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    Frage Wo will ich leben?

    Hallo zusammen,

    ich wollte Euch mal um Rat zu einem „Problem“ (das vielleicht auch einfach ein Luxusproblem ist?) befragen. Ich bin dieses Jahr 30 geworden und lebe seit mittlerweile 8 Jahren nicht mehr in meiner Heimatstadt.

    Direkt nach meiner Ausbildung, damals also mit 22, habe ich eine sehr gute Stelle ca. 150 km von meinem Heimatort entfernt bekommen und obwohl ich damals lieber in der Heimatstadt geblieben wäre, habe ich die Chance genutzt, allerdings immer mit dem Hintergedanken den Job jetzt erst mal zwei, drei Jahre zu machen und mir dann eine andere Stelle wieder in der Heimat bzw. in der Umgebung zu suchen (die nächste Großstadt ist ca. 20 km entfernt).

    Mittlerweile sind wie gesagt 8 Jahre vergangen, ich habe noch mal den Wohnort gewechselt und lebe jetzt noch weiter von zuhause entfernt (ca. 220 km) in einer Großstadt. Die ersten Jahre hat mir das Großstadtleben auch ganz gut gefallen, auch wenn ich nie das Gefühl hatte, hier wirklich zuhause zu sein. Mittlerweile wird das Gefühl wieder „zurück in die Heimat“ zu wollen aber immer stärker. Nur: bis auf ein oder zwei alte Freunde und meine Eltern gibt es in meiner Heimat niemand mehr, ich müsste also fast alle Kontakte neu aufbauen (fällt mir allerdings nicht sehr schwer, das habe ich in den zwei neuen Städten auch ganz gut geschafft).

    Was mir nur zu schaffen macht: eigentlich habe ich (vielleicht mit Ausnahme eines Partners, ich bin im Moment Single) hier alles, was man sich wünschen kann:

    einen guten Job mit viel Freiheiten, gutem Gehalt, nettem Chef und Kollegen, eine schöne Wohnung, eine wirklich sehr gute und enge Freundin sowie viele gute Bekannte, mit denen ich was unternehmen kann, es gibt hier natürlich die vielen Möglichkeiten einer Großstadt, und, und, und. Nur: ich merke immer mehr, dass ich in der Großstadt einfach nicht wirklich zuhause bin und das Gefühl habe hier "total verloren“ zu sein und wenn ich am Wochenende mal auf Besuch in meiner Heimat bin (Kleinstadt), finde ich es jedes Mal toll, wenn mich z. B. die Bäckersfrau immer noch kennt. Ich weiß aber nicht, ob ich das nur super finde, weil ich das so in meinem Alltag eben nicht habe und ich vielleicht total genervt wäre, wenn ich hier wieder dauerhaft leben würde. Die Leute in meinem Alter hier sind z. B. größtenteils schon verheiratet und haben Kinder, was bei mir derzeit überhaupt noch nicht ansteht.

    In meinem Kopf ist es ein ständiges Hin und Her: soll ich den Schritt zurück wagen, auch auf die Gefahr hin dort keinen so guten Job wie hier zu finden oder muss man eben immer im Leben auch mit einen „Wermutstropfen“ leben?

    Gibt es jemand, der schon ähnliche Gedanken hatte und für sich einen Weg gefunden hat?

    Vielen Dank und liebe Grüße vom
    Wassernixlein

  2. Inaktiver User

    AW: Wo will ich leben?

    Hallo Wassernixlein,

    was genau fehlt dir denn in der Großstadt, außer, dass die Bäckersfrau dich nicht schon von klein auf kennt?

    Würdest du dich heimischer fühlen, wenn du einen Partner in der Großstadt hättest?

    Dieses Gefühl der Verlorenheit klingt für mich so, als hätte es mit der Großstadt nicht ursächlich zu tun. Wenn du es als Hinweis darauf liest, was in deinem Leben fehlt - was ist das dann?

    Ich habe auch manchmal Heimweh. Nach der Mundart, die in meiner Heimatstadt gesprochen wird (die objektiv betrachtet nicht wirklich zu den attraktiven zählt), nach der Art, wie die Häuser gebaut sind, nach dem Nationalgetränk, nach der etwas mauligen Art der Ureinwohner, nach hundert Kleinigkeiten. Würde ich wieder dort leben - wer weiß, wie schnell mir vieles davon wieder auf den Geist ginge?

    Ich lebe in der ganz großen Stadt, aber meine Straße ist wie ein Dorf. Ich werde von der Zeitungsfrau gerüffelt, wenn ich mal ein paar Tage nicht da war, man kennt sich, man grüßt sich, in meinem Lieblingsrestaurant kennt man meine Marotte, eine Tupperdose für die Reste mitzubringen. Ich habe sogar ein kleines Stück Garten, da treffe ich mit Leuten zusammen, die ich anders nie kennengelernt hätte.

    Was also ist für dich Heimat?

    Grüße von
    butterkrebs

  3. User Info Menu

    AW: Wo will ich leben?

    Mit 18 Jahren wollte ich in München leben.
    Job und kleine Wohnung waren gesucht, Umzug geplant.
    Dann habe ich mich verliebt und bin in meiner Heimat geblieben. Nach über zwei Jahrzehnten habe ich mich von meinem
    Mann getrennt, wollte meinen Wunsch in München zu leben verwirklichen. Ich hatte die Möglichkeit in unserer Niederlassung München zu arbeiten und alles schien perfekt. Allerdings hatte ich nicht mit dem Widerstand meiner Kinder gerechnet. Ich bin geblieben :-).
    Jahre später hatte ich eine wundervolle Fernbeziehung zu einem Münchner. Die Kids waren erwachsen, dem Umzug stand nichts im Wege, aber ich wollte meine Wochenendbeziehung weiterführen.
    Ich wollte nicht nach München ziehen - zu viel Nähe.
    Und wieder blieb ich in meiner Heimat. Dies ist eigentlich der Ort wo ich nicht leben möchte :-)
    und doch bleibe ich hier.

    Nun hat sich die für mich beste Möglichkeit zu leben ergeben. Ein Elterteil meines Mannes kommt aus der Provence,
    der andere aus Garmisch. Beiderorts bestehen Wohnmöglicheiten die genutzt werden.

    Mein Hauptwohnsitz ist immer noch ein Mehrgenerationenhaushalt in meiner Heimat. Einen grossen Teil meiner Zeit
    verbringe ich in Haus meines Mannes in Garmisch, der dort beruflich gebunden ist. Ich kann meinen Job von beiden
    Wohnsitzen aus machen. Viel Zeit verbringe ich beruflich am Bodensee und im Allgäu, möchte dort aber nicht leben.
    Ein Haus am Gardasee, daß wir uns vor Jahren gekauft und renoviert haben, ist im Moment vermietet, da wir es die letzten Monate kaum genutzt haben.

    Zuhause bin ich da wo ich meine Lieben um mich habe, mal hier - mal dort.
    Ich führe ein wenig ein Zigeunerleben und das gefällt mir im Moment ausgesprochen gut.

    Wenn du mich heute fragst " wo willst du leben ". Ich kann es nicht sagen.
    Mal hier - mal dort :-)
    das Leben kann so einfach sein

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    AW: Wo will ich leben?

    Hallo butterkrebs und Seniorita,

    vielen Dank für Eure Antworten!

    @butterkrebs
    die Frage warum ich mir hier so einsam und verloren vorkomme stelle ich mir auch sehr oft. Denn tatsächlich ist es ja so, dass ich nicht einsam und verloren BIN, wie gesagt, es gibt Freunde, Bekannte und Kollegen. Ich versuche es mal zu beschreiben: hier in der Großstadt habe ich immer das Gefühl, ich werde diese Stadt niemals erfassen und überblicken können. Klar gibt es hier und da sehr schöne Ecken, die ich auch gerne mag, aber der Großteil der Stadt ist mir "fremd". Meine erste Stadt, in die ich mit 22 gezogen bin, war eine kleine Stadt am Rande des Schwarzwalds mit ca. 70.000 Einwohnern und dort habe ich mich sehr schnell heimisch und "willkommen" gefühlt und denke jetzt oft noch ein bißchen wehmütig an diese Zeit zurück. Kleine Gässchen und vielleicht drei, vier Stammlokale, in denen wir uns immer getroffen haben. Ja - einige aus unserer Runde damals haben die Nase gerümpft über die wenige Auswahl an Lokalen, die in einer Großstadt natürlich viel besser wäre aber mir hat es immer gefallen. Alle meine Freunde waren zu Fuß in ca. 10 Minuten zu erreichen weil wir alle in der Innenstadt gewohnt haben, man hat sich spontan verabredet, war in 5 Minuten am Marktplatz und hat dann entschieden, wohin es geht. Hier habe ich oft das Gefühl es ist alles immer ein bißchen ein "Kampf": wenn man sich fürs Wochenende verabreden möchte muss man spätestens am Dienstag anfragen, sonst ist jeder schon verplant.

    Ich dachte auch immer, dass sich das mit einem Partner ändert aber bis vor nicht allzu langer Zeit war ich in einer Beziehung und es hat sich nichts wesentlich geändert. Das mag aber natürlich auch daran liegen, dass der Mann nicht der Richtige für mich war und es mit einem passenderen Partner anders wäre. Aber in dieser Beziehung hatte ich oft den Gedanken, ob er wohl bereit wäre langfristig mit mir in eine andere Stadt zu gehen (zum Ansprechen war es noch zu früh, wir waren nicht sehr lange zusammen).

    Übrigens - das hatte ich vorhin nicht so explizit dazugeschrieben: mir geht es gar nicht darum, unbedingt wieder genau in meine Heimatstadt zu gehen sondern ich kann mir auch eine mittelgroße Stadt, die nicht gerade ewig weit weg von meiner Heimat liegt, gut vorstellen.

    @Seniorita
    ach, Dein Vagabundenleben klingt toll So was könnte ich mir auch gut vorstellen, nur ist das leider zumindest derzeit mit meinem Job nicht machbar. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass das Leben bunt ist und man vielleicht einfach mal warten sollte, was das Schicksal mit einem vor hat, andererseits denke ich das schon seit 8 Jahren und gerade habe ich so ein bißchen das Gefühl, dass ich für immer hier "versacken" werde, wenn ich das Thema "wo will ich leben" nicht mal aktiv angehe.

    Gerade ist es sogar so, dass ich richtiggehend Angst davor habe, einen Mann von hier kennen zu lernen bzw. jemand, der an die Stadt gebunden ist, "denn dann komm ich ja nie von hier weg"

    Ohje, viele Gedanken gerade. Ganz so schlimm ist es nicht immer, nur im Winter immer besonders

    Vielen Dank fürs Lesen und liebe Grüße vom
    Wassernixlein

  5. Inaktiver User

    AW: Wo will ich leben?

    Zitat Zitat von wassernixlein Beitrag anzeigen
    hier in der Großstadt habe ich immer das Gefühl, ich werde diese Stadt niemals erfassen und überblicken können. Klar gibt es hier und da sehr schöne Ecken, die ich auch gerne mag, aber der Großteil der Stadt ist mir "fremd".
    Das kann ich von meiner Stadt auch sagen. Da gibt es viele Ecken, die ich gar nicht näher kennenlernen will. Was ich ausdrücken wollte mit meinem Beispiel ist, dass man sich das Dorf in die Stadt holen kann. Wenn du keine Schwierigkeiten hast, auf Menschen zuzugehen, kannst du dir doch in deinem Stadtteil oder in deiner Straße dein Dorf selbst schaffen und all das tun, was du zum Heimischwerden brauchst.

    Für mich fängt das beim Grüßen an und beim kleinen Plausch über der Brötchentüte. Oder schon damit, den Leuten in die Augen zu schauen, wenn man mit ihnen spricht.

    Gibt es einen Chor, eine Lesepatengruppe, irgendeine Art von Nachbarschaftshilfe da, wo du wohnst? Kannst du einen Frühjahrsputz in deinem Viertel organisieren, wo man gemeinsam den Park aufräumt? Gibt es eine Initiative, der du dich anschließen kannst, die für euer Viertel was bestimmtes erreichen will? Meine Erfahrung ist, dass ich mich da heimisch fühle, wo ich mich engagiere.

  6. Inaktiver User

    AW: Wo will ich leben?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Meine Erfahrung ist, dass ich mich da heimisch fühle, wo ich mich engagiere.

  7. User Info Menu

    AW: Wo will ich leben?

    Lieber butterkrebs,

    das mit dem Plausch über die Brötchentüte hinweg klingt super, das klingt sehr nach meinem Geschmack

    Nur: in meinem Teil der Stadt (obwohl ich ziemlich zentral wohne) gibt es DIE typisch-netten kleinen Lädchen und Cafés nicht. Es gibt einen Schlecker-Markt mit wechselnd-mürrischen Verkäuferinnen, eine Ketten-Bäckerei mit ebenfalls wechselnden Verkäuferinnen und noch mehr Läden dieser Art ...

    Die Nachbarn sind überwiegend ältere Leute, mit denen ich mich nett grüße und durchaus auch mal ein paar nette Sätze wechsle, wenn ich sie treffe, was bedingt durch unsere völlig unterschiedlichen Zeiten aber nur sehr selten vorkommt (ich bin morgens weg, bis die älteren Leutchen außer Haus gehen, und wenn ich abends heimkomme sitzen sie schon gemütlich auf der Couch ).

    Ich habe aber tatsächlich auch schon überlegt, ob es vielleicht die Lösung wäre in einen passenderen Stadtteil zu ziehen? Was mich dabei ein bißchen schreckt ist, dass ich in diese Wohnung ziemlich viel investiert habe (neue Küche selbst gekauft etc.), die Wohnung an sich für einen für hier ziemlich akzeptablen Preis echt sehr schön ist und ich ein bißchen unsicher bin, das für einen "Zuhause-Fühl-Versuch" so einfach aufs Spiel zu setzen.

    Das Enagieren finde ich eine gute Idee! Da werde ich mich mal umhören, ob es hier schon etwas gibt, das mir Spaß machen könnte!

    Einen lieben Gruß und einen herzlichen Dank vom
    Wassernixlein

  8. Inaktiver User

    AW: Wo will ich leben?

    Zitat Zitat von wassernixlein Beitrag anzeigen
    Ich habe aber tatsächlich auch schon überlegt, ob es vielleicht die Lösung wäre in einen passenderen Stadtteil zu ziehen? Was mich dabei ein bißchen schreckt ist, dass ich in diese Wohnung ziemlich viel investiert habe (neue Küche selbst gekauft etc.), die Wohnung an sich für einen für hier ziemlich akzeptablen Preis echt sehr schön ist und ich ein bißchen unsicher bin, das für einen "Zuhause-Fühl-Versuch" so einfach aufs Spiel zu setzen.
    Wie dir jeder Makler bestätigen wird, gilt es bei der Wohnungssuche auf drei Dinge zu achten: a) location, b) location, c) location.

    Kommt drauf an, was du suchst: Ruhig heißt in der Stadt oft friedhofsstille Vorstadt. Lebendig heißt, man nimmt ein bisschen Krach in Kauf. Aber Leben ist halt nicht geräuschlos.

    Für mich ist eine gute Anbindung an den Nahverkehr wichtig und dass ich alles, was ich brauche (eine gute Buchhandlung, einen Markt, einen Weinladen, der was taugt, einen Bäcker mit richtigem Brot, einen Schuster, eine Reinigung...) in Laufweite habe. Auch sowas hilft beim Heimischwerden.

    Und die Freunde, mit denen man sich erst mühsam zusammenorganisieren muss, gibt es, glaube ich, auch in kleineren Städten. Zumal, wenn die Kinder haben.

  9. Inaktiver User

    AW: Wo will ich leben?

    bei mir um die ecke ist so ein kleiner laden blauweiss drogerieartikel mit dem s im namen.

    die sind nicht mürrisch, die sind lieb und aufmerksam. überarbeitet weil sie fast alles in jeweils einer schicht allene machen sollen- aber mit ein bisschen verständnis und einem lächeln geht fast alles.

  10. User Info Menu

    AW: Wo will ich leben?

    Hallo Brighid,

    ich wollte die Verkäuferinnen in den S-Märkten nicht generell schlecht machen. Ich weiß, dass die dort einen harten Job für sicher nicht viel Geld machen. "Meine" Verkäuferinnen sind nur wirklich nicht sehr freundlich dort aber falls ich mich da zu negativ ausgedrückt haben sollte, war das nicht meine Absicht und sicher gibt es in allen möglichen Läden sehr viele freundliche und bemühte und eben auch einige weniger freundliche Verkäufer

    Einen lieben Gruß vom
    Wassernixlein

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