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    Co-Abhängigkeit von Angehörigen

    *
    Geändert von Zeni (05.09.2013 um 08:11 Uhr)


  2. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Es steht zwar nichts geschrieben, aber dieser Titel triggert mich schon tagelang ...

    Ich denke nicht, dass "man" sich im Vorfeld vor Co-Abhängigkeit schützen kann, die müsste "man" ja erstmal erkennen.
    Und dazu gehört Einsichtsfähigkeit, die aber erst da sein kann, wenn es so erfahren und erlebt wurde.

    Einem Alkoholiker "helfen" ist auch erst dann möglich, wenn Einsichtsfähigkeit beim Betroffenen da ist und er sich helfen lassen will!
    Wobei die "Hilfe" wahrscheinlich total von dem abweicht, welche der Aussenstehende (oder in dem Fall Mitbetroffene) sich vorstellt.

    Mehr, als Wege aufzeigen und begleitend zur Seite stehen, ist meiner Erfahrung und Ansicht "erstmal" nicht möglich.
    Es gibt viel "Hilfe" für später, wenn der Betroffene sich tatsächlich entschliesst, trocken zu leben.
    Dann ist Hilfe vonnöten, in dem sich der Partner, Freund oder Angehörige selbst helfen lässt und sich erkundigt, wie denn Hilfe aussehen kann ...wozu dann unbedingt "Konsequenz" gehört.
    Das sind meist "unpopuläre Massnahmen", die dann getroffen werden ...von beiden Seiten.
    Es würde jetzt zu weit führen, das in allen Einzelheiten zu beschreiben ...
    Und auch dann ist nicht sicher, dass ein Alkoholiker dauerhaft trocken leben kann und ein Co-Abhängiger aus dieser Abhängigkeit aussteigt!
    Es spielen einfach zu viele menschliche Faktoren rein, Gefühle, die unberechenbar sind!

    Einem Alkoholiker zu "helfen" ist eine Lebensaufgabe, die schon so manchen überfordert und ans Ende seiner Kraft gebracht hat.

    So ist jedenfalls meine Erfahrung, und die wollte ich dann hier mal loswerden.

    Lyanna


  3. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Für Co-Abhängige ist typisch, dass sie andere Menschen zum Mittelpunkt ihres Lebens machen.
    Das eigene Leben erscheint ihnen eher unbedeutend.
    Selbstbedeutung denken sie in den Reaktionen ihrer Mitmenschen zu erfahren.
    Dies kann in vollkommener Selbstaufopferung enden.
    In Beziehungen (Partnerschaft, Familie, Kollegen, etc.) wird immer die Opferrolle gesucht.
    Meistens ist dies ein Helfer-Syndrom mit aussichtsloser Position.
    Deswegen ist es nicht selten, dass Co-Abhängige in Beziehungen mit süchtigen Menschen geraten,
    die sie versuchen wollen aus ihrer Situation zu “retten”.

    Hierzu ein wundervoller Text:

    In der Coabhängigkeit hängen meine guten Gefühle davon ab,
    dass du mich magst.
    In der Genesung hängen meine guten Gefühle davon ab,
    dass ich mich mag.

    In der Coabhängigkeit hängen meine guten Gefühle
    von deiner Achtung meiner Person ab.
    In der Genesung hängen meine guten Gefühle
    von meiner Selbstachtung ab.


    In der Coabhängigkeit beeinflusst dein Kampf
    meine Ruhe und Gelassenheit.
    In der Genesung spielt dein Kampf für mich eine Rolle,
    weil ich mich um dich sorge, aber er kontrolliert nicht,
    wie ich über mich selbst empfinde.

    In der Coabhängigkeit wird meine Selbstachtung dadurch gestärkt,
    dass ich deine Probleme löse und deine Muster erkenne.
    In der Genesung kommt meine Selbstachtung daher,
    dass ich meine Probleme löse und manchmal meine Muster erfahre.

    In der Coabhängigkeit konzentriert sich meine Aufmerksamkeit darauf,
    dir zu gefallen.
    In der Genesung gefalle ich mir, selbst wenn es dir nicht gefällt.

    In der Coabhängigkeit konzentriere ich mich darauf, dich zu schützen.
    In der Genesung schütze ich mich, selbst wenn ich dich
    dadurch manchmal ungeschützt lasse, ich weiß,
    dass du auf dich selbst aufpassen kannst.

    In der Coabhängigkeit verstecke ich meine Gefühle,
    indem ich dich manipuliere, etwas auf meine Weise zu tun.
    In der Genesung sage ich die Wahrheit über meine Gefühle,
    unabhängig von den Konsequenzen.

    In der Coabhängigkeit schiebe ich meine Hobbies und Interessen beiseite,
    deine Interessen stehen im Vordergrund.
    In der Genesung verfolge ich meine Hobbies und Interessen,
    selbst wenn das bedeutet, Zeit von dir getrennt zu verbringen.

    In der Coabhängigkeit schreibe ich dir deine Kleidung,
    dein Verhalten und deine Erscheinung vor,
    denn du bist eine Spiegelung meiner Person.
    In der Genesung lasse ich zu, dass du dich kleidest,
    erscheinst und verhältst, wie du es möchtest, unabhängig davon,
    wie ich mich dabei fühle.

    In der Coabhängigkeit weiß ich nicht, was ich will, ich frage dich
    und bin mir nur darüber bewusst, was du willst.
    In der Genesung kenne ich nicht nur meine Wünsche und Bedürfnisse,
    ich spreche sie aus und handle, um sie zu erfüllen.

    In der Coabhängigkeit sind die Träume, die ich von der Zukunft habe,
    untrennbar mit dir verbunden.
    In der Genesung gehören meine Träume mir,
    selbst wenn du darin nicht vorkommst.

    In der Coabhängigkeit bestimmt die Furcht vor deiner Wut,
    was ich sage und tue.
    In der Genesung habe ich keine Kontrolle über deine Wut,
    und sie hat keine Kontrolle über mich.

    In der Coabhängigkeit nutze ich das Geben, um mich
    in der Beziehung sicher zu fühlen.
    In der Genesung kann ich geben, wenn es mir Freude macht,
    ich kann es aber auch lassen, weil es nicht der Furcht
    oder der Sicherheit dient.

    In der Coabhängigkeit verringern sich meine sozialen Kontakte,
    sobald ich mich mit dir einlasse.
    In der Genesung hoffe ich, dass du meine Freunde magst.
    Wenn nicht, werde ich es verstehen, und akzeptieren,
    mich aber weiterhin mit ihnen treffen.

    In der Coabhängigkeit lege ich meine Werte beiseite,
    um mit dir zusammen zu sein.
    In der Genesung gehören meine Werte mir.
    Als Kern meines Seins sind sie umumstößlich.

    In der Coabhängigkeit schätze ich deine Meinung und deine Art,
    Dinge zu tun, höher ein als meine.
    In der Genesung schätze ich deine Art und dein Verhalten,
    aber nicht auf Kosten meiner.

    In der Coabhängigkeit steht die Qualität meines Lebens
    in untrennbarem Zusammenhang mit deiner Lebensqualität.
    In der Genesung gibt es klare Grenzen,
    die meine Lebensqualität von deiner unterscheiden und trennen.

    In der Coabhängigkeit sage ich alles frei heraus,
    suche Intimität gleich beim ersten Treffen, verliebe mich,
    ohne wirkliche Informationen darüber zu haben,
    wer du bist und was du beitragen kannst und willst.
    In der Genesung lasse ich mir Zeit, lasse Freundschaften entstehen,
    ich bin nicht von dir überwältigt und kann unangemessenes Verhalten
    erkennen und darauf reagieren.

    In der Coabhängigkeit übernehme ich automatisch die Verantwortung,
    wenn es sonst keiner tut, indem ich sage, „einer muß es ja machen“.
    „Einer“ bin immer ich.
    In der Genesung spüre ich, dass ich die Wahl habe,
    indem ich es an eine höhere Macht abgebe und darauf vertraue,
    dass für den anderen gesorgt ist, auch,
    wenn es nicht durch mich geschieht.

    © Susanne Hühn


    Dieser Text sollte in diesem Strang nicht fehlen.

    Ich empfinde ihn als einen der Wichtigsten und Einfühlsamsten, und er ist nach meinem Empfinden für alle Lebenslagen zu empfehlen, nicht nur für Suchtkranke und deren Angehörige.




    Lyanna


  4. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Dieser Strang - ohne Eingangs-Worte - spricht mich mehr an, als ich dachte oder angenommen hätte ...

    Ich habe noch etwas gefunden, was mir sehr "geholfen" hat, weil er vielleicht sogar eine angehende Erklärung
    für "Warum" Fragen sein könnte ...?!

    *


    Belastende Vertrautheit


    Eine der grössten Schwierigkeiten bei der Selbstveränderung liegt darin begründet,
    dass viele Menschen, die sich in ungünstigen Situationen befinden, paradoxerweise dazu neigen,
    den Ist-Zustand gegenüber der Veränderung zu bevorzugen.


    Der Grund dafür liegt nicht etwa – wie so oft gesagt wird – in der Bequemlichkeit.

    Im Gegenteil, es ist oft beeindruckend, wie viel Energie Menschen aufbringen, um einen Zustand beizubehalten, unter dem sie leiden.


    Das Neue, Unbekannte ängstigt. Lieber bleibt man beim alten Zustand, auch wenn dieser noch so belastend ist …

    – aber er ist zumindest vertraut.

    Stefan Zweig (1881 – 1942)




    Lyanna


  5. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Und auch dieses ist wie eine kleine Anleitung für diejenigen, die etwas verändern möchten in ihrem Leben ...
    es erinnert mich sehr an die weisen Worte, die gar nicht mal so einfach umzusetzen sind ...

    FÜR MICH, nicht gegen Jemanden!



    *
    Berühr mich ..., aber halt mich nicht fest.

    Gib mir Geborgenheit …, aber sperr mich nicht ein.


    Rede mit mir …, aber verbiete mir nicht den Mund.


    Sag mir Deine Wünsche …, aber zwing mich zu nichts.


    Mach mich atemlos …, aber nimm mir nicht die Luft.


    Lass mich freiwillig zu Dir kommen …, denn Gefühle
    wachsen nur in Freiheit.


    Lass mich frei …, damit ich frei und willig ..,
    Dir all das geben kann …was Du nicht festhalten musst

    (unbekannt)

    *



    Lyanna


  6. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Liebe Lyanna ,

    Du beschämst mich, weißt Du das? Ich habe meinen Text gelöscht und trotzdem schreibst Du hier Dinge hinein, die mich tief bewegen.

    Ich kann meinem Freund nicht wirklich helfen, ich weiß Zumal er sich vermutlich nicht helfen lassen wird - ich befürchte eher, er wird unsere Beziehung beenden und mich auf die Stufe seiner Familie stellen (die zu schon lange nur sehr vorsichtigen Umgang mit ihm pflegt - vermutlich um sich selbst zu schützen). Ich habe mir den langsam steigenden Weinkonsum den ganzen Sommer über mit angesehen und kaum etwas dazu gesagt (einmal recht erfolglos..) Ich weiß, auch das kann ein Zeichen von Co-Abhängigkeit sein... aber auch ich lerne dazu... und informiere mich...und nun ist meine Schmerzgrenze erreicht... Wie es weiter geht, keine Ahnung - ich weiß nur, ich lasse mich nicht mit runterziehen, dazu habe ich viel zu lange gebraucht, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin.

    Ich danke Dir von ganzem Herzen für die wunderbaren Zeilen, über die ich immer wieder neu nachdenke

    Liebe Grüße
    Zeni


  7. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Liebe Zeni

    Das sehe ich ja jetzt erst, dass du hier geschrieben hast.
    O wie schön, ich freu mich ganz dolle darüber.

    Auf keinen Fall habe ich geschrieben, um dich zu beschämen, ich wusste ja gar nicht,
    dass und ob du hier noch liest?
    Allein der Titel dieses Threads hat mich angesprochen und sehr beschäftigt!

    Vielleicht "hilft" dir das ein oder andere Wort, was hier steht in ganz bestimmten Momenten?
    Das wäre wunderbar.
    Vielleicht dauert es auch noch ein Weilchen, bis Veränderungen in dir stattfinden?
    Alles hat seine Zeit ...und deine Zeit ist JETZT?

    Und wenn dich etwas drückt, belastet oder quält, schreib einfach drauf los, schreibs dir von der Seele.
    Du siehst ja, irgendeiner liest es, und wenn es denn sein soll, schreibt jemand etwas dazu.
    was DICH vielleicht weiterbringen könnte., dich "schwach" sein lässt, damit du "stark" sein kannst!

    Kraft und Mut wünsche ich dir, die Wege zu gehen, die DU gehen "musst" (müsstest?,
    um irgendwann ein schönes und zufriedenes Leben führen zu können.

    Alles Liebe für dich

    Lyanna
    Geändert von Lyanna (24.10.2013 um 15:30 Uhr)

  8. Avatar von Woodstock62
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Liebe Zeni, im Angehörigen-Forum findest Du einen Thread zu Alkoholikern. Wie es endet, wie es enden kann, wie es auch weitergehen kann. U.a. findest Du dort auch meine Geschichte. Bei uns geht es weiter, mein Mann ist jetzt seit über 2 Jahren trocken.

    Vielleicht schaust Du ja mal vorbei? Da kannst Du jedenfalls lesen, dass Du nicht allein bist.

    LG Woodstock
    Normale Menschen machen mir Angst!!!

    **Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**


  9. Registriert seit
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    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Es gibt die AA-Gruppen und die Al-Anon für die Betroffenen von Alkoholikern.
    Beide Gruppen sind für diese Sucht eine sehr gute Hilfestellung und jedem zu empfehlen, der damti zu tun hat.
    Man bekommt Zuspruch, Hilfe, Verständnis.....von Menschen, die zutiefst verstehen udn wissen wovon man redet, wenn man erzählt.

    Um zu erkennen, um besser nach sich und anderen zu sehen- kann so eine Gruppe nur gut sein.
    Und man braucht zu keinem Arzt- man kann gleich und anonym hingehen.....ist doch ein tolles Angebot für Süchtige- aber auch genauso Coabhängigen.
    Und per Internet oder sogar Wochenblättchen, die in jedem Haushalt regional ausgeteilt werden, auch mit Anlaufadressen gut zu finden.

    alles Gute
    kenzia


  10. Registriert seit
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    795

    AW: Vor Co-Abhängigkeit schützen und einem Alkoholiker helfen?

    Liebe Lyanna (und die anderen Mitschreiber und Mitleser),
    vielen Dank auch von mir für den Text über die Co-Abhängigkeit, diese Worte sind so hilfreich, ich habe mir das ausgedruckt.
    Ich sitze zu 100 % in der Co-Abhängigen-Falle fest, komme alleine nicht heraus. Ich wollte evtl. hier weiterschreiben, ohne ein neues Thema zu eröffnen.
    Zur Zeit kann ich aber das alles, was auf mich eingestürmt ist, noch nicht verarbeiten und formulieren, weshalb ich den Strang erstmal nach oben schubse.
    Ich möchte dazu sagen, dass ich ein ganz hartes Jahr 2017 hinter mir habe und gerade versuche, wieder gesund zu werden.
    Deshalb kann ich auch nicht so oft schreiben wie ich will.
    Alles Liebe und ein schönes Jahr 2018 an alle, die hier schreiben und mitlesen.
    Viele Grüße von Nette1962
    Im Herzen bin ich ein Kind der 70er.

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