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    Kontakt abbrechen?

    Hallo zusammen,

    ich weiß momentan nicht weiter.
    Aufgewachsen bin ich mit einem alkoholabhängigen Opa und einer alkoholabhängigen Mutter, dazu Oma und Vater die nicht abhängig waren.
    Mein Opa war nach meiner Erinnerung immer schon abhängig, bei meiner Mutter habe ich es das erste Mal bemerkt, als ich ca. 8 Jahre alt war. Das ist nun 36 Jahre her und meine Mutter trinkt immer noch. Opa ist früh verstorben.
    Besonders in meiner Jugendzeit habe ich mich mit meiner Mutter deswegen heftig gestritten und bin mit 20 ausgezogen. Auch später bei telefonaten (wir wohnen 280 km auseinander) habe ich mich oft mit ihr gestritten, so dass der Kontakt immer weniger wurde. Es war nicht nur ihre Abhängigkeit, sondern es kamen noch einige andere Dinge hinzu. Wenn sie betrunken war, hat sie mich auch spüren lassen dass ich ein "Unfall" war (sie war 18) und hat mir Vorwürfe gemacht dass mein Vater und ich ja noch was anderes sehen würden und sie nur zu Hause säße. Mein Vater hat immer lange gearbeitet und ich war halt Schülerin. Als ich 15 Jahre alt war ist sie noch einmal ungeplant schwanger geworden und hat meinen Bruder bekommen.
    Wenn ich etwas zu klären hatte, habe ich meistens meinen Vater auf dem Handy angerufen da ich lieber mit ihm sprechen wollte.


    Nun ist mein Vater vor einem Jahr ganz plötzlich und viel zu früh verstorben. Mein Bruder wohnt noch in der gleichen Wohnung wie meine Mutter, sie ist also nicht ganz alleine. Allerdings wohl doch einsam da mein Bruder arbeitet und ja auch noch sein normales Leben hat.
    Wir haben uns nach dem Tod meines Vaters um alles gekümmert, die Beerdigung bezahlt, Ämtergänge usw. Meine Mutter ist dazu nicht in der Lage und wäre alleine hilflos.
    Finanziell ist es allerdings schwer, sie bekommt nur eine kleine Witwenrente und hat durch einen Putzjob in ihrem Haus noch einen kleinen Nebenverdienst. Mein Bruder absolviert gerade eine neue Ausbildung und verdient auch nicht so viel. Leider kann ich sie finanziell nicht unterstützen da mein Einkommen auch nicht so hoch ist und ich auch noch einiges abzahlen muss.
    Mit meinen Ersparnissen die ich noch hatte, habe ich die Beerdigung gezahlt.
    Nach dem Tod meines Vaters haben meine Mutter und ich plötzlich viel mehr telefoniert als je zuvor. Sie ist zwar auch immer noch abhängig aber viel ruhiger geworden so dass es keinen Streit mehr gibt. Allerdings habe ich oft Mühe sie zu verstehen, durch die jahrzehntelange Abhängigkeit sind ihr mittlerweile einige Schneidezähne ausgefallen, dazu die etwas verwaschene Aussprache wenn wieder etwas Alkohol dazu kommt. Zum Zahnarzt geht sie nicht, sie hat Angst davor. Ich schätze auch mal, dass sie sich schämt.

    In den letzten Wochen hat sie ein paarmal versucht mich zu erreichen. Ein paar Anrufe habe ich nicht mitgekriegt da ich gerade unterwegs war und ein paarmal bin ich nicht dran gegangen.
    Ich weiß nicht was auf einmal los ist, ich spüre ganz plötzlich eine Sperre dagegen. Ich kann und will auf einmal nicht mit ihr sprechen.
    Vielleicht ist es das schlechte Gewissen weil ich ihr nicht mehr helfen kann? Oder kommt von früher jetzt alles wieder hoch?

    Ich habe auch mittlerweile nicht mehr den Mut sie anzurufen aber ich kann mir nicht erklären wo das herkommt...
    Wie kann ich das lösen oder wäre es vielleicht für mich selbst besser einige Zeit keinen Kontakt zu haben? Ich weiß es einfach nicht und grübel darüber nur noch nach...

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    AW: Kontakt abbrechen?

    Ich kenne solch eine Situation "leider" nicht, insofern ist es schwierig, dir einen Rat zu geben.

    Ich denke, du hast in deinem Leben eben viel Elend durch sie erfahren und sie war vielleicht auch nie wirklich für dich da.
    Und nun sollst du für sie da sein und da sperrt sich etwas in dir.
    Dein Verlangen nach Ruhe und ich will mit all dem nichts mehr zu tun haben, ist nur allzu gut nachzuvollziehen.

    Nichts desto trotz ist sie deine Mutter und vielleicht wird es dir irgendwann Leid tun, wenn du den Kontakt abbrichst.
    Mag sein, dass es dir auch gar nicht gelingt, weil du dich nach dem Verlust deines Vaters jetzt ihr gegenüber verpflichtet fühlst.

    Ich weiß nicht, ob es was bringt, aber wie wäre es mit einem klärenden Gespräch mit deiner Mutter?
    Wenn du ihr sagen würdest, dass du erwägst, den Kontakt zu ihr einzustellen.
    Gründe dafür würde ich ihr auch nennen.

    Wie gesagt, ich weiß leider keinen Rat, aber wortlos den Kontakt einstellen würde ich nicht, sondern würde ihr schon mitteilen, waum.
    Auch wenn es vielleicht nichts bringt. Aber du bist deinen jahrelang aufgestauten Frust wenigstens los.

    Ich wünsche dir alles Gute.
    Für immer ab jetzt!
    "Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein.
    Bei allem was du machst. Und wenn's so richtig Scheiße ist dann ist
    wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am Allerschönsten ist,
    da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment." ♫



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    AW: Kontakt abbrechen?

    Es tut mir leid, dass alles so schwierig für Dich ist!
    Bitte suche Dir selber Hilfe in einer Beratungsstelle!

    Dass Du die „Sperre „ jetzt verspürst, halte ich für reinen gesunden Selbstschutz, die Du sehr ernst nehmen solltest!

    Deine Mutter braucht Betreuung, so wie Du das schilderst- doch zu leicht gerätst Du dabei in Co-Abhängigkeit oder bist es bereits schon...

    Du musst Dein Leben leben und bist nicht schuld, dass ihr Leben so ist, wie es ist...

    Sorge für eine entsprechende Betreuung Deiner Mutter- doch mache Dich nicht abhängig von ihrer schweren Situation
    Alles Gute Dir!

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    AW: Kontakt abbrechen?

    Liebe TE,

    zuerst mal: alle Achtung, dass Du Dir ein "normales" Leben aufbauen konntest, mit Ausbildung, Job etc bei sehr schwierigen Startbedingungen.

    Ich weiss, wie es ist, mit einem alkoholischen Vater gross zu werden.

    Hier war die Abgrenzung leichter, finde ich, weil er auch zeitlebens nie den Kontakt gross gesucht hat. Bei alkoholischen Müttern habe ich schon öfters gehört, dass die "klammern" und die Töchter alles erledigen müssen bzw. eine Rollenumkehr passiert, die Tochter, die selbst nie eine kompetente Mutter hatte, muss die Mutter be-eltern. Grauenhaft stelle ich mir das vor!

    Ich finde, Dein Wunsch, "nicht" mit Deiner Mutter zu sprechen, ist eine Regung aus dem gesunden Fundament Deiner Persönlichkeit. Nur: was damit machen?

    Ich habe folgende Überlegungen: wie wäre es, wenn Du einmal versuchst, Deiner Mutter wieder etwas mehr Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übertragen? Manchmal ist man nämlich erstaunt, was dann plötzlich doch alles funktioniert!

    Was passiert dann mit Deinem Bruder? Bekommt er dann noch mehr Jobs von ihr? Oder kann er sich besser abgrenzen? Kannst Du mit ihm über die Situation sprechen?
    Beim Schreiben meines Beitrags merke ich, es könnte so aufgefasst werden, als ob Du den Bruder auch noch be-eltern sollst...das ist nicht gemeint!

    Wie wäre es, eine Art Beistand für Deine Mutter zu organisieren? (Keine Ahnung, wie das juristisch korrekt heisst) Jedenfalls so, dass Du nicht mehr die einzige Verantwortliche in dem Spiel bist...ich würde wirklich versuchen, mich Schritt für Schritt aus dem Verantwortungs-dingens zu befreien.

    Erkundige Dich bei Beratungsstellen, welche Möglichkeiten es gibt.

    Schliesslich hast Du vor Allem Verantwortung für Dein eigenes Leben. Und dafür wünsche ich Dir alles Gute!

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    AW: Kontakt abbrechen?

    Liebe Michaela,

    ich möchte Dir auch raten, zu einer Angehörigen-Gruppe zu gehen. Das ist eine große Hypothek, die Dir da im Leben mitgegeben wurde, und ich weiß nicht, ob es klappt oder überhaupt sinnvoll ist, so etwas alleine bewältigen zu wollen.

    Ich möchte Dich auch darin bestärken, Dich abzugrenzen, wenn Dir danach zumute ist! Deine Mutter ist eine erwachsene Frau, die ihre Verantwortung sich selbst gegenüber und Dir gegenüber nicht wahrgenommen hat - aus welchen Gründen auch immer. Du bist nicht für sie zuständig. Ich habe den Eindruck, Du weißt das nicht wirklich tief im Innern:


    Zitat Zitat von Michaela09 Beitrag anzeigen
    Leider kann ich sie finanziell nicht unterstützen da mein Einkommen auch nicht so hoch ist und ich auch noch einiges abzahlen muss
    Sei froh, dass Du sie nicht unterstützen kannst. Sie ist ein Fass ohne Boden - das scheint mir doch anhand Deiner Schilderungen so zu sein. Fang gar nicht erst damit an! Es ist großzügig, dass Du die Beerdigungskosten übernommen hast. Eigentlich hätten die geteilt werden müssen. Aber gut. Setz hier einen ganz klaren Punkt für Dich. Rede Dir nicht selbst ein und lass Dir nicht einreden, Du seist verpflichtet, Deine Mutter finanziell zu unterstützen - das ist nicht so!

    Alles Gute Dir!

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    Zitat Zitat von Michaela09 Beitrag anzeigen
    Ich kann und will auf einmal nicht mit ihr sprechen.
    Vielleicht ist es das schlechte Gewissen weil ich ihr nicht mehr helfen kann? ...
    Liebe Michaela,

    warum Du jetzt nicht mehr mit ihr sprechen willst, kann hier natürlich keiner genau sagen.

    Aber ich denke, alleine ihre Alkohol-Abhängigkeit und all die damit einhergehenden Probleme ... all das hat im Laufe der Jahrzehnte Spuren bei Dir hinterlassen.

    Wenn Du es schaffst, Dich nicht verantwortlich für ihr Unglück zu fühlen, dann kannst Du schon mit ihr sprechen. Sie fordert nichts von Dir, zumindest nichts Materielles, was Du nicht leisten kannst bzw. willst. Du kannst ihr, unter Wahrung Deiner persönlichen Grenzen, zuhören und sie dazu ermuntern, sich helfen zu lassen.

    Wenn ich richtig rechne, dann ist Deine Mutter erst 62 Jahre alt. Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu suchen.

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    AW: Kontakt abbrechen?

    Liebe Michaela,

    was genau deinen Widerstand auslöst. wird dir hier keiner sagen können.....maximal vermuten...

    Das selber herauszufinden ist schwierig und damit - schau dir die ganzen Angebote an, die es für Alkoholiker und Angehörige Alkoholiker gibt. Ebenso kannst du für dich und dein Leben ansehen- mithilfe von Therapie zB.

    Jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt, um dich, dein Leben und deine Beziehung zur Mutter anzusehen, zu beleuchten und neue Wege zu finden.

    Alles Gute für dich auf deinem Weg
    lg kenzia
    Geändert von kenzia (24.10.2020 um 08:10 Uhr) Grund: ergänzung

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    AW: Kontakt abbrechen?

    Ich denke, dein Wunsch nach keinem Kontakt ist das Grundbedürfnis danach, gesunde Grenzen zu ziehen (weiterhin oder erstmals).

    Da das vielleicht gerade neu verhandelt werden muss (wie immer, wenn Kontakte neu entstehen oder bestehende Gefüge sich ändern, und so ist es gerade bei Euch, mit der beginnenden Intensivierung), muss die auch Fähigkeit, sich innerlich abzugrenzen/bei sich zu bleiben, neu trainiert oder angesehen werden.

    Damit würde ich versuchen, mich auseinanderzusetzen:

    Wie viel Nähe zu einem suchtkranken (= oft irre ins Bodenlose ziehenden) Menschen kann ich jetzt zulassen und was sind meine Instrumente, um meine Grenzen in ihrer Funktion (Schutz) zu pflegen.

    Ich denke auch, dass Suchtberatungsstellen diesbezüglich Angebote für Angehörige kennen oder weiterhelfen können, welche zu vermitteln.
    Das Leben ist schön.

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    AW: Kontakt abbrechen?

    ich bin an diesem punkt bei 1a2b- suche dir hilfe und unterstützung für dich!

    durchaus möglich wenn du und deine verletzungen aus deiner herkunftsfamilie aufgearbeitet sind- dass du dann wieder mit deiner mutter reden kannst. auseinander setzen wie kaffeewasser sagt- aber nicht im allein und blindflug!

    diese innere sperre- deine seele sperrt sich. und sie weiss warum.

    rede mit den fachleuten, suche dir hilfe - für dich ganz alleine!
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Kontakt abbrechen?

    Ich finde diese Gruppen für Alkohol-Angehörige auch sehr gut. Und nicht nur für jemand, der Alkoholiker in der Familie hat. Da kann jeder was draus lernen. Ob es nervige Eltern sind, ob was mit dem Partner immer falsch läuft oder sogar wenn man sich mit den Kindern überfordert fühlt.

    Ich war einmal dabei, als Unterstützung damit eine Freundin da hin geht. Ich bin dann einfach am Anfang mit und mir stecken immer noch ein paar schlaue Sprüche davon im Kopf.

    Also, dass Du erst mal keine Verantwortung hast. Und wenn Du etwas unternehmen willst, um ihr zu helfen, dass Du einen guten Schutzwall um Dich hast, dass Du Dich immer wieder zurück ziehen kannst.

    Als erstes würde ich auch mit meinem Bruder reden. Der hat vielleicht schon vor, sobald wie möglich auszuziehen und dann wird es erst schwierig. Also, dafür könnt ihr Euch vielleicht was überlegen. Sich informieren, was es in Eurer Stadt alles für Alkoholiker Programme gibt. Vom Betreutem Wohnen bis zu den Anonymen Alkoholikern. Vielleicht geht sie ja mal mit Euch da hin?

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