Hallo liebe Community,
mein Freund und ich sind seit nunmehr sechs Jahren ein Paar und teilen, in Grundzügen, einige sexuelle Vorlieben, die ich als gemäßigte Devianz im Sinne eines (eigentlich harmlosen) partiellen Fetischismus definieren würde...also nichts Abartiges...aber doch so Essentielles, dass wir dauerhaft nicht darauf verzichten wollten.
Trotz dieser (glücklichen) Gemeinsamkeit, die ich keineswegs als selbsverständlich annehme, zeichnen sich nun schon seit geraumer Zeit gewisse Divergenzen bezüglicher unserer Vorlieben ab, die ich immer drängender empfinde, mein Partner jedoch eher auszusitzen gedenkt, offenbar in der Annahme, dass es sich hierbei lediglich um eine zeitweilige Spinnerei des – ansonsten wie geschmiert laufenden – Getriebes handelt.
So sehr ich seine Zuversicht auch zu schätzen weiß, fällt es mir schwer, diese zu teilen. Dabei nehme ich ihm vor allem sein Wegsehen übel, seine Ignoranz, mit der er meinem Drang nach Weiterentwicklung begegnet. Meinem Eindruck nach hat er schon vor Jahren aufgehört, sich zu bewegen und in dieser Starrhalsigkeit noch dazu eine gewisse Arroganz entwickelt, die ihn fortlaufend im Recht wähnt.
Als wir zusammen kamen, hatte er einen nicht unerheblichen Erfahrungsvorsprung, von dem ich/wir lange Zeit zehren konnten. Jetzt erscheint es mir aber so, als wäre der Zenit dieses Vorsprungs erreicht...darüber hinaus fühle ich mich auch zunehmend als Requisit seiner Fantasien, die ich über die Jahre zwar gerne und freiwillig rezipiert habe, nun aber ebenso gerne erweitern, ergänzen, schlichtweg dynamischer und weniger festgelegt gestalten, eventuell auch in die eine, oder andere (mir noch eine Spur mehr entsprechende) Richtung lenken würde.
D.h.: Wir teilen zwar den Grundton/-gedanken bestimmter Vorlieben, unterscheiden uns aber hinsichtlich deren Nuancen und präferierten Ausführungen. In vielem, worauf er ganz besonders viel Wert legt , bin ich deutlich gemäßigter. Von einigem, das er als verzichtbar und nebensächlich abtut, verspreche ich mir deutlich mehr.
Leider läuft es meist so, wie er sich das vorstellt...was zu einem gewissen Teil einer Vorliebe an sich geschuldet ist, zum größeren aber seiner (von mir unterstellten) Unflexibilität.
Nun weiß ich nicht, wie ich mit dieser Entwicklung konstruktiv umgehen soll, ohne mich all zu sehr zu verbiegen und anzupassen. Mein aus der Not geborener Vorschlag, die Beziehung zu öffnen, wurde abgeschmettert.
Ich fühle mich aber immer eigeengter und geradezu ausgebremst von ihm. Wäre er emotional nicht so wichtig für mich, hätte ich mich vermutlich schon längst getrennt. Gegenwärtig ist er aber einer meiner wichtigsten Bezugspersonen, die Vorstellung, ihn zu verlassen, ist unwirklich und beängstigend zugleich...an manchen Tagen aber auch verlockend, so wie heute, in dem Moment, wie ich diesen Text hier verfasse.
Daneben existieren auch Zweifel, jemals wieder einen sexuell kompatiblen Menschen zu finden, der mir über diese Gemeinsamkeit hinaus ans Herz wächst. Real bin ich noch auf keinen einzigen Mann gestoßen, der dem näher gekommen wäre als mein gegenwärtiger Freund. Letztes Jahr hatte ich mich vorübergehend fremdverliebt, um dann festzustellen, dass dieser Mann meine Neigungen grüdlich missverstanden hatte.
Nun bin ich zwar kein Sklave meiner Vorlieben, fände es aber doch irgendwie schwachsinnig, eine Beziehung wegen sexueller Unstimmigkeiten zu beenden, die bei einem anderen Partner noch deutlich größer wären.
Vielleicht ist das aber auch eine Angst, die aus jahrelanger Einbahnstraße entstanden ist, bei der ausgiebigere Blicke nach links und rechts nicht gestattet/erwünscht waren. Diese Blicke sind es aber, denen ich so gerne nachgehen würde.
Ich habe in der Vergangenheit sehr viel über Neosexualität, auch im wissenschaftlichen Kontext, gelesen, wodurch mir die Bandbreite all dessen, was in diesem Terrain möglich ist, überhaupt erst zugänglich wurde. Während ich also damit beschäftigt bin, zu suchen und mich dabei so gut wie möglich wiederzufinden, ist mein Freund schon längst angekommen und weiß ganz genau, was er möchte (und auch ganz wichtig: was nicht). Meinem Wissensdurst steht er somit wenig teilnahmsvoll gegenüber. Er hat auch keines der Bücher gelesen, die ich ihm empfohlen hatte. Wenn ich für mich verlockende Überlegungen anstelle, geht er nur selten auf diese ein, oder tut so, als könne er sie nicht nachvollziehen. Meinem Empfinden nach probiert er es aber noch nicht mal. Mir fehlt dieser Austausch sehr und zu wissen, dass er es eigentlich könnte, wenn er nur wollte, verletzt mich zudem.
Trotzdem bin unsicher, wie ich mich entscheiden soll. So sehr ich fürchte, einem wichtigen Menschen in meinem Leben den Rücken zu kehren, so groß erscheint mir der Verlust, sollte ich meine Neugier der Beziehung willen ad acta legen. Ich glaube, für ein solches Opfer bin ich wirklich noch zu jung.
Welchen Stellenwert räumt ihr euren sexuellen Vorlieben ein? Wie kann ich meinen Freund dazu bringen, doch noch über seinen Tellerrand zu blicken?
Kann mir irgendjemand etwas raten (v.a. auch unter Berücksichtigung der Tatsache, sexuell nicht ganz normal zu ticken)?
Vielen Dank,
Kassiope
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 1242
-
14.01.2015, 10:55Inaktiver User
Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
-
14.01.2015, 12:48Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Probiere doch einmal, diese Passage aus der Sicht eines neutralen Dritten zu lesen, und spüre einmal nach, was dann in Dir vorgeht.
Ich mag z.B. keine Äpfel, und da könnten mir Millionen Menschen erzählen, wie gesund die doch sind, etc. pp. Ich werde dennoch keine essen.
Und wenn mir meine Partnerin sagen würde, dass ich sie doch essen könnte, wenn ich nur wollte, und ich sie durch dieses Nichtwollen verletze, würde ich mir Gedanken machen, ob wir überhaupt noch beziehungskompatibel sind.
Du wirst entscheiden müssen, was Dir wichtiger ist, eine Fortsetzung der Beziehung oder deine persönliche sexuelle Weiterentwicklung, die dein Partner offenbar so wie von Dir gewünscht, leider nicht mittragen kann.
Kannst Du nicht noch etwas abwarten, um festzustellen, ob eine gemeinsame Entwicklung nicht doch noch möglich ist?
Hast Du deinen Freund informiert, dass Du die Trennung präferierst, wenn Du in diesem Bereich keine Zufriedenheit mehr erlangst?
lg jaws
-
14.01.2015, 13:02Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Ich finde, eine erfüllte Sexualität hat einen hohen Stellenwert. Und da ist es egal, welche Gewohnheiten oder Fetische man pflegt.
Was mich ein wenig nachdenklich stimmt, ist sein "Nichtbemühen" Du hast ihm ja wohl glaubhaft klar gemacht, dass Du unglücklich bist?! Wenn ich liebe, nehme ich doch auch ein wenig Mühe in Kauf, um meinen Partner glücklich zu sehen?!
Weiß er, dass Du an einen Ausbruch denkst? Dass Deine Not so groß ist?
Ich sehe allerdings auch eine Schwierigkeit darin, einen neuen Partner mit ungewöhnlichen Vorlieben zu finden, der einen auch emotional berührt. Spielpartner in der Szene gibt es ja genug, aber Lebenspartner eher selten.
-
14.01.2015, 15:27Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Jaws und Wunschfee, danke für eure Antworten.
Man könnte den Eindruck gewinnen, dass ich meinem Partner etwas aufnötigen möchte ungeachtet seiner eigenen Vorlieben und Abneigungen, er sich von mir emotional unter Druck gesetzt fühlt, wenn ich meine Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringe?Probiere doch einmal, diese Passage aus der Sicht eines neutralen Dritten zu lesen, und spüre einmal nach, was dann in Dir vorgeht.
So ist es aber nicht. Ich bin niemand, der andere bedrängt, schon gar nicht ihn.
Meine Vorschläge sind keine Forderungen, die ich unter Androhung emotionaler Repressalien durchzusetzen versuche, sondern Bitten, Einladungen...mal ein bisschen weiter zu denken.
Bei uns scheitert es aber schon viel früher, nicht erst beim Essen, sondern schon bei der Diskussion und dem Gedankenspiel darum, wo der Reiz beim Verzehr von Äpfeln liegen könnte.Und wenn mir meine Partnerin sagen würde, dass ich sie doch essen könnte, wenn ich nur wollte, und ich sie durch dieses Nichtwollen verletze, würde ich mir Gedanken machen, ob wir überhaupt noch beziehungskompatibel sind.
Aber wenn er sich doch weigert, an dieser Entwicklung mitzuwirken und teilzuhaben?Kannst Du nicht noch etwas abwarten, um festzustellen, ob eine gemeinsame Entwicklung nicht doch noch möglich ist?
Vielleicht liegt es auch in unserem (beträchtlichen) Altersunterschied und den damit verbundenen unterschiedlichen Lebensabschnitten begründet, dass er meiner momentanen Umbruchsphase so wenig abgewinnen kann. Er hat das alles im Großen und Ganzen bereits hinter sich (meint er) und es demzufolge nicht mehr nötig, Ratgeber zu lesen (die nebenbei gar keine sind), oder sich zu finden.
das weiß er. Ihm ist auch bekannt, dass ich letztes Jahr fremdverliebt war. Ich habe grundsätzlich keine Geheimnisse vor ihm. Ihn anzulügen, oder falsche Tatsachen vorzutäuschen, würde ich nicht über mich bringen, dafür ist er mir zu wichtig und nehme ich ihn viel zu ernst.Hast Du deinen Freund informiert, dass Du die Trennung präferierst, wenn Du in diesem Bereich keine Zufriedenheit mehr erlangst?
Aus diesem Grund möchte ich unsere Beziehung auch nicht leichtfertig aufgeben.
Jaws, nur zum besseren Verständnis: bist du ein Mann, oder eine Frau?
Ja, das stört mich auch am allermeisten. Er muss nicht nach meiner Pfeife tanzen, oder alles gut finden, was ich an ihn herantrage, aber diese Ignoranz meinen Interessen gegenüber, die er als vorübergehende Verirrungen abtut, finde ich lieblos.Was mich ein wenig nachdenklich stimmt, ist sein "Nichtbemühen" Du hast ihm ja wohl glaubhaft klar gemacht, dass Du unglücklich bist?! Wenn ich liebe, nehme ich doch auch ein wenig Mühe in Kauf, um meinen Partner glücklich zu sehen?!
Weiß er, dass Du an einen Ausbruch denkst? Dass Deine Not so groß ist?
Unsere gesamte Sexualität ist durch sein Insistieren und meine Offenheit zustande gekommen. Damals hätte ich mir auch so einiges noch nicht vorstellen können, ließ mich aber ihm zuliebe darauf ein...was sich im Nachhinein als Glücksfall erwiesen hat, aus damaliger Sicht aber genau so gut hätte anders verlaufen können.
Die sehe ich ebenfalls, ganz besonders deshalb, weil ich den Sex (und meine Vorlieben) nicht vom Partner/Menschen unabhängig betrachten kann, wie das bei vielen anderen Fetischen möglich und üblich ist. Ich benötige (berechtigtes) Vertrauen in mein Gegenüber, um mich entsprechend ausleben zu können. Da es in meinem Fall auch um Abgabe von Kontrolle geht, erschiene mir alles andere als sehr leichtsinnig.Ich sehe allerdings auch eine Schwierigkeit darin, einen neuen Partner mit ungewöhnlichen Vorlieben zu finden, der einen auch emotional berührt. Spielpartner in der Szene gibt es ja genug, aber Lebenspartner eher selten.
Vielleicht muss ich auch einsehen, dass man nicht alles haben kann
-
14.01.2015, 17:43Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Entschuldigt, aber mir ist noch etwas eingefallen, das ich gerne hinzufügen würde:
Es wundert mich ebenfalls, dass er auf einmal so unflexibel geworden ist, er mir neuerdings geradezu engstirnig und starr erscheint, obwohl ich ihn damals als freigeistig und aufregend wahrgenommen hatte.Was mich ein wenig nachdenklich stimmt, ist sein "Nichtbemühen"
Könnte das (schon) irgendeine Form von verfrühter Alsterborniertheit sein? Sind unter Umständen alle Menschen in dem Alter so?
Meine größte Befürchtung ist die, dass er nur so lange flexibel war, wie es darum ging, aus mir seine perfekte Spielgefährtin zu basteln.
Ich möchte aber Neues entdecken und je mehr ich das möchte, desto stärker scheint er am Alten festzuhalten und es vor meinen Ideen schützen zu wollen.
Ich finde das so schade...und es ergibt auch nicht wirklich Sinn für mich.
-
14.01.2015, 17:59Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Das klingt aber sehr anstrengend Kassiope, was du dir unter erfüllendem Sex vorstellst.
Für mich ist Sex mit meinem Partner Lust, Freude, Spaß, Entspannung, Innigkeit, Einssein, Körperkontakt und nicht mehr und nicht weniger - hab mir ehrlich gesagt noch nie weiter Gedanken darüber gemacht.
Über welche Vorlieben geht es denn, wenn du es etwas genauer ausführen magst, damit ich überhaupt begreife, was du hier aussagen willst?
Karla
-
14.01.2015, 19:55Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Und ich dachte ich wäre ein Kopfmensch....

1. Eindruck
Dein Post kommt so mechanisch rüber so kapitalistisch, heute 100%, nächstes Jahr Gewinnsteigerung sexueller Vorlieben um 10%, übernächstes Jahr wieder 10% mehr.
Oder: Wann ist genug genug?
2. Eindruck
Es könnte aber auch darauf hindeuten, daß sich hier eine Assymmetrie gebildet hat, quasi das Machtgefälle im sexuellen Bereich verschoben hat? Solange er die Ideen und Zügel ausbreiten konnte und Du unerfahren und gelehrig warst gab ihm das den sexuellen Kick, Du hast Blut geleckt und hast eine Eigendynamik entwickelt, bringst neue Ideen, möchtest mehr davon vom süßen Nektar und plötzlich ist nicht mehr er derjenige, der den Ton angibt sondern Du?
Es gibt ja Menschen, die haben einen Mordsspaß dran wenn sie anderen Streiche spielen können aber wehe es wagt jemand ihnen einen gleichen Streich zu spielen, da ist dann für Tage die beleidigte Leberwurst drin.
Ich finde ja Deinen Schreibstil saucool (ich kenn noch jemanden, der so ähnlich formuliert und hab grad gelernt was Devianz bedeutet) aber es sind 3000 Wörter, die nichts aber auch gar nichts über Dich und Deinen Partner wirklich aussagen.
Zum Besseren Verständnis für mich: Wer von Euch beiden ist wie alt?
Tut es mich mal erleuchten und begibt es sich auf die Niederungen meinereiner nieder
, geht das?
-
14.01.2015, 20:16Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft
Liebe Kassiope
Mir gefällt Dein Schreibstil, ist mal was ganz anderes! Du kannst Dich wunderbar ausdrücken und scheinst auch sehr durchdacht, reflektiert und fair zu sein. Dein Beitrag lässt sich wirklich angenehm lesen.
Mir scheint, Deinem Partner ist es sehr gemütlich und er hat keinen Grund, sich zu bemühen. Es geht doch alles seinen Gang, er schafft das mit dem von ihm verlangten Verzicht recht locker und Du bist die Leidtragende.
Meine Erfahrung: wenn solche Differenzen auftreten, egal auf welchem Gebiet, und Du so richtig unzufrieden oder unglücklich bist, ist es oft hilfreich, sich neue Freiräume zu schaffen.
Du spielst mit dem Gedanken der Trennung, das heißt ein Teil von Dir möchte tatsächlich Abstand. Auf den Teil würde ich mich jetzt etwas mehr konzentrieren.
Nun spielt sich Trennung ja nie "einfach zack schnell gemacht über Nacht" ab, denn "das ist es nicht".
Vielleicht kommt er mehr in Bewegung, wenn er die Dringlichkeit der Situation wirklich fühlt und somit versteht. Hat bei mir noch immer geklappt und Trennung war dann gar nicht nötig.
-
14.01.2015, 20:18Inaktiver User
-
14.01.2015, 20:22Inaktiver User
AW: Sexuelle Divergenz innerhalb (langjähriger) Partnerschaft


Zitieren

