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  1. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Auskunft von Klinik 1 + 2: Akuteinweisung dauert noch länger, weil alle Plätze belegt sind.

    Ist auch nicht mein Weg, glaube ich. Ich kenne keinen Psychiater hier, keinen Neurologen. Es widerstrebt mir zutiefst, mich irgendwem dramatisch anzubiedern, damit er mich in die Klinik schickt. Und es ändert ja auch nichts. Das System ist einfach mist.
    Für jeden Scheiß wird Geld ausgegeben, das Gesundheitssystem kostet Milliarden von Euronen... die ganze Welt ist vernetzt, aber es ist nicht möglich, auf den Punkt irgendwo eine Auskunft zu bekommen, ob und wo es freie Therapieplätze gibt. Weder ambulant noch stationär.

    Du rennst von A nach B, telefonierst Dir die Finger wund, machst Dich zum Affen, sagst 100 Mal Dein Sprüchlein auf und fragst Dich irgendwann selber, warum Du Dir das antust. Wildfremden Menschen am Telefon zu erzählen, dass ich sexuell missbraucht wurde, ist kein Spaß.

    Ich habe gestern noch 2 Listen gefunden, allerdings noch nicht weiter angerufen.

    Am Montag habe ich nun einen Termin in Klinik 3. Dann werden wir weitersehen.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama

  2. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Gestern Versuch bei Klinik 4 - und dort dann mal eine klare Ansage: Akutplätze sind den Patienten aus dem eigenen Kreis-/Stadtgebiet vorbehalten und werden in der Regel auch ohne große Wartezeiten vergeben bzw. müssen vergeben werden.

    Somit könnte meine "Bewerbung" im Nachbarort (meine Kreisstadt) Erfolg haben.

    Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, wie dünnhäutig ich bin, wie sehr darauf programmiert, zu funktionieren. Die kleinste Erschütterung bringt mich zum Überlaufen - eher negativ, weil kaum kontrollierbar.

    Die Gespräche mit meinem Th. sind heilsam, weil er mir vieles erklären kann und hilft, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Mein Stiefvater, der nie so das wirkliche Thema war (ich habe ihn wohl immer noch geschützt), wird plötzlich ganz lebendig und zeigt sich als Exhibitionist, Sexmaniac und sadistisches Schwein. Meine Übelkeit nimmt zu. Es tut richtig weh, genau hinzugucken und all die kleinen und großen Dinge, die viele Jahre so selbstverständlich ein Teil meiner Geschichte waren, werden plötzlich riesengroß und verstörend.

    Mein Hauptgefühl momentan: brennende Scham.

    Ein Stiefvater, der bis zu meinem 14. Lebensjahr völlig ungehemmt nackt durch die Wohnung lief...
    Lauter Sex meiner Eltern zum Miterleben...
    Jahrelange Urlaube am FKK-Strand...
    Drastische Strafmaßnahmen... als Kind musste ich mich mit nacktem Hintern über seine Knie legen und wurde dann so lange geschlagen, bis ich dachte, ich müsste sterben vor Schmerz...
    Allmachtsphantasieen... "Glaub nicht, du könntest irgendetwas tun, was ich nicht bemerke... ich sehe alles!", die mir eine Heidenangst einjagten.
    Kitzelattacken bis zum Nervenzusammenbruch, die ganz schnell die Schwelle von Spaß überschritten...

    Und dann ich: Ein früh sexualisiertes Kind, dass schon mit 5/6 Jahren mit der Freundin unterm Schreibtisch fummelte, mit 10 den eigenen Cousin zu Spielchen verführte (und er hat sich so geschämt), später dann mit 11 Jahren mit dem Nachbarsjungen alles mögliche probierte ...
    Schlimme Schläge und viele böse Worte, als meine Mutter mich dabei erwischte, wie ich mich selbst befriedigte... (ich war 11 oder 12)
    Sex als einziges Ausdrucksmittel für ein chronisch schüchternes Kind auf der Suche nach Liebe...

    Ich bin mehrere Male (aber nicht immer) nur durch Glück (und vielleicht durch die Hilfe eines Schutzengels) Vergewaltigungen entkommen. An das Gefühl vorher-nachher kann ich mich noch gut erinnern...

    Meine Provokation vorher, das Spiel mit dem Feuer, das ängstliche Schauen auf das, was geht, das Reizen und Locken (gerne bei Männern, die mich eigentlich nicht wollten)... und dann: der Gewinn. Der vermeintliche. Und genau in dem Moment das Umschlagen der Gefühle, die Angst, die Panik. Wehren, Weinen, Weglaufen... Herzrasen und das Gefühl, wieder einmal entkommen zu sein.

    Baukasten. Schon klar.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama
    Geändert von MrsShort (11.06.2010 um 13:42 Uhr)

  3. Avatar von Bigput75
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    MrsShort, ich hab´ nicht viel Zeit gerade aber ich wollte Dir sagen, dass Du schon eine ganz schön klare Sicht auf die Dinge hast wenn man bedenkt, wie wenig Zeit seit der großen Erkenntnis vergangen ist.

    Es ist fürchterlich, wozu Menschen fähig sind und Du wirst viel Zeit und einen erfahrenen Therapeuten brauchen um das einigermaßen aufzuarbeiten.

    Hast Du noch Kontakt zu Deinem Stiefvater und zu Deiner Mutter?
    Essen macht satt


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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Hallo Mrs. Short,

    ich möchte Dir einfach nur einen ganz besonders lieben Gruß schicken.

    Gut, daß für Dich nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem Du es wagen konntest, die schlimmen Erinnerungen an den Mißbrauch durch Deinen Stiefvater aus Deinem Unterbewußtsein hoch in Dein Bewußtsein kommen zu lassen.
    Ich denke, es war deshalb, weil Du jetzt die Stärke und die Kraft dazu hast, damit umzugehen.

    Super, daß Du Dir Hilfe dazu suchst.

    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen dafür, daß Du bald in einer Klinik aufgenommen wirst.

    Liebe Grüße
    Kyria


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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Liebe,

    wenn dich die Panik am Wickel hat, die Angst vor dem, was geschehen ist, zu groß wird:
    Mir hilft das Bewusstsein,dass alles schon lange geschehen ist. Die Dinge selbst haben sich nicht verändert, es hat sich deine eigene Perspektive verändert. Du hast einen anderen Blick darauf bekommen.

    Den Topf vom Deckel zu nehmen kostet Kraft, aber die Suppe darin ist dieselbe wie vorher...

    Habe ich mich verschwurbelt ausgedrückt?

    Alles Liebe
    bblume
    flying is the art of falling to the ground without touching


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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Alles wandelt sich.
    Neu beginnen kannst du mit dem letzten Atemzug.
    Aber was geschehen ist, ist geschehen.
    Und das Wasser, das du in den Wein gossest, kannst du nicht wieder herausschütten.

    Was geschehen ist, ist geschehen. Das Wasser, das du in den Wein gossest, kannst du nicht mehr herausschütten.
    Aber alles wandelt sich.
    Neu beginnen kannst du mit dem letzten Atemzug.

    B. Brecht
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  7. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Zitat Zitat von Bigput75 Beitrag anzeigen
    MrsShort, ich hab´ nicht viel Zeit gerade aber ich wollte Dir sagen, dass Du schon eine ganz schön klare Sicht auf die Dinge hast wenn man bedenkt, wie wenig Zeit seit der großen Erkenntnis vergangen ist.

    ...

    Hast Du noch Kontakt zu Deinem Stiefvater und zu Deiner Mutter?
    Die klare Sicht mag daher rühren, dass das Thema Missbrauch seit 20 Jahren "mein" Thema ist. Ich habe viel gelesen und hatte immer die Ohren offen, wenn es darum ging.
    Die Vermutung, dass es damals hieß, ich sei missbraucht worden, hat mich nie los gelassen. Und obwohl ich nie irgendeinen Zugriff auf Erinnerungen hatte, hatte ich immer irgendwie das Gefühl, da ist noch mehr in meiner Geschichte.

    Ich habe immer gedacht: Wie kann ich nur so kaputt und chaotisch sein? Wo kommt das her? Und warum kann mir niemand eine Antwort geben, die erklärt?
    Meine jahrelangenen Therapien haben z.T. auch für Verwirrung und erneute Retraumatisierung geführt, wie ich jetzt langsam begreife. Übergriffe auf verschiedensten Ebenen, die mir immer nur eins noch deutlicher gemacht haben: Ich bin so, wie ich bin, nicht in Ordnung. Nichtmal Therapie geht mit mir. Von den anderen Dingen mal ganz zu schweigen...

    Mein allergrößtes Glück war, meinen jetzigen Th. kennen gelernt zu haben. Er hat das geschafft, was ich all die Jahre für unmöglich hielt: Ich vertraue ihm. Und er hilft mir, die Antworten in mir selbst zu finden.

    Meine Mutter lebt schon seit 9 Jahren nicht mehr. Ihr Todestag jährt sich am 21. Juni.
    Ich wünschte, sie wäre noch da. Habe es immer gewünscht. Je klarer meine Bilder werden, umso mehr denke ich, sie hat es geahnt... aber verziehen habe ich ihr schon vor langer Zeit.

    Zu meinem Stiefvater habe ich seit 8 Jahren keinen Kontakt mehr. Er hat sich kurz nach dem Tod meiner Mutter sehr heftig gegen mich gewendet und mir blieb irgendwann keine andere Wahl, als den Kontakt abzubrechen. Ich habe unter dieser Trennung sehr gelitten und viele Jahre gebraucht, um das wegzupacken.
    Die Vorstellung, ihn jemals wiederzusehen, verursacht mir Übelkeit und Beklemmungen. Vielleicht wird es Teil des Aufarbeitungsprozesses, dass sich das ändert - momentan kann ich mir da rein gar nichts vorstellen.

    Ich weiß, dass er alles abstreiten und mich selber verantwortlich machen würde. So, wie er es immer getan hat. Dieser Mann macht keine Fehler. Und wenn andere Probleme mit seinem Verhalten haben, ist das ihr Problem. Nicht seins.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama
    Geändert von MrsShort (13.06.2010 um 14:02 Uhr)

  8. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Zitat Zitat von Kyria Beitrag anzeigen
    Hallo Mrs. Short,

    ich möchte Dir einfach nur einen ganz besonders lieben Gruß schicken.

    Gut, daß für Dich nun der Zeitpunkt gekommen ist, an dem Du es wagen konntest, die schlimmen Erinnerungen an den Mißbrauch durch Deinen Stiefvater aus Deinem Unterbewußtsein hoch in Dein Bewußtsein kommen zu lassen.
    Ich denke, es war deshalb, weil Du jetzt die Stärke und die Kraft dazu hast, damit umzugehen.

    Super, daß Du Dir Hilfe dazu suchst.

    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen dafür, daß Du bald in einer Klinik aufgenommen wirst.

    Liebe Grüße
    Kyria
    Dank Dir. Stärke und Kraft... naja. Wir werden sehen. Aber ich will es angehen und gucken, was möglich ist.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama

  9. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Zitat Zitat von Butterblume Beitrag anzeigen
    Liebe,

    wenn dich die Panik am Wickel hat, die Angst vor dem, was geschehen ist, zu groß wird:
    Mir hilft das Bewusstsein,dass alles schon lange geschehen ist. Die Dinge selbst haben sich nicht verändert, es hat sich deine eigene Perspektive verändert. Du hast einen anderen Blick darauf bekommen.

    Den Topf vom Deckel zu nehmen kostet Kraft, aber die Suppe darin ist dieselbe wie vorher...

    Habe ich mich verschwurbelt ausgedrückt?

    Alles Liebe
    bblume
    Ich habe keine Angst vor dem, was geschehen ist, sondern vor dem, was geschehen wird. Mit mir, in mir, künftig.

    Auch, wenn ich jetzt davor stehe, eine stationäre Therapie zu machen - ich bin nicht der Typ, der das alles locker mal eben so angeht. Sämtliche Formen von körperlichem Ausdruck sind mir zuwider - außer tanzen, aber das auch nur in meinem ganz eigenen Bereich.
    Das ist alles so ein bisschen wie vorgeführt werden und das hasse ich wie die Pest.

    Meine Angst besteht eher darin, dass ich es nicht schaffe, mir auf diese Art helfen zu lassen. Meine Abwehr ist groß und mächtig. Vertrauen gibt es ja erstmal gar nicht - nur fremde Menschen, die ihren Job machen...
    Ich weiß nicht, ob ich loslassen kann. Aber ich will es zumindest versuchen.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama


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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Vertraue dir.

    Dein Unbewusstes hat dir durch deinen Traum JETZT, nach so vielen Jahren den Zugang auf das Gewesene frei gegeben.

    bblume
    flying is the art of falling to the ground without touching

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