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  1. Registriert seit
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    Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Hallo,

    ich habe mich für dieses Thema mit einem neuen Nick angemeldet, um nicht durch andere Beiträge Rückschlüsse zu meiner Person möglich zu machen, ich hoffe ihr versteht das...

    Wie soll ich anfangen... vl erstmal damit, dass dies das allererste Mal ist, dass ich jemandem davon "erzähle"...

    Ich bin Anfang 30, längst selbstständig, und meine Mutter trinkt seit etwa 8 Jahren... zumindest ist es mir da das erste Mal aufgefallen, zuerst wollte ich es nicht wahrhaben, aber irgendwann war es nicht mehr zu leugnen - sie war merkbar untertags betrunken und hatte eine Schnapsfahne... seitdem wird es immer schlimmer, es vergeht eigentlich kein Besuch (1-2 Mal im Monat) wo sie nicht schon vormittags trinkt (natürlich heimlich). Ich habe auch schon an den unmöglichsten Orten Schnapsflaschen gefunden... Sie wird nicht aggressiv oder so, aber sie lallt, die Feinmotorik funktioniert nicht mehr so wie sie sollte und sie ist rot und aufgedunsen im Gesicht, sie sieht einfach richtig "versoffen" aus, das muss ich einfach so sagen...

    Nach außen hin ist alles toll, sie geht normal ihrer Arbeit und dem Haushalt nach, keiner weiß davon...

    Ich werde einfach so unfassbar wütend, wenn ich zuhause bin und ich merke, dass sie getrunken hat... ich verliere langsamen auch jeglichen Respekt vor ihr, ich finde sie einfach nur jämmerlich... natürlich mache ich mir auch extreme Sorgen, sie ruiniert schließlich damit ihre Gesundheit...

    Kurzum ich bin verzweifelt und weiß nicht was ich machen soll - ich habe sie ein einziges Mal direkt drauf angesprochen, als mir einfach die Hutschnur gerissen ist, und sie richtig angeschrien, aber da war sie besoffen und wusste es wahrscheinlich am nächsten Tag nichtmal mehr...

    Was soll ich machen? Ich traue mich irgendwie nicht sie darauf anzusprechen und selbst wenn, würde des etwas bringen?! Was soll ich machen, kommentarlos Kontakt abbrechen? Brief schicken? Direkt drauf ansprechen?

    Ich weiß nicht mehr weiter...

  2. Avatar von Hillie
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Es gibt Selbsthilfegruppen für die Angehörigen von Alkoholikern. Meist sind sie bei den AA angesiedelt.
    Biete deiner Mutter in einem einigermaßen nüchternen Augenblick an, ihr zu helfen und versuche eine Einweisung in eine Suchtklinik zu erwirken. Vielleicht kannst du auch den Hausarzt mit ins Boot nehmen.
    Niemand ist mit einem Etikett um den Hals auf die Welt gekommen, auf dem steht "Mensch erster Qualität" oder "Mensch zweiter Qualität". Die Etiketten haben wir Menschen erfunden.
    Anita Lasker-Wallfisch (geb. 1925), eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz



  3. Avatar von Karla48
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Guten Morgen, liebe ramiralein!

    Zunächst einmal - du bist nicht allein.
    Du glaubst gar nicht, wieviele Betroffene es gibt, entweder selbst trinkend, oder Angehörige/r!
    Durch alle Altersgruppen, durch alle Bevölkerungsschichten.

    Schäme dich nicht, denn deine Mutter ist für ihr Tun selbst verantwortlich - nicht du.
    Alkoholismus ist anerkannte Krankheit. Und nichts ehrenrühriges.
    Es steckt dahinter, dass unangenehme Gefühle verdrängt werden sollen. Welche das genau sind, wird der Betroffene selbst oft nicht so wirklich wissen, das wird erst in der Gruppe, und auch in der Reha erarbeitet. Und natürlich die Alternativen zum Trinken. Oft kommen längst verdrängte schlimme Dinge ans Tageslicht, von daher - hab ein wenig Mitgefühl mit deiner Mutter. Sie tut das aus Not. Nicht aus Spass.

    Du könntest bei dir vor Ort (oder in einer anderen Stadt, falls du komplett anonym bleiben willst) schauen, wer Suchtberatung anbietet. Die Diakonie, die Caritas...es gibt meistens mindestens eine Möglichkeit, sich beraten zu lassen.

    Nun hast du zwei Möglichkeiten:
    Du lässt dir einen Beratungstermin geben. Ja, das gibt es auch für Angehörige. Kostenlos.
    Oder du nimmst an einer Gruppe teil, wo du dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst. Kostenlos.
    Natürlich kannst du auch beides in Anspruch nehmen.
    Es tut sehr gut, sich auszutauschen! Du wirst dann sehen, dass du mit deinen Gefühlen und Nöten nicht die einzige bist, du wirst hören wie andere damit umgehen usw.

    Bis der Termin steht, könntest du dich online austauschen.
    Eine sehr guter Chat, den ich kenne, ist "t-alk". Bitte gugel kurz nach der korrekten Adresse.
    Meistens ist dort erst am Abend richtig viel los, du kannst aber auch tagsüber oft schon jemanden im Chat erwischen.
    Alles ist anonym, du gibst dir einen Nick, und los gehts!
    Alternativ: Ruf die Telefonseelsorge an. Auch da - anonym, kompetent, wohl tuend!

    Ich hoffe, du siehst erst einmal ein ganz klein wenig Licht am Ende des Tunnels?
    Bitte mach gleich Montag den Termin mit einer Beratungsstelle. Jeden Tag, den du wartest, bringst du dich um die Möglichkeit, dass es dir besser gehen kann und dass deiner Mutter geholfen werden kann.

    Es gibt auch unzählig viele Bücher zum Thema. Steig einfach mal ein bei Amazon. Die Bücherei wird auch einiges zum Thema haben!
    Ein gutes Buch ist "Alk". Aber auch viele Bücher von Betroffenen, die berichten, wie sie hinein und auch wieder heraus geraten sind. Exemplarisch sei Uli Borowka "Volle Pulle" genannt, tolles Buch, das sehr schön aufzeigt wie die Krankheit gedeckt wird von allen Seiten. Vielleicht aber sind in deinem Fall Bücher von Frauen sinnvoller, probier es aus.

    Wenn du Fragen hast, wende dich gerne an mich. Ich bin meistens einmal am Tag hier.

    Kopf hoch und pack es an!

    Herzlich, Karla
    The original Karla
    est. 2006



  4. Registriert seit
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Danke dir vielmals für deine Antwort! Ich habe bereits nach Beratungsterminen geschaut und werde mir demnächst einen Termin machen... was ich mir nur frage - wird dort hauptsächlich mir geholfen, damit umzugehen oder werden auch Lösungswege aufgezeigt, wie ich meiner Mutter helfen könnte? Das wäre mir ja eindeutig wichtiger...

    Das Ziel wäre ja, dass meine Mutter endlich eine Beratung in Anspruch nimmt, aber wie bringt ich sie nur dazu? :-/ Bei mir ist das so eine Hemmschwelle da, sie darauf anzusprechen, ich glaube das schaff ich wenn dann nur schriftlich, bei uns in der Familie wurde Unangenehmes immer nur totgeschwiegen :-(

    Danke nochmal für deine aufmunternden Worte!

  5. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Zitat Zitat von ramiralein Beitrag anzeigen
    [...] - wird dort hauptsächlich mir geholfen, damit umzugehen oder werden auch Lösungswege aufgezeigt, wie ich meiner Mutter helfen könnte? Das wäre mir ja eindeutig wichtiger...

    Das Ziel wäre ja, dass meine Mutter endlich eine Beratung in Anspruch nimmt, aber wie bringt ich sie nur dazu?[...]
    Es ist unabdingbar, dass du dich in erster Linie um dich kümmerst und dass dir geholfen wird.

    Auch wenn das für dich im Moment nur schwer zu verstehen ist, aber niemand kann einem Alkoholiker helfen. Außer der Betroffene sich selbst. Dazu wäre im ersten Schritt Einsicht erforderlich.

    Und wenn bei euch in der Familie und im Umfeld gerne totgeschwiegen wird, macht es das nicht leichter.

    Deshalb kannst du nur für dich gucken, dir Hilfe holen und hoffen, dass du irgendwann genug Abstand hast, um die Probleme da zu lassen, wo sie hingehören.

    Nämlich beim Verursacher, in deinem Fall bei deiner Mutter.

    Ich wünsche dir Kraft und Mut auf deinem Weg. Die ersten Schritte hast du ja nun gemacht.
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —

  6. Avatar von Karla48
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Aus der Generation komme ich auch - wo die Familien alles mögliche unter den Teppich kehren. Thats life. Du kannst sie schon ansprechen. "Hörmal, ich rieche Alkohol - so früh am Morgen, wie kommt das?". Oder "Du sprichst verwaschen, du hast was getrunken, was ist denn los?". Alkoholiker MÜSSEN mitkriegen, dass sie auffallen. Das macht es leichter, den Weg zur Erkenntnis "Ich will was ändern" zu finden. Wohlgemerkt WILL. Nicht MUSS. Müssen muss keiner irgendwas! Schon gar nicht was einem anderen nicht gefällt!

    Du kannst mit ihr nur in Kooperation zusammengehen. Keine Vorwürfe. Nur klarmachen "Du, ich nehme etwas wahr, was nicht normal ist". Möglichst liebevoll. Du liebst sie ja auch. Es ist ja nur diese Krankheit, die dich dann aggressiv macht.
    Sag es ihr auch, dass du sie lieb hast und dir grosse Sorgen machst!

    All das wird dir auch der/die Berater/in sagen.

    In der Beratung geht es um DICH.
    Wie kannst du mit deiner Mutter umgehen.
    Oder musst du dich abgrenzen erst einmal - auch das gilt es, heraus zu finden.

    Wenn ein Brief das richtige für deine Verfassung ist - dann nur zu.
    Jeder hat seinen persönlichen Weg, zu kommunizieren. Und jeder ist ok!

    Überhaupt:

    Jeder ist ok!

    Mein Vater hat auch getrunken, das wurde mir leider erst klar, als es mich selbst erwischt hat. So hatte ich nie die Gelegenheit, denn er war dann schon verstorben (schwerste Depression, und rate mal wo das her kommt...Alkohol), mit ihm zu reden. Da beneide ich dich. Du hast die Chance, noch eine gesündere Mutter zu erleben.

    Das ganze geht nicht im Hauruck. Du wirst ein wenig Geduld haben müssen. In der Zeit kümmerst du dich liebevollst um DICH selbst. Was gibt es Schönes, was du schon immer tun wolltest - tu es jetzt. Diese Zeit ist schwierig und man braucht alle Hilfe, die man bekommen kann und sich selbst geben kann.

    Du kriegst das alles hin - no worries!

    Schon nach der ersten Beratungsstunde wird dir ein riesen Stein vom Herzen fallen!

    Überlege dir doch, wer dich noch unterstützen könnte. Freundinnen, Tante Alma, das Forum, der Chat...hol dir alles, was du kriegen kannst. Du musst das nicht alleine durchstehen.

    Herzlich, Karla
    The original Karla
    est. 2006


  7. Avatar von linsemo
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Du kannst deiner Mutter nicht helfen, nur sie alleine kann das und zwar mit aufhören. Was ich an deiner Stelle machen würde, wenn sie nüchtern ist, ihr sagen wie du die Angelegenheit siehst und ihr sagen, was du darüber denkst. Ich habe mich bei meiner Mutter nicht getraut das zu sagen und ich wäre froh gewesen, wenn ich es gemacht hätte. Der Rest ist ihre Sache. Wenn sie weiter saufen will, dann soll sie das tun, du hälst dich in Zukunft komplett aus dem Thema raus. Wenn du sie besuchst und sie ist zu, dann fahre gleiche wieder. Angehörige können nicht helfen, das ist so. Meine Vermutung: Man ist zu nah dran und auf die Angehörigen wird nicht gehört.

    Ich war mit meiner Mutter mal zu den AAs im Auto unterwegs. Auf der Fahrt hat sie mich dann bequatscht und ich bin wieder nach Haue gefahren. Ich wußte, daß sie Angst hat.

    Was du machen solltest, ruf die AAs an und bespreche mit ihnen die Sache, das sind alles Leute mit einer Alkoholkarriere. Mir hat der Anruf vor Jahren sehr geholfen, in dem ich mich bei meiner Mutter komplett rausgehalten habe, wenn sie betrunken war, bin ich gegangen. Bei dem Telefonat wurde mir die Sache so gut erklärt, daß ich mir nie wieder Sorgen um die Trinkerei gemacht habe.

    Hier ist die Kontaktseite auch mit Telefon-Nrn. . Du kannst gleich mit jemandem reden und brauchst nicht auf einen Termin zu warten.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
    Geändert von linsemo (04.05.2019 um 14:50 Uhr)

  8. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    @Karla48

    einfach nur mal so. Für die einfühlsamen und hilfreichen Beiträge.
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —

  9. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Zitat Zitat von AweSomeOne Beitrag anzeigen
    @Karla48

    einfach nur mal so. Für die einfühlsamen und hilfreichen Beiträge.
    Ja, finde ich auch ganz klasse, und nehme viel mit daraus. *Blume*


  10. Registriert seit
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    AW: Mutter ist Alkoholikerin - weiß nicht mehr weiter...

    Du kannst deiner Mutter nur helfen wenn sie einsieht dass sie krank ist und dass ihr Alkoholmisbrauch Konsekvenzenhat. Irgendwann wird sie ihre Arbeit verlieren, das ist oft der Auslöser sich Hilfe zu suchen. Du kannst ihr erstmal klarmachen dass du sie nicht besuchen willst wenn sie getrunken hat und das auch durchhalten.
    Ich weiss wovon ich spreche, ich bin trockener Alkoholiker seit inzwischen 20 Jahren. Mir haben eine Therapie und die anonymen Alkoholiker geholfen alleine kommt man da nicht raus. Dir würde ich empfehlen eine Angehörigengruppe von AA zu versuchen, dort sind Menschen die das gleiche Problem haben wie du.

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