+ Antworten
Seite 2 von 12 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte
Ergebnis 11 bis 20 von 112
  1. Avatar von MrsShort
    Registriert seit
    11.04.2008
    Beiträge
    550

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    @Bigput
    Ja, ich kann gut mit meinem Therapeuten und ich bin unendlich dankbar, dass ich ihn gefunden habe.

    Da ich in den letzten Jahren schon viel Vorarbeit geleistet habe, komme ich eigentlich ganz gut klar. Auch jetzt. Mag aber auch daran liegen, dass ich die ganze Wucht der Erkenntnis noch nicht zulassen kann.
    Möglicherweise ist es aber auch nur so konsequent logisch, dass ich es im tiefsten Inneren schon lange gewusst habe.

    Ich empfinde keinen Zorn. Der Mann, der mir das angetan hat, ist schon lange kein Teil meines Lebens mehr. Und er wird es auch nie wieder sein.

    Gefühlsmäßig ist es so, als würde mein ganzes Chaos endlich einen Sinn ergeben. Meine verzweifelte Suche nach Ruhe und Entspannung scheint ein Ende gefunden zu haben. Momentan fühle ich mich, als hätte jemand die Luft aus mir herausgelassen. Ich bin müde und erschöpft.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama


  2. Registriert seit
    07.04.2010
    Beiträge
    25

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Hallo Mrs Short, erstmal Glückwunsch zum geplatzten Knoten, sowas bringt oft unheimliche Erleichterung. Toll, dass du es bis hierher geschafft hast, auch wenn es ein sch**-schwerer Weg war.

    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    Daher meine Frage nach seiner Diagnose. Ich dachte, vielleicht hilft er mir auch hier, zu verstehen, "was ich eigentlich habe".

    Jo. Er tat sich schwer mit der Antwort. Und obwohl ich ihm vertraute, beschlich mit das ungesunde Gefühl, er suche nach einer Antwort, weil es keine gibt. Nicht, dass er nicht wüsste, sondern dass ich eben gar nicht "krank" sei.
    Dann sagte er was von einer hysterischen Persönlichkeitsstörung. Da die Stunde schon um war, hatte ich keine Zeit zum Nachfragen.

    Also: nach Hause, gegoogelt.

    Ach Du Scheiße. WAS???
    Wer Lust hat, googelt selber oder liest bei Wiki nach. Ich war entsetzt. Das, was ich da las, hatte so gar nichts mit mir zu tun.
    Natürlich fragte ich nach. Er erklärte es mir - frühkindliches Trauma etc. - und ich gab Ruhe. Aber zufrieden war ich trotzdem nicht.
    Ich wollte mich hier nur kurz einklinken, um zu dem oben zitierten was zu sagen
    Therapeuten müssen, um die Kosten der Behandlung erstattet zu bekommen, bei der K-Kasse etc eine Diagnose angeben. Ohne eine erste Diagnose geht erstmal nichts. Die muss jedoch nichts mit der tatsächlichen Erkrankung zu tun haben, das heißt es ist nicht schlimm wenn du dich da nicht wiedererkennst. Der Th hat dich auch nicht falsch eingeschätzt, er musste vermutlich einfach "irgendwas" angeben. Das kann sich auch nach einiger Zeit ändern. Nur so als kleine Erklärung

    (Das ganze ist in der Therapeutenwelt natürlich noch etwas komplexer, als ich es hier beschrieben habe, aber du klangst so perplex.)


    Alles Gute für deinen Weg und viel Kraft wünsche ich dir



    wilder_vogel

  3. Avatar von MrsShort
    Registriert seit
    11.04.2008
    Beiträge
    550

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    @wilder_vogel
    Ich war perplex, keine Frage. Bin es irgendwie immer noch. Diese Diagnose-Frage beschäftigt mich heute mehr denn je - aber ich muss mich noch 10 Tage gedulden...
    Und ich glaube übrigens nicht, dass er es nur gesagt hat, um überhaupt etwas zu sagen. Die Hysterie-Störung als meine zu akzeptieren, ist schon ein Brett. Er muss es mir so erklären, dass ich es verstehen bzw. annehmen kann... bisher entsetzt es mich nur.

    @Bigput
    Anlayse ist mein 2. Ich.
    Ich kann gar nicht anders. Und auch, wenn ich versuche, "einfach" zu leben (das konnte ich übrigens noch nie), kriege ich die Bilder nicht aus dem Kopf.
    Momentan geht gar nichts. Auf mir liegt eine bleierne Schwere.

    Alleine die Vorstellung, jemals wieder Sex zu haben... *kotz*
    Mich anfassen zu lassen... *kotz*
    Bilder, die mein Hirn vergiften. Es ist viel schlimmer, als ich dachte. Und ganz anders. Kein Zorn. Ekel und Abscheu.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama

  4. Inaktiver User

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Darüber*Postcard To Daddy - der Film kam gestern etwas im TV.
    Anders gelagert, aber der Betroffene setzt sich auch jetzt - in den 40ern - damit auseinander. Ich habe dabei an Dich gedacht.

    Missbrauch in der Familie wird in der nächsten Zeit sehr viel öffentliches Thema sein, da bin ich mir sehr sicher. Die Annäherung, das Fallen der Erinnerungs- und Schweigemauern hat ihren Anfang gemacht mit dem Öffentlich werden des Themas in sozialen / kirchlichen Rahmen. Der nächste Schritt ist die Enttabuisierung des Themas in Familien. Ich vermute, dass sich mehr denn je Betroffene erinnern werden ...

    MrsShort, Auseinandersetzung, Überwindung, Trost und Heilung sind letztendlich sehr individuelle Angelegenheiten - ich möchte nicht relativieren. Ich habe für mich jedoch an manchen Punkten Erleichterung erfahren, als ich ein paar Dinge in einen größeren Rahmen gestellt habe und - so skurril es sich anhört - ein bisschen gelernt, das Schicksal nicht (nur) persönlich zu nehmen. Das ist jetzt zur Abwechslung kein Plädoyer gegen die Eigenverantwortung von mir - aber eins für die Einbettung des Erlebten in einen größeren Zusammenhang: Wir sind immer auch nur Teil des Ganzen und unserer Zeit und unseres Hintergrundes und ob ein Gewächs ein Gänseblümchen von vielen wird, das von einer Kuh gefressen wird oder nicht oder ein Kaktus im botanischen Garten, wird woanders ausgewürfelt. Und wir sind, was wir sind und zu 'bearbeiten haben', nie nur für uns alleine.

    Geändert von Inaktiver User (31.05.2010 um 13:08 Uhr)

  5. Avatar von Bigput75
    Registriert seit
    11.03.2009
    Beiträge
    2.081

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    MrsShort: hast Du schon mal über eine stationäre Therapie nachgedacht? Vielleicht wäre das ein besserer Rahmen als "nur" ambulant?
    Essen macht satt

  6. Avatar von MrsShort
    Registriert seit
    11.04.2008
    Beiträge
    550

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    @Leda
    Habe mir gerade den Video-Mitschnitt im Netz angeschaut... mir ist es eiskalt den Rücken runtergelaufen.
    Mein 1. Impuls: Den Film will ich sehen.
    Der 2.: Nein. Kann ich nicht. Nicht öffentlich.
    Völlig absurd: Die Mutter sieht aus wie meine ausgesehen hat. Das macht es nicht besser.
    Meine hätte wahrscheinlich sogar ähnlich geantwortet wie sie, hatte sie doch selber einen Missbrauchs-Hintergrund und war ewig auf der Suche nach Ruhe und Halt.

    Ich versuche schon, den "Überordnungs-Modus" mit zu betrachten, was mich momentan immer wieder zu meiner völlig durchgeknallten Familiensituation und den einzelnen Personen führt.

    Ich kann ja niemanden mehr fragen (außer dem Mann selber, aber das geht über meine Vorstellungskraft), aber in meiner Erinnerung waren alle gegen ihn, mochten ihn nicht, hatten Angst vor ihm oder fanden ihn einfach nur grenzwertig.
    Die einzige Person, die ihn standhaft über all die Jahre immer verteidigt hat, war ich.

    Selbst meine frühen Freundschaften erscheinen jetzt in einem neuen Licht. Ich erkenne den roten Faden und bin gar nicht erstaunt, wie sicher man Leidensgenossen erkennen kann, selbst wenn man nicht weiß, wonach man sucht.

    Umso weniger erstaunt mich jetzt, dass Du selber zu dem Kreis gehörst. Wir sind uns näher, als gedacht, ja.

    @Bigput
    Ich denke darüber nach, ja. Ganz aktuell. Mir bröselt der Boden unter den Füßen weg.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama


  7. Registriert seit
    14.08.2006
    Beiträge
    4.610

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe für mich jedoch an manchen Punkten Erleichterung erfahren, als ich ein paar Dinge in einen größeren Rahmen gestellt habe und - so skurril es sich anhört - ein bisschen gelernt, das Schicksal nicht (nur) persönlich zu nehmen. Das ist jetzt zur Abwechslung kein Plädoyer gegen die Eigenverantwortung von mir - aber eins für die Einbettung des Erlebten in einen größeren Zusammenhang: Wir sind immer auch nur Teil des Ganzen und unserer Zeit und unseres Hintergrundes und ob ein Gewächs ein Gänseblümchen von vielen wird, das von einer Kuh gefressen wird oder nicht oder ein Kaktus im botanischen Garten, wird woanders ausgewürfelt. Und wir sind, was wir sind und zu 'bearbeiten haben', nie nur für uns alleine.

    Das ist ein sehr tröstlicher Gedanke!

    Ich sehe darin, das eigene Schicksal in einem größeren Rahmen zu stellen, auch, wie Du sagstest, keinen Gegensatz zur Übernahme der Verantwortung für sich selbst. Es relativiert auch nicht die Schuld der Täter. Sondern es stimmt versöhnlich, dass man mit dem gesamten Gefühl, verdammt allein gewesen zu sein mit all dem Schlimmen, was einem widerfahren ist, letzten Endes doch nicht alleine ist - zumindest aus der Perspektive der Erwachsenen nicht. Auch hier will ich nicht relativieren: Aus der Perspektive des Kindes war/ist man hoffnungslos ausgeliefert.

    Massashi

  8. Avatar von MrsShort
    Registriert seit
    11.04.2008
    Beiträge
    550

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Momentan ist es für mich weniger schlimm, meine Vergangenheit zu betrachten, als meine Zukunft.

    Das, was war, kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Und die Gewissheit, die ich heute habe, lässt vieles in einem anderen Licht erscheinen. Heute kann ich mir vieles von dem erklären, was nie einen Sinn ergab. Das ist zwar nicht schön, aber logisch und somit für mich greifbar und verarbeitbar.

    Nur, wie ich mit dem leben soll, ist mir irgendwie schleierhaft. Scheint wieder eine Form von Metamorphose zu sein, die ich durchmachen muss. Angesichts der letzten 3 Jahre, die mich so unendlich viel Kraft gekostet haben, weiß ich noch nicht, wie ich das schaffen kann. Alles fühlt sich kaputt an. Ich schlafe schlecht, bin nur noch müde und unendlich traurig.
    Ich will reden, weiß aber nicht mit wem. Meinen Partner überfordert das völlig (er tröstet, so gut er kann - das Entsetzen ist ihm anzusehen), meinen Therapeuten sehe ich erst in 10 Tagen wieder. Bis dahin versuche ich, irgendwie klar zu kommen.

    Es ist, als sagt mein Kopf: Du bist erwachsen, Du schaffst das schon. Aber meine Seele weint. Ich traue mich nicht, dem Kind in die Augen zu blicken. Der Schmerz, der dort wohnt, schwemmt mich weg...

    Ich lebe seit vielen, vielen Jahren in einem emotionalen Vakuum. Sehr beherrscht, sehr kontrolliert, kühl für Außenstehende. Der Vulkan in mir ist unsichtbar, schon seit langer Zeit. So unsichtbar, dass ich ihn oft selbst nicht mehr wahrnehme und überrascht bin, wenn er sich ungefiltert und heftig eine Bruchstelle sucht. Meine Gefühle machen mir Angst. Jetzt mehr denn je.
    Niemand ist unter einem schlechten Stern geboren.
    Aber es gibt Menschen, die den Himmel nicht richtig deuten können.
    Dalai Lama


  9. Registriert seit
    14.08.2006
    Beiträge
    4.610

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    Liebe MrsShort!

    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    Ich will reden, weiß aber nicht mit wem.
    Dann hoffe ich, dass das Schreiben hier hilft.

    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    Es ist, als sagt mein Kopf: Du bist erwachsen, Du schaffst das schon. Aber meine Seele weint.
    Es ist ja gut, dass es diesen erwachsenen Kopf gibt. Der ist anscheinend optimistisch und den braucht auch das innere Kind.


    Zitat Zitat von MrsShort Beitrag anzeigen
    Ich lebe seit vielen, vielen Jahren in einem emotionalen Vakuum. Sehr beherrscht, sehr kontrolliert, kühl für Außenstehende. Der Vulkan in mir ist unsichtbar, schon seit langer Zeit. So unsichtbar, dass ich ihn oft selbst nicht mehr wahrnehme und überrascht bin, wenn er sich ungefiltert und heftig eine Bruchstelle sucht. Meine Gefühle machen mir Angst. Jetzt mehr denn je.
    Hab keine Angst!
    Vertraue darauf, dass Dein Bewusstsein nur so viel zulässt, wie Du als Erwachsene verkraften kannst.

    Und vertraue auch darauf, dass dieser Vulkan zu einem guten Zeitpunkt ausbricht, zum Beispiel dann, wenn Du Dich in Gegenwart Deines Therapeuten befindest, von dem Du ja viel hälst.
    Und dass dies eine Befreiung sein wird, keine Überforderung.

    Wünsche Dir alles Gute!

    Massashi

  10. Avatar von Bigput75
    Registriert seit
    11.03.2009
    Beiträge
    2.081

    AW: Gewissheit nach 20 Jahren - Missbrauch

    MrsShort: rede unbedingt mit Deinem Therapeuten über eine stationäre Therapie. Ich glaube nicht, dass Du mit ambulanten Terminen alle 2-4 Wochen weit kommst in diesem Fall. Naja, vielleicht kommst Du voran, aber ich würde etwas intensiveres und einen geschützten Rahmen für angebracht halten.

    Versuche, die Angst und die Gefühle zuzulassen. Sei gnädig mit Dir selbst, jetzt mehr denn je.

    Es ist einfach furchtbar sowas *kopfschüttel*
    Essen macht satt

+ Antworten
Seite 2 von 12 ErsteErste 1234 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •