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  1. Registriert seit
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Wer wann warum den Stecker zieht, hängt am Ende von der individuellen Schmerzgrenze ab.

    Hängt davon ab, was kann ich vergeben und was nicht.

    Mit Eltern oder einem Elternteil brechen ist doch eine ganz andere Kategorie, als Eltern kritisieren.

    Wer an seinen Eltern nichts zu kritisieren hat, der hat noch nie über sie oder überhaupt darüber nachgedacht. Das ist gefährlich.
    Es geht auch überhaupt nicht darum, wer mehr oder wer weniger Kritik verdient. Das Wichtigste dabei ist, welche Konsequenzen ich daraus ziehe.

    Dabei finde ich noch nicht einmal einen Bruch als die wichtigste Konsequenz, sondern herauszufinden, was ich aus dieser toxischen Umgebung an meine Kinder weitergegeben habe. Was ich angerichtet habe, was bei mir angerichtet wurde.

    Vielleicht könnte ich mir den Bruch sogar sparen, wenn ich alles wüsste.
    Gruß Schiller

  2. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Zitat Zitat von Schillerlocke Beitrag anzeigen

    Vielleicht könnte ich mir den Bruch sogar sparen, wenn ich alles wüsste.
    Was meinst du damit?
    Bei mir waren es auch nicht die Verletzungen der vergangenen 50 und mehr Jahre, sondern wie du schreibst die aktuelle Schmerzgrenze.

    Die Erfahrung der Vergangenheit, abgeglichen mit neuen Unverschämtheiten hoch 10 (Klartext: enorme Steigerung! Das glaubt mir ohnehin nur, wer es selber erlebt hat oder dabei war) ließ mir nur den einen Schluss zu, dass eine Veränderung ausgeschlossen ist.

    Ich hab es sogar noch 2x probiert.

    @Schiller, ich würde mir für dich und deine Mutter wirklich wünschen, dass ihr einen Weg findet, der auch für dich gangbar ist.
    LG Ivi


  3. Registriert seit
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    Was meinst du damit?
    Ich will damit sagen, dass damit so einiges an Dreck hochgekommen ist, was ich mit Sicherheit in irgendeiner Form meinen Kindern mitgegeben habe. Nur mal ein Beispiel:

    Mein Ältester, den ich damals zurückgelassen habe, als ich mich vor 27 Jahren von meiner 1. Frau trennte.
    Der mit unendlich traurigen und bettelnden Augen mich anflehte, ich soll doch bleiben. Ich ging aber. Für ihn brach eine Welt zusammen. Heute ist er fast 34. Er hat immer noch keine feste Freundin und lebt als digital Nomade. Zur Zeit ist er in Südamerika, den Sommer über war er in Europa, letzten Winter in Asien.
    Nach außen sieht das aus, wie ein tolles Leben, jeder beneidet ihn darum. Ich nicht.
    Bei der Trennung war ich genauso grausam, wie mein Vater zu mir war.
    Ich hatte gelernt, die Schläge und Grausamkeiten meines Vaters wegzustecken, eiskalt zu werden.
    Heute würde ich den Kleinen auf die Trennung vorbereiten und nicht wie ein Elefant im Porzellanladen rumtrampeln. Ich bin mir sehr sicher, dass dieses Trauma damals seine Bindungsängste und Entwurzelung ausgelöst hat.

    Wenn ich all diese Folgen aufgearbeitet hätte, hat der Kontaktabbruch selbst keine Bedeutung mehr. Dieser Mensch hätte keine Bedeutung mehr für mein Leben.

    Witzig, ich hatte es auch 2 Mal probiert. Seit dem 3. Eklat im Juni ist Funkstille (kontakttechnisch).

    Dein Vater ist gestorben, richtig? Dein Kontaktabbruch mit Deiner Mutter war nach seinem Tod?
    Gruß Schiller

  4. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    @Schiller, ja, mein Vater ist gestorben und nach seinem Tod gab es niemanden mehr, der meine Mutter gebremst hätte. So sehen es auch eine Handvoll andere, die sich ebenfalls distanziert haben.

    Ich verstehe nicht, was du aufarbeiten möchtest, dass der Kontaktabbruch unnötig wird.
    Die Grausamkeit gegenüber deinem Sohn ist passiert. Hast du mit ihm darüber gesprochen, ihm gesagt, wie leid dir das heute tut? Habt ihr denn überhaupt Kontakt?

    Dein Vater ist an deinem Verhalten damals nicht schuld.
    Wichtig ist immer die Gegenwart. Die Vergangenheit lässt sich leider nicht ändern. Anteile unserer Eltern tragen wir in uns, ob es uns passt oder nicht.

    Bitte räche dich nicht stellvertretend an deiner Mutter. Sorry, wenn das zu hart klingt. Wenn es nicht stimmt, sag es einfach.

    Ich muss auch gucken, mein Lebensschiff aktuell klarzubekommen.

    Es gibt da noch genügend Baustellen. Wie (grausam) ich mit mir selber teilweise selber umgehe wurde mir erst bewusst, als es zu spät war..

    Du hast es nach außen getragen seinerzeit, ich nach innen.
    LG Ivi

  5. Avatar von animosa
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Zitat Zitat von _vorbei Beitrag anzeigen
    Das passt genau ins Bild, weißt du.

    Immer die bösen anderen...

    So kann man ein Leben lang vermeiden, auch mal sich selbst zu hinterfragen, wie gesagt, das ist einfach sehr bequem. Und man kann ein Leben lang mit dem Finger auf andere zeigen, ohne sich selbst bewegen zu müssen.

    Eine Diskussion seh ich an der Stelle sowieso nicht, dazu müsste man ja überhaupt erstmal offen sein, und nicht schon vorher wissen, dass man selbst immer richtig und die anderen immer falsch liegen. Aber nein, das ist alles böse und abwertend und gegen einen gerichtet, vorschnell und unreflektiert und ein Urteil noch dazu - also kann man sich ja guten Gewissens einer inhaltlichen Auseinandersetzung verweigern und ist einmal mehr in seinem Selbstbild bestätigt.

    Was manchen halt wichtiger ist als auch nur der allerkleinste Entwicklungsschritt.

    Und Schuld ist daran, vermutlich auch noch beim 80jährigen Kind: Mama oder Papa.

    Ja dann.
    Vorbei, ich finde deine Beiträge sehr gut.

    Sie können wach rütteln. Sie sind unbequem. Aber sie stimmen.
    Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn.

  6. Avatar von animosa
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Mein Vater hat damals auch seinen Teil Schuld getragen. Das habe ich ihm auch gesagt.

    Es war bequem, er war konfliktscheu.

    Ich bin als Kind weinend durch die Straßen geirrt. Weil meine Mutter mir ihre Abneigung entgegen schleuderte. Mein Vater nahm mich immer mal raus aus dem „Brandherd“. Aber redete nicht mit mir. Ich war unendlich einsam! Ich fühlte mich allein gelassen. Das war ein sehr tiefer Schmerz.
    Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn.


  7. Registriert seit
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Zitat Zitat von _vorbei Beitrag anzeigen
    Tatsächlich wundert mich einfach, wieso sich die Wut so oft nur auf den einen Elternteil richtet. Ich bin der Meinung, daß für ein Kind beide Eltern Verantwortung tragen. Derjenige der einfach zugeschaut hat wird oft entschuldigt, ich frag mich eben, wieso.

    In dem ganzen Zusammenhang gehe es ja oft um Verantwortung, die man übernimmt, oder eben auch nicht, in dem man sie einem anderen zuschiebt.
    Zum Thema "Gut und Böse"/"Schwarze und Weiße" Rolle in dysfunktionalen Familien schrieb eine von mir sehr geschätzte, ehemalige Userin im "Schwierige Mutter" Strang von rabeana einige sehr hilfreiche Denkanstöße.

    Dieser über 1000 Seiten lange Strang wird leider seit längerem nicht mehr genutzt, war aber zur Zeit meiner Anmeldung für mich der Rettungsanker den ich brauchte, um meinen eigenen Kontaktabbruch zu meinen Adoptiveltern und die dazugehörige Vorgeschichte zu verarbeiten.

    So hinterfragte sie anlässlich eines meiner ersten Beiträge im Strang, ob es wirklich sinnvoll ist, die Handlungen/Misshandlungen und Ignoranz des einen Elternteils auf das Konto des anderen Elternteils zu buchen, damit wenigstens eine Weste in der Familie anschmiegsam hellgrau bleibt. Sie schrieb allerdings auch, dass sie es nachvollziehen könne, dass einem diese Denkweise das Leben ein bisschen erträglicher macht.

    Und ich glaube damit trifft sie bei vielen Betroffenen wirklich den Nagel auf den Kopf.

    Besagte Userin verstand es wirklich sehr gut gewisse Dinge sehr direkt auf den Punkt zu bringen. Auch wenn ihre Beiträge manchmal nichts für zarte Gemüter waren, mir haben sie seinerzeit wirklich sehr geholfen, damalige und weiter zurückliegende Ereignisse klarer zu sehen, leichter zu verarbeiten und auch meine eigenen Ambivalenzen besser zu verstehen.
    "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar".
    Antoine de Saint-Exupéry (Der kleine Prinz)

    Gute Mädchen kommen in den Himmel und weil ich mich dort sicher zu Tode langweilen würde, will ich da auch gar nicht hin und darf ruhig ein bisschen böse sein.


  8. Registriert seit
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Ivonne,
    Rachegelüste habe ich weder gegen meinen Vater und schon gar nicht gegen meine Mutter. Ich weiß, daß sie darunter leidet, daß ich den Kontakt abgebrochen habe und ich will nicht, dass sie leidet. Das hat sie sicher nicht verdient.

    Konfliktscheu ist auch meine Mutter, das ist keine Monstereigenschaft, im Gegenteil, Harmonie hält die Bande zusammen.

    Ich mag das Wort "Schuld" nicht. Schuld ist, wer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte absichtlich handelt und sich auch der Folgen seines Handelns bewußt ist. Das ist selten der Fall.

    Ich nenne es eher Ursache und Wirkung. Und ja, natürlich bin nur ich verantwortlich für mein eigenes Handeln, unabhängig davon, was die Ursache ist.

    Trotzdem kann ich Ursachen ausmachen, um damit Wirkung zu erklären. Das hilft zumindest soviel, dass ich an Verhaltensmuster rankomme und die offenlegen kann. Was Sohn daraus wiederum macht, ist sein Ding. Er findet sein Leben toll und ich sag ihm nur, leb es, wenn es Dir gut tut. Auf mich strahlt er auch viel Lebensfreude aus, wir haben immer Spass, wenn wir zusammen sind und das ist immer mindestens 1 Woche, meistens 2 oder 3 Wochen.

    Gespräche über die Zeit damals sind schwierig, die blockt er eher ab. Wie Du sagst, Anteile unserer Eltern tragen wir in uns und wir können es nicht rückgängig machen. Manchmal frage ich mich, ob es das Gesetz der Natur, Evolution ist und die Last zur Energie macht, die wieder neue Möglichkeiten eröffnet.

    Mein Lebensschiff bestand diese Woche aus Arbeit, ich hatte gar nicht viel Zeit nachzudenken. Vielleicht ist auch das ein Gesetz der Natur, nicht viel nachzudenken und deshalb Arbeit uns so wichtig ist.

    @animosa
    Du kennst Astrid Lindgren und ihren Michel von Lönneberga. Den wütenden, strafenden Vater und die gütige Mutter, die es richtet.
    Bei Jungs ist das oft so, bei Mädchen wird die Rolle oft getauscht. In unserem Gesellschaftsbild darf der Mann aber nicht schwach sein und auch keine Gefühle zeigen. Deshalb hat er es schwer, den Brandherd zu löschen. Mädchen haben es da vielleicht noch schwerer, als Jungs, wenn das harmonievermittelnde Pendant männlich ist.
    Gruß Schiller
    Geändert von Schillerlocke (10.01.2020 um 23:04 Uhr)


  9. Registriert seit
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Hallo in die Runde hier,

    Heute hat es mich wieder kalt erwischt.
    Ich hatte schon gehofft, ich wär mit dem Thema durch, von wegen ...

    Ich sitze seit heute morgen mit Schweißausbruchen und mit einem Gemisch aus schlechtem Gewissen, Wut und Mitleid in meinem Büro.
    An Arbeit nicht zu denken, ich bekomme keinen einzigen klaren Gedanken zusammen.

    Was ist passiert:
    Heute morgen rief der Bekannte meiner Eltern an, der mit der *Patientenverfügung*. Meiner Mutter ginge es so schlecht, ich sollte doch dran denken, wie alt die sind und was sie alles für mich getan hätten und ob ich sie nicht anrufen könnte.

    Ich sagt ihm dann, dass ich mit meinem Vater nix mehr zu tun haben will und meine Mutter meine Nummer hätte, die kann mich gern anrufen.
    Dann kam von ihm wieder die Anmerkung, ich sollte die Vergangenheit ruhen lassen, nicht so stur sein und dran denken, wenn die beiden morgen nicht mehr sind, was ich ihnen noch alles hätte sagen wollen.

    Puuhh, ich bekomme kaum Luft ... Was für eine Schei...
    Gruß Schiller

  10. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Bruch mit Eltern nach über 60 Jahren

    Hallo Schiller,
    du könntest als erwachsener Mann anrufen und die Mutter verlangen. Fragen, was los ist.

    Diese Situation war zu erwarten.

    Schätze, es ist die Angst vor deinem Vater, die dich hindert. Ist das so?
    LG Ivi

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