Hallo nochmal,
anschließend zu dem anderen Thread, den ich eröffnet hatte, möchte ich Euch noch eine Anschlussfrage stellen.
Inzwischen ist mir klar, dass mein Ex (wir haben uns vor drei jahren schon getrennt)und Vater meines sechsjährigen Sohnes alkoholkrank ist. Momentan sieht es so aus, dass er erstmal weiter trinken wird. Ich habe wenig Hoffnung, dass er in absehbarer Zeit etwas unternehmen wird. Er wird mal mehr, mal weniger betrunken durch die Gegend eiern.
Ebenfalls klar habe ich, dass ich ihm in diesem Zustand kein Kind anvertrauen kann, und schon gar nicht meins. Nun möchte ich allerdings auch den Kontakt zwischen Vater und Sohn nicht komplett unterbinden. Mich interessiert, wie habt Ihr das in vergleichbaren Situationen geregelt? Beziehungsweise, wie haben Eure Eltern das geregelt - sofern Ihr als Jugendliche oder Kinder von einer solchen Situation betroffen wart, meine ich.
Soll ich es darauf beschränken, dass der Vater zu uns zu Besuch kommt? Oder den Kleinen doch mal nachmittags zu Besuchen zu seinem Vater gehen lassen?
Wie habt Ihr das gemacht/erlebt?
Dankend,
Louiese
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 17
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27.12.2005, 22:58
Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
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28.12.2005, 10:17
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
hallo Louiese,
ich habe deine postings in deinem anderen thread noch einmal gelesen.
du befindest dich in einer sehr schwierigen situation, die deines sohnes ist noch problematischer.
er ist noch nicht in der lage, das ganze einzuordnen.
allein darum wuerde ich dir raten, dich an jemanden aussenstehenden zu wenden, der das problem auch und gerade in hinblick auf die entwicklung deines sohnes betrachten kann.
geht dein sohn schon zur schule oder in den kindergarten ?
dort kann man dir sicher ansprechpartner in eurer region nennen, die euch weiter helfen koennen.
wie ist es mit der trinkerei bei deinem ex ?
das geht aus deinen postings nicht so hervor.
was hat dein ex volltrunken vor eurem haus gemacht ?
wie oft hat sich dein ex nach der trennung um euren sohn gekuemmert ?
wie verliefen die besuche ?
wie ist das verhaeltnis von dir zu deinem ex und wie hat es sich entwickelt ?
ich wuerde auf die wuensche meines sohnes achten.
wenn er den umgang wuenscht, muss er die moeglichkeit in einem sicheren rahmen haben.
da wird es wieder schwieriger fuer dich.
bist du in der lage, mit deinem ex eine loesung zu finden,
die euch beiden gerecht wird
und
die vor allem eurem sohn nuetzt und nicht schadet ?
der hat keine zeit, sich mit solchen verwirrungen herum zu schlagen.
er braucht seine zeit zum wachstum und bildung.
das ist auch so schon schwer genug.
unsere verantwortung ist es, den rahmen dafuer zu schaffen.
viel kraft fuer dich
und ein gesundes, erfolgreiches und glueckliches neues jahr fuer euch.
love and light
auge
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28.12.2005, 11:00
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
Hallo Auge,
vielen Dank für Deine Antwort und Deine Fragen, die mir sehr helfen zu sortieren, worauf es ankommt!
Also noch ein paar Infos.
Mein Ex und ich hatten uns vor drei Jahren im Frieden getrennt und die Betreuung unseres Sohnes sehr partnerschaftlich und ohne Einschaltung Dritter (Ämter o.ä.) geregelt. Mein Sohn verbrachte alle 14 Tage ein verlängertes Wochenende bei meinem Ex, der hier um die Ecke wohnt, so dass mein Sohn nicht komplett die Welten wechseln musste und seine Freunde auch sehen konnte und so. Zwischendurch war er auch manchmal bei seinem Vater, weil wir beide flexibel arbeiten und den Umgang entsprechend auch mal flexibel gestaltet haben.
Jetzt im Herbst brach alles zusammen, ausgelöst durch einen heftigen Widerstand meines Sohnes gegen Papa-Wochenenden, der das normale Maß überstieg (es kam natürlich vorher auch mal vor, dass dem Kurzen der Umgang grad nicht passte, aber das war anders). Das habe ich ziemlich schnell ernst genommen und auch gleich mitgekriegt, dass mein Ex jetzt so viel trinkt.
Mein Sohn hat seinen Vater offenbar dreimal im Rausch mitbekommen, davon auf jeden Fall zweimal total betrunken. Er schwankt dann, hat keine Orientierung mehr, meistens vergießt er noch eimerweise Tränen. Zum Glück wird er nicht gewalttätig.
Zwischen solchen teilweise mehrtägigen Exzessen trinkt mein Ex "nur" ein paar Liter Wein am Tag und wirkt relativ nüchtern, also ansprechbar und so. In solch einer Stimmung ist er zu ertragen. Das kann aber recht schnell kippen, und er wird sehr ungeduldig, sobald das kleinste Problem auftaucht...
Mein Sohn sehnt sich nach seinem Vater, aber er wünscht sich lediglich, dass der uns besucht. Den Wunsch, mal wieder bei ihm zu sein, äußert er gar nicht. Er hat Angst, dass sein Vater sich wieder betrinkt... er scheint mir diesbezüglich total verunsichert zu sein.
Mehr als wenige Stunden am Tag würde ich ihn auf gar keinen Fall seinem Vater überlassen. Die Aussicht, dass sich die beiden hier treffen, ist für mich allerdings nicht toll. Andererseits wäre das für meinen Sohn momentan der gangbarste Weg. Bloß ist das eine Dauerlösung? (und ich stelle mich auf eine gewisse Dauer ein...)
Eine Beratung habe ich schon aufgesucht. Die Beraterin dort meinte, lieber kein Vater, als ein betrunkener. Aber da bin ich unsicher... irgendein Kontakt sollte schon bestehen, oder?
Mein Ex versucht sich noch einzureden, er hätte alles im Griff; er taugt daher nicht so recht als Partner bei der Lösungssuche...
LG Louiese
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28.12.2005, 11:52
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
hallo Louiese,
wenn dein sohn nicht will, wuerde ich das respektieren.
im gegenzug muss dein sohn einschraenkungen bezueglich der zeiten hinnehmen.
es muss dann deinen wuenschen entsprechend gestaltet werden, um deinen freiraum zu gewaehrleisten.
dein ex muss das ebenso hinnehmen.
es ist an ihm, die situation zu veraendern.
der alkoholverbrauch deines ex ist auch wirklich heftig.
wie kommt er zu einem vollrausch ?
harter alkohol ?
passiert das im freundeskreis oder alleine ?
wie sieht er seine jaemmerliche gestalt nach so einem rausch ?
oder weiss er hinterher nichts mehr davon ?
ich denke, dein ex sollte sich umfassend informieren, was er sich, seinem koerper, seiner umwelt und, was am schlimmsten ist, seinem sohn antut.
es ist seine verantwortung, das vertrauen seines sohnes wieder zu gewinnen.
hast du dich schon einmal an eine nichttrinkergruppe gewendet ?
anonyme alkoholiker, oder aehnliches ?
dort finden sich oft welche, die aehnliche probleme schon durch haben.
love and light
auge
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31.12.2005, 13:40
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
Hi Auge,
ja, ich denke auch, ich werde den Umgang drastisch einschränken... Du bestärkst mich darin, danke.
LG Louiese
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01.01.2006, 15:07Inaktiver User
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
ich würde den vater vorallem vor die wahl stellen: entweder kind sehen dürfen und nüchtern
oder
angetrunken und kein kind. nur konsequenz hilft, daß er es kapiert.
mir wäre das risiko viel zu groß daß dem kind im suff was passiert. jedes JA würde das außerdem unterstützen falls er meckern sollte.
gruß von nemesis/dunkle-mondin.de
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02.01.2006, 10:32
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
Hi und danke für die Meinungen,
das Problem ist, dass ich ja nicht kontrollieren kann, wie viel er getrunken hat. Anmerken tut man es ihm erst ab einem bestimmten Level. Am Heiligabend soff er in vier Stunden zwei Flaschen Wein, und man hat so gut wie nichts gemerkt - erst am Ende brach seine Stimmung schlagartig um.
Gestern rief er fröhlich an und wollte die Betreuungstermine verabreden und wusste angeblich gar nicht, wovon ich sprach, als ich sagte, ich wolle das Kind jetzt nicht in seine Obhut geben

Das kann heiter werden
Allerdings frage ich mich nun, ob ich ihm tatsächlich jahrelang das Kind vorenthalten soll, wenn er schafft, sich an den Papa-Tagen so weit zusammen zu reißen, dass er handlungsfähig bleibt?
Erstmal mauere ich jetzt noch, aber wie soll es bloß weitergehen in den nächsten Wochen und Monaten...
Von Jugendämtern habe ich übrigens schon ganz andere Dinge gehört - immer wieder Klagen, dass sie auf Alkohol nicht reagieren, oder erst dann, wenn richtig was schief geht. Aber die psychischen Probleme, die Kinder solcher Eltern vor den sichtbaren körperlichen haben, die lassen sich ja nicht nachweisen! Also denen werde ich mich nicht ohne große Not anvertrauen.
Liebe Grüße! Louiese
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02.01.2006, 14:03
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
hallo Louiese,
totale verweigerung hilft euch nicht weiter.
der alkoholkonsum deines ex ist doch auch nichts neues,
sondern fand vorher schon statt.
es ist schwer, dabei den richtigen weg zu finden.
richte dich doch nach deinem sohn.
was er moechte, sollte deine entscheidung lenken.
du solltest auf keinen fall deinen sohn zwingen.
auch nicht dazu, sich entscheiden zu muessen.
lasse deinen sohn teilhaben an der entscheidung.
sonst bleibt fuer ihn ein gefuehl der ohnmacht zurueck.
es besteht z.b. auch die moeglichkeit,
besuche nur tagsueber ohne uebernachtung zu machen.
auf jeden fall so, wie dein sohn es wuenscht.
um ihn geht es, darum ist sein wille wichtig.
und der dialog zwischen euch.
es gibt so viele dinge, die menschen anderen menschen antun, ohne das dabei rauschmittel im spiel sind.
nur weil dein ex ein problem mit alkohol hat, muss er noch lange kein schlechter mensch sein.
er scheint weder gewalttaetig zu sein, noch scheint er gegen dich zu argumentieren.
das alkoholproblem wirst du nicht fuer ihn loesen koennen.
es waere zwar besser fuer ihn,
er wuerde seine konsummuster ueberdenken,
aber das ist seine sache.
wichtig ist, im dialog zu bleiben.
eine beziehung wird durch eine trennung nicht einfacher,
sondern, wenn mensch glueck hat, nur klarer strukturiert.
wenn kinder beteiligt sind, wird es meist nicht einfacher.
dein sohn sollte die moeglichkeit haben,
sich mit seinem vater auseinanderzusetzen,
solange fuer ihn keine gefahr besteht.
es ist fuer seine entwicklung wichtig.
viel glueck und erfolg fuer euch auf eurem schweren weg
love and light
auge
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02.01.2006, 23:19
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
Hi nochmal,
und auch nochmal danke für Eure Gedanken.
Total verweigern will ich nicht, deshalb mach ich mir ja so viele Gedanken. Zur Tagesordnung gehe ich jetzt allerdings auch nicht über.
Das Problem ist, wenn ich meinen Sohn frage, ob er mal wieder zu Papa möchte, blickt er mich fragend an und will wissen, ob Papa wieder ok ist...
So ein Kleiner läuft dann einfach so ins offene Messer, wenn ich mich irre, und mein Ex, wenn er abdreht, gibt das nicht zu... Er wird nicht tätlich, aber was ist mit Autofahren?? Da ist er ausgesprochen risikofreudig. Und außerdem ist er ganz schön gereizt, wenn er getrunken hat, von einer auf die andere Minute manchmal... Mein Sohn badet das dann aus, er kann ja noch nicht richtig einordnen, was passiert...
Naja, in den nächsten Tagen reden wir, mein Ex und ich. Du hast Recht, Auge, er ist an sich friedlich - halbwegs (ich leite unfreiwillig allerdings doch so manchen Blitz ab), bis auf die erwähnte Übellaunigkeit. Irgendeinen Umgang muss ich ihm gewähren. Nur welchen... da bin ich noch am Grübeln... da werde ich sehr, sehr vorsichtig sein... es drängt uns ja auch keiner, nicht wahr? Ich/wir können uns Zeit lassen - ich werde nichts tun, wobei ich mir Sorgen machen muss...
Liebe Grüße!
Louiese
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07.01.2006, 03:04
Re: Wie für Sohn (6) den Umgang mit alkoholkranken Vater gestalten?
Hallo Ihr!nur weil dein ex ein problem mit alkohol hat, muss er noch lange kein schlechter mensch sein.
er scheint weder gewalttaetig zu sein, noch scheint er gegen dich zu argumentieren.
Um eine moralische Beurteilung geht es ja gar nicht. Louise wirkt auch nicht so als ob das ihr Anliegen wäre.
Ich finde es beim Thema 'Kindersitten' einfach gefährlich, wenn einer zu viel trinkt (oder andere Rauschmittel nimmt).
Mein Opa hat getrunken und dazu seine Schmerzmittel wegen Bandscheiben-OP eingeworfen. Aggressiv oder unleidlich war er auch nicht, eher ganz spassig und zufrieden. Nur hat er sich zB mal wie er uns Kinder babysittete schlimm in der Küche verbrannt, weil er zu langsam reagiert hat. Wirklich grossflächig, musste vom Arzt behandelt werden.
Dann hat er mal, als er mit uns Einkaufen fuhr, die Abfahrt um locker 25 Meter zu früh genommen, also ins Gebüsch... echt lustig
... die Aktion habe ich meiner Mutter gepetzt, und ich glaube, sie wird sich schon 1+1 zusammen gereimt haben, das war es jedenfalls mit Babysitten.
Im Haushalt passieren halt wirklich die meisten Unfälle. Wann hantiert man denn mit so vielen Dingen mit denen man sich verletzen kann: heissem Fett, kochendem Teewasser... Autofahren ist auch nicht ohne... ich denke, das ist schon sehr gefährlich wenn man da vom Reaktionsvermögen verlangsamt ist.
Viele Grüsse,
Neko


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