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  1. Registriert seit
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    Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Liebe Community,
    ich wende mich an euch mit einem sehr belastenden Problem, um eine „objektive“ Meinung zu diesem Thema zu bekommen. Ich versuche, mich möglichst kurz zu fassen, ein wenig Kontext ist aber nötig.

    Vor etwa anderthalb hat mein Partner mich vergewaltigt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich von ihm getrennt, da er mich wiederholt sehr verletzt und belogen hatte, wir wohnten aber noch zusammen. Ich habe damals einige Tage gebraucht, zu realisieren, was da passiert war. Er auch, er hat sich dann aber (zumindest kurzfristig) Vorwürfe gemacht. Er war zum Tatzeitpunkt betrunken.
    Heute ist es für mich unfassbar, aber tatsächlich kamen wir wieder zusammen. Ich war emotional von diesem Mann völlig abhängig, habe geglaubt, was ich glauben wollte. Über den Übergriff wurde allerdings kaum geredet, er hat jedes Gespräch abgeblockt. Ich musste also allein zusehen, wie ich mit der Situation zurecht komme.
    Nun, ich kam nicht zurecht. Je mehr Zeit verging, desto schwerer wurde es für mich, Intimität zuzulassen. Nach der Vergewaltigung hatten wir noch einmal Sex, der für mich der Horror war. Danach nie wieder, er hat es akzeptiert, weil er sich schuldig fühlte.

    Für mich wurde es immer schwieriger. Ich hatte immer Schwierigkeiten mit Sex, bin gray-asexuell, habe mich aber meinen Partnern zuliebe dazu durchgerungen. Das ging und geht seit dem Übergriff nicht mehr. Mittlerweile sind auch für mich jegliche Berührungen, die über eine Umarmung hinaus gehen, Stress pur, ich bekomme Panik. Auch, wenn ich Intimität beispielsweise nur im Fernsehen sehe, ist das für mich unerträglich.
    Meine schon zuvor bestehenden chronischen Depressionen verschlimmerten sich sehr. Dennoch hielt ich zu meinem Partner.

    Vor zwei Monaten trennte er sich. Warum, weiß ich nicht, er machte nach gerade einmal 4 Wochen Fernbeziehung (ich musste berufsbedingt umziehen) per SMS Schluss und war nicht mehr erreichbar. Das stürzte mich in in eine sehr schwere Krise.
    Vor einigen Tagen hielt ich es nicht mehr aus und erzählte meiner Familie von dem, was letztes Jahr passiert ist. Sie waren entsetzt und wollen mich dazu bringen, ihn anzuzeigen.

    Hier sind wir bei des Pudels Kern: Auf der einen Seite habe ich auch manchmal den Wunsch. Hatte ich bereits seit dem Ereignis, aber ich war, wie schon erwähnt, andererseits emotional völlig abhängig von ihm, wollte ihm auf keinen Fall schaden. Jetzt, nach etwas Abstand nach der Trennung, kommt auch so viel Wut und Verzweiflung hoch, weil ich allein die Konsequenzen für das tragen muss, was er getan hat, während er jede Auseinandersetzung damit ablehnt. Auf der anderen Seite liebe ich ihn noch immer und will ihn beschützen. Krank, ich weiß. Ich habe auch immer die Frauen belächelt, die sich von einem Mann missbrauchen lassen und trotzdem bei ihm bleiben. Jetzt bin ich eine von ihnen.

    Vielleicht „stelle ich mich aber auch an“? Sollte einfach damit klarkommen?

    Zudem hätte ich Angst vor der Anzeige... mit Fremden darüber zu sprechen. Und vor allem die Aussicht, aufgrund fehlender Beweise als „Verliererin“ aus einem Verfahren zu gehen. Es existieren zwar ein, zwei SMS, in denen er seine Tat gesteht, jedoch umschreibt er es als „körperlich wehgetan“.

    Andererseits hilft es mir vielleicht, das Ganze zu verarbeiten, wenn zumindest die Chance besteht, dass seine Tat auch für ihn Folgen hat?

    Was würdet ihr tun? War eine von euch vielleicht schon mal in einer ähnlichen Situation? Wie habt ihr euch entschieden?

    Ich danke euch...

  2. Avatar von Mailin
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Es ist für mich sehr schwierig, dir den richtigen Rat zu geben. Eigentlich gehört das angezeigt, denn eine Vergewaltigung geht gar nicht. Da es jedoch hinterher noch sexuellen Kontakt gab, könnte man denken, dass du ihm dieses Vergehen verziehen hast. Und wie willst du das beweisen, wenn er dies bestreitet und sagt, dass der Sex im gegenseitigen Einverständnis stattgefunden hat? Und das nach der langen Zeit? Da steht dann Aussage gegen Aussage und ich bezweifle, dass das zu einer Bestraftung führt. Und so ein Verfahren durchzuziehen bedeutet viel Stress. Da brauchst du sehr gute Nerven!!
    Im übrigen habe ich den Eindruck, dass du dringend mal eine Therapie machen solltest, denn da liegt doch vieles im Argen.
    In der Mitte der Nacht beginnt ein neuer Tag!!


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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Vielleicht nimmst du zuerst mit einer Frauenberatungsstelle/Frauennotruf Kontakt auf?
    Dort kann man dich über Möglichkeiten einer Anzeige etc beraten und gemeinsam mit Dir überlegen, ob Du es für sinnvoll hältst, Vor und Nachteile abwägen...

    Zeitgleich würde ich aber auch zu einer Therapie raten, um das Ganze aufzuarbeiten.

  4. Avatar von Pola
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Ich würde auch auf keinen Fall unbegleitet und allein zur Politei gehen. Besprich das mit einer kompetenten Beratungsstelle, hol Dir Hilfe. Mir scheint, da lag und liegt noch viel mehr im Argen als die Vergewaltigung. Alles Gute.


  5. Registriert seit
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Ich kann mich den vorhergehenden Beiträgen nur anschließen.

    Natürlich gehört jede Vergewaltigung angezeigt. Das Problem hier ist, die Beweisführung. Kannst du keine Beweise vorlegen, ist eine Verurteilung praktisch ausgeschlossen. In dem Fall musst du seinerseits mit dem Vorwurf der Falschbeschuldigung rechnen.

    Für dich sollte jetzt deine eigene Gesundheit im Vordergrund stehen. Deswegen würde ich dringend zum Besuch einer Beratungsstelle raten.


  6. Registriert seit
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Ich rate dir ab:

    Du bist weitere Zeit mit ihm zusammengeblieben. Nun hat er sich sang-und klanglos getrennt und dir fällt dann ein, dass er irgendwann einmal irgendetwas gemacht hat, was du als "Vergewaltigung" bezeichnest.

    Wäre ich Richter würde ich denken, dass du ihm einen auswischen willst, weil er sich getrennt hat oder, dass du mentale Schwierigkeiten hast und ihm Signale ausgesendet hast, die er falsch interpretiert hat und ihr einvernehmlichen Sex hattet.

    Ich wäre da ganz klar für den Mann, weil alles gegen dich spricht. Hätte er sich nicht getrennt, wärest du noch heute mit ihm zusammen.


  7. Registriert seit
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Danke euch allen für eure Antworten!!!

    Ich bin bereits seit einigen Monaten auf Therapeutensuche, was allerdings aus mehreren Gründen schwierig ist: Zum einen habe ich bereits sehr viele Therapien hinter mir und damit keine guten Erfahrungen, zum anderen bin ich selbst Psychologin, sodass die "üblichen" Ansätze eher nicht greifen - will das an dieser Stelle aber gar nicht ausschweifen lassen. Die Therapeutensuche ist jedenfalls aktuell.
    Aber es ist vielleicht wirklich eine gute Idee, erst einmal eine Beratungsstelle aufzusuchen. Danke euch für den Hinweis.

    Die Beweislage wäre tatsächlich schwierig - alles "Handfeste" wären die SMS mit ihm, in denen das Ganze erwähnt wird.
    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Ich rate dir ab:

    Du bist weitere Zeit mit ihm zusammengeblieben. Nun hat er sich sang-und klanglos getrennt und dir fällt dann ein, dass er irgendwann einmal irgendetwas gemacht hat, was du als "Vergewaltigung" bezeichnest.

    Wäre ich Richter würde ich denken, dass du ihm einen auswischen willst, weil er sich getrennt hat oder, dass du mentale Schwierigkeiten hast und ihm Signale ausgesendet hast, die er falsch interpretiert hat und ihr einvernehmlichen Sex hattet.

    Ich wäre da ganz klar für den Mann, weil alles gegen dich spricht. Hätte er sich nicht getrennt, wärest du noch heute mit ihm zusammen.
    Natürlich habe ich nicht einfach froh und munter weiter mit ihm zusammengelebt. Es war extrem schwer für mich. Aber aus Angst, ihn zu verlieren (er war meine einzige Bezugsperson zu dem Zeitpunkt), habe ich versucht, weiterzumachen. Dass das dämlich war, steht außer Frage! Das kann ich mittlerweile auch in Ansätzen erkennen. Damals nicht. Ich war wirklich abhängig von ihm. Der Gedanke einer Anzeige war immer mal wieder da, aber aufgrund der emotionalen Bindung nie eine wirklich Option für mich.
    Aber ich sehe ein, dass eine derartige "Lesart" als Rache fürdie Trennung für einen Außenstehenden durchaus möglich ist. Keine Ahnung, ob daran die SMs als Beweis etwas ändern würden.

    Ich denke also, ich versuche weiter allein bzw. mit professioneller Unterstützung damit klarzukommen, auch wenn es schwer ist. Ich danke euch für euren Rat und wünsche euch frohe Weihnachten!

  8. Avatar von Ulina
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Zitat Zitat von Cara123 Beitrag anzeigen
    Ich rate dir ab:

    Du bist weitere Zeit mit ihm zusammengeblieben. Nun hat er sich sang-und klanglos getrennt und dir fällt dann ein, dass er irgendwann einmal irgendetwas gemacht hat, was du als "Vergewaltigung" bezeichnest.
    Er hat nicht irgendwann einmal irgendetwas gemacht. Er hat sie vergewaltigt!!!


  9. Registriert seit
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Auch SMS sind nichts Handfestes.

    Nach mehr als einem Jahr sind die auf den Servern des Providers mit Sicherheit nicht mehr verfügbar.

    Das was du auf deinem Handy hast, dürfte kaum gerichtsverwertbar sein.

    Er bestreitet den Vorwurf und schweigt ansonsten. Ein Gutachten beweist, dass diese Daten auch gefälscht oder manipuliert sein könnten.

    Dazu deine psychische Erkrankung.

    Ein Gerichtsverfahren dürfte mit ziemlicher Sicherheit zu keiner Verurteilung führen.

    Es kann sogar gut sein, dass er dann zum Gegenangriff übergeht und dir per gerichtlicher Verfügung die Behauptung der Vergewaltigung untersagt.

    Ich kann dir nur dazu raten, dich jetzt intensiv um dich selbst zu kümmern.

  10. Avatar von chaos99
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    AW: Vergewaltigung durch den (Ex-)Partner: Anzeigen oder nicht?

    Zitat Zitat von Ulina Beitrag anzeigen
    Er hat nicht irgendwann einmal irgendetwas gemacht. Er hat sie vergewaltigt!!!
    Die Geschichte der TE ist ohne Frage übel...

    Aber der Tenor ist leider richtig.
    Ohne Beweise keine Chance.

    Der Umstand, alleine aufgrund der Aussage nicht verurteilt werden zu können, hat ja auch berechtigte Gründe.
    Chaos
    .................................................. ....................
    Permanente Nettigkeit ist ein Symptom. (Dr. House)

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