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  1. Registriert seit
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    Mit 30 versagt?

    Hallo ihr Lieben! Hier geht es weder um Schulden, noch um eine abgebrochene Ausbildung, noch um Liebeskummer und ich weiss, dass mein Problem vielmehr ein Luxusproblem der heutigen Gesellschaft als ein existentielles ist. Trotzdem muss ich meinen Kummer einmal loswerden. Bald werde ich (w) 30 Jahre alt und wenn ich von links nach rechts schaue sehe ich entweder beruflich erfolgreiche Frauen oder Frauen mit Familie. Es schmerzt mich so sehr, dass ich einfach nirgendwo richtig mitreden kann. Fühle mich fehl am Platz, obwohl ich gerne irgendwo dazu gehören möchte. Das schmerzt so sehr. Zu mir: Ich komme ursprünglich aus eher ärmlichem Verhältnissen. In der Schule war ich gut und ehrgeizig und habe immer viel geleistet. Aus hauptsächlich finanziellen Gründen blieb mir der Zugang ans Gymnasium trotzdem verwehrt. Zuerst fand ich mich damit ab und dachte, eine Lehre und anschliessend Familie sei mein Lebensziel. Da es nach meiner Erstausbildung mit den Männern nicht so klappen wollte, entschloss ich mich erst knappe Mitte 20 auf Umwegen doch noch für ein Studium, das mich halbwegs interessierte und mit dem Fachabi machbar war. Sämtliche Ersparnisse habe ich dafür geopfert, die ich mit einem ziemlich tiefen Lohn hart erarbeitet habe. Mein Ziel war es immer, nach dem Studium einige Monate zu reisen, was ich immer hinausgwschoben habe. Heute, 3 Jahre nach Abschluss stehe immernoch viel schlechter da als vor der Ausbildung, da ich meine gesamten Ersparnisse ins Studium gesteckt habe. Schulden habe jedoch keine. Nur der grosse Lohn blieb bis heute aus, obwohl ich nicht schlecht verdiene. Für meinen Job musste zwingend ein Auto her, das ich auch abstottere. Ich wohne am Stadtrand in einem eher ärmlichen Quartier, da ich sonst nichts sparen könnte. Die Wohnung habe ich liebevoll eingerichtet, wenn ich jedoch die traurige Haussfassade sehe, wenn ich nach Hause komme, denke ich oft: Wo lebe ich eigentlich? Hinzu kommt, dass die meisten Freundinnen im Umfeld in der Heiratsphase sind. Mir ist völlig klar, dass das ganze objektiv überbewertet wird, da sich im Grunde nichts ändert. Ich fühle mich jedoch trotzdem als Versagerin, die niemand heiraten will. :( Trotz meiner Ausbildung fühle ich mich beruflich alles andere als erfolgreich. Ich arbeite so viel und kann mir trotzdem nicht viel leisten. In meinem ursprünglichen Fachgebiet wollte mich niemand einstellen. Mein jetztiger Job ist sicher ok, aber nicht meine Leidenschaft. Wer kann mich trösten, Hilfe...

  2. Avatar von luftistraus
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    AW: Mit 30 versagt?

    Liebe ShadowSister

    fühl dich mal

    Ich finde du hast viel geleistet und warst auch mutig.

    Später wenn man schon im Berufsleben ist, das Fachabi zu machen und zu studieren - ist eine sehr große Leistung.

    Es hat dich ein paar Jahre gekostet aber da hast es geschafft.

    Mir ging es damals genauso. Beruflich ok und auch nicht schlecht verdient, aber die Erfüllung war weder der Job noch das Gehalt.

    Zudem war auch kein Partner weit und breit in Sicht und ich fühlte mich einfach nur mies.

    Überall wo ich hinsah waren Leute die das alles hatten.

    Ich verstehe dich

    Rückblickend betrachtet, habe ich allerdings nur gesehen was ich sehen wollte bzw nicht sehen wollte.

    Die Traumpaare hielten vordergründig eine Fassade aufrecht und hinter verschlossenen Türen war Lug/Betrug/Unzufriedenheit vorhanden

    Die beruflich erfolgreichen, hatten eine 60 - 80 Stundenwoche und später einen Burnout oder haben den Job verloren weil die Firma sparen musste.

    Mir hat damals die Erkenntnis geholfen, das ich aufgehört habe auf andere zu schauen und den Fokus nur auf mich gelegt habe. Als Single hat man nämlich ganz tolle Vorteile ;)

    Man kann auch mal den Job einfach wechseln, weil keine größere Verantwortung da ist wie z.b. Kinder oder ein Partner (da kann man mal nicht schnell nen Job in 500 km Entfernung annehmen)

    Meine Situation hat sich mit meiner veränderten Einstellung automatisch geändert.

    Gib Dir selbst die Zeit wie es dauert - such weiterhin nach dem Job und Gehalt was du möchtest....

    Ein Partner wird wahrscheinlich auch dann kommen wenn du es am wenigsten erwartest.

  3. Avatar von linsemo
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    AW: Mit 30 versagt?

    Du hast eine ganze Menge zu tun, um dich und dein Leben Positiv zu sehen und zu gestalten. Nur auf die zu gucken, die im ersten Moment ein angeblich besseres Leben haben als du, ist kontraproduktiv.

    Hör dich mal um, welches Leben andere Menschen führen. Bei anderen siehst du alles positiv nur bei dir ist alles negativ. Du siehst, was du sehen willst und nicht wie es wirklich ist.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)

  4. Avatar von schafwolle
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    AW: Mit 30 versagt?

    Zitat Zitat von ShadowSister Beitrag anzeigen
    Die Wohnung habe ich liebevoll eingerichtet, wenn ich jedoch die traurige Haussfassade sehe, wenn ich nach Hause komme, denke ich oft: Wo lebe ich eigentlich? ..
    Das unmittelbare Umfeld kann einem ganz schön aufs Gemüt
    schlagen, wenn es so ist, wie Du es beschreibst.

    An Deiner Stelle würde ich alles daransetzen, die Wohnung zu
    wechseln. Das hätte bei mir weit vor dem Heiraten absolute Priorität.


  5. Registriert seit
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    AW: Mit 30 versagt?

    Hey!

    Ich glaube, dass es eher darauf ankommt, dass du versuchst deinen Erfolg dir auch anzuerkennen. Du hast viel geleistet, kannst viel, musstest Dir auch sicher sehr viel erarbeiten. Ich verstehe aber gut, dass du das nicht für dich wertschätzen kannst, lieber woanders wärst. Ist schwierig, vor allem auch, wenn einem die echte Anerkennung durch die Eltern fehlt.

    Mir geht es da oft ähnlich, ich habe auch oft das Gefühl nichts oder viel zu wenig erreicht zu haben und auch, dass alle anderen besser dastehen, erfolgreicher und fleißiger sind. Bei mir ist das auch „totaler Schwachsinn“, aber manchmal fühlt es sich so an.
    Schwierig.

    Das ist aber meist auch wirklich nur das ganz subjektive Gefühl, dass alle anderen so erfolgreich sind und die Herausforderungen viel besser lösen.

  6. Avatar von ja-aber
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    AW: Mit 30 versagt?

    Für das Haus wie für alles andere gilt: Du siehst die Fassade!
    Du kannst nicht wissen, wie es wirklich ist, was die anderen für Sorgen und Nöte haben.
    Ich würde mein Augenmerk darauf legen, HINTER die Fassade zu sehen oder eigentlich einfacher: wahrzunehmen, dass es nur die Fassade ist.

    Das Gras auf der anderen Seite des Zauns halt. Es schmeckt auch nur nach Gras.

    DU bist erfolgreich! Anstatt auf die zu schauen, die es vermeintlich oder tatsächlich besser haben, wirf doch mal einen Blick auf die anderen!
    Du hast eine Ausbildung.
    Du hast ein Studium.
    Du hast ein Auto.
    Du hast eine Wohnung.
    Du kannst für Dich selbst sorgen.

    Damit bist Du SEHR vielen anderen 30-Jährigen voraus.

    Wenn Du mit einem :-( durch das Leben gehst, strahlt Du das doch aus. Übe die Superhelden-Pose. Mach sie Dir selbst vor im Spiegel. DAS bist Du, nicht diese miesepetrige-Mauerblumen-Frau. Oder? Du kannst sehr stolz auf Dich sein!

  7. Avatar von Blue2012
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    AW: Mit 30 versagt?

    Zitat Zitat von ShadowSister Beitrag anzeigen
    Ich arbeite so viel und kann mir trotzdem nicht viel leisten. In meinem ursprünglichen Fachgebiet wollte mich niemand einstellen. Mein jetztiger Job ist sicher ok, aber nicht meine Leidenschaft.
    Dann versuche einen Job zu ergattern, der dich mehr erfüllt! Bewirb dich aus dem jetzigen Job raus und versuche einen besser bezahlten zu bekommen! Fighte dich durch!

    In nur einem Jahr kann sich eine Menge ändern! Wenn man bereit ist, dafür zu kämpfen.

    Mir ging es mit 30 wie dir. 1 Jahr später stand mein heutiger Mann auf der Matte. Dann kam die Verlobung. Dann der Hammerjob. Dann 3 Jahre später geheiratet. Dann gleich das Kind. Der Umzug, Haus, etc. pp.
    Be a voice not an echo.

  8. Moderation
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    AW: Mit 30 versagt?

    Das ist jetzt wieder lang geworden. Wird bei mir immer lang....

    ShadowSister,

    Sich mit anderen zu vergleichen ist die perfekte Unglücksmaschine. Leider kann man das nicht komplett abstellen: Wir vergleichen uns mit anderen, um zu wissen, wer wir sind. Man kann es nur mit einem Körnchen Salz nehmen. Du vergleichst das, was hinter deiner Fassade ist, mit den Fassaden von Leuten, die das haben, was du haben willst. Aber Fassaden trügen. Das siehst du ja bei deiner Wohnung: Außen pfui, innen hui. Bei Menschen ist es für gewöhnlich umgekehrt, weil jeder seine eigenen nicht-gegangenen Wege und nicht-erfüllten Ansprüche an sich selbst kennt, aber nicht die der anderen.

    Mach mal eine Haben-Inventur. Du hast die Fähigkeit, nicht nur mit deinem Geld hinzukommen, sondern es zu sparen. Du kannst dir Ziele setzen, darauf hinarbeiten, und sie erreichen. Du hast alle "Abzeichen" des (jungen) Erwachsenseins: Wohnung, Auto, Beruf, Einkommen. Du bist intelligent und beharrlich genug, um ein Studium erfolgreich abzuschließen, und das ist kein Selbstgänger. Auch nicht-haben kann eine Stärke sein: Du bist ungebunden und wenn sich woanders zum Beispiel ein besserer Job auftut, ist "woanders" kein "geht gar nicht". Daß man mit 30 noch nicht die dicke Knete einfährt, ist nur ein Versagen, wenn Normalität ein Versagen ist.

    Ja: Du bist beruflich nicht so weit, wie (manche der) Leute, die mit zwei Runden Vorsprung angefangen haben, die mit 18 Abi gemacht haben und elternunterstützt studiert. Für dich hatte jeder Schritt Kosten, die dir auch bewußt waren: In Geld, in Zeit, in Risiko, in Gelegenheit. Du hast das trotzdem gemacht.

    Kann es sein, daß du als erste in der Familie studiert hast? Das packt einem oft eine besondere Last auf, weil man zwischen der Abwertung ("wer glaubt sie, daß sie ist?") und den überzogenen Erwartungen ("studiert = Erfolg, Ansehen und Wohlstand") der Familie nicht gewinnen kann, und dieser Zwiespalt sitzt ja auch im eigenen Kopf, der vererbt sich. Während die zwei-Runden-Vorsprung Leute für gewöhnlich wissen, daß sie zumindest eine respektable Familientradition fortführen.

    Ich finde ja, daß "Leidenschaft" für einen Job nett ist, aber wichtiger ist, daß der Job nicht doof ist. Leidenschaft ist flüchtig, und zu viel Engagement, wenn es auf die Realität des Tagesgeschäfts trifft, ist nicht immer gut für den inneren Frieden. Ich kann natürlich deine Leidenschaft nicht beurteilen, aber ich würde "ok" nicht als "Versagen" betrachten. Vor allem nicht, weil sich in den nächsten 30 bis 35 Jahren noch viel ändern kann.

    Du bist 29. Als ich 29 war, hatte ich seit zwei Jahren eine Festanstellung, yeah! Und ein WG-Zimmer in einem Hochhaus in einem "sozialen Brennpunkt". Einen 15 Jahre alten Golf Diesel, der so viel Versicherung kostete, daß ich sie nur durch (legale) Trickserei bezahlen konnte. Und das Gefühl, so viel Geld zu haben, daß ich zwei Jahre später selbst meinen Dispo überzogen hatte . Mit die beste Zeit meines Lebens -- nicht nur im Rückblick. Warum? Weil ich haufenweise Freunde und Kumpels hatte, die genau so lebten und das genau so haben wollten.

    Das macht allen Unterschied der Welt, du schreibst es ja selbst: Du willst dazugehören. Mitreden. Am richtigen Platz sein.

    "Dazuzugehören" hängt mMn stark davon ab, eine Rolle zu finden, die man ausfüllen kann. Das ist der Platz, wo man hingehört, man ist "Die, die das- und-das ist/macht/kann". Diesen Platz hat man im Leben der anderen. Dadurch, daß die Freundinnen jetzt alle (?) ein neues Stück auf die Bühne bringen (Hochzeit, Familie) ist die Frage, ob deine Rolle darin noch einen Platz hat, und wenn ja, welchen. Das ist eine existenzielle Angst. Menschen brauchen Menschen. Ohne einen Roman oder ein Selbsthilfebuch zu schreiben: Das beste Rezept für ein befriedigendes Sozialleben ist nmE, a) bestehende Verbindungen zu pflegen, b) sein eigenes Leben zu respektieren, und sich selbst genug sein zu können, c) viele neue Leute kennenzulernen, d) auf die Leute, die man besser kennenlernen möchte, zuzugehen, e) keine toten Pferde zu reiten.

    Du schreibst: "Zuerst fand ich mich damit ab und dachte, eine Lehre und anschließend Familie sei mein Lebensziel. Da es nach meiner Erstausbildung mit den Männern nicht so klappen wollte, entschloss ich mich erst knappe Mitte 20 auf Umwegen doch noch für ein Studium."

    Kann es sein, daß du das Gefühl hast, ein Leben zu leben, das du nie so haben wolltest? Ein Leben zu führen, das in jedem Schritt von dem weggeht, wo man eigentlich hinwollte, ist belastend. Um so mehr, wenn das gesamte Umfeld den vergangenen Traum zu leben scheint. Manchmal ist der Traum wirklich über das Verfallsdatum, und man muß ihn nur noch gehen lassen. Manchmal ist das Ziel noch da, aber der vergangene Traum hat sich auf ein Symbol (Statussymbol?) reduziert ("Heirat!") und das Symbol blockiert einen. Das ist, was Leute meinen mit "versuch es weniger, dann klappt es eher".

    Persönlich kann ich, wenn es darum geht, sich mal neu zu sortieren, oder mit Entscheidungen, die man getroffen hat, obwohl sie nicht zum Plan paßten, klarzukommen, und man allein einfach nicht weiterkommt, einen professionellen Zuhörer empfehlen. Gesprächstherapie oder Coaching zum Beispiel. Aber man kann es auch erst mal in Eigenregie versuchen. Es gibt bestimmt "ich sortiere mich in der Quarterlife-Crisis"-Selbsthilfebücher, nur leider kenne ich mich da nicht aus.
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  9. Avatar von Sugarnova
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    AW: Mit 30 versagt?

    wildwusel, ich habs schon mal gesagt - ich würde ein Buch von dir direkt kaufen. Egal, über was.


  10. Registriert seit
    09.01.2016
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    AW: Mit 30 versagt?

    Fakt ist, du hast dich durchgebissen, um das zu erreichen, was du erreicht hast. Andere, die "erfolgreicher" sind als du, bekamen vielleicht alles von ihren reichen Eltern in den Hintern geschoben.

    Dreimal darfst du raten, was ich für die größere Leistung halte.

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