Vorab eine kurze Information und Situationsbeschreibung: Mein "Erzeuger", ich nenne ihn so, weil mich nichts mit ihm verbindet ist Alkoholiker. Daher bin ich, was das Thema Alkohol betrifft sehr empfindlich - und mein Mann weiß das auch. Bei uns kommt es regelmäßig zu Diskussionen, wenn er - alleine - etwas trinkt, auch wenn es "nur" ein bis zwei Gläser Wein ist, was nicht wirklich oft vorkommt.
Nun ist es aber so, dass mein Mann innerhalb der letzten 4 Wochen eine ganze Flasche Likör getrunken hat, fast jeden Abend ein bis zwei Schnapsgläschen. Da ich das nicht gut finde, und es auch immer angesprochen habe, nennt er mich mittlerweile schon "Guttempler", läuft weg wenn ich etwas sage, lacht oder ignoriert es. Hinzu kommt, dass ich den Umgang seiner Eltern mit Alkohol nicht gut finde, sein Vater trinkt jeden Abend etwa 2 Gläser Wein und hat - was ich verwerflich finde - immer mindestens eine Flasche Eckes Edelkirsch- Schnaps neben dem Bett stehen.
Seine Mutter trinkt immer dann, wenn es ihr nicht gut geht oder sie Probleme hat.
Nun aber zu meinem Problem: Ich war heute dermaßen entsetzt, als meine 2-jährige Tochter (die übrigens recht häufig auch allein) zu mir sagte: "Opa Schnaps, schmeckt scharf"
ich habe dann mehrfach nachgefragt, immer wieder der o.g. Satz, manchmal auch Papa Schnaps.
Ich bin schockiert, entsetzt und irgendwie völlig runter mit den Nerven.
Habe dann auch gleich meinen Mann angesprochen, der fand das alles lächerlich, hat mich wieder als Guttempler bezeichnet und meinte: Ach, so ein Kind spricht viel, gib da nicht so viel drauf. Für ihn war die Diskussion abgeschlossen, er redet mit mir nicht mehr darüber.
Ich frage mich, woher kennt mein Kind den Begriff Schnaps und was ich schlimmer finde, woher weiß sie, dass das scharf ist?
Soll ich meine Schwiegereltern darauf ansprechen oder nicht, mit meinem Mann ist diesbezüglich nicht zu reden, er meint auch, dass seine Eltern kein Problem mit Alkohol haben, außerdem - ich würde mich ja auch nicht über meinen Stiefvater aufregen, wenn der mal ein paar Bier zu viel trinkt (was immer!! im Freundeskreis und maximal 2-3 Mal im Jahr passiert).
Ich verdamme den alk nicht komplett, ich trinke auch ab und zu ein Glas Wein, aber doch nicht täglich oder alleine...
Würde mich über Denkanstöße, Ideen oder Ratschläge freuen, wie ich am besten mit dieser Situation umgehen soll
Ich habe wirklich Angst, kann ich sie noch guten Gewissens ohne Aufsicht bei den Großeltern lassen, oder hat sie sogar bei meinem Mann probieren dürfen? Bin so verunsichert....
Danke und LG
Mia
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 12
Thema: Alkohol
-
20.05.2008, 23:07
Alkohol
-
20.05.2008, 23:38Inaktiver User
AW: Alkohol
Liebe Mia,
ich denke, Du hast ein ganz gutes Gespür dafür, dass das alles gar nicht vertrauenerweckend und gut klingt.
Die Relativierungen und Abwertungen, die Du in Hinblick auf Deine Sorgen und Nachfragen erfährst, finde ich bedenklich - ich fasse sie als Warnsignale auf.
Ich denke, dass es möglicherweise bei Euch eine Familiengeschichte von Alkoholsucht und Co-Abhängigkeit gibt, und dass Du insbesondere in Hinblick auf Dein kleines Mädchen gut daran tätest, für Dich schnellstmöglich nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Bitte zögere nicht, Dir bei den entsprechenden Beratungsstellen Hilfe zu holen!
Hier ein paar links, die vielleicht hilfreich sein könnten:
Co-Abhängigkeit
AA
Al-Anon
Grüssle
Seawasp
-
20.05.2008, 23:50
AW: Alkohol
Liebe Seawasp,
danke für die Info, bin gerade wirklich verunsichert, und ja - wir (Mama und ich) haben eine schreckliche Alkoholgeschichte, incl. Co-Abhängigkeit, Vertuschung etc. hinter uns. Ich habe damals, mit 13 Jahren, meiner Ma das Messer auf die Brust gesetzt, dass sie entweder dem Alten - der mal wieder völlig besoffen nach Hause kam zum letztem Mal die Ambulanz holt und ihn dann verlässt, oder mich nie wiedersieht, weil ich dann freiwillig ins Heim gezogen wäre.
Mama hat sich zum Glück für sich und mich, für den richtigen Weg entschieden, seither sind wir unzertrennlich... :-)
Und sie hat das "Opa Schnaps" auch gehört, war ebenfalls entsetzt. Ist aber der Meinung, dass ich - was den Alkohol in meinem Umfeld betrifft - zu schnell zu heftig reagiere.
Aber ich mache mir doch einfach nur Sorgen um meine Tochter.
-
21.05.2008, 00:03Inaktiver User
AW: Alkohol
Hallo Kornblumenmia,
Zitat von Kornblumenmia
ohne jetzt Deine Geschichte als Ganzes "abwiegeln" zu wollen - diesen Satz des Kindes interpretiere ich so, dass da eine Flasche oder ein Glas mit Alkohol in der Wohnung war, sie Interesse gezeigt hat (gucken, anfassen) und abgehalten werden sollte, sich "dem" weiter zu nähern.
Es klingt wie ein eingelernter "Nein-Nein!"-Satz, nicht wie ein Satz, den eine Zweijährige etwa nach Probieren der Flüssigkeit selbst formt.
Das wäre meine Erklärung - nur für diesen Satz.
Gruß, T.
-
21.05.2008, 08:24
AW: Alkohol
Vielleicht hat sie mal daran gerochen, - gerade sogar, um dem Kind die natürliche Abschreckung zu vermitteln, damit sie nicht aus lauter Neugier meint, das mal näher untersuchen zu müssen. Und Schnaps RIECHT ja schon scharf, auch ohne ihn getrunken zu haben, riecht man das.
Umwege erhöhen die Ortskenntnis.
-
21.05.2008, 11:41
AW: Alkohol
Liebe Kornblumenmia,
ich finde auch, dass Du für Dich zu schnell zu heftig auf Alkohol reagierst. Diskussionen mit dem Mann anzufangen für ab und an 2 (!!!) Glas Wein ist megaübertrieben.
Ich habe auch reichlich Erfahrung mit Alkoholikern, aber ich käme nie nicht auf die Idee mich über 2 Gläser Wein (oder was auch immer) aufzuregen, auch wenn der Partner sie alleine trinkt, weil ich grad keine Lust darauf habe.
Ich denke da ist bei Deinem Mann jetzt auch eine Menge Trotz dabei und da Du in der Beziehung übers Ziel hinausgeschossen bist, kann es jetzt kontraproduktiv sein... Leider!
Ich tendiere zur Meinung von Elch, dass sie vielleicht mal daran gerochen hat und ihr Papa und Opa gesagt haben 'das ist Schnaps und gehört Opa/Papa und schmeckt ganz scharf, das ist nichts für Dich', weil sie vielleicht auch mal probieren wollte. Die Tochter einer Freundin, wollte als sie so 2 - 3 Jahre alt war immer das trinken was Papa trank, egal ob heißen Kaffee oder mal ein Bier. Jedenfalls hat sie dann immer wenn der Papa ein Bier trank immer so getan, als ob auch sie eine Flasche an den Mund setzt und trinkt und ich weiß 1000%ig, dass weder meine Freundin noch ihr Mann ihr NIEMALS erlaubt hätten da zu probieren. Ich würde das an Deiner Stelle nicht weiter kommentieren und still beobachten. Und Dir würde doch sofort auffallen, wenn die Kleine mal etwas probiert haben sollte, dann allerdings sofort die Konsequenzen ziehen. Aber ich glaube eher, dass das harmloser Natur ist.
Lieben Gruss
Woodstock
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**
-
24.05.2008, 12:01Inaktiver User
AW: Alkohol
Liebe Kornblumenmia,
in Deiner Familie prallen meiner Ansicht nach zwei Welten aufeinander:
auf der einen Seite Du mit Deiner Mutter, die ihr von Alkohol lieber nichts hört, da ihr die negative Seite der Sache kennengelernt habt.
Dann Dein Mann mit seiner Familie, die alles ganz lockerer oder anders sehen.
Aufgrund Deiner Kindheit ist es sicher klar, dass Du darauf sehr sensibel reagierst. Die Frage ist, was Du damit erreichst.
Bei Deiner Tochter glaube ich persönlich nicht, dass da was passiert ist.
Ich an Deiner Stelle würde - was hier schon geschrieben wurde - mich an unabhängigen Stellen informieren. Aussenstehende sind in solchen Situationen sicher kein Nachteil.
Ausserdem...klar hast Du wegen Deinem Vater sehr schlechte Erfahrungen mit Alkohol..diese Erfahrung verfolgt Dich.
Nur... es muss auch nicht in jedem Fall so ausarten, das darf man auch nicht vergessen.
Liebe Grüsse
Eosa
-
24.05.2008, 15:50
AW: Alkohol
Ich gehöre auch zu denen, die denken, dass du dir zuviel Gedanken machst. Dein Mann ist wirklich gutmütig im Hinblick auf deine Bevormundung in Sachen Alkohol. Du solltest seine Geduld nicht zu sehr strapazieren und dir deine Mahnungen für die Situationen aufheben, bei denen sie wirklich angebracht ist.
Was „Opa Schnaps, schmeckt scharf“ angeht, kann das alles oder nichts bedeuten. Meine Interpretation ist, dass man deiner Tochter erklären wollte, wie Schnaps schmeckt ohne sie probieren zu lassen. Mit „Feuer heiß“ habe ich beispielsweise versucht, meinem Kind die Gefährlichkeit eines Herdes zu erläutern, in dem ich alle Kochfelder voll aufgedreht habe und es die Hitze spüren ließ.
Denkst du denn wirklich, dass deine Schwiegereltern ihrem Enkelkind regelmäßig Schnaps geben würden? Das ist meiner Meinung nach so destruktiv, so was könnte ich mir nur in sehr asozialen Familienkonstellationen vorstellen und da fallen deine Schwiegereltern doch wohl nicht darunter oder? Hat dich dein Vater Schnaps trinken lassen?
Meine Eltern haben es mir spaßeshalber mal erlaubt am Bier zu nippen als ich Kleinkind war und ich habe wohl auch mal an Papas Zigarette gezogen (damals war die Gefährlichkeit von Nikotin noch unbekannt), weil ich keine Ruhe geben wollte. Das blieb aber eine einmalige Ausnahme und ich bin trotzdem Nichtraucher und Nichttrinker geworden.
Sprich doch einfach mal in lockeren Ton deine Schwiegereltern an, ob es sein kann, dass deine Tochter mal heimlich aus Versehen etwas von Opas Schnaps erwischt haben könnte, weil sie immer davon redet. Je nach deren Reaktion würde ich entscheiden, ob ich mir Gedanken machen sollte oder nicht."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
-
25.06.2008, 22:21
AW: Alkohol
Hallo Mia,
mein Vater war auch Alkoholiker.
Was du schreibst, klingt bedenklich, sowohl, dass dein Mann offensichtlich heimlich Likör trinkt, als auch, dass er sich über deine Sorgen lustig macht.
Verlass dich auf dein Gespür!
-
26.06.2008, 16:58
AW: Alkohol
Ich glaube auch, dass durch Deine Vergangenheit Deine Antennen für (und Deine Abneigung gegen) Alkohol übermäßig ausgeprägt sind. Alleiniges Trinken Deines Mannes würde ich nicht als "heimlich" werten. Wenn er mal ein Glas allein für sich genießt, warum nicht. Innerhalb von 4 Wochen eine Flasche Likör - ich finde, das ist durchaus noch im Rahmen.
Vielleicht sieht sich Dein Mann einem "Bollwerk" aus Dir und Deiner Mutter gegenüber, das ihn mit Argusaugen bewacht und vor dem er sich rechtfertigen muss, und das lässt ihn zu seinem spöttischen Ausdruck Guttempler greifen.
Den Alkoholkonsum seiner Eltern magst Du zu viel finden, aber es ist allein ihre Sache.
Es ist sicher gut und richtig, dass Du Dein Kind vor dem Schicksal schützen willst, das Du hattest. Versuche aber, ein bißchen Maß zu halten.


Zitieren