Hallo,
nachdem ich schon einige Zeit still mitlese, konnte ich es nun doch nicht lassen.
Ich bin gerade völlig durch den Wind.
Mein Mann ist kaufsüchtig. Ich wußte das, er war und ist nun wieder in Therapie.
Als wir uns kennenlernten, hatte es den Anschein (und auch seine Aussagen - ja, ich weiß...) dass er die Sache im Griff hat.
Nach ca. 2 Jahren dann die erste "großartige" Erkenntnis und der erste Megacrash. Er war einige 1000 im Minus und völlig plan- und hilflos.
Ich in meiner grenzenlosen Überheblichkeit dachte wirklich von Beginn an, so lange wir uns lieben (hauptsächlich auch ich ihn) ist es egal, was passiert. Wir würden das gemeinsam hinkriegen.
Und nachdem er einige Zeit vor mir Single war und er sich ein Leben, prinzipiell so wie wir es nun führen, mit all den schönen Dingen, immer gewünscht hat, würde er eben auch alles dafür tun.
Tja. Eine Zeitlang war es besser, wir besprachen beinahe jeden Kauf und entschieden gemeinsam.
Glaube ich wenigstens jetzt im Nachhinein.
Es gab einige Rückfälle, ich hab auch durchaus Verständnis und verstehe auch, wie das passiert und warum. Es gibt Absprachen, wonach, wenn der Druck für Ihn zu groß wird, wir darüber reden und ein anderes Ventil suchen.
Seit einiger Zeit hat er jedoch scheinbar wieder volles Programm. Ich trau mich schon kein Zimmer mehr betreten, keinen Schrank und keine Schublade öffnen, ohne darin was Neues zu finden.
Ich finde Rechnungen im Müll, er lügt wie gedruckt (habe ich doch schon ewig, habe dafür dies und das umgetauscht etc), hält mich für blöd und blind. Wobei ich nicht blind bin. Das andere vermutlich schon.
Ich bin mit meiner Kraft schön langsam am Ende. Ich hab alle Möglichkeiten, die mir einfallen, durchprobiert. Ich kann scheinbar nur sitzen und darauf warten, dass er wieder mega im Minus ist, uns das Geld fehlt und ... ja, gehen...?
Wir haben ein Haus zusammen gekauft, die Rückzahlung läuft noch ziemlich lange, der Kurs ist denkbar schlecht und ich will hier nicht weg.
Ich habe schon einmal ein von mir geschaffenes Zuhause verlassen, ich will nicht ein drittes Mal von vorne anfangen. Und ich liebe ihn.
Ich war soeben versucht, einige 1000er vom Sparkonto abzuheben und mit ihm morgen einkaufen zu gehen. In ein großes Center, und er sollte alles in kürzester Zeit ausgeben. Einfach kaufen, kaufen, kaufen. Es ist ohnehin egal, was. Sobald es zuhause liegt, ist es völlig uninteressant.
So wie in dem uralt-Film "zum Teufel mit den Kohlen". Da wurde ein Bursch vom Vater (glaub ich) beim Rauchen erwischt und er mußte eine Stange Zig. völlig aufrauchen, erst dann wurde er wieder aus dem Zimmer gelassen. Der Junge hat nie wieder geraucht.
Apropos - ich rauche mittlerweile wie ein Schlot.
Ich weiß mir nicht mehr zu helfen.
Darkskye
Antworten
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28.10.2011, 22:07
...und er kauft und kauft und kauft...
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28.10.2011, 22:17
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Schau erst einmal, ob auf dem Sparkonto überhaupt noch Geld drauf ist.
Und falls tatsächlich, räum es lieber auf ein Konto, auf das er nicht ran kommt. Damit Ihr die Hypotheken zahlen könnt.
Therapieren kannst Du ihn nicht. Und so lange er nicht gewillt ist, leider auch kein Therapeut.
Viel Kraft
angie
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28.10.2011, 23:05
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Hallo Angie,
nein, das würde er nicht tun. Da überzieht er eher sein Konto bis zum Anschlag.
Ich habe gerade das Gefühl, wir sind beide ziemlich hilflos. Und diese Jahr ist einiges passiert, die die Sucht erklären. Fakten von damals als Kind.
Ich weiß, ich kann ihm nicht helfen. Leider.
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29.10.2011, 00:21Inaktiver User
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Wie wäre es mit freiwilliger Übergabe seiner Kontokarte an Dich und ein fixes "Taschengeld" pro Monat? Ist zwar auch blöde aber wenn es vorerst nicht anders geht, würde ich es so machen, bis er sich im Griff hat.
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29.10.2011, 11:04
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Das hatten wir alles schon mal. Für ihn ist das sehr entwürdigend (lt. ihm).
Wobei die andere Variante ja auch nicht besonders toll ist. Die ist besonders für mich entwürdigend. Die Lügen. Das Verstecken. Und das Verhalten von mir und ihm, wobei er sich völlig zurückzieht, keinen Pieps redet, keinen Handgriff macht, Vereinbarungen für diverse Arbeiten oder Erledigungen kommentarlos storniert und tagelang irgendwo dahinvegetiert.
Besonders die Lügen und die Reaktion, die diese bei mir auslösen, sind für mich entwürdigend.
Als wäre ich nur das Mittel zum Zweck, ihm ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen, damit seine Kindheitstraumata mit kaufen besänftigt.
Er möchte eine Leere füllen, was so nicht funktioniert. Und das weiß er auch.
Ich hatte vorhin zu reden versucht, durchaus widerwillig, weil es meiner Meinung nach seine Aufgabe ist, hier eine Lösung zu finden. Er war bockig und nicht gesprächsbereit. Und ist dann zu einem Treffen mit jemand anderem abgerauscht, obwohl andere Vereinbarungen für heute vormittag (allerdings ja eben mit mir, was zählt das schon) getroffen wurden.
Ich fühle mich im Moment verar...t, benutzt und klein.
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29.10.2011, 20:36
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Liebe Darksky,
ich habe gerade hier deinen Eintrag gelesen, und obwohl ich eigentlich eher selten hier schreibe, möchte ich es jetzt gerne tun.
Es ist absolut nachvollziehbar, was du über dein Empfinden schreibst.Und es tut mir Leid, was du da durchmachst.
Wie schon geschrieben: Helfen kann man ihm nur, wenn er selbst das will. Das ist das Vertrackte an Süchten jeglicher Art. Und das tut weh, wenn man so machtlos daneben steht.
Was dir wahrscheinlich nur bleibt, ist, zu schauen, wie du möglichst "schadlos" oder geschützt die Situation meisterst - mit ihm oder ohne ihn. Heißt: Wenn du dich entscheidest zu bleiben, dann schau bitte nach einer Beratungsstelle - sowohl, was das Finanzielle und eine das betreffende Absicherung für dich angeht, aber bitte, bitte auch was das Seelische angeht. Vielleicht kann dir eine örtliche Suchtberatungsstelle weiterhelfen?
Du schreibst, du fühlst dich vera.... Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Aber mach dir auch bewusst, dass er das ja nicht tut! Hätte dein Partner ein schweres körperliches Leiden, das dich und ihn in einem mormalen Alltag einschränkt, käme dieses Gefühl eher nicht auf. Und das ist das Schwierige an psychischen Erkrankungen, dass das, was da passiert, für die Angehörigen und das Umfeld oft sehr schwer zu fassen ist.
Ich wünsche dir alles nur erdenklich Gute!
Stern
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29.10.2011, 21:09
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Lieber Stern,
danke für Deine aufmunternden Worte!
Es ist ja nicht nur das Kaufen (keine Geld, Lügen) sondern auch das, was es bei mir auslöst.
Ich bin gerade in einer Schleife, worin unsere Ehe nur mehr eine Zweckbeziehung ist.
Für ihn, dass nach außen hin alles tiptop ist, der Haushalt funktioniert (durch mich) und er sein "schönes" Bild zu den anderen aufrecht erhalten kann.
Im Moment fühl ich mich völlig minderwertig, einerseits weil ich völlig machtlos dagegen bin, andererseits weil ich in seiner Prioritätenliste ziemlich weit hinten gereiht bin.
Zuerst die Sucht (klar), dann er mit all seinen Wünschen, dann die Freunde, dann was auch immer und zum Schluß ich. Falls noch was bleibt.
Ich habe mich vor einiger Zeit bereits wegen psychologischem Beistand erkundigt, es dann aber vorübergehend auf Eis gelegt, weil es dann wieder gut geklappt hat. Ich werde nun wirklich einen Termin vereinbaren.
Sein ganzes Verhalten wenn wieder was rauskommt ist für mich jedesmal unter jeder ....
Er bockt, benimmt sich wie im Hotel (spricht wenn überhaupt nur das nötigste, kommt und geht wann er will, erledigt keinen Handgriff im Haus/Haushalt/Garten etc.) streitet alles ab und ist absolut nicht gewillt, irgendetwas zu klären oder zu tun, wie auch immer.
Ich habe dann das Gefühl, ich werde dafür bestraft. Als wenn ich der Feind wäre!
Und dann kommt wieder die altbewähre Leier scheinbar jedes Süchtigen, dem man auf die Schliche gekommen ist: DU hast mein Vertrauen missbraucht, weil du da und dort gestöbert hast.
Wobei ich der Meinung bin, dass eben ER mein Vertrauen missbraucht hat, wenn ich etwas finde (zufällig oder nicht), was nicht hier sein dürfte. Und meistens ist es wirklich nur Zufall.
Wenn wir dann nach einigen Tagen wieder einigermaßen reden können, meint er immer, er hat sich so geschämt und deshalb so reagiert. Für's Lügen schämt er sich ja scheinbar nicht.
Schön langsam macht sich ein Minderwertigkeitsgefühl meinerseits breit, ich kann ihm nicht mehr vertrauen, ich weiß nicht mal mehr, ob ich überhaupt zuhören möchte.
Er macht sich einfach einige Tage aus dem Staub (ist geistig auch irgendwo) und hofft scheinbar, dass alles wieder paletti ist, wenn er sich wieder herbequemt.
Im Moment bin ich soweit, ihn zu bitten zu gehen. Wohin auch immer. Er ist einfach weggefahren. Ich bin auf 180 und könnte ihn erwürgen. Weil er micht mit dem ganzen Scheiß, der Angst und allem allein läßt.
Leider ist die finanzielle Situation dzt. so, dass eine Trennung ganz schwierig wäre. Das Haust ist mitten in der Renovierung und läßt sich nur mit Verlust verkaufen. Er hat ein Gerichtsverfahren laufen, worin jede Veräußerung von Besitz vermutlich strafbar wäre.
Ich könnte selbst ausziehen und mir eine Wohnung nehmen, wenn er aber dann völlig durchdreht und nichts mehr für das Haus bezahlt, hänge ich bei der Bank ebenso drinnen.
Wenn ich bleibe bleibt mir nur das allernötigste, weil von ihm vermutlich nicht allzuviel zu erwarten ist.
Ich kann scheinbar nur abwarten und hoffen, dass ich nicht selbst durchdrehe.
Eine Ehe, eine Beziehung führen, die keine ist. Nicht für mich im Moment.
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30.10.2011, 08:59
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Liebe Darkskye,
guten Morgen! Und ich wünsche dir von Herzen, dass es ein solcher wird!
Was du schreibst, veranlasst mich, dich noch mal ganz fest darin zu bestärken, dir psyhologische Hifle zu suchen! Schau nach dir! Das ist ganz wichtig, denn es spricht so viel Verzweiflung aus deinen Zeilen!
Du scheinst schon alle Möglichkeiten für dich durchdacht zu haben, was wie finanziell weiteregeht, wenn...Hast du da auch professionelle Hilfe? Auch das ist wichtig! Leider kann ich dir da nicht konkret sagen, welche schritte du gehen könntest. Vielleicht wäre ein Anwalt oder eine Partnerbaratungsstelle zumindest eine erste Anlaufstelle, die dir weitere Tipps geben könnten!
Ganz liebe Grüße
Stern 45
Und noch was: Selbst, wenn es wieder eine gute Phase gibt: Lass nicht locker mit der psychologischen Beratung - für dich und, wenn das dann klappt, für ihn!
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30.10.2011, 09:11
AW: ...und er kauft und kauft und kauft...
Wenn er an sein Konto nicht mehr ran kann, dann wird er andere Geldquellen suchen. Mach dir da bitte nichts vor! Du bist co-abhängig und das einzige was du ändern kannst ist dein Verhalten.
Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.
Karl Valentin
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30.10.2011, 11:35


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