Antworten
Seite 1 von 7 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 65
  1. User Info Menu

    Am Leben vorbei gelebt?

    Liebe alle da draußen!

    Durch die ganze Covid-19-Geschichte hatte ich (zu) viel Zeit um über mein Leben nachzudenken. Schlussendlich habe ich sogar eine neue Stelle gefunden und den Job gekündigt. Dennoch stellt sich bei mir irgendwie gar keine Freude ein Vielleicht kann mir irgendjemand Rat geben?

    Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen; meine Mutter hat nur einen obligatorischen Schulabschluss und mein Vater ist einfacher Handwerker. Vor allem bei meiner Mutter waren die familiären Verhältnisse mehr als zerrüttet. Als Kind fühlte ich mich sehr oft ungeliebt und einsam. Bis heute fehlt es mir an jeglichem Selbstbewusstsein. Trotz guten Noten waren meine Eltern gegen den Übertritt ins Gymnasium, nicht zuletzt aus Angst vor hohen Kosten.

    So habe ich mich selbst durchgekämpft, eine Lehre gemacht, gearbeitet und gespart, Berufsabi nachgeholt, Studium an einer Fachhochschule absolviert...

    Klingt nach einer Erfolgsgeschichte – glücklich bin ich trotzdem nicht. Einerseits war das Studium vor allem zweckmäßig und auf meine Lehre aufbauend. Ein totaler Richtungswechsel lag finanziell nicht drin. Ich konnte jedoch damit leben.

    Mein Traum war es, nach dem Studium eine Reise (ca. 6 Wochen) nach Südostasien zu unternehmen, vor allem auch als Belohnung für die ganze Mühe, schlaflosen Nächte und investierte Zeit. Zudem hatte ich noch nie eine grössere Reise gemacht, da sowohl in meiner Kindheit als auch später einfach das Geld fehlte. Leider konnte ich am Ende des Studiums kurzfristig meinen langjährigen Ferienjob nicht mehr ausüben, da der Arbeitgeber mich nur noch 2 anstelle von 8 Wochen zu einem massiv tieferen Lohn anstellen konnte, was für mich nicht mehr rentierte. So fiel der ganze Traum ins Wasser.

    Aus Geldnot war ich gezwungen, den erstbesten Job anzunehmen, obwohl er eigentlich nicht meinen Vorstellungen und meiner Ausbildung entsprach. Da ich seither einen längeren Arbeitsweg habe, war ich gezwungen, sofort ein Auto zu kaufen, obwohl ich lieber zuerst in der Nähe eine Stelle gehabt und für ein Auto gespart hätte. So musste ich meinen Eltern, welche das Auto vorfinanziert haben, das Auto abzahlen

    Es schlich sich langsam immer mehr das ungute Gefühl ein, dass ich die Jahre nach dem Studium nur damit verbracht habe zu arbeiten um das Auto zu bezahlen, damit ich einen Job ausüben konnte, den ich nicht mochte. In der Freizeit habe ich es selten benutzt, da ich in der Stadt lebe und ich den Verkehr eigentlich hasse!

    Damit ich noch etwas sparen konnte, lebte ich auch nach dem Studium in sehr einfachen, preiswerten Wohnungen, die selten den heutigen Ansprüchen genügten.

    Mit Corona wurde ich nun ins Homeoffice verbannt, die Gedanken begannen seither immer mehr zu kreisen: 4 Wochen Urlaub musste ich zwangsweise während dem Lockdown zu Hause in meiner eher dürftigen 30 m2-Wohnung verbringen. Wieder ein Jahr ohne Urlaub... Ich wurde im März 30 Jahre alt. Meine Freundinnen zu besuchen bereitet mir jedes Mal Kummer, obwohl ich sie sehr mag. Sie sind meist verheiratet, haben eine nette Wohnung, teilweise Kinder, waren schon mehr oder weniger weit gereist und haben Sprachen gelernt etc. Ich schäme mich teilweise für meine Situation. Die Männer, die ich anziehe, wollen alle weder Kinder noch Familie. Einfach verreisen liegt nicht drin... Immer öfter verbringe ich die Sonntage weinend und ratlos im Bett. Was mache ich falsch? Bin ich depressiv, liegt es an der Situation?

    Weil ich es nicht mehr aushielt, habe ich mich etwas umgeschaut und eine neue Stelle gefunden. Ohne gross zu überlegen, habe ich meine alte Stelle gekündigt. Ob es ein Fehler war, wird sich zeigen. Da ich viel weniger verdienen werde, kann ich auch künftig meine Wohnsituation nicht verbessern. Ich hoffe, dass ich die gewonnene Freizeit mit Freiwilligenarbeit oder so füllen kann und dadurch etwas mehr Sinn sehe. Für weitere Tipps bin ich dankbar.

    Einen schönen Sonntag euch allen.

  2. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Für mich klingt das positiv, wenn ich an die Zukunft denke.
    Klar, wie es bis jetzt lief, was es einfach unbefriedigend, keine Frage.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass du jetzt etwas falsch machst. Im Gegenteil, es ist ausgesprochen beeindruckend, wie schnell du den blöden Job gekündigt und eine neue Stelle angenommen hast. Andere wagen den Schritt ein ganzes langes Leben lang nicht!

    Ich finde, darauf kann man doch bauen! Nur weiter so. "Wie will ich leben?" Was ist mir wichtig?" Nach alldem, was du hier geschildert hast, glaube ich nicht, dass das Fragen sind, die dich erschrecken würden.
    Nur weiter vorwärts. Es kann jetzt nur besser werden. Deine Zukunft liegt in guten Händen, nämlich in deinen.

  3. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Warum nimmst Du ohne Not eine schlechter bezahlte Stelle an, wenn die Finanzen für Dich anscheinend ein zentrales Thema sind?

  4. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Wie lange ist dein Studium her?
    Warum verharrst du seitdem in dem komischen "Not-Job"?
    hast du dich wo anders beworben, auf Stellen die deiner akadem. Ausbildung entsprechen?
    Warum nicht, wenn nicht?

    Warum ziehst du nicht näher zu diesem Job?

    Das wären z. b. die Stellschrauben, die du dir mal näher ansehen könntest.

    Du bist mit 30 nicht alt. Alles! Wirklich alles liegt noch vor dir.

    Wieso hast du jetzt nach der Kündigung der Not-stelle schon wieder eine Stelle, die noch dürftiger ist?
    Magst du zur Erläuterung evtl. wenigstens die Branche nennen? Dass man so vom Regen in die Traufe kommt - vor Corona - ist recht ungewöhnlich

  5. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Du fühlst Dich rundum vom Leben benachteiligt, und ich bin sicher, die Wurzeln liegen in Deiner Kindheit, was anhand Deiner Schilderung absolut nachvollziehbar ist. Im Übrigen kenne ich das auch von mir selber, und ich kämpfe noch heute hier und da dagegen an, um nicht in das Gefühl der Benachteiligung zu rutschen, das mir meine Eltern -vielleicht unabsichtlich- mitgegeben haben.

    Andererseits hast Du wirklich Power, Du hast so viel geschafft mit Fleiß und unendlicher Energie und Willenskraft, und das kann Dir keiner nehmen. Da ist doch ein Grund, stolz zu sein und diesen Weg weiter zu beschreiten.

    Wenn Du das Leben Deiner Freundinnen siehst mit Haus, Ehemann, Familie..... da ist sicher nicht alles Gold, das glänzt. Du kannst selbstbestimmt leben, und beruflich stehen Dir Wege offen, weil Du noch jung bist.

    Mir hat zum Beispiel einmal die Beratung eines Job Coachs geholfen - wäre das etwas für Dich, um ggf. einen Perspektivwechsel vorzunehmen? Könnte gut angelegtes Geld sein.

    Hast Du ein schönes Hobby, das Freude bereitet? Gibt es gute Freundschaften in Deinem Leben?

    Was die Wohnsituation betrifft: Minimalismus ist doch schwer angesagt! Klein, aber fein ist doch eine gute Devise (die mein Mann und ich übrigens auch praktizieren).

    Ich will damit nur sagen, dass es bei Dir viel auf der Haben Seite gibt, und das Leben noch gute Dinge bereithält, wenn Du Dich dafür öffnest.
    ...........und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

  6. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Seit meinem Abschluss sind vier Jahre vergangen. Ich bin so lange geblieben, weil das Team toll und die Bezahlung ok war. Zudem hatte ich Angst davor, dass sich ein frühzeitiger Stellenwechsel negativ auf meinen Lebenslauf ausgewirkt. Nicht zuletzt musste ich das Auto abzahlen und es gestaltete sich schwierig, etwas anderes zu finden. Ich habe sogar eine Weile zusammen mit meinem Bruder in der Nähe des heutigen Jobs gewohnt (eher ländliche Region). Da ich dort ziemlich einsam war und in der Stadt, wo ich auch studiert hatte, mehr Leute kenne, zog ich zurück.

    Wegen Corona habe ich zu Hause gearbeitet und mir fiel die Decke auf den Kopf, da ich 16 / h pro Tag im gleichen Zimmer verbracht habe, auch meine Ferien. Ich konnte nicht mehr schlafen, die Arbeit hatte mich so sehr belastet. Wir hatten Kurzarbeit, jedoch mussten wir für die Kunden rund um die Uhr verfügbar sein.

    Die aktuelle Stelle ist hauptsächlich auch dürftiger, da ich nur max. 80 % arbeiten kann. Meine Hoffnung ist es, dass mein neuer Arbeitgeber eine Weiterbildung finanziert und sich das so wieder etwas ausgleicht. Zudem ist er eher in meinem Bereich.

  7. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Eine Arbeitsstelle besteht aus drei Komponenten: Bezahlung, Inhalt der Arbeit, Betriebsklima. ZWEI Dinge sollten stimmen, um Zufriedenheit zu schaffen. Und das war, wie Du schreibst, ja offenbar der Fall. Also kannst Du das auf der Plusseite verbuchen.

    Warum bist Du in Deinen Ferien auch in dem Zimmer geblieben? Das Wetter war doch so schön. Warum bist Du nicht rausgegangen, hast Spaziergänge gemacht, um Dich abzulenken?

    Hast Du das Gefühl, dass Du depressiv bist? Dann solltest Du Dir ärztliche Hilfe suchen!!!
    ...........und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

  8. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    hm.

    Also, sorry, dass ich nochmals frage, ich steige noch nicht so durch

    Du hast VIER Jahre ein Auto abbezahlt, das dir deine Eltern vorgestreckt hatten?
    Was war das für ein Auto? Bzw. warum hast du dir so ein teures gekauft, das du so lange abzahlen musst?
    (ich hatte immer so 3000 Mark Karren, als ich fertig studiert hatte und noch keinen lukrativen Job)

    Wieso suchst du dir nicht einen "guten" Job?
    Wieso jetzt (wieder) so ein Murks?

    Die Wohnung ist "klein aber fein"? Wie weit ist der neue Job weg? Wieder so weit?

    Das

    - Arbeitsstelle
    - Wohnort
    - Schulden wegen Auto

    sind Parameter, die du selber beeinflussen kannst.

    Im Gegensatz zu z. B. (Gesundheit, Liebe, Wetter , Eltern etc.)

    Du scheint kein sicheres Händchen für eine gute Arbeitssituation zu haben und bisweilen falsche Prioritäten in Bezug auf Geldinvestitionen zu setzen.

    Das kannst du aber künftig anders machen!

    Zum eigentlichen Thema "große Fernreise":

    Gut, Corona. Das ist ein totale Bullshit - das geht aber gerade allen so, nicht nur dir
    Du könntest in 2021, wenn du die Probezeit hinter dir hast, einen solchen Urlaub planen.
    Fang damit an. Plan die Details. Informiere dich. Freu dich.
    Dann hast du den Plan schon fertig und kannst sofort loslegen, wenn es wieder gut geht.

    schöne, lange Reisen sind nicht allein Studis vorbehalten! Das ist so ein Glaubenssatz, der nicht stimmt. Das kannst du immer. Dein Leben lang! Du kannst den ganzen Urlaub auf einmal nehmen oder ein Sabbatical oder unbezahlten Urlaub dazu.
    Das ist nicht verloren.

    Als allererstes sollest du dir unbedingt einen guten Job suchen! Einen, der passt. Der Rest fügt sich.

  9. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Zitat Zitat von ShadowSister Beitrag anzeigen
    Wegen Corona habe ich zu Hause gearbeitet und mir fiel die Decke auf den Kopf, da ich 16 / h pro Tag im gleichen Zimmer verbracht habe, auch meine Ferien.
    (...)
    Wir hatten Kurzarbeit, jedoch mussten wir für die Kunden rund um die Uhr verfügbar sein.
    Darf ich fragen, warum Du diese Zeit wie "inhaftiert" verbracht hast??

    Es gab zu keiner Zeit eine Ausgangssperre, Du hättest immer raus gehen können.

    Und es gibt keinen normalen Job, bei welchem man 24/7, und das mehrere Wochen
    in Folge, verfügbar sein muss.

  10. User Info Menu

    AW: Am Leben vorbei gelebt?

    Zitat Zitat von ShadowSister Beitrag anzeigen
    Meine Hoffnung ist es, dass mein neuer Arbeitgeber eine Weiterbildung finanziert und sich das so wieder etwas ausgleicht.
    Hat der Arbeitgeber das denn in Aussicht gestellt?

Antworten
Seite 1 von 7 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •