Wir haben kurz dieses Thema angeschnitten: ist Sparsamkeit etwas angeborenes/gelerntes oder etwas das man von den Eltern mitbekommen hat?
Einige hier sind der Meinung dass man diese Verhaltensweisen von den Eltern aufnimmt. In meiner Familie sehe ich genau das Gegenteil: Vater harter Arbeiter und dadurch Mittelschicht. Nicht wirklich sparsam aber auch nicht geizig, immer wieder neue Autos, wohl die ersten mit Videorekorder im Dorf aber ansonsten selten ueber die Strenge schlagend. Meiner Schwester sind Statussymbole total wichtig, genau wie immer das neueste xyz haben und viel Geld ausgeben normal. Ich bin genau das Gegenteil: Statussymbole sind mir egal, und wenn ich wirklich was brauche dann kann moeglicherweise auch die billigste Version gut genug sein. Zu anderen Familienmitgliedern haben wir nie Kontakt gehabt.
Wie seht ihr dieses Thema? Links zu wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema sind neben persoenlichen Erfahrungen auch wilkommen.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 53
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30.08.2018, 13:08
Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
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30.08.2018, 13:38
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Mein Vater - bei dem ich aufwuchs - war Sozialschmarotzer. Arbeiten? Nur wenn vom (seinerzeitigen) Sozialamt dazu gezwungen, und dann immer nur kurz. Ansonsten ließ es sich vom Sozialhilfegeld oder auch Schwarzarbeit ganz gut leben. Wurde das Geld fürs Bier knapp, wurden halt die Kinder zum Großvater geschickt, der immer 'nen Zehner springen ließ, welcher dann brav abzuliefern war. Alkoholiker eben.
Ich habe von Ausbildung an gearbeitet, gerne auch mit Nebenjob. Mit Geld umgehen konnte ich dennoch nie sonderlich gut, was mich dann auch in einen Schuldensumpf trieb, aus dem ich mich mühsam binnen 10 Jahre wieder rauszog.
Jetzt lehne ich finanzielle Verbindlichkeiten komplett ab. Was ich kaufe, kann ich mir auch leisten. Selbst die kleine Eigentumswohnung, die ich gerne hätte, wird dereinst cash bezahlt werden - Immobilienkredit? Nicht mit mir. Die Lektion habe ich gelernt. Dann spare ich halt 10 oder auch 15 Jahre.
Statussymbole sind mir egal, wenngleich ich vermehrt dazu übergehe Qualität zu kaufen. Welcher Name draufsteht ist mir gleichgültig. Habe gerade einen Quiltrahmen für 1500 € gekauft - es hätte auch eine durchaus flexiblere Lösung aus dem Baumarkt für rd. 50 € gegeben, aber ich mag die handgearbeitete Qualität made in germany haben. Und ich kann sie mir leisten.
Mein Bruder - der zwar nicht arbeitsscheu ist, aber dennoch lange am unteren Rand jeden Lohnniveaus lebte und auch sonst dem Vater recht ähnlich ist - steht hingegen auf seine Statussymbole. Riesiger Fernseher, bestimmte Smartphones. Was anderes geht ja gar nicht.
Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, wie sozial jmd veranlagt ist. Ich bin eher der introvertierte Stubenhocker (womit ich dem Vater nachschlage) - ich muss niemanden beeindrucken. Mein Bruder war eher derjenige mit großem Freundeskreis, Kindern und auch eher familiär veranlagt, seine soziale Ausprägung ist gänzlich anders. Vielleicht kommt daher der Unterschied.
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30.08.2018, 13:55
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
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30.08.2018, 13:59
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Schönes Thema und gar nicht so leicht zu beantworten.
Was ich grundsätzlich mit meinen Eltern und Geschwistern gemeinsam habe: keiner von uns ist geizig, wir wissen gute Handarbeit und handgemachte Produkte zu schätzen und sehen auch ein, dass sowas dann auch mehr kostet als die Billigvariante im Discounter. Wenn wir es uns leisten können, geben wir dafür gerne das Geld aus. Keiner von uns konsumiert verschwenderisch, es wird kein oder kaum Geld für Tünnef rausgeworfen.
Wir geben alle gerne Geld aus für die "schönen Dinge des Lebens", also bspw. Konzertkarten, gutes Essen, Zubehör für Liebhabereien/Hobbies, eine tolle Ledertasche usw.
Trotzdem gehen wir unterschiedlich mit Geld um. Meine Mutter, gelernte Sparkassenfrau, hat alle Einnahmen und Ausgaben immer im Blick, führt Haushaltsbuch, kann auch mit weniger Geld gut wirtschaften, weiß zu jedem Zeitpunkt was sie sich leisten können und was (derzeit) nicht. So hat sie es z.B. geschafft, auch in Zeiten, wo das Haushaltseinkommen nicht sonderlich hoch war, so zu kalkulieren und einzukaufen, dass immer Geld für eine kleine Reise oder eine besondere Anschaffung übrig war.
Mein Vater dagegen kann überhaupt nicht mit Geld haushalten (konnte er auch noch nie), er hat da einfach keine Übersicht. Deswegen lässt er sich von meiner Mutter monatlich ein Budget geben für sein Hobby und den Garten, wenn es aufgebraucht ist muss er sich einen Nachschlag geben lassen und bekommt dann eben auch mal zu hören, dass die und die Ausgabe diesen Monat nicht mehr drin ist und warten muss.
Mein Bruder hatte Tendenzen wie mein Vater, das hat sich aber inzwischen wohl gebessert, seit er einen eigenen Haushalt mit seiner Frau hat. Als er damals mit der Ausbildung begonnen hat, hatte er auch so eine Phase von 2-3 Jahren, wo er Geld ohne Ende (auch welches, das er gar nicht hatte) für Konsolen, PC-Spiele, Technikkrams etc rausgehauen und sich so nicht ganz unerheblich verschuldete dank Ratenkauf. Meine Mutter hat dann irgendwann eingegriffen und mit ihm einen Plan für die Rückzahlung erstellt und da auch ein Auge drauf gehabt.
Er gibt zwar immer noch gerne Geld für so einen Spielkram aus, aber immerhin nur, wenn er es übrig hat.
Ich selbst konnte immer gut mit Geld umgehen und mir auch wenig Geld gut einteilen. Das werde ich wohl von ihr haben
Ich kann jederzeit aus dem Stand sagen, wieviel Geld ich auf welchem Konto habe und ob ich mir XY jetzt leisten kann oder nicht.
Aber ich bin weder besonders sparsam noch habe ich generell den Wunsch, Geld auszugeben.
Ich spare einen fixen Betrag pro Monat, ich gebe gerne Geld für Dinge aus, die mir Freude bereiten. Ich zahle auch gerne mehr für guten Bio-Käse aus dem Hofladen oder gehe auch mal gerne essen, wohlwissend, dass das im Verhältnis viel Geld ist und ich günstiger zuhause selber kochen könnte. Ich zahle auch z.B. gerne mal nen Euro mehr für den Cappuccino, wenn man ein behagliches Ambiente geboten bekommt.
Klamotten shoppen gehe ich an sich auch gerne, schaue aber auch immer nach besonderen Angeboten und freue mich, wenn ich ein Schnäppchen machen konnte und somit gespart habe.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke, was man von der Familie übernimmt ist vielleicht die Wertschätzung von gewissen Dingen. Ob man aber mit dem Geld, das einem zur Verfügung steht, haushalten kann und seine Finanzen im Griff hat, steht wieder auf einem anderen Blatt.LG Blueberry82
mit Mini-Blue seit dem 27.05.2020










Die Welt besteht aus Optimisten und Pessimisten - letztlich liegen beide falsch, aber der Optimist lebt glücklicher
Wer etwas will, was er noch nie hatte, muss tun, was er noch nie getan hat.
Die reinste Form des Wahnsinn ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert (Albert Einstein)
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30.08.2018, 14:11
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30.08.2018, 14:43
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Ja, das stimmt.
Die Wertschätzung für Dinge habe ich aus meinem Elternhaus mitbekommen und schätze alt und oder handgemachte Sachen sehr. Dafür zahle ich auch gerne etwas mehr.
Mit dem Haushalten sieht es dagegen nicht so rosig aus bei mir. Sonst hätte ich nicht den Schuldenberg nach der Scheidung gehabt. Vor meiner Heirat kam ich mit dem Geld gut aus, danach häuften sich unnötige Käufe. Mittlerweile bin ich wieder bei einer sparsameren Haushaltsführung angekommen und lebe sehr gut damit. Ab Oktober wird es noch einen großen Schritt sparsamer, weil ich neue Sparziele habe. Reich fühle ich mich immer noch - eigentlich jeden Monat mehr.
Man kann auch jederzeit lernen, dass man mit weniger Geld auskommt.
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30.08.2018, 14:51
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Ich glaube, dass das eine Mischung zwischen erlernt und Grundcharakter ist und Veränderungen auch nicht grenzenlos möglich sind.
Ich denke, dass wir als Kinder im Wesentlichen durch Abgucken und als Erwachsene im Wesentlich durch Schmerz lernen, abgucken klappt auch später noch.
Meine Schwester und ich wurden gleich erzogen und uns wurde auch das selbe vorgelebt. Da gab es wirklich keine Unterschiede. Unterschieden hat sich höchstens, dass beim 2. Kind eine Prise mehr Gelassenheit vorhanden ist. Das macht in einem von Grund auf gleichgültigen Elternhaus aber nicht viel aus.
Dennoch haben wir so etwas von gegenteiligen Schlussforderungen aus unserer Erziehung gezogen, dass das kaum zu übertreffen ist. Bei ehrlicher Betrachtung und aus heutiger Sicht hat sie wohl die Erziehung so verstanden, wie sie gemeint war. Das läuft aber meinem Charakter so zu wieder, dass ich das damals überhaupt nicht verstehen konnte, wie es gemeint war und mich heute wundere, wie konsequent und unbeiirt ich das mir vorgelebte "falsch" verstanden habe. Für mich ist es richtig und gut, insgesamt aber ziemlich schräg.
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30.08.2018, 14:59
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Da ist was dran. Mein Vater hat sich immer gewundert, dass ich im Gegensatz zu ihm so gut mit Geld umgehen kann und selbst mit kleinstem Budget zurechtgekommen bin. Vielleicht ist auch sein schlechter Umgang mit Geld der Grund, weshalb ich es von Anfang an eben konnte: Weil ich eben gesehen habe, wo das hinführt.
LG Blueberry82
mit Mini-Blue seit dem 27.05.2020










Die Welt besteht aus Optimisten und Pessimisten - letztlich liegen beide falsch, aber der Optimist lebt glücklicher
Wer etwas will, was er noch nie hatte, muss tun, was er noch nie getan hat.
Die reinste Form des Wahnsinn ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert (Albert Einstein)
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30.08.2018, 15:21Inaktiver User
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Wir hatten sehr wenig Geld. Was zu unterschiedlichen Reaktionen geführt hat: die einen haben ein großes Polster, die anderen lassen es sich gut gehen. Beides als Gegenentwurf zu früher zu Hause. Uns Geschwister eint allerdings, dass alle schuldenfrei (Immokredite ausgenommen) sind und sich nur kaufen, was sie sich leisten können.
Mein Konsumverhaltens ist durch die arme Zeit geprägt und das werde ich vermutlich auch nicht mehr los. Ich kaufe meist sinnvolle Dinge, Wertbeständige. Es fällt mir schwer, größere Summen für Dienstleistungen oder irgendetwas, das "weg" ist, auszugeben (Friseur, Urlaub, Cocktails). Meine Geschwister waren da teilweise erfolgreicher im Umdenken als ich und gönnen sich mehr. Wobei das glücklicherweise nur bei Käufen für mich gilt. Für andere, Kinder, Freunde gebe ich gerne Geld aus, auch für unsinnige Sachen.
Positiv habe ich mitgenommen, dass ich mit sehr, sehr wenig so haushalten kann, dass ich mich nicht arm fühle.
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30.08.2018, 17:22Inaktiver User
AW: Sparsamkeit/Wunsch nach Geld ausgeben angeboren oder von der Familie?
Meine Eltern waren selbständige Landwirte. Ich kann mich drann erinnern das Investitionen für den Betrieb vorgingen. Meine Mutter hat sich selten was gekauft. Auf gute Sachen wurde jedoch Wert gelegt. Wenn dann konsumiert wurde dann keinen Schund.
Ich musste allerdings dann oft Sachen meiner Geschwister tragen. Waren ja noch gut.
Teilweise war das echt schmerzhaft für mich. Zum Beispiel Büchertasche in der ersten Klasse. Alle hatten nen modernen bunten. Und ich die Ledertasche ....... Meiner Schwester. Das Beispiel könnte man auf Abschlussballkleid, Kommunionkleid usw. ausweiten.
Ich selbst habe ab den ersten Tag immer von meinem Gehalt in Stufen gespart.
Für Urlaub und so musste ich lernen dass es o.k. ist wenn Geld dafür da ist, dass man auch Urlaub bucht.
Für den Konsum hab ich nie finanziert.
Immobilienkredit hatten wir. Aber so dass wir jetzt nicht mehr zahlen. War immer im Rahmen des Verdienstes.
Heute nach Krankheit und einigen Achterbahnfahrten horte ich nicht mehr.
Ich mach keine Konsumschulden. Jedoch wenn mir was gefällt und es ist drin dann könn ich mir das. Auch für die Kinder oder meinen Mann.
Sparen können wir auch. Es ginge mehr aber dass würde mich wieder im meine Kindheit versetzen. Das würde ich meiner Familie und mir nicht mehr zumuten wollen.


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