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  1. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    @massashi
    Ja, das Schreiben hier hilft ein bisschen. Wobei schreiben und reden zwei Paar Stiefel sind. Ich filter beim Schreiben - liegt wahrscheinlich an meiner Texter-Vergangenheit. Einfach so kann ich nicht.

    Das, was Du sagst, habe ich auch im Kopf: Es kommt nur so viel raus, wie geht - trotzdem fühle ich mich total hilflos und irgendwie auch wehrlos. Alles scheint zu viel. Ich habe meine derzeit ehrenamtliche Arbeit im Altenheim gecancelt, obwohl ich sie liebe. Aber dort liegen die Menschen, die so sind, wie ich damals war - wehrlos. Abhängig. Körperlich, seelisch und überhaupt angewiesen auf Menschen wie mich.
    Mein Th. meinte, dass genau diese Situation der Auslöser für meine Erinnerung war und das ist auch die einzige Erklärung, die ich selber habe.

    @Bigput
    Dummerweise lebt mein Th. auch noch 100 km von mir entfernt. Ich habe ihn nach meinem Umzug "behalten" (zum Glück) und er wollte mich eigentlich schon letztes Jahr in die stationäre Th. schicken... Es ist ja nicht so einfach, das hinzubekommen, zumal ich zeitlich auch eingeschränkt bin. Am 1. Oktober fängt meine Ausbildung an - bis dahin muss ich irgendwie wieder im Lot sein.
    Der Th. kann nichts tun, soweit ich weiß, mein Hausarzt muss das arrangieren. Und dem muss ich dann ja erstmal die ganze Chose erzählen. *puh* Der leidet unter chronischer Zeitnot und ist ein verdammt tougher Typ - ich freu mich jetzt schon.


    Gnädig mit mir sein... Ich kann mich erinnern, dass ich vor 3 Jahren ähnliche Mutmachsprüche bekommen habe, nachdem ich mich nach der Abservierung durch meinen Exgatten selbst zerfleischt habe, um zu verstehen, was da passiert ist.
    Die Angst und die damit verbundenen Gefühle zuzulassen würde mich, glaube ich, fällen. Es fällt mir jetzt schon schwer, morgens das Bett zu verlassen und irgendwie zu funktionieren. Mein Gesicht fühlt sich an wie eine traurige Maske und mein Kopf schwirrt - so als hätte ich einen gigantischen Kater.

    Gnädig mit mir sein... was heißt das? Einfach alles an Eigenhalt sausen lassen? Unvorstellbar.

    Meine Verantwortung hat mich schon letztes Jahr davon abgehalten, in eine Klinik zu gehen. Wir haben einen Stall voller Tiere und mein LG rackert ja jetzt schon bis zum Umfallen, ist selber lädiert... scheiß Spiel.
    Durchhalten, irgendwie. Erstmal bis nächsten Donnerstag.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama


  2. Registriert seit
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    @massashi
    Ja, das Schreiben hier hilft ein bisschen. Wobei schreiben und reden zwei Paar Stiefel sind.
    Ja, nichts kann echte menschliche Wärme ersetzen. Hast Du Freundinnen, die Du treffen oder mit denen zu telefonieren kannst?

    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    Mein Th. meinte, dass genau diese Situation der Auslöser für meine Erinnerung war und das ist auch die einzige Erklärung, die ich selber habe.
    Das hat schon fast Rechtfertigungscharakter. Was auch immer der Auslöser war - es ist doch gut, dass das jetzt alles an die frische Luft kann.

    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    Durchhalten, irgendwie. Erstmal bis nächsten Donnerstag.
    Das ist mitunter das Einzige, was man machen kann. Und ich finde das sehr ehrenvoll durchzuhalten, wenn es Dir schlecht geht!!!!

    Ich hatte während der Therapie so ein Bild: Alles innerlich in verträgliche Dosen (also Plural von Dosis, sieht sonst nach "Dose" aus) zu verpacken und erst dann wieder richtig hinsehen, wenn der Therapietermin da ist.

    Massashi

  3. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Freundinnen treffen - nein, nicht spontan. Meine liebste wohnt knapp 70 km von mir entfernt und ist natürlich berufstätig. Sie war die erste, mit der ich überhaupt (neben meinem LG) darüber gesprochen habe, telefonisch. Sie kennt mich schon lange und eben auch mein Chaos...

    Wir haben lose verabredet, dass sie am WE zu mir kommt, aber ich weiß noch nicht, ob das klappt. Ich würde verstehen, wenn sie Angst hat, sich mir und dem Thema zu stellen.

    Meine beiden anderen Freundinnen wohnen ganz weit weg. Eine ist chronisch arbeitsüberlastet, die andere hat ihr eigenes Drama zu Hause (Vater schwer krebskrank) inkl. Familie, Job und allem drum und dran. Es widerstrebt mir, sie mit meinen Sorgen zu überfallen. Vielleicht auch, weil ich ahne, dass es sie komplett überfordern würde.

    Hier vor Ort habe ich keine Freundin. Ein liebes schwules Päärchen - aber ob die mit dem Thema nicht erst recht überfordert sind?

    Das hat schon fast Rechtfertigungscharakter. Was auch immer der Auslöser war - es ist doch gut, dass das jetzt alles an die frische Luft kann.
    Nicht Rechtfertigung - Erklärung. Ich konnte mir nicht erklären, wo das auf einmal herkommt, nach all den Jahren. Ich habe mich vor ein paar Monaten dazu entschieden, nochmal eine neue Ausbildung zur Altenpflegerin zu wagen, weil ich meinem Werber-Job keine Chance mehr habe.
    Das Praktikum im Altenheim war wie "ankommen". Ich war unglaublich erschöpft, gleichzeitig aber auch erfüllt, wenn ich nach Hause kam. Ich habe mich dort zuhause gefühlt, so, als hätte ich nach Jahren der Suche endlich meinen Platz gefunden. Ich arbeite auf der Demenz-Station mit richtig schweren Fällen. Menschen, die nichts mehr alleine können und zu 100% auf Hilfe angewiesen sind.

    Die Umkehrung der Situation war es wohl, das Herankommen an mein eigenes verschüttetes Potential aus Liebe und Fürsorge und gleichzeitig die vermeintliche "Macht", die ich erlebte (bei Kollegen).

    Ich habe gestern einen Hilferuf an meinen Th. geschickt. Vielleicht hat er ja früher für mich Zeit. Und dann sehen wir weiter.
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    Dalai Lama

  4. Avatar von Bigput75
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    MrsShort, mit "gnädig sein" meinte ich nicht, alles an Eigenhalt gehen zu lassen, sondern die jetzige Situation zu akzeptieren, Dir zuzugestehen, dass es Dir schlecht geht, dass Du überfordert bist, dass Du Angst hast. Zu sagen: ja, ich kann nicht mehr, das ist jetzt so.
    Vielleicht mal keine Erklärungen mehr suchen und darauf vertrauen, dass Du Deinen Weg durch das Chaos finden wirst.

    Trotz aller Therapien stehst Du jetzt am Anfang Deiner Geschichte und hast noch einen langen Weg vor Dir - verschwende keine Zeit! Wenn Du Dich jetzt sofort um einen Therapieplatz kümmerst bist Du vielleicht bis Anfang Oktober wieder draußen. Bitte Deinen Therapeuten, dass er sich mit Deinem Hausarzt in Verbindung setzt. Für ihn ist es einfacher, die Situation zu erklären.

    In dieser akuten Krise, in der Du Dich befindest, wird man Dir evt. erst einmal Zeit geben wieder zur Ruhe zu finden, Dich vielleicht auch etwas ruhig stellen, damit Du überhaupt therapiefähig wirst. Allein das kann 2 Wochen dauern.

    Mit einer Freundin zu reden ist nett - wird Dich aber nicht wirklich weiter bringen. Alleine Deine Äußerungen hier zeugen von einer solch tiefen seelischen Not - da kann wirklich nur ein Profi helfen. Alles andere ist Augenwischerei.
    Essen macht satt

  5. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Ok, jetzt hab ich's verstanden.

    Es ist schon komisch... ich beschäftige mich seit 20 Jahren mehr oder weniger intensiv mit mir selbst und meiner Gefühlswelt. Dabei habe ich oft ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich irgendwie dachte, ich sei zu egozentrisch. Das hat mir mein Exmann z.b. immer wieder vorgeworfen.
    Für ihn war es nicht nachvollziehbar, wieviel Mühe und Kraft es mich gekostet hat, das Verhältnis zu meinem Stiefvater zu beenden, nachdem er mich unendlich heftig gedemütigt und verletzt hat.

    Ich habe schon versucht, mich selber ernst zu nehmen - aber ich habe mir auch immer wieder ausreden lassen, was ich fühle. Bis hin zu gar nichts mehr fühlen.

    Ja, es geht mir schlecht. Und ja, ich habe es tatsächlich gestern und heute 1x gesagt. Und dann auch gleich weinen müssen.
    Mein Th. hat den Termin um 2 Tage vorverlegt (also noch durchhalten bis Dienstag), wofür ich ihm unendlich dankbar bin. Selbst diese Frage hat mich große Überwindung gekostet.

    Mich selber so wichtig zu nehmen, dass ich um etwas bitten darf, ohne mich dabei anmaßend oder fordernd zu finden?
    Mir selber so eine große Not zuzugestehen, dass ich nach einer stationären Th. fragen darf?
    Loslassen? Zusammenbrechen? Kontrolle abgeben?

    Es fällt mir schwer. Immer noch. Oder besser: Wie immer. Jahrelang wurde mir eingetrichtert, wie stark ich bin und dass ich das (was auch immer) schon schaffe. Und irgendwie habe ich es ja auch immer geschafft. Egal wie schlimm es war. Nur niemandem zur Last fallen. Gar nicht erst fragen, um nicht allein gelassen zu werden. Lieber gleich alleine durch. Wird schon.

    Ich fühle mich wie auf Drogen oder wie im Fieberwahn.
    Und es tut gut, Deine Worte zu lesen. Zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dass das, was ich empfinde, normal ist unter den gegebenen Umständen.

    Mein 1. Th. hat mir damals gesagt, dass Depressionen u.a. auch davon zeugen, dass man die Verantwortung für sich selbst nicht tragen will. Diese Lektion habe ich gelernt. Vielleicht zu gut.

    Nein, ich will nicht erklären und verstehen. Jetzt will ich nur schlafen, Ruhe haben, Wunden lecken, irgendwie wieder heil werden. Aber dafür werde ich wohl den Schritt raus aus meinem Leben tun müssen. So schwer mir das auch fällt.
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  6. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Der Nebel im Kopf wird dichter. Es fällt mir immer schwerer, mich zu konzentrieren oder überhaupt zur Ruhe zu kommen. Tagsüber bin ich müde und gereizt, nachts kann ich kaum schlafen. Habe ich Angst zu träumen?

    Ich bin krank. Mein Kopf ist krank. Mein Gesicht fühlt sich an wie eine starre Maske. Noch 4 Tage. Und morgen kommt meine Freundin - zum Glück.
    Ich versuche mich abzulenken, aber alles, was ich tue, fällt mir schwer und verstärkt das Gefühl, völlig neben der Spur zu laufen.
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  7. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Nach dem Gespräch mit meinem Th. steht fest: Ich gehe in die Klinik. Wann und wie entscheidet sich möglicherweise schon heute.

    Zum ersten Mal überhaupt bin ich bereit, die Kontrolle aufzugeben.
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  8. Avatar von Bigput75
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    MrsShort: BRAVO!
    Magst Du etwas mehr über das Gespräch erzählen?
    Warum empfindest Du diesen Schritt als ein "Abgeben der Kontrolle?"
    Die Entscheidung ist sehr erwachsen und vernünftig und zeigt, dass Du bereit bist, Dich der Sache zu stellen.
    Essen macht satt

  9. Avatar von MrsShort
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Ach herrjeh...
    erwachsen und vernünftig? Es fühlt sich mehr an wie ein dringendes Bedürfnis, eine echte Not. Ich will aus diesem stinkenden Loch wieder raus und alleine geht das gar nicht.

    Mein Th. hat mir zugeraten und gemeint, er hätte das schon vor 2 Wochen tun wollen. Ich denke, er hat es nicht getan, um nicht übergriffig zu sein. Möglicherweise hätte ich gleich abgelehnt... er kennt mich ganz gut, glaube ich.
    Ansonsten habe ich während der einen Stunde nur geheult und ein bisschen versucht, Klarheit ins Chaos zu bringen. Ich fühle mich so beschmutzt momentan, dass ich mich am liebsten in Sack und Asche hüllen würde, um ja nicht aufzufallen. Stigmatisiert, irgendwie. Gebrandmarkt.

    Egal, was ich erzählte oder sagte, er war bei mir und hat mich bestätigt bzw. sortiert. Aber wir sind uns einig, dass wir das alleine nicht hinbekommen zumal ich ja eigentlich auch keine Stunden mehr habe und mein Kontingent bei der Kasse ausgeschöpft ist.

    Ich will es schaffen, irgendwie. Aber ich befürchte, dass es sehr sehr schwierig wird, wenn ich keinen zeitnahen Th.platz bekomme. Und genau das scheint das Problem.

    Klinik 1 (empfohlen): Gesprächstermin frühestens im August, danach min. 1 Jahr Wartezeit... aber man guckt, was man tun kann.

    Klinik 2 (Google): Fragebogen wird zugeschickt, wird dann vom Chef geprüft, danach Unterlagen vom Arzt/Th. angefordert, dann bei der Kasse gecheckt, ob Kostenübernahme, nach der Kostenzusage mehrere Wochen Wartezeit...

    Klinik 3 (im Nachbarort): Erst morgen jemand erreichbar.

    Und dann verließen sie ihn. Finde ich irgendwo eine Liste mit Traumatherapie-Kliniken?

    Es ist ziemlich depremierend, sich am Telefon wie Sauerbier anzubieten, damit man eine Chance bekommt. Oder mit Sekretärinnen zu sprechen, die nach einem 10-minütigen Gespräch fragen: "Warum können Sie jetzt nicht mehr arbeiten?"

    Was nutzt mir eine Th. in einem Jahr, wenn ich jetzt falle?
    Die Vorstellung, im Oktober mit der Ausbildung anzufangen und sie dann möglicherweise wieder abbrechen zu müssen, weil ich nicht mehr kann...

    Warum ich diesen Schritt als "Kontrolle abgeben" empfinde? Weil ich mich in einen Raum begebe, den ich nicht kontrollieren kann. Ich habe eine vage Vorstellung davon, was mich erwartet und dass ich da durch muss. Ohne Wenn und Aber. Ohne die Möglichkeit abzuhauen, wenn es eng wird.
    Ich will es und gleichzeitig macht es mir eine Höllenangst. Es hat was von Verantwortung abgeben. Für mich.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
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    Dalai Lama

  10. Avatar von Bigput75
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    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Nein, es ist nicht Verantwortung abgeben - es ist der erste Schritt, Verantwortung für Dich selbst zu übernehmen, indem Du Dich in die Therapie begibst.
    Geh´ zu einem Psychiater und lasse Dir eine Notfalleinweisung geben wegen Akutsituation. Es ist ja eigentlich garnicht mehr verantwortbar, Dich "frei laufen" zu lassen!
    Und keine psychosomatische Klinik oder so......eine Psychiatrie mit angeschlossener psychosomatischer Station oder so.

    Es gibt so eine Krankenhausseite: weisse Liste oder so ähnlich - müsstest Du mal googlen!
    Essen macht satt

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