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    Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Ich bin etwas geschockt.

    Ich habe vorletzte Nacht (also von Dienstag auf Mittwoch) einen Anruf von meiner Kollegin bekommen, der mich etwas irritierte. Sie sprach wirres Zeugs und reagierte nicht auf mich und meine Fragen, was denn los sei.
    Nach kurzem Überlegen rief ich zurück, sie ging nach dem 3. Versuch dran und das Gespräch war noch eigenartiger. Mir kam es vor, als würde sie abwesend sein.
    Eine andere Kollegin ist mit ihr gut befreundet und so rief ich sie an und fragte, ob mit M. wohl alles okay wäre. Es war mir sehr unangenehm, weil es echt spät war. Aber ich habe mich gesorgt.
    Sie sagte, dass sie nicht mit mir darüber reden könne, fragte ob ich sie hinfahren könne, es wäre wichtig. Sie hat keinen Führerschein. Also bin ich los, weil ich mich um M. sorgte.
    Ich sollte dann unten warten, bin nach einer halben Stunde hoch und wollte wissen, ob alles in Ordnung sei. Die gebrachte Kollegin öffnete nur zögerlich
    Ich dachte echt, dass ich nicht richtig schaue. Überall in der 2 Raumwohnung standen leere Flaschen und unsere Kollegin lag lallend und mehr als angetrunken auf dem Bett.
    Meine Kollegin bat mich, dass ich beide alleine lassen solle und fragte, ob ich beide dann morgens früh zur Arbeit abholen könne.
    Irritiert fuhr ich heim und dachte mich so in den Schlaf.
    Wie vereinbart kam ich um 6:35 Uhr bei M. vorm Haus an und beide standen dort. Fit, lachend, gestylt.
    Augenringe kann man überschminken. Aber dass sie kurz zuvor noch so besoffen war, sah man ihr nicht an.
    Gestern und heute Abend bekam ich wieder einen Anruf und M. lallte ins Telefon, dass ich ein Scheißkerl sei und nicht denken solle, dass sie jetzt die Beine breit machen würde, bloß weil ich sie zur Arbeit mitgenommen hätte. Ich sei ein Schwein wie alle anderen Männer und solle mich von unserer Kollegin fern halten, die würde nicht auf solche Samariter wie mich stehen, sondern auf echte Kerle.
    Ich musste tief durchatmen.
    Zum einen kenne ich M. nicht so. Ich rief heute Abend noch einmal bei unserer Kollegin an und sprach mit ihr und diese offenbarte mir Dinge über M. Über die Suchtproblematik.

    Nun sitze ich hier und frage mich, wie ich auf M. reagieren soll.
    Wir arbeiten eng miteinander. Ich habe nie gemerkt, dass sie ein ernsthaftes Problem mit dem Alkohol hat. Dies soll seit ca. 5-6 Jahren der Fall sein. Helfen lassen möchte sie sich nicht. Sie reagiert dann angeblich sehr aggressiv. Sie streitet wohl Dritten gegenüber ab, dass sie zu viel trinkt, obwohl sie ja die Flaschen entsorgen muss und die Ausmaße kennt. Einzig unsere Kollegin kommt bei ihr an.
    Wie verhalte ich mich nur ihr gegenüber und wie unterbinden ich es, dass sie mich öfters im betrunken Zustand kontaktiert?
    Heute war sie völlig eiskalt zu mir. Gestern tat sie so, als sei nichts gewesen.
    Ich befürchte, das sie meine Telefonnummer in der Wahlwiederholung hat. Ich möchte ungern ihre Nummer blockieren, da ich bisher gut mit ihr zurecht kam. Ich möchte mich aber nicht für sie verantwortlich fühlen und mich ständig um sie sorgen, wenn ich einen Anruf bekomme. Sie war am Telefon sehr beleidigend und auch wenn ich weiß, dass Alkohol Menschen verändert, möchte ich mich nicht grundlos so beleidigen lassen.

    Hat jemand einen Rat für mich?

    (M. ist in dem 50ern, ohne Partner, ein Kind, aber über das weiß ich nichts.
    Es ist so spät, ich hoffe, dass alles verständlich und ohne Fehler)

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Ist das ein größerer Betrieb in dem ihr arbeitet? Gibt es dort einen Suchtberater?

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Ich würde mich gar nicht einmischen.

    Solange die Alkoholikerin nicht im Job störend auffällig agiert, beim heimlichen Saufen erwischt wird oder gar Auto fährt, gibt es keinen Grund aktiv zu werden.

    Ruft sie noch einmal nachts an, sperren kommentarlos.

    Ansonsten würde ich auch nichts machen... auch nicht zusammen mit der Kollegin.

    Solche Leute lassen sich nicht helfen und dementieren... und wenn man jedem Alkoholiker helfen wollte, hätte man viel zu tun.

    Alkoholiker machen nur etwas für sich selber, wenn sie eine blutige Nase haben.
    Chaos
    .................................................. ....................
    Permanente Nettigkeit ist ein Symptom. (Dr. House)

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Zitat Zitat von AutarkieMan Beitrag anzeigen
    Helfen lassen möchte sie sich nicht. Sie reagiert dann angeblich sehr aggressiv.
    Ich würde es unterlassen, mich mit der anderen Kollegin über M. auszutauschen.


    Einzig unsere Kollegin kommt bei ihr an.
    Na ja, offenbar kann auch diese Kollegin nichts bewirken.
    Ich gehe eher davon aus, dass sie quasi das Verhalten von M. mitträgt, indem sie ihr
    immer wieder hilft, nach Alkoholexzessen auf die Beine zu kommen etc.

    Damit tut sie ihrer Kollgin (Freundin, nehme ich an?) aber keinen echten Gefallen.


    Ich möchte ungern ihre Nummer blockieren,
    Ich würde aber genau das tun.
    Und zwar mit Ansage und mit der Begründung, dass Du auf derartige Telefonate einfach
    keine Lust hast.

    Diese Konsequenz ist ihr zuzumuten.

    Du kannst ihr in diesem Zusammenhang Hilfe anbieten, indem Du sie auf professionelle
    Unterstützung aufmerksam machst. Aber mehr kannst und solltest Du nicht tun.

    .

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    .




    Na ja, offenbar kann auch diese Kollegin nichts bewirken.
    Ich gehe eher davon aus, dass sie quasi das Verhalten von M. mitträgt, indem sie ihr
    immer wieder hilft, nach Alkoholexzessen auf die Beine zu kommen etc.

    Damit tut sie ihrer Kollgin (Freundin, nehme ich an?) aber keinen echten Gefallen.






    .
    Ich gehe weiter und sage:
    Die Kollegin deckt und unterstützt ihre Sauferei, indem sie so agiert.

    Der komplett falsche Weg.
    Chaos
    .................................................. ....................
    Permanente Nettigkeit ist ein Symptom. (Dr. House)

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Guten Morgen AutarkieMan

    Ich hatte exakt das gleiche Problem mit einem Mitarbeiter vor einigen Jahren. Da ich leider aus einem Alkoholiker-Haushalt komme, waren die Anzeichen für mich mehr als offensichtlich.

    Auch er hatte einen Kollegen, der ihn "gedeckt" hat, oftmals seine Aufgaben übernahm, weil der Kollege völlig verkatert vorm Rechner saß, auch nachts aus dem Schlaf geklingelt wurde, er solle ihn doch da und da abholen, und so weiter.

    Ich habe zuerst mit dem "nüchternen" Kollegen gesprochen. Ihm klar gemacht, dass seine Versuche, dem Kollegen unter die Arme zu greifen genau null Komma null bewegen würde.

    Es wurde schlimmer, und nach mehrmaligen "sanften" Gesprächen mit diesem Mitarbeiter habe ich ihm "die Pistole auf die Brust gesetzt". Entweder, er sucht sich umgehend professionelle Hilfe in Form einer Suchtklinik, oder unsere beruflichen Wege werden sich trennen.

    Natürlich wies er alles von sich, hätte ü-ber-haupt kein Problem ("man wird ja wohl noch sein Feierabendbier trinken dürfen!"), beschimpfte mich, und hat - wie ich später heraus bekam - dem "helfenden" Kollegen üble Prügel angedroht wegen "petzen und anschwärzen".

    Das ganze geriet dermaßen außer Kontrolle (ja, nächtliche Anrufe, lallende Drohungen, das ganze Programm), dass ich die GL einbeziehen musste.
    Wieder ein riesen Drama beim Gespräch, wieder Fristsetzung und schlussendlich die Kündigung, weil der Mann einfach nicht mehr tragbar war!

    Es endete so, wie oftmals "Alkoholiker-Legenden" enden: Jobverlust, Freundin war schon lange weg, immer mehr saufen, Ärger mit der Polizei, Wohnungskündigung und vollständiger sozialer Abstieg. Der Mann hat sich sehenden Auges von seiner eigenen Klippe gestürzt.

    Er starb mit 43, wie ich später erfuhr, an den Folgen des Alkoholkonsums.

    Du kannst NICHTS tun! Alkoholiker sind absolute Weltmeister im Ausreden erfinden, die ganze Sucht herunterzuspielen und ihrem Umfeld den gut gelaunten Lebemann vorzuspielen, der sich "ab und zu mal ein Glas gönnt".

    Bei Frauen ist Alkoholsucht zudem immer noch sehr schambehaftet, aber ich glaube, das muss ich Dir nicht extra sagen.

    Für Deinen eigenen Seelenfrieden kann ich Dir nur raten, den privaten Kontakt mit M. einzustellen und ihre Nummer zu blockieren. Und bitte, nicht versuchen, die Kollegin aus Mitleid zu decken!

    Es ist eine scheiß Krankheit, die alle, nicht nur den Süchtigen selbst, mit sich reißen kann.

    Pass auf Dich auf!

  7. Moderation

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Dem was Oktoberin geschrieben hat, kann ich eigentlich nicht hinzufügen.

    Du kannst eventuell der anderen Kollegin empfehlen sich mit Alanon in Verbindung zu setzen und etwas über ihre eigene Co-Abhängigkeit zu lernen und dass sie sich von der alkoholkranken Kollegin abgrenzen lernt. Denn sie erreicht die Alkoholikerin ja auch nicht, sondern stützt nur das Gesamtsystem.


    Und ja blockiere die Nummer - zumindest nachts.
    Und wenn sie dich mit einer anderen Nummer anruft, dann leg auf.

    Und auch wenn sie quasi nicht weiß, was sie da sagt und dich eigentich gar nicht meint - niemandem ist damit gedient, dass du dir ihre Ergüsse anhörst.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Aus Erfahrung mit einem Kollegen kann ich nur sagen:

    Abgrenzen.
    Nicht nur keine Verantwortung übernehmen (= auch kein Abholen etc.), sondern auch innerlich sich abgrenzen und da einen Schritt zurücktreten von den vielleicht privateren Gesprächen in der bisher guten Kollegenschaft/Freundschaft. (Das ist vielleicht zunächst verwirrend für einen selber. Aber es bietet Dir erst mal Schutz.)

    Ich würde die Kollegin ein Mal in Ruhe tagsüber auf die nächtlichen Störungen ansprechen (auf die Anrufe um die Zeit und auf die Beleidigungen) und sagen, Du möchtest so nicht behandelt werden.

    (Zusätzlich kannst Du, wenn Dir an ihr liegt oder Dir so ist, sagen:
    Du schätzt sie.
    Du möchtest ihr Mut machen, sich in dieser schweren Krankheit behandeln zu lassen.
    Das würde ich aber nur ein einziges Mal machen und nur, wenn Du Dir Deiner Worte sicher bist.)

    Die andere Kollegin kannst Du auf die Gefahren von Co-Abhängigkeit auch unter Kollegen/Freunden hinweisen. Infomaterial oder einen Link besorgen, weitergeben und Dich danach auch von der Thematik abgrenzen, indem Du Dich anderen Dingen zuwendest.

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    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Da ich eine weitere Kollegin auch durch Alkohol verloren habe (sie ist daran verstorben) und andere hab krachen gehen sehen und Menschen kenne, die unglaublich kämpfen:

    Ich gehe heute davon aus, dass das eine der schwersten chronischen Krankheiten sein oder werden kann, ähnlich Depressionen.
    Man weiß nicht, ob man zu denen gehören wird, die es schaffen, oder zu denen, die chronisch krank bleiben. Oder zu denen, die nicht mal die Kraft oder den Mut haben, es anzugehen.

    Daher würde ich jede scheinbare moralische Überlegenheit (diese Entrüstung, die in uns allen steckt, wenn ein Mitmensch uns plötzlich so angeht, aufgrund von Substanzen, "und dann lässt er sich nicht mal helfen!") versuchen ablegen/nicht aufkommen zu lassen.

    Das heißt, nach (während) dem Sich-Abgrenzen dem Menschen mit innerer Wärme und Liebe/Respekt begegnen.

    Diese Balance ist eine sehr hohe Kunst und vielleicht zu viel verlangt.
    Es geht wirklich nur, wenn man da sehr bei sich bleibt.

    Mir hat das aber geholfen:
    den Kollegen nicht ausschließlich auf seine Krankheit zu reduzieren, sondern auch die Dinge zu sehen, die ihn außerdem ausmachen.
    (Da wird es Einige geben.)

  10. User Info Menu

    AW: Kollegin hat ein Suchtproblem (Alkohol)

    Ich habe auf einer Station für den qualifizierten Entzug/Motivationstherapie bei Alkoholabhängigkeit 23 Jahre gearbeitet.
    Es ist mitnichten so, dass es nichts nütze, Süchtige auf ihr Problem hinzuweisen und Konsequenzen aufzuzeigen. Die meisten sind erstmal fremdmotiviert, weil das Umfeld das "süchtige Spiel" nicht mehr mitgemacht hat.

    Bleib bei Dir und dem, wie Du es wahrgenommen hast. Zurückhaltend deutlich spiegelnd "ich habe natürlich mitbekommen, dass Du ein schweres Alkoholproblem hast, ich helfe Dir gerne, wenn Du einen Entzug machen willst, ansonsten rufe mich betrunken nicht mehr an...." so, oder ähnlich.

    Was Abgrenzung, soziale Distanzierung, bei sich bleiben, und sich dennoch vom Mitgefühl leiten lassen, betrifft, können wir sehr viel von Süchtigen lernen.

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