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    Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Liebe Forengemeinde,

    Ich suche Rat, wie ich mit meinen Eltern umgehen soll.

    Ich habe im Juni den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen. Ich bin 62, meine Eltern 88 und 90.
    Die Beziehung zu meinem Vater war nie gut und ich bereue es heute, den Kontakt nicht schon vor 40 Jahren abgebrochen zu haben.
    Der Eklat im Juni, der dazu führte, war eher lapidar, oder besser gesagt, eine Situation, die tausendmal schon stattfand, die ich immer ertragen habe, die dazu führrte, dass ich immer mit einem mulmigen Gefühl meine Eltern besuchte.

    Bereits als Kleinkind musste ich erfahren, dass ich Störfaktor war. Man liess mich 2 Stunden im Kinderwagen schreien, bis die Stimme versagte. Mit 2 Jahren wurde ich in einen schrecklichen Kindergarten abgeschoben, in dem ich grausame Erfahrungen machen musste. Erziehung fand durch teilweise sadistische Prügeleien meines Vater statt.
    Während andere Kinder im Sommer zum See fuhren, musste ich ihm am Bau helfen oder im Winter in dunklen Kellern mit ihm Montagearbeiten verrichten.
    Er hatte nie ein Lobeswort, dafür gab es Prügel, wenn mir etwas misslang. Oft wurde ich zum Sündenbock gemacht für seine Unzulänglichkeiten. Selbst mit 17 wurde ich noch geprügelt.

    Egal, was ich im Leben anpackte, es hagelte immer nur Kritik. Jedes Widerwort endete in einem jähzornigen Wutausbruch. Seine Verachtung zeigte er mir in seinen abfälligen Bemerkungen über mich, insbesondere, wenn andere anwesend waren.

    Jeder Anruf, jeder Besuch wurde mit Vorwürfen eingeleitet, ich würde mich nicht um meine Mutter kümmern, ich käme viel zu selten, etc. Er warf mir auch ständig vor, dass ich zu weit weg wohnen würde und wenn er mal was bräuchte, wäre ich nicht da und man könne sich auf mich nicht verlassen.
    Höhepunkt war dann die Patientenverfügung, die er mit einem Bekannten machte, der mal als Mieter in unserem Haus wohnte. Dieser Bekannte ist in meinem Alter.
    Da bin ich dann das erste Mal ausgerastet. Ich wurde laut, hab ihn alles mögliche genannt. Das war vor ein paar Jahren. Danach hatte ich mich für meine Worte entschuldigt, was ich jetzt bereue. Meine Frau hatte "die Versöhnung" eingeleitet.
    Seit Juni habe ich kein Lebenszeichen mehr von mir gegeben, denke aber täglich über das Verhältnis nach und komme immer mehr zu dem Entschluss, dass ich nicht verzeihen kann und keinen Kontakt mehr möchte. Auch nicht mit meiner Mutter, die weder mich, noch sich selbst vor den Wutausbrüchen meines Vaters schützen konnte.
    Ich selbst habe seit mehreren Jahren immer wieder Perioden mit heftigen Depressionen und panischen Angstattacken, die ich auf dieses unselige Verhältnis zurückführe.

    Heute hat meine Mutter versucht, mich telefonisch zu erreichen und auf den Anrufbeantworter gesprochen, nach 7 Monaten. Ich hörte im Hintergrund das Brüllen meines Vaters, zwar unklar, was er sagte, aber hörte sich aggressiv an.

    Hat man Verantwotung gegenüber seinen Eltern? Kann man etwas vergeben, das immer noch gegenwärtig ist? Es quält mich, vielleicht habe ich den Schlusstrich immer noch nicht gezogen?

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und Geduld

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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Schillerlocke, ja man hat Verantwortung gegenüber seinen Eltern.

    Aber Eltern haben auch Verantwortung für ihre Kinder!

    Bleib bei deinem Kontaktabbruch und versuche, deine Kindheit bzw. die Verletzungen aufzuarbeiten..

    Alles Gute für dich
    Fernsehen bildet.
    Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.

    Groucho Marx

  3. Moderation

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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Hallo Schillerlocke,

    Dein Thema ist ein sehr wichtiges und emotional schwieriges.

    Heute habe ich leider nicht die Zeit dafür, die ich für Antworten bräuchte, weil es sehr viel dazu zu schreiben gibt.

    Nur ganz kurz für heute, natürlich hat man das Recht, sich aus Selbstschutz vor solchen Eltern zurückzuziehen.

    Wenn Du nach all den Jahren dieses Bedürfnis nun so deutlich - und dringlich- hast, dann sind die Gründe gewichtig und dann solltest und kannst Du natürlich auch zu Dir stehen.

    Du bist ein Mann? (Du schreibst von Deiner Frau, aber es gibt ja auch gleichgeschlechtliche Ehen).
    Für Dein Thema ist das natürlich egal, für die Dynamiken innerhalb der Familie ist es aber ein kleines Puzzleteil, daher frage ich nach.


    Ich wünsche Dir, daß Du die Weihnachtstage gut überstehst,
    vielleicht hast Du Dir dieses Jahr - und heute- selbst ein sehr wichtiges Geschenk gemacht.

    Alles Gute, bis bald, ich melde mich demnächst ausführlicher.
    Sternenfliegerin
    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
    - ansonsten normale Nutzerin

  4. User Info Menu

    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Na ja. Wenn die Eltern schon so alt sind, finde ich es spät den Kontakt abzubrechen, zumal deine Mutter lediglich zu schwach war, dir und sich selbst zu helfen.

    Du strafst deine Mutter für etwas ab, was er getan hat und sie aus ihrer Rolle, die Frauen nun mal in den 50er Jahren hatten, nicht zu verhindern wusste.

    Andererseits musst du überlegen, was das für dich heißt und ob du damit leben kannst, dass du sie nie wieder siehst, denn sie könnten ja bald sterben.

  5. Inaktiver User

    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Lieber TE, ich stimme Dir absolut zu. Steh zu Dir und Deinen Gefühlen.
    Gerade wenn sie so spät kommen ist es wichtig reinzufühlen.

    Ich kann Dir nur sehr ans Herz legen das in einer Gesprächstherapie aufzuarbeiten, wenn das noch nicht erfolgt ist. Du sprachst ja von depressiven Episoden. Das legt nahe, dass bereits Therapie erfolgt ist.

    Das Alter der Eltern ist völlig schnuppe. Schlimm ist, dass da wohl keinerlei Einsicht erfolgt ist.

    Schreien lassen als Baby und Kleinkind war zu der Zeit völlig normal, ich bin nur unwesentlich jünger als Du, mir ist das auch widerfahren.

    Sadistische Prügeleien sind wirklich unverzeihlich.

    Ich kann Dir nur gratulieren zu Deinem Entschluss. Manchmal erscheint solch ein Bruch wie eine Erlösung.

  6. User Info Menu

    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Was für eine schreckliche Geschichte, was für schreckliche Eltern!
    Verantwortung hast du nicht in erster Linie ihnen , sondern vor allem dir selbst gegenüber.
    Ob du die richtige Entscheidung getroffen hast, kannst du vielleicht daran erkennen, wie es dir mit diesem Kontaktabbruch geht.
    Was wiegt stärker, die Schuldgefühle oder ein Gefühl der Erleichterung und Stärke, ihnen endlich eine deutliche Grenze gesetzt zu haben.
    Ich wünsche dir Energie und Kraft, ein ruhiges Herz und liebevolle Menschen um dich herum, die dich in deiner Entcheidung unterstützen.
    Auch Umwege erweitern unseren Horizont

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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Tu das, was du dir selbst gegenüber verantworten kannst.
    Was ist gut für dich - jetzt und wenn deine Eltern nicht mehr leben?

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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Zitat Zitat von beweme Beitrag anzeigen
    Schillerlocke, ja man hat Verantwortung gegenüber seinen Eltern.

    Aber Eltern haben auch Verantwortung für ihre Kinder!

    Bleib bei deinem Kontaktabbruch und versuche, deine Kindheit bzw. die Verletzungen aufzuarbeiten..

    Alles Gute für dich
    Liebe Beweme,
    Erkläre mir bitte, warum ich Verantwortung gegenüber meinen Eltern habe. Verantwortung entsteht doch durch eine Art Mandat, das ich annehme, wenn ich Kinder in die Welt setze, wenn ich meine Frau heirate, wenn ich meinen Hund adoptiere. Meine Eltern haben mich nicht gefragt, als sie mich zeugten.
    Gruss Schiller

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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Zitat Zitat von Sternenfliegerin Beitrag anzeigen
    Hallo Schillerlocke,

    Dein Thema ist ein sehr wichtiges und emotional schwieriges.

    Heute habe ich leider nicht die Zeit dafür, die ich für Antworten bräuchte, weil es sehr viel dazu zu schreiben gibt.
    Liebe Sternenfliegerin,
    Freu mich auf Deine Antwort.
    Ja, ich bin ein Mann.
    Gruss Schiller

  10. Inaktiver User

    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Ich denke, es tut in erster Linie dir nicht gut, das nach so langer Zeit immer noch nicht für dich verarbeitet zu haben.

    Klar kannst du den Kontakt jetzt abbrechen und warten bis deine Eltern tot sind, ich glaube aber nicht, dass damit deine Probleme gelöst sind und du so deinen Frieden findest. Was ich dir wünschen würde.

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