Antworten
Seite 1 von 11 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 107
  1. User Info Menu

    Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Liebes Forum,
    ich habe mich hier neu registriert, weil mir beim Googeln nach meinem Problem positiv auffiel, wie reflektiert und ausgewogen die meisten Antworten hier sind.

    Ich befinde mich in einer Zwickmühle und so oder so werde ich
    Verletzungen verursachen. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll, wie viel Kompromiss ich leisten kann.

    Hier ist die Vorgeschichte:
    Ich bin 35, habe einen Vollzeitberuf, der recht fordern ist und zwei Kinder 4 und 6. Ich kam vor acht Jahren aus einer langen.Beziehung mit einem depressiven Mann, in der es kaum und wenn dann nur unerfüllenden Sex gab, kein Kuscheln, keine Wertschätzung. Ich bin nahtlos in eine andere Beziehung übergegangen. Ich war sehr glücklich, so umsorgt und geschätzt zu werden, Schmetterlinge im Bauch hatte ich nicht, ich war trotzdem glücklich. Wir hatten sehr viel Sex, die Quantität hat nach Jahren, in denen ich mich unbegehrt und abgewisen fühlte, überlagert, dass es wenig spielerisch war und eigentlich nicht das, was ich für mich als "guten Sex" bezeichnen würde.
    Ich bin nach zwei Monaten schon versehentlich schwanger geworden. Ich habe immer gedacht, dass ich bei einem Unfall abtreiben würde, konnte ich mir dann aber überhaupt nicht vorstellen. Der Vater hat sich sehr gefreut und wir sind nach ein paar Monaten zusammen gezogen. Er ist respektvoll, freundlich, hilfsbereit, hat mich immer entlastet, auch als unser Söhnchen dann geboren wurde. Die Beziehung lief gut, nur wollte ich immer weniger Sex, er hat sehr darauf gedrängt und nicht nachgelassen.

    Nach zwei Jahren war ich wieder schwanger und wir haben einen zweiten Sohn bekommen. Mein damaliger Freund hat sich ebenso wie ich beruflich weiterentwickelt, wir haben uns gegenseitig unterstützt und wir haben als Familie immer gut funktioniert. Er denkt mit, er kocht, er räumt auf und liebt die Kinder unendlich. Nur unser Sexleben hat mich nicht glücklich gemacht, er war sehr fordernd, ich habe nachgegeben, wodurch meine Lust auch nicht größer wurde. Ich war immer froh, wenn ich meine Tage hatte, weil das ein Grund war, den er akzeptiert hat. Ich hatte immer Lust, mit ihm zu kuscheln, aber nicht mal knutschen wollte ich eigentlich mehr mit ihm. Ich hatte mich so arrangiert. Wenn ich thematisiert habe, dass er zu sehr drängt, hat er es nicht verstanden. "Sex gehört dazu, ich bin dein Mann blabla"


    Vor zwei Jahren dann habe ich einen neuen Job angefangen und mich im Kontext der neuen Arbeit in jemanden verliebt, der sehr um mich geworben hat. Bumm, ich habe mich als Frau gefühlt, statt als Mutter, da waren die anregenden Gespräche, die mit meinem damaligen Freund nicht stattgefunden haben, die sexuelle Anziehungskraft war ungeheuer groß. Es war eine komische wilde Zeit, ich habe versucht, nicht an den anderen zu denken, aber schließlich habe ich mich doch vom Vater meiner Kinder getrennt. Ich hatte das Gefühl, mich zu sehr verleugnen zu müssen, wenn ich weiter mit ihm zusammen bleibe, denn wie konnte ich mich so sehr in jemand anderen verlieben? Meine Familie war sauer, der Vater meiner Kinder unendlich verletzt. Er ist ausgezogen, hat sich noch um die Jungs gekümmert, schichtdienstbedingt allerdings ziemlich selten. Hat mir wütende Nachrichten geschickt, Blickkontakt verweigert, ich habe ihn unendlich verletzt.

    Mit dem anderen Mann, den ich für einen Seelenverwandten hielt, ist es nichts geworden. Wir hatten nicht mal Sex, weil ich mit Sex immer warte, bis ich ganz sicher bin. Ich weiß nicht, ob er wegen der Kinder kalte Füße bekommen hat (er ist jünger als ich) oder was da los war. Ich war sehr verletzt und bin es manchmal immer noch. Das klingt furchtbar naiv und war es vielleicht auch, aber so einen Mann hatte ich bislang noch nicht getroffen. Unsere Gespräche waren so tief und gut, wir waren uns so ähnlich und trotzdem war da diese krasse Anziehung, die ich bei meinem Ex nicht hatte.

    Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich ein treues Seelchen bin. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, dass ich mich fremdverlieben würde, hätte ich ihm aus voller Überzeugung einen Vogel gezeigt.
    Jetzt bin ich seit eindreiviertel Jahren alleinerziehend. Es gab noch zwei kurze Beziehungen, die ich beendet habe. Ich hatte unendlich guten heißen Sex, aber beide Männer sind nichts für den Alltag, egoistisch, fordernd, unreif. In der Zeit ohne den Vater meiner Kinder habe ich ihn übrigens nicht vermisst, nur bemitleidet, weil ich weiß, was ich für ihn kaputt gemacht habe. Er wollte immer nur eine Familie und in Ruhe und Frieden leben.


    Der Alltag als Alleinerziehende ist sehr anstrengend. Ich arbeite 35-40 Stunden, kümmere mich um die Kinder, die Wohnung, die Katze, die Papiere, das Einkaufen, Kochen, die Elternabende, die Elternmitarbeit, die Reparaturen. In letzter Zeit war ich öfter krank, ich kann oft nicht mehr. Meine Mutter entlastet mich alle paar Wochen, arbeitet aber selber noch.

    Und mir fehlt ein Familienleben. Jemand, der mitdenkt, mit uns in den Park geht, der sich genau so zuständig fühlt wie ich, für den die Kinder kein Nervfaktor sind, sondern kleine tolle selbstständige Wesen, die halt oft nerven. All das kann ich von einem "fremden" Mann, der nicht der Vater ist, nicht erwarten und ich weiß auch, dass die Jungs noch sehr klein sind und es für meine beiden Interims-Freunde sicher nicht leicht war, sich mit meinem bisschen Zeit und dem Chaos und der Lautstärke hier zu arrangieren.

    In letzter Zeit hatte ich wieder mehr Kontakt zum Vater der Kinder, wir waren mit den Jungs auf dem Rummel und spazieren, haben zusammen gekocht. Es ist vertraut, die Abläufe funktionierem. Er würde mich sofort zurücknehmen, um als Familie zusammenzusein, er sagt, er liebt mich noch.
    Für mich wäre es so viel leichter, wieder geborgen sein, nicht alleine alles stemmen müssen. Aber die Zuneigung, die ich zu ihm habe, ist Dankbarkeit, Freundschaft, Vertrauen. Ich habe ihn lieb. Er war immer gut zu mir. Ich liebe ihn nicht, ich bin nicht verliebt und ich begehre ihn nicht. Selbst wenn ich mich damit arrangieren würde , für den Spaß, den wir zusammen haben, die Gespräche über die Arbeit, das Zusammensein mit unseren Kindern, dann habe ich vor zwei Sachen Angst;

    erstens ist es ihm gegenüber unfair, der er mich liebt. Wenn ich die Jungs nicht hätte, würde ich nicht daran denken, wieder mit ihm zusammen zu sein. Er hätte sosehr jemanden verdient, der ihm zurückgibt, was er zu geben hat. Ich kann seine Freundin sein, ihm zuhören, mit ihm Quatsch machen, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich alt bin und in Cafés sitze, kann ich mich nicht mit ihm dort sitzen sehen. Er liest nicht, er mag ganz andere Filme als ich, für ihn ist die Welt schwarzweiß. Es gibt nur richtig oder falsch. Dadurch, dass er eine andere Muttersprache hat als ich, ist unsere Kommunikation auch reduziert. Meine geliebten Sprachspiele verpuffen bei ihm.

    Zweitens, selbst wenn ich zugunsten des Familienlebens, das mit ihm ja immer schön war, auf den für mich wichtigen auf gegenseitiger Anziehung basierenden Sex verzichte, habe ich Angst, dass so etwas wie vor zwei Jahren wieder passieren könnte. Ich habe gemerkt, dass ich nicht immun bin dagegen, die fehlende Elektrizität woanders zu finden, dass meine Rationalität und mein Pragmatismus nicht stärker sind als meine Libido und das Bedürfnis nach Kribbeln und Anziehung.
    Da könnte ich den Vater meiner Jungs auch gleich von der Brücke stoßen. Noch mal kann ich ihm das nicht antun. Ich will so nicht sein. Warum kann ich ihn nicht einfach wollen? Es wäre so einfach.

    Ich weiß ja auch, dass Erotik in längeren Beziehungen oft einschläft, aber hier geht es nicht um ein Einschlafen, ich müsste mich überwinden, um mit ihm zu schlafen, ich will ihn nicht küssen, ich würde mich fühlen, als ob ich mich für das schöne angenehme Familienleben" opfere". Auf weniger als 2-3 Mal Sex pro Woche lässt sich der Vater der Kinder bestimmt nicht ein und ich will einfach nicht. Noch dazu würd eich ihn ausnutzen.

    Ich habe also die Wahl dazwischen, als Alleinerziehende ab und zu guten Sex zu haben und im Alltag alles alleine zu wuppen und mich einsam zu fühlen und alternativ mit jemandem zusammen zu sein, der eigentlich der perfekte Partner ist bis auf dass ich ihn nicht richtig lieben kann und nicht mit ihm schlafen will, obwohl ich eigentlich eine recht hohe Libido habe.

    Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einem Forum so ein verworrenes egoistisches Problem posten würde. Kann man seine Libido langfristig verleugnen? Ist Freundschaft und Respekt wichtiger als Begehren?

    Sorry, dass es so lang geworden ist und Danke für jede Art von konstruktivem Input!

  2. Inaktiver User

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Zitat Zitat von Cat_Berlin Beitrag anzeigen


    Ich habe also die Wahl dazwischen, als Alleinerziehende ab und zu guten Sex zu haben und im Alltag alles alleine zu wuppen und mich einsam zu fühlen und alternativ mit jemandem zusammen zu sein, der eigentlich der perfekte Partner ist bis auf dass ich ihn nicht richtig lieben kann und nicht mit ihm schlafen will, obwohl ich eigentlich eine recht hohe Libido habe.
    Gäbe es nicht noch eine dritte Variante: Als Freunde/Eltern zusammenzuleben wie in einer WG?

  3. Moderation

    User Info Menu

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Ohne gleich auf die ganzen Details einzugehen : nach meiner Erfahrung landet man im Dualismus der Zwickmühlen, wenn man die Fragestellung zu eng aufzieht, Verbindungen zieht, die so nicht zusammengehören (Überbelastung & selten Sex oder Entlastung gegen zuwider-Sex) und nicht alle Möglichkeiten bedenkt und miit einbezieht.

  4. User Info Menu

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Gäbe es nicht noch eine dritte Variante: Als Freunde/Eltern zusammenzuleben wie in einer WG?
    Das ist für ihn unvorstellbar, er möchte entweder ein Paar sein oder nichts. Gemeinsame Unternehmungen als "Freunde" will er nicht, das tut ihm zu weh.

    Ebenso kommt keine offene Beziehung für ihn in Frage oder eine Beziehung, in der man sich anderweitig vergnügt (für mich eigentlich auch nicht).

    Danke für deine Antwort!

  5. User Info Menu

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Ohne gleich auf die ganzen Details einzugehen : nach meiner Erfahrung landet man im Dualismus der Zwickmühlen, wenn man die Fragestellung zu eng aufzieht, Verbindungen zieht, die so nicht zusammengehören (Überbelastung & selten Sex oder Entlastung gegen zuwider-Sex) und nicht alle Möglichkeiten bedenkt und miit einbezieht.
    Mhm ,ich habe es natürlich krass überspitzt/ runtergebrochen, war ja eh schon lang genug. ;-)
    Wenn es noch weitere Möglichkeiten gibt, sehe ich sie momentan nicht. Vielleicht habe ich mich festgedacht.
    Ich würde gerne mit meiner Freundin sprechen, die ist aber im Urlaub und zudem noch glücklich frisch schwanger, da weiß ich nicht, ob sie die Nerven für meine Sorgen hat.
    Danke für deinen Input!

  6. Inaktiver User

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Könnte der Kindsvater Dich im Alltag mehr entlasten, ohne dass Ihr wieder zusammen wohnt?

  7. User Info Menu

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Könnte der Kindsvater Dich im Alltag mehr entlasten, ohne dass Ihr wieder zusammen wohnt?
    Er war innerhalb der Partnerschaft sehr fürsorglich und entlastend. Sobald ich mich getrennt habe, war es aus damit.
    Ich bin nicht sicher, ob er einfach den Kontakt mit mir nicht ertragen konnte, oder ob er mich so am besten "bestrafen" konnte. Da er im Schichtdienst arbeitet (Spät-/Nachtschichten sowie 9 Tage am Stück arbeiten plus 4 freie Tage) ist es für ihn eh schwer, die Kinder regelmäßig zu nehmen.
    Vielen Dank für deine Antwort. :-)

  8. Inaktiver User

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Zitat Zitat von Cat_Berlin Beitrag anzeigen
    Er war innerhalb der Partnerschaft sehr fürsorglich und entlastend. Sobald ich mich getrennt habe, war es aus damit.
    Das ist schade.

  9. User Info Menu

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Hallo Katze,

    es ist ein Gemeinplatz, dass in einer Beziehung nicht immer alles 100 %ig sein kann. Irgendetwas kann immer noch etwas besser sein. Wenn ich Deine Schilderung richtig verstanden habe, war die Beziehung zum Vater Deiner jüngeren Kinder ziemlich nah am Optimum. Du wirst Kompromissse machen müssen, entweder hier oder dort. Entscheide, was Dir wichtiger ist. Ein erfüllendes Liebesleben (das man erst einmal finden muß) oder den Mann, der dir den Alltag mit vier Kindern managen hilft.

    Zugegeben, eine schwere Entscheidung. Aber was im Leben ist schon einfach ?

    Gruß

    W.

  10. Inaktiver User

    AW: Zwickmühle: Begehren / Familienleben

    Zitat Zitat von Wiedennwodennwasdenn Beitrag anzeigen
    Alltag mit vier Kindern
    Huch, wo kommen die denn her?

Antworten
Seite 1 von 11 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •