Aus den Erfahrungen rückfälliger Patienten ist bekannt, dass Rückfälle nicht „aus heiterem Himmel“ kommen. Diese Erfahrungen sind besonders dazu nützlich, um rückfallgefährdende Verhaltensweisen und Situationen frühzeitig zu erkennen und somit rechtzeitig Maßnahmen zur Verhinderung eines Rückfalls ergreifen zu können.
Im Folgenden soll der Prozess, der zum Rückfall führt, anhand eines Stufenmodells näher erläutert werden.
Ausgangspunkt ist eine längerdauernde Phase der Suchtmittelabstinenz.
1) Langfristige ungünstige Lebenssituation
Ungünstige Lebenssituationen können zum Beispiel Arbeitslosigkeit (auch zu viel Arbeit), ein Mangel an unterstützenden sozialen Beziehungen (keine Familie, Freunde, Trennung) oder gesundheitliche Beeinträchtigungen sein. Auch positive Veränderungen können bezogen auf die Abstinenz negative Folgen haben (plötzlich viel Geld haben, neue Partnerschaft).
2) Vorboten
Unter Vorboten ist die Rückkehr zu süchtigen Verhaltensweisen oder süchtigem Denken zu verstehen, ohne dass es bereits zu einem erneuten Suchtmittelkonsum gekommen ist. Auf der Verhaltensebene können unter anderem sozialer Rückzug, ein unausgewogener Lebensstil, Selbstüberschätzung oder die Vernachlässigung von Nachsorgemöglichkeiten Vorboten eines Rückfalls sein. Gedankliche Vorboten (das sind noch keine Erlaubniserteilende Gedanken –siehe dazu 4) sind beispielsweise Zweifel an der Abstinenzentscheidung, Selbstmitleid oder vermehrte positive Gedanken an das Suchtmittel.
3) Kurzfristige Auslösebedingungen
Kurzfristige Auslösebedingungen finden sich in der Regel in Situationen, welche sich auch als Risikosituationen beschreiben lassen. Dies sind häufig kurzfristig auftretende emotionale Spannungen wie Ärger, Angst oder Hilflosigkeit, manchmal auch Euphorie (wieder kann scheinbar Positives letztlich Negativ sein). Weitere häufige Auslösebedingungen sind soziale Anlässe, bei denen Suchtmittel konsumiert werden und der Abhängige nicht durch Verzicht auffallen möchte.
4) Erlaubniserteilende Gedanken
Bevor es zum Rückfall kommt ist die Aufhebung der Abstinenzentscheidung erforderlich. Die Aufhebung wird durch die erlaubniserteilenden Gedanken gerechtfertigt. Viele solcher Gedanken verharmlosen den Konsum, indem sie ihn als „Ausnahme“ definieren („Morgen kann ich wieder aufhören“, „Ein Mal ist Kein Mal“…). Andere Gedanken beschreiben eher eine Selbstaufgabe („Es ist sowieso zu spät“, „mir kann ohnehin keiner helfen“, „jetzt ist alles egal“…).
5) Konsum
Bis zum Konsum des Suchtmittels kann der Rückfall noch verhindert werden. Mit dem ersten bewussten Suchtmittelkonsum nach der Abstinenz spricht man von einem Rückfall, unabhängig von der Konsummenge. Das heißt, auch der wissentliche Konsum einer Alkoholpraline oder das Ziehen an einem Joint kann den ersten Konsum nach der Abstinenz und somit den Rückfall definieren.
Hilfreich ist es jetzt mit Hilfe der Risikoprophylaxe ein persönliches Risikoprofil zu erstellen, also an Hand der obigen Beispiele zu den Punkten 1 bis 4 sein eigenen „gefährlichen Punkte“ herausarbeiten.
Dazu habe ich mir eine tabellarische Gegenüberstellung gemacht und ich schaue mir die Tabelle auch wirklich immer wieder mal an und ergänze oder ändere etwas wenn notwendig.
Allgemein------------------------------------------------Ich
1) Langfristige, ungünstige Lebensituation
---2) Vorboten
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---3) Kurzfristige Auslösebedingungen
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---4) Erlaubniserteilende Gedanken
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Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 11
Thema: Rückfallprophylaxe
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03.03.2018, 21:18
Rückfallprophylaxe
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04.05.2018, 12:31
AW: Rückfallprophylaxe
Hallo,
ich finde das einen super informativen hilfreichen Text,
und schlage hiermit vor, ihn oben festzuheften.
Danke
Silvia12
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29.05.2018, 15:40Inaktiver User
AW: Rückfallprophylaxe
Hallo lieber Chris

Du hast hier einen so wertvollen Beitrag eingestellt. Ich wundere mich trotzdem, dass das Feedback so gering ist. Warum ist das so? Interessiert es keinen? Ich hoffe, dir geht es gut, melde dich doch mal...am Wetter kann es ja nicht liegen...
Bleibt oder werdet gesund
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10.08.2018, 08:54
AW: Rückfallprophylaxe
hochschups
Die Schatten in Deinem Leben sind ein sicheres Zeichen für Licht.
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12.08.2018, 00:56Inaktiver User
AW: Rückfallprophylaxe
Danke für's reinstellen und hochschubsen! Ich habe den Beitrag nicht gesehen gehabt, werde mal öfters die Hauptseite besuchen.
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14.08.2018, 09:45
AW: Rückfallprophylaxe
Push Push! Finde den Text informativ - danke!
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15.08.2018, 11:07Inaktiver User
AW: Rückfallprophylaxe
Ein interessanter Text - auch für Angehörige.
Dankeschön.
Nette1962
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11.10.2018, 17:01
AW: Rückfallprophylaxe
Lieber Schuhlos,
Danke für den so wichtigen Beitrag!
Ich wünsche dir alles Liebe!
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19.10.2019, 20:43Inaktiver User
AW: Rückfallprophylaxe
Für alle ... schubs hoch ... weil so wichtig und klar geschrieben. Wüsste gar nicht was ich noch ergänzen könnte ...
Immer wieder wichtig zum erinnern,
danke schuhlos
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11.11.2019, 09:26Inaktiver User
AW: Rückfallprophylaxe
Einmal im Monat gehört das nach oben geschoben
Ich wünsche allen einen gemütlichen Tee-Kerzen-November


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