Danke, Lyanna für Deine Antwort!
Genau davor habe ich Angst, dass es mich auch mein weiteres Leben nicht loslässt. Die Alptraumvorstellung für mich wäre, dass ich den Kontakt zu meinem Vater abbreche, ihm einen entsprechenden Brief schreibe und er dann evtl. noch einen Herzinfarkt hat u. daran stirbt. Dann würden mich die Schuldgefühle glaube ich, mein restliches Leben lang auffressen.
Den Kontakt einfach abbrechen oder auslaufen lassen wird mir aber bestimmt nicht helfen, es innerlich für mich abzuschließen. Und ich habe auch immer noch Hoffnung, dass ein Gespräch mit meinem Vater es irgendwie klärt und sich das Thema auflöst..
Bei einem Therapeuten bin ich derzeit in Behandlung. Er meint, Wahrnehmung sei subjektiv und immer durch eigene Bewertung beeinflusst, somit könne man das nicht objekt beurteilen. Gerade nicht, was mir weiterhilft..![]()
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Ergebnis 11 bis 20 von 22
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19.07.2015, 19:32
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
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19.07.2015, 19:40
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Ja, Du hast wohl recht. Letztens ist mir ein Kollege über den Weg gelaufen, bei dem ich das Gefühl hatte, er schaut mir auf den Ausschnitt. Ich hab mir dann hinterher gesagt, dass ich mir das (auf Grund der Vorgeschichte) bestimmt mal wieder nur einbilde.
Bis ein anderer Kollege kam und meinte: Ach, Du hast mit x geredet, der schaut doch immer den Frauen auf die Brust, ist Dir das nicht aufgefallen?
Ich scheine also schon meiner Wahrnehmung halbwegs vertrauen zu können.
Wie gesagt, der Therapeut muss dann auch passen. Bis auf: 'Seien Sie froh, dass nichts passiert ist, denken Sie nicht mehr dran, Wahrnehmung ist nicht objektiv..' habe ich da bisher nicht wirklich Unterstützung bekommen.
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19.07.2015, 19:46Inaktiver User
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Man kann einen Therapeuten wechseln, wenn man nicht mit seiner Art und Weise klar kommt.
So wie du deinen Vater beschreibst, war er auf jeden Fall übergriffig.
Das mit dem Arm streifen wo du schreibst, er wäre sich keiner Schuld bewußt, interpretiere ich auch anders. Ich glaube auch nicht, dass es so nicht gewesen ist, du dich geirrt oder etwas falsch verstanden hast. Mache dich frei von Gedanken, dass du etwas falsch wahrgenommen hast. Vielleicht hat er dich derart manipuliert, dass du so denken mußt.
Dein Ziel sollte sein, dieses üble Hamsterrad, in dem du steckst, zu verlassen. Wenn du dazu einen Kontaktabbruch benötigst solltest du das auf jeden Fall durchziehen. Du kannst ihm auch einen Brief schreiben in dem du dich aussprichst. Ein Herzinfarkt ist keine Begründung für ein Nichtschreiben. Und jemand der einen Herzinfarkt hatte, fällt bei negativen Nachrichten nicht plötzlich tot um. Kann es sein, dass dir jemand mit solchen Aussgaen Angst gemacht hat? Er hat dir offensichtlich viel Leid angetan und du hast ein Recht darauf, aus dieser Schiene heraus zu kommen.
Was ist denn mit deiner Mutter?
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19.07.2015, 19:49
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Naja, wie schon gesagt, geht der Kontakt in erster Linie von ihm aus. Wir sehen uns 1x pro Jahr pflichtmäßig an Weihnachten.
Er ruft oft 1x pro Monat an, ich gehe nicht ran, dann ruft er im Wochenrhytmus wieder an, bis ich mich irgendwann melde. Mein Vater fragt aber auch nicht nach, warum wir denn so einen distanzierten Kontakt haben. Mich würde das interessieren an seiner Stelle.
Er benutzt auch meinen Opa mütterlicherseits, mit dem ich mich super verstehe, und in dessen Nähe mein Vater nach Trennung meiner Eltern gezogen ist, um weiter den Kontakt zu mir zu halten. Er sagt dann im Telefonat, ich solle mich öfter melden, mein Opa frage ihn immer, wie es mir geht und wolle doch mal öfter was von mir hören. Dabei stehe ich zu meinem Großvater in direktem Kontakt, so dass er als Mittler überflüssig ist.
Letztens habe ich meinem Vater per Telefon erzählt, dass ich plane demnächst evtl. länger ins Ausland zu gehen. Das fand er so toll, dass er fast geweint hat, das finde ich dann wieder komisch und wiedersprüchlich. Und weiter dreht sich dann das Gedankenkarusell..
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19.07.2015, 20:01
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Ok, ja danke Dir. Ich spiele mit dem Gedanken, wirklich diesen Brief so zu schreiben. Dann kann ich erstmal schauen, ob es sich richtig anfühlt hinterher und stimmiger für mich und kann ihn dann immer noch abschicken. Und mein Vater hat immer noch die Option, darauf zu reagieren.
Auf der anderen Seite gebe ich ihm damit Klarheit, die ich umgekehrt nicht bekommen habe. Da ich in ein paar Wochen für länger ins Ausland gehe, könnte ich mich auch einfach nicht mehr bei ihm melden, dann wäre er mal umgekehrt in der gleichen Situation der Ungewissheit.
Er tut mir eben auch leid, außer mir hat er nicht wirklich jemanden mehr. Ich bin das einzige Kind, er wäre dann ganz sich selbst überlassen.
Meine Mutter hat das früher immer abgestritten, das würde sie ihm auf keinen Fall zutrauen. Heute nach eigener Therapie meint sie, sie wäre früher auf Grund von Depressionen zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Sie steht aber auf meiner Seite und meint, ich solle das für mich klären und ggf. den Kontakt zu ihm abbrechen, wenn mir das hilft.
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19.07.2015, 20:01
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Hallo Karma 80,
den Therapeuten würd ich wechseln und zu einer weiblichen Thera gehen - so Sprüche wie "sei doch froh, daß weiter nix passiert ist, und jetzt mach nen Haken dran" kann Dir auch eh jeder Depp von der Straße erzählen,
da brauchst Du nicht Deine kostbare Zeit verschwenden.
Und zu Deinem eigentlichen Anliegen:
meine Schwester und ich haben ähnliches erlebt, man nennt das wohl schlicht "sexuelle Grenzüberschreitung".
Und, achja, auch unsere Mutter war sehr mit sich beschäftigt, und meine Schwester und ich haven und hatten starke Schuldgefühle - das ist wohl leider kein ungewöhnliches Muster.
Ich kann Deine Ängste also sehr gut verstehen - es ist schlimm, unter so einer Bedrohung zu leben, und es ging für uns mit dem Verlust des "Papagefühls" einher.
Und ich sage NICHT, daß mein oder Dein Vater jemals ernsthaft oder bewusst an Missbrauch gedacht oder ihn geplant haben.
Aber ich meine schon, daß sich da etwas verschoben haben dürfte, denn ein so junges Mädchen, wie Du es warst, bildet sich vielleicht rosa Ponies und böse Hexen ein, sicherlich aber nicht
solche diffizilen Geschichten mit sexueller Konnotation.
Vertraue ruhig auf Dein Gefühl, Du wirst es nicht umsonst haben - und gestehe Dir zu,
daß ein kleines Mädchen mit erwachsener Sexualität, und sei es auch ein noch so "geringes" Fehlverhalten, einfach überfordert ist.
Es ist OK, daß Du Angst hattest und Dich eingeschlossen hast, auch wenn "nichts Schlimmeres" passiert ist.Geändert von Schmitti (19.07.2015 um 20:12 Uhr)
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19.07.2015, 20:11Inaktiver User
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Dann steht deine Mutter sozusagen hinter dir. So wie sich deine Mutter verhält, hat sie etwas mitbekommen, konnte aber aufgrund ihrer Depressionen nicht reagieren. Das müßte dir zeigen, dass deine Wahrnehmungen oder Erinnerungen richtig sind. Du mußt keine Rücksicht auf ihn nehmen. Tue das was dir gut tut. Ein schlechtes Gewissen mußt du nicht haben.
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19.07.2015, 20:25
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Hallo Schmitti, danke für Deine Antwort.

Das war leider eine Therapeutin, die den Spruch gebracht hat..
Aber so wird es wohl sein, das fühlt sich sehr stimmig an. Ich hatte auf jeden Fall auch Probleme, den Papa, der mir mein Lieblingsessen gekocht und mir ein Puppenhaus gezimmert hat, dann so komisch und anzüglich wahrzunehmen.
Darf ich fragen, ob und wie Du das für Dich gelöst bekommen hast? Hast Du mit Deinem Vater gesprochen? Wie ist der Kontakt heute? Dann hat es ja vielleicht immerhin geholfen, dass ihr zu zweit wart, dann konntet Ihr Euch der eigenen Gefühle etwas sicherer sein..
LGGeändert von Karma80 (19.07.2015 um 21:20 Uhr)
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19.07.2015, 20:28Inaktiver User
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Wie hast du ihn denn ansonsten als Vater empfunden? War er für dich da, hat er dich unterstützt, wie war er in deiner Kindheit für dich?
Gerade was du von seiner Freude über deinen Auslandsaufenthalt schreibt, lässt mich fragen: könntest du ihn denn in der gesamten Ambivalenz zwischen Liebe und Grenzüberschreitung akzeptieren? Wie müsste seine "Entschuldigung" lauten, damit du mit ihm Frieden schließen könntest?
Davon ausgehend, dass da nichts schlimmeres im Hintergrund schlummert, sehe ich vor allem einen unsicheren Mann in deiner Beschreibung. Das heißt nicht, dass an deiner Wahrnehmung etwas falsch ist! Aber es heißt, dass es vielleicht außer dem Kontaktabbruch auch andere Wege gibt.
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19.07.2015, 21:01
AW: Dauerndes Grübeln über Vergangenheit
Hallo Cadriad,
ja, unsicher war mein Vater auf jeden Fall und meiner Mutter unterlegen. Er konnte sich nie wehren, war und ist sehr gutmütig und hat immer versucht, Streit zu vermeiden. Er ist dann lieber in seinen Garten geflüchtet.
Von seiner Persönlichkeit habe ich ihn daher eher als unscheinbar empfunden und ich hatte nicht das Gefühl, dass er mir viel mitgegeben hat. Andere Personen in meinem Umfeld empfinden ihn als lieb und sehr hilfsbereit.
Ich denke gerade über einen mehrwöchigen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik nach, da ich neben Depressionen unter chronischer Müdigkeit leide. Als ich meinem Vater davon erzählt habe, meinte er, wenn mir das hilft, solle ich das auf jeden Fall machen. Daher denke ich dann wieder, wenn er etwas zu verbergen hätte, würde er mir doch eher davon abraten, das Psychologen in meiner Vergangenheit rumwühlen.
Um eine Entschuldigung anzunehmen, müsste ich auf jeden Fall davon ausgehen können, dass die Zweideutigkeiten zukünftig nicht mehr auftreten, aber das lässt sich ja schlecht kontrollieren. Der Kontakt ist ja jetzt schon nicht zwanglos und ich bin so überempfindlich in der Hinsicht, dass ich auf alles diesbezügliche reagiere. Akzeptieren könnte ich die Ambivalenz nicht wirklich.
Ich bin daher auch etwas überfordert, was andere Wege betrifft. Irgendwie angesprochen werden müsste es ja auf jeden Fall. Was schlägst Du denn vor?Geändert von Karma80 (19.07.2015 um 21:34 Uhr)


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