fragen, Befürchtungen formulieren oder auch eigene Ängste. Es ist immer schwierig mit Trauernden umzugehen, mit Selbstmordangehörigen viel mehr. Das ist bekannt - hier könnte man die Barrieren anfangen aufzulösen. Es wäre für Alle ein Gewinn, denn der Tod macht nirgends halt, und die Art des Todes wissen vorher nur diejenigen, die sich selbst das Leben nehmen.

  10. Avatar von Vielzuviel
    Registriert seit
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    AW: Verlust eines Kindes durch Suizid

    @ Alle

    Hier ist jetzt so viel geschrieben worden, dass ich mal auf das Zitieren der einzelnen Punkte verzichte.

    Zum Thema Verschweigen: Für mich persönlich wäre es nicht richtig gewesen, den Suizid zu verschweigen. Es gab im Fall meiner Schwester schon einige Jahre vor dem Suizid einen Suizidversuch, der totgeschwiegen wurde. Als sie dann tatsächlich starb, habe ich mich geweigert, irgendwelche Märchen von Unfall oder Krankheit zu erzählen, ich wollte damit offen umgehen und hätte alles andere auch meiner toten Schwester gegenüber nicht für fair gehalten.

    Zum Thema 'Wertigkeit': Es ist doch eine so persönliche Sache, wie schwer man den Verlust eines Menschen empfindet, ein Kind, ein Vater, eine Schwester, ein Freund ... Es ist doch entscheidend, wie nahe mir der MENSCH war. Ich habe es damals zum Teil als sehr kränkend empfunden, dass viele Menschen, mit denen ich über den Tod meiner Schwester sprach, mit den Worten 'Deine armen Eltern' reagierten, meine Trauer als Schwester wurde oft nicht wahrgenommen. Aber auch der Tod eines Geschwisters 'amputiert' ein Stück vom eigenen Ich.

    Wann kann man wieder gerne leben und geht das überhaupt? Ja, das geht. Aber es ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden, ich bin aber sicher, dass Ihr alle hier, die Ihr es jetzt noch nicht könnt, auch die Erfahrung machen werdet, dass es irgendwann wieder geht. Wichtig ist, laßt Eure Trauer, Eure Tränen, Eure Wut (ja, auch die gibt es!) zu. Wenn es sein muß, ignoriert die, die Euch nicht zuhören wollen oder können. Aber auch ganz wichtig: erlaubt Euch selbst, wieder etwas schön zu finden, zu lachen, Euch über etwas zu freuen - und zwar ohne schlechtes Gewissen!

    Entschuldigt meinen Schreibfluss, aber durch diesen Strang ist auch bei mir wieder einiges an die Oberfläche gekommen.

    Ganz liebe Grüße an alle Betroffenen und Mitschreiber
    Vielzuviel
    Jugend ist aus, aber Prosecco wär noch da!

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