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    ich weiß nicht was ich will...

    hallo,

    ich bin jetzt 28 und weiß leider noch immer nicht was ich will. ich hab schule und abitur gemacht - das war damals noch einfach. ich wusste nicht was ich sonst tun sollte, darum hab ich das gemacht. danach war ich ein jahr im ausland - weil ich nicht wusste was ich sonst machen sollte und das war das einfachste, hab mich aber oft gelangweilt obwohl ich im nachhinein gesehen viel gemacht habe.

    dann wollt ich arbeiten im büro aber keiner wollte mich, also hab ich einen edv kurs bezahlt bekommen und den gemacht, hat mir sehr viel freude bereitet die regelmäßigen zeiten, was zu lernen und die tests eigentlich alle super zu bestehen. dann hab ich als rezeptionistin begonnen - das erste halbe jahr war wunderbar, ich ging gern in die arbeit, hab gutes feedback von vorgesetzten, kollegen und gästen bekommen, privat war ich gut drauf, bin ausgegangen, hab meine frustkilos verloren. das hat mich dann nicht mehr interessiert, ich habs insgesamt dreizehn monate gemacht und dann war ich wieder arbeitssuchend. sonst fand ich nix also hab ich wieder gastgewerbe gearbeitet obwohl mich die unregelmäßigen zeiten ziemlich fertig machen - kann dann nicht mehr schlafen, klo gehen, esse viel mehr,.... so zieht sichs bis heute durch.... schon seit längerem hab ich das gefühl dass ich was ganz anderes machen will. dass ich hier fehl am platz bin... mich würd archäologie interessieren, kunstgeschichte, fremdsprachen, sozialpädagogin, lehrerin, büroangestellte... aber ich hab mich umgesehen und wo ich wohne bzw. derzeit bereit wäre zu wohnen fänd ich dafür keine arbeit. es wäre vielleicht eine interessante zeit dies zu lernen, finanzierung allerdings ein problem - die lösung dann wieder im gastgewerbe zu arbeiten, da bekommt man noch arbeit, auch wenn die bezahlung im vergleich zu dem was man leisten muss schlecht ist... außerdem weiß ich nicht ob mich das auch morgen noch interessiert. jeden tag fällt mir ja was anderes ein.
    hab mit anfang juni einen neuen job begonnen, fühl mich absolut unwohl und fehl am platz. höre nächste woche damit auf. hab mich zu einem buchhalterkurs angemeldet. weiß aber nicht ob ich den nicht nochmal streiche...

    naja, zuerst kommt mir das gut vor, ist aber gleich nicht mehr interessant sonder mir kommt wieder was anderes vor...und schlussendlich mache ich wieder gastgewerbe weil ich nicht weiß was ich sonst tun soll oder weils mir zu umständlich ist die finanzierung etc. aufzubringen. und studieren ohne zu wissen ob ich danach nicht wieder gastgewerbe machen muss weils sonst nix gibt will ich auch nicht.... da kann ichs gleich bleiben lassen...

    ich möcht an einem tag abnehmen, dann kommt mir vor wieso soll ich mir das antun - ich bin wie ich bin und aus, am nächsten tag will ich wieder abnehmen....an einem tag möcht ich weg von zuhaus, auf eigenen füßen stehen, am nächsten tag ists mir wieder egal und so spar ich mir wenigstens ein bisschen was...

    und wenn ich mich nicht drübertraue, dann schätz ich es ist noch besser zu warten, tun was momentan notwendig ist... ich weiß nit, ich bin so enttäuscht von mir selber. und ich enttäusche auch andere - ich bin ja eine ausgezeichente arbeitskraft, ein gutes familienmitglied und freundin, gute kollegin - bis ich nachzudenken beginne weil dann dreh ich ab und verpfusch alles...ich hab schon einiges geschafft und hart dafür gearbeitet...aber momentan bin ich eine jammerliese und könnt mir selber dafür in den a.... treten weil ich nicht recht was weiterbringe... ich bin jung, gesund, solo, hab eine familie und ein paar freunde die wirklich okay sind, hab ein bisschen erspartes - mir könnts gutgehen...ich könnt glücklich sein...aber da ist was und das bring ich seit jahren nicht los...das macht mich unruhig, ich hab das gefühl was anderes tun zu müssen oder zu wollen....aber ich weiß nicht was ich will...

    ????

  2. Inaktiver User

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    hallihallo,

    also erstmal: kein grund zu verzweifeln. ich glaube, solche mehr oder weniger langen findungsphasen machen wir alle durch - immer wieder, wie hier auch gelegentlich zu lesen ist.

    es gibt einen schönen satz aus einem song, den ich sehr mag, da heißt es - anlass ist die rede zur graduiertenfeier eines colleges: "don't worry, if you don't know what you wanna do with your life. the most people i know didn't know at 22 what they wanted to do with their lives - the most interesting 40-year-olds still don't."

    hilfreich vielleicht auch für dich das buch "ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will" von barbara sher. das hilft mir jedenfalls immer wieder, wenn ich das gefühl habe, mich interessiert irgendwie alles, und dann doch wieder nicht... oder was anderes...

    und noch ein gedankenanstoß, der mir beim lesen deiner beschreibung gekommen ist: willst du verantwortung für dich und dein leben übernehmen? magst du "erwachsen" werden? willst du von anderen ernst genommen werden? oder magst du lieber "kind" sein? just asking...

  3. User Info Menu

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Hallo Junikäfer,

    als berufsmäßig konservativ orientierter Mensch will ich dir jetzt mal ein paar Sachen sagen, die dir kaum gefallen werden. Man kann sie sicher auch verblümter formulieren, ich bin aber in solchen Fällen ein Freund des klaren Wortes.

    Also: Dass du keine Arbeit hast, ist deine Schuld. Du hast viele Entscheidungen bewusst bzw. unbewusst getroffen, die dafür sorgen, dass du nun in dieser Situation bist. Du pflegst Grundannahmen, die für deine Situation verantwortlich sind. Dein Profil ist für Arbeitgeber in anspruchsvollen Jobs schon heute nicht mehr interessant.

    Ich habe deine lange Erzählung mal gekürzt. heraus kommt folgendes:

    1. Schule + Abitur (Mit welcher Note?)
    Bis hierhin okay.

    2. WAS TUN? => 1 Jahr im Ausland, gelangweilt

    Warum gelangweilt? Was war da los? Warum hast du bei dieser großen Chance (die ich z.B. nie genutzt habe, heute hätte ich das gerne gemacht im Rückblick) nur Langeweile empfunden? Andere hätten alles aufgesogen und großen Profit daraus gezogen.

    3. Büro: Keiner will mich.

    Hier ist schon der erste Fehler: Du erwartest, dass man einfach so irgendeinen Bürojob bekommt. Das ist eine Fehlannahme. In Deutschland ist es heutzutage fast unmöglich, ohne Berufsausbildung oder Studium einen Job zu bekommen. (Den Fehler machen übrigens auch viele Migranten, in deren Kultur es normal ist, dass man "irgendwie" Arbeit bekommt)

    4. EDV-Kurs
    5. Rezeptionistin.

    Soweit okay. Aber was passiert? Du könntest glücklich sein, statt dessen kündigst du selbst(!) nach 13 Monaten. Das ist für spätere Arbeitgeber schonmal eine rote Warnlampe. Aber es wird noch schlimmer. Du findest wie gehabt keinen Job, weil du keine Ausbildung oder Studium hast. Deine Lösung? Einen Job, den sonst wenige machen wollen:

    5. Gastgewerbe.

    Du bekommst gesundheitliche Probleme. Schon wieder kündigst du.

    6. Ab Juni hast du einen neuen Job. Da fühlst du dich unwohl und hörst schon wieder auf. Spätestens jetzt ist dein Lebenslauf Kraut und Rüben und kaum noch vermittelbar.

    Stattdessen willst du jetzt "irgendwas" machen, das zeigt deine Auflistung von möglichen Fächern: Archäologie, Kunstgeschichte, Fremdsprachen, Sozialpädagogik, Lehrerin, Büroangestellte sind wahllos zusammengestellte Fächer/Jobs, die du dir "von außen" irgendwie spannend vorstellst. Von innen werden sie dich schnell mit ihrer Routine zu Tode langweilen. Außerdem hast du dir größtenteils "spannende" Jobs ausgesucht, die meistens brotlos sind.

    Ich würde deine unbewussten Annahmen mal so zusammenstellen:

    1. Ich habe einen Anspruch auf einen tollen Job durch mein momentanes INTERESSE an diesem Job
    2. Ein Job muss ständig spannend sein und mich herausfordern
    3. Wenn 2. nicht zutrifft, bin ich gelangweilt. Daraus entstehen zusätzlich psychosomatische Symptome.
    4. Wenn ich gelangweilt bin, kündige ich und suche wieder etwas Neues.
    5. Wenn es das, was ich will, nicht in der Nähe gibt, mache ich es nicht.

    Hier die normalen Grundannahmen, die zu einem erfolgreichen (aber langweiligeren) Berufsleben führen:

    1. Ich habe Anspruch auf den Job, für den ich eine Ausbildung/ein Studium gemacht habe.
    2. Ein Job ist teilweise spannend, vieles ist aber auch Routine. Damit komme ich klar.
    3. Wenn der Job mal nicht spannend ist, mache ich ihn mir entweder spannender, steige hierarchisch auf oder suche mir in meiner Freizeit Ausgleich.
    4. Bis ich kündige, muss viel passieren. Ich komme auch mit längeren Phasen Unzufriedenheit klar.
    5. Wenn es das, was ich will, nicht in der Nähe gibt, ziehe ich um.

    So wünschen sich Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer. Findest du spießig und überangepasst? Mag sein. Aber die, die sich so verhalten, haben i.A. einen sicheren Job und gehen recht erfolgreich durchs Berufsleben. Dein Lebenslauf ist durch deine geringe Belastbarkeit schon extrem schwer zu vermitteln.

    Wenn nun (wie von Bohemienne) Sprüche kommen wie: "Es ist nicht so wichtig, herauszufinden, was man will.", beachte bitte, dass diese Sprüche praktisch immer aus dem angelsächsischen oder nordeuropäischen Raum kommen. Ein Leben nach Pippi Langstrumpf funktioniert in Deutschland NICHT(!!!), außer man hat so viel Geld, dass man sich das erlauben kann. Oder wenn man Glück hat und sein Hobby zum (selbständigen) Beruf machen kann. In Deutschland sind die beruflichen Regeln seit mehreren Jahrzehnten sehr strikt: Keine Ausbildung, kein vernünftiger Job.

    Meine Empfehlung für dich: Durchhaltevermögen trainieren, das ist unglaublich wichtig. Inwieweit du z.B. eine Störung wie ADS hast, kann man ggf. von einem Psychologen abklären lassen.

    Du solltest sehr kleine Brötchen backen und dir eine Ausbildungsstelle suchen. Und zwar eine mit Job-Zukunft. Das sind meistens die langweiligsten. Je langweiliger ein Job, desto besser sind die Berufsaussichten. Je "spannender" ein Job, desto miserabler die Aussichten.

    Die Ausbildung ziehst du komplett durch (und komplett heißt hier komplett, auch wenn der Chef doof ist, die Schule langweilig und du viel lieber gerade schwimmen gehen willst oder sonstwas). Danach suchst du dir einen Job. Egal wo in Deutschland. Du ziehst überall hin.

    Dann machst du den Job. Nicht ein Jahr lang, nicht zwei sondern mindestens drei, besser noch länger. Und dann guckst du dich um, was dann deine Bedürfnisse sind. Aber immerhin hast du dann eine berufliche Basis.

    Wie gesagt, ich bin spießig, was die berufliche Situation angeht. Leider ist Deutschland an sich genauso spießig, wenn es um Arbeit geht.

    Gruß,
    BlauerHimmel
    Geändert von BlauerHimmel (18.07.2009 um 14:58 Uhr)

  4. User Info Menu

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Hier übrigens noch ein aktueller Artikel von Heiko Mell, der seit Jahrzehnten Personalvermittlung betreibt. Was er schreibt, frustriert. Das Blöde ist, dass er i.A. Recht hat.

    Gruß
    BlauerHimmel

  5. Inaktiver User

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Zitat Zitat von BlauerHimmel Beitrag anzeigen
    Wenn nun (wie von Bohemienne) Sprüche kommen wie: "Es ist nicht so wichtig, herauszufinden, was man will.", beachte bitte, dass diese Sprüche praktisch immer aus dem angelsächsischen oder nordeuropäischen Raum kommen.
    hallo blauerhimmel, sorry, da muss ich aber nochmal kurz was zu sagen: du hast recht, mein zitat kann durchaus so verstanden werden. ABER: was ich damit zum ausdruck bringen will, ist, dass ich der überzeugung bin, dass das prinzip, was du beschreibst - zumindest verstehe ich es so: ich mach eine ausbildung/ein studium, dann mache ich einen job, der dazu passt, wahrscheinlich so ungefähr bis zum erwerb des rentenalter - nicht mehr stimmig ist, in unsere zeit passt. soll heißen: auch ich wusste mit 22 nicht, was ich "werden" will - aber ich bin trotzdem was geworden. auch ich frage mich so ungefähr alle zwei jahre: will ich das noch? das führt dann gelegentlich dazu, dass ich - obwohl schon mit 2,5 jahren berufserfahrung gesegnet - ich nochmal ein praktikum mache. was wiederum dazu führt, dass ich in einer ganz anderen firma einen job kriege. der mich aber nun nach weiteren 2 jahren wieder vor die frage stellt: will ich nicht eigentlich doch ein bisschen was anderes?

    du hast schon recht: ausbildungen und der wille zur arbeit ist schon enorm wichtig - andererseits glaube ich, dass das auch ausreicht. ich brauche heute nicht mehr den absolut "straighten" lebenslauf - hauptsache ist, ich kann ihn schlau vermitteln. auch in meinem lebenslauf, in meiner beruflichen ausrichtung lassen sich unstimmigkeiten finden - aber ich kann sie so plausibel erklären, dass bisher noch keiner sich daran gestört hat, und ich qua meiner "persönlichkeit" sogar angebote aus bereichen erhalte, für die ich "eigentlich", d.h. formal, gar nicht qualifiziert bin. scusi, aber das noch als ergänzung, bzw. erwiderung auf dein post...

    außerdem gilt meiner meinung nach: wer hart arbeiten will und kann, der wird auch einen job kriegen, und da auch erfolgreich sein. und dass das ein weilchen dauern kann... nun, das liegt in der natur der sache.

    so, und noch was als erwiderung auf den von dir, blauerhimmel, genannten artikel: klar, irgendwann wird alles langweilig. bloß: im studium hast du in der regel auch vorher schon mal hausarbeiten geschrieben (zumindest bei den, äh, geistes- und sozialwissenschaftlichen fächern), und wenn du dich nicht wenigstens ein bisschen für dein fach interessierst, dann wärst du sowieso gescheitert. von daher gilt mein buchtipp nach wie vor - die sher unterscheidet zwischen leuten, die in ein thema supertief einsteigen ("taucher") und dort wirklich die erbsen zählen - es soll ja menschen geben, die total viel aus wirtschaftsprüfung ziehen, ich allerdings nicht... aber gut, dass es leute gibt, die das mit einer nie gekannten leidenschaft machen... ebenso ein freund von mir, physiker, der über femto-sekunden promovierte... ich hätte schreiend die flucht ergriffen... - und so genannten "scannern", die eine schnelle auffassungsgabe haben, super viel interessant finden und auch zusammenhänge schnell kapieren (und daher verstehen, was eine femto-sekunde ist, ohne dieses faktum an sich lebensnotwendig interessant zu finden), aber eben in keiner weise für routine-jobs o.ä. geeignet sind. die werden dann lehrer (kapieren dinge schnell und können dinge schnell weitervermitteln und sind (idealerweise) flexibel) oder berater... so wie ich... ich kann die befindlichkeit der TE total nachvollziehen, aber ich würde damit anders umgehen als von dir vorgeschlagen....
    Geändert von Inaktiver User (18.07.2009 um 23:05 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Blauer Himmel...ich will Dir ja nicht zu nahe treten, aber diese Art von Berufsplanung mag in den ersten paar Jahrzehnten nach dem Krieg was gebracht haben....

    Im Moment denke ich da eher an die bei Opel (und die sind nicht die einzigen) die brav ihre Ausbildung gemacht haben und brav jeden Tag zur Arbeit gegangen sind und jetzt vor der Tür sitzen.....


    Ausserdem ist es eine Mentalitätsfrage, es gibt Leute, die können einfach in einem Brotjob das Geld kassieren, egal was sie dafür tun müssen, es gibt aber auch solche, die es nicht können....

    Ich habe bei der TE eher das Gefühl, dass sie zuviel kann, sont wäre eine Entscheidung nämlich ganz schnell getroffen.

    Junikäfer, Du kommst jetzt halt in ein Alter, in dem rumjobben halt nicht mehr so den Spass und die Perspektive bietet wie vielleicht mit Anfang 20.

    Es gibt Laufbahnberater, ev wäre das ein Anstoss für Dich; die können allerdings auch nur Tipps geben, ich würde mich dann auch wieder hüten sklavisch zu machen, was die meinen ohne mir die Sache auch selber zu überlegen.

    Probleme wirst Du in jeder Ausbildung und in jedem Job mal haben, ich würde mir überlegen, welche Art von Arbeit es mir wert wäre auch mal schlechte Zeiten durchzustehen...und Stellen kann man wechseln....

    Diese Mentalität die Blauer Himmel anspricht herrscht in gewissen Unternehmen, das ist wahr, es ist aber auch jedem selber überlassen inwiefern er sich diesen Anforderungen unterwerfen will, es gibt wie gesagt andere Lösungen.

    Viel Erfolg
    Monsoon

    @Bohemienne
    Danke für den Buchtipp, das interessiert mich auch.

  7. User Info Menu

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Hallo zusammen,

    ich bin der Überzeugung, dass gerade heute eine grundsolide Ausbildung oder Studium eine unabdingbarer Voraussetzung für eine halbwegs einträgliche berufliche Tätigkeit. Dass das allein nicht mehr reicht und die lebenslangen Beschäftigung bei ein und demselben Unternehmen heute nicht mehr die Regel, sondern eher die Ausnahme ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber gerade in Zeiten ständigem Wandels bleibt eine Ausbildung zumindest ein berechenbarer Faktor. Früher war es m.E. eher möglich, sich in einer Firma auch ohne Ausbildung hochzuarbeiten. Man fing einfach irgendwo an, war bekannt und konnte irgendwann auch Dinge machen, für die man eigentlich eine Ausbildung oder ein Studium gebraucht hätte. Diese Art des internen Aufstiegs funktioniert aber nur, so lange man in derselben Firma bleibt. Bei einem Wechsel werden auf einmal wieder Zeugnisse und Zertifikate wichtig.

    Ich habe auch kein Problem mit einem Lebenslauf, der nicht schnurgerade ist, denn meiner ist das auch nicht. Aber mit 28 ohne Ausbildung oder Studium dazustehen und ohne Plan, wo es denn hingehen soll, dafür aber mit vielen diffusen und unvereinbaren Ansprüchen, erscheint mir auch ziemlich unreif.

    Zu glauben, dass in der heutigen Zeit allein mit Abitur und einem EDV-Kurs möglich ist, einen auch nur halbwegs anspruchsvollen und interessanten Job zu finden, halte ich für ausgesprochen naiv.

    Ich bin auch durchaus der Meinung, dass man etwas lernen sollte, was einem Spaß macht. Auch eine vermeintlich brotlose Kunst kann einen ernähren, wenn man mit dem notwendigen Engagement bei der Sache und bereit ist, das eine oder andere Opfer dafür zu bringen. Aber auch der tollste Job beinhaltet ungeliebte Routinetätigkeiten, und ohne ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz geht es wohl nirgendwo.

    Ich finde, mit 28 ist es höchste Zeit, sich über die berufliche Zukunft klar zu werden, ggf. mit externer Hilfe und einen gangbaren Weg einzuschlagen, welcher auch immer das sein mag.

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  8. Inaktiver User

    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Du spürst dich selbst,
    wenn du Dinge durchziehst,
    die dich langweilen.

    Wenn du nichts dafür tust,
    bleibt alles, wie es ist .

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    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Ich bin 26 und kann Junikaefer sehr gut verstehen.

    Habe 1 Monat im Gastgewerbe gearbeitet und das ist meiner Meinung nach eine der härtesten Branchen, die es gibt. Ich könnte es nicht, ehrlich!

    Ich habe Bachelor studiert, war 2 Monate auf Sprachkurs, habe danach ein studiumsvorbereitendes Praktikum gemacht und dann im Ausland meinen Master gemacht. Meine Uni habe ich danach ausgewählt, wo ich am besten meinem Hobby Surfen frönen kann.

    Dann war ich 2 Monate in Griechenland. Der Job im Tourismus dort war sehr hart und ich habe mich plötzlich doch nach einem "soliden" Leben gesehnt.

    Das habe ich seit 3 Monaten in einer neuen Stadt, nachdem es ein Kampf war, in Krisenzeiten einen Job in einer Großstadt weg von zuhause zu finden. Ich dachte, wenn ich erst mal arbeite, dann wird das schon mit der Zufriedenheit.

    Naja, bereits jetzt habe ich wieder Zweifel, ob das mein Leben ist.
    Meine innere Stimme hat mich wieder eingeholt

    Ich bin überqualifiziert für meinen kaufmännischen Beruf und meine Vorgesetzte kann ich nicht leiden. Ich zweifele an mir selbst und dieser Zweifel blockiert mich innerlich. Dazu arbeite ich 10 h am Tag und fühle mich in meinem Posten nicht ernstgenommen.

    Ich sitze morgens in der S-Bahn und denke mir: Mist, was tust DU hier eigentlich???

    Jetzt könnte ich mir ja EINFACH einen neuen Job suchen (gell, Muttern!....) aber ich weiß gerade auch nicht, welcher genau.
    Dazu der Zweifel, ob ich hier in dieser Stadt bleiben möchte und ob ich überhaupt in Deutschland bleiben möchte.

    Das einzige, was ich weiß ist, dass mein blödes, törichtes Herz einfach nicht bei der Sache ist.

    Ich finde es alles andere als unreif, auf die innere Stimme zu hören.
    Es erfordert im Gegenteil viel Mut, sich dieser Stimme zu stellen.

    Du solltest dieser Stimme einfach mal Raum geben und herumphantasieren:

    Wo sähest du dich am liebsten in 10 Jahren?
    Und bei welchen Tätigkeiten?
    Was nervt dich konkret an deinem jetzigen Leben und Job?
    Willst du es vielleicht anderen allzu recht machen??

    Liebe Grüße,

    eine Suchende

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    AW: ich weiß nicht was ich will...

    Hallo Junikäfer,

    Du schreibst sehr viel über Deine Ausbildung/Arbeit/Nichtarbeit. Doch was ist mit dem Rest? Das Leben besteht ja nicht nur aus Arbeit... Daneben hat man noch ein Privatleben: einen Partner/Eltern, Geschwister/Freunde, Hobbys.

    Wenn Du darstellst, wie langweilig deine Jobs waren und Du hast sie nach einiger Zeit wieder geschmissen, kommt es mir vor, als gäbe es sonst nichts. Kann es sein, dass Dein Leben insgesamt nicht so läuft, wie Du es gern hättest? Du pickst Dir die Berufstätigkeit heraus, weil die nunmal prozentual den höchsten Anteil der Zeit einnimmt, die Du wach bist? Fehlen Dir die Fluchtpunkte (ein abwechslungsreiches, spannendes Hobby z. B. kann den Frust über einen langweiligen Job gut kompensieren - eine neue Liebe bringt soviel Prickeln mit sich, dass man zusätzliche Aufregung fast nicht ertragen kann...)

    Du beschreibst Dich selbst (sorry, aber es klingt so, ich behaupte hier nicht, dass Du das bist) wie ein Jammerlappen, wie eine Versagerin, eine die schon vor der Prüfung das Handtuch wirft, um nicht durchzurasseln. Was kann Dich motivieren, zur Marathonläuferin zu werden? Hast Du wirklich keine Lebensziele, für die sich das Kämpfen lohnt?

    Und ja, wenn einfach alles nichts ist, was Du bisher gemacht hast, solltest Du schleunigst etwas finden, was Du "länger" (ich schreibe absichtlich nicht bis ans Lebensende) machen willst. Die Uhr tickt, sorry... In meiner Firma haben wir letzten Monat einen 26-jährigen Azubi fürs Kaufmännische eingestellt (auch Zweitausbildung). Er bekam diese Chance nur, weil er schon mal bei der Konkurrenz gejobbt hat, und somit etwas Branchenerfahrung mitbringt. Er hat nun zwei Jahre Zeit, sich zu entfalten. Sollte er das nicht tun, wird er in unserem Betrieb nicht übernommen und seine Chancen als Berufsneuling mit 28 auf dem Arbeitsmarkt, naja, darüber müssen wir nicht regen. Ich hoffe, Du hast damit verstanden, was ich meine.

    Finde schnellstmöglich heraus, wohin die Reise gehen soll und pack Deine Koffer für einen längeren Aufenthalt.

    Liebe Grüße,

    H.
    Alles im Leben hat seine Zeit: das Weinen und auch das Lachen.

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