Hallo miteinander,
ich wende mich jetzt als schon lange stille Mitleserin mal an Euch, weil ich zu viele Gedanken im Kopf habe, und sie nicht ordnen kann.
Mein Partner und ich sind seit drei Jahren zusammen und haben auch ein gemeinsames Kind. Beide sind wir geschieden. Wir haben so unsere Höhen und Tiefen, meine Tiefen haben oft etwas mit einem Vertrauensproblem zu tun, da er mich zu Beginn unserer Beziehung des öfteren wegen seiner Exfrau belogen hat.
Das nur, falls es wichtig sein sollte zur Gesamtbeurteilung ;-).
Nun zu meinem Problem:
Mein Partner und ich haben eigentlich - so empfinde ich es - ein sehr gutes sexuelles Leben. Wir können über alles sprechen, tauschen uns über Wünsche und Träume aus, die wir auch eigentlich (dachte ich, und er sagte es mir auch genau so) ausleben.
Er hat einen Nylon-Fetisch. Das weiß ich auch und versuche (trotz 10 Monate altem Baby) den auch immer zu bedienen - ich genieße es ja selbst, wenn er mich dann so begehrt.
In der letzten Zeit allerdings läuft nur noch was, wenn ich Nylons trage. Das stört mich ein wenig, ich habe dann manchmal das Gefühl, es geht gar nicht um mich, sondern nur um die Nylons.
Ich habe das mal angesprochen, er hat es aber nur abgestritten, das wäre gar nicht so.
Gut, ich hab mir dann vorgenommen, einfach keine Nylons mehr tragen und gucken, was passiert.
Ich weiß schon länger, dass er sich pornos auf dem Rechner anguckt. Ich habe das nie angesprochen, weil ich es einfach nicht wichtig finde und ich da wirklich sehr entspannt bin.
Die letzte Zeit nahm es überhand, dass er sich überhaupt nicht mehr mit seinem Sohn (sein absolutes Wunschkind) beschäftigt hat, sondern direkt an den PC verschwandt, wenn er heim kam - und ja, ich gebe zu, ich habe geschnüffelt und gesehen, dass er in jeder freien Minute Bildchen guckt und Pornos. Ein wenig gekränkt hat mich, dass er explizit Filme gesucht, in denen die Frauen genau anders sind als ich (kurze Haare, kleine Brüste - hab ich beides nicht). Gekränkt hat es mich vor allem, weil mein Exmann es genau so gemacht hat.
Ich hab also das Gespräch mit ihm gesucht. Ganz unverfänglich. Habe ihm gesagt, dass ich finde, dass er ein wenig viel Zeit vor dem Rechner verbringt. Und dass ich das schon mal gehabt hätte, dass mein Exmann aber Pornos geguckt hat, was mir prinzipiell egal gewesen wäre, nur die Intensität und das Suchen nach genau anderen Attributen hätte mich damals verletzt.
Er hat es auch eingesehen und ich gebe zu, wesentlich mehr Zeit mit dem Kleinen verbracht. Damit war das eigentlich für mich erledigt.
Heute morgen musste ich an den Rechner Fotos suchen für ein Fotobuch als Geschenk für seine Eltern und ich dachte, mich trifft der Schlag: Zigtausende (nicht übertrieben, es sind bestimmt allein über 100 zip-Dateien) Bilder von billigen Frauen in billigen Strümpfen. Das letzte heruntergeladen heute morgen um halb sechs. Jeden Tag noch und nöcher... selbst als ich nach dem Kaiserschnitt mit dem Kleinen im Krankenhaus lag, hat er Bilder gesucht und gespeichert.
Und DAMIT komme ich nicht klar. Mit dieser Menge.... das grenzt doch schon an Sucht, oder? Und mich bestätigt es, dass es nicht um mich geht, sondern wirklich nur um die Strümpfe.
Wie gesagt, es geht hier nicht darum, DASS er das macht. Da bin ich wirklich entspannt. Es geht darum, dass er mich diesbezüglich belügt (er hat letzte Woche gesagt, er wüßte gar nicht, ob es so Strumpfbildchen gäbe).
Es geht mir um die Menge, das gezielte Sammeln, dass er es ständig macht und dass zwischen uns nichts läuft, ohne dass ich Nylons trage....
Versteht das jemand???
Ich liebe ihn sehr und will ihn niemals verlieren. Ansprechen kann ich ihn da drauf nicht, denn er würde nur sehen, dass ich an seinem Rechner war. Aber ich fühle mich so reduziert und ich frage mich, ob ich ihn überhaupt richtig kenne?! Denn das nimmt einen so großen Teil in seinem Leben ein.....
Und ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Mit ihm schlafen oder sonstwas mag ich erst mal nicht, geschweige denn, mir für ihn Nylons anziehen.
Kann mir jemand dazu ein paar Gedanken schreiben, dass ich es schaffe, meine zu ordnen? Messe ich dem zu viel Bedeutung bei? Oder mache ich mir bei der Menge zu Recht Gedanken und interpretiere es als Sucht?
Danke schon mal vorab über ehrliche Antworten.....
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 11
Thema: Fetisch Nylons
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04.12.2013, 15:02
Fetisch Nylons
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05.12.2013, 09:54
AW: Fetisch Nylons
Hallo Tinchen,
ich kann Dir lange Erklärungen dazu abliefern, was da bei Deinem Partner möglicherweise wie und warum abläuft. Nur weiß ich nicht, ob Dir das allzuviel nützt, da das natürlich nicht individuell auf Euch zugeschnitten sein kann. (Bei Bedarf aber - bitte mit etwas Geduld - gerne mehr.)
Ein Sinn solcher Erklärungen setzt allerdings voraus, dass der Betroffene und sein Partner zumindest zeitweise eine Art außenstehende Position zu etwas einnehmen können und wollen, das immer noch viele oder sogar die meisten Betroffenen in einer als normal empfundenen Weise innerlich aufwühlt, die längst nicht mehr mit den (leider?) unabänderlichen Gegebenheiten des heutigen Lebens übereinstimmt - daher ja die vielen, teils wirklich "uralten" und dennoch immer wieder vorwiegend sehr abseitig diskutierten Konflikte (und die vielen Ersatzhandlungen).
Berechtigterweise werden die Zweifel allerdings auch dadurch geschürt, dass viele Verhaltensweisen als - vorsichtig ausgedrückt - Schwächen empfunden werden, obwohl die selben Schwächen an anderer Stelle sogar willkommen sind und teils geradezu extrem gefördert werden, weil sie unser verkorkstes Gesellschaftsmodell mit am Laufen halten.
Ganz kurz: Es geht um manchmal geradezu exzessives Konsumverhalten, nicht erfolgreiche Ersatzbefriedigung, deshalb ständige Steigerung bis hin zu suchtähnlichem Verhalten und schließlich mitunter eindeutige Sucht. Das Internet fördert das aufgrund seiner schieren Unendlichkeit, unendlichen Vielseitigkeit und weitgehenden Kostenfreiheit - wenn man mal vom Zeitbedarf und der zwangsweisen Vernachlässigung anderer Lebensbereiche absieht. Ansonsten fehlt halt jedes Regulativ.
(Nebenbei geht es auch darum, dass zu oft bestritten wird, dass sich Erotik und Sexualität sehr stark gewandelt haben, besonders seit dem Aufkommen der Themen im Internet - was, zumindest in der wirklichen Tragweite, auch oft verleugnet wird.)
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Insofern muss ich Dich anhand Deiner Schilderung also einerseits in Deinen Sorgen bestärken, andererseits aber auch "warnen", das Verhalten Deines Partners auf Dich, genauer: auf Dein Selbstwertgefühl zu beziehen. Tatsache: Auch im negativen Sinn geht es nicht um - also gegen - Dich. Es ist allein seine Schwäche (wie immer man "Schwäche" jetzt verstehen will).
Ratschläge können im gegenwärtigen Informationsstand nur sehr vage sein, nur Denkanstöße in möglichst viele Richtungen. Zuerst einmal war es vielleicht keine schlechte Idee, dem nachgehen zu wollen, wie Dein Partner auf Entzug reagiert. Damit das auch für ihn (und nicht nur für Dich) zu einer Klärung führen kann, wären nun aber offene Gespräche nötig und das ohne Vorwurfshaltung - die führt nicht weiter, macht meist sogar schon im Ansatz alles kaputt.
Hinderlich ist dabei, dass offenbar sowohl Du als auch Dein Partner schon (und vermutlich nur) negative Erfahrungen in solcher Hinsicht gemacht haben, die Trennungen zur Folge hatten.
Seine Lügen sind zwar ein zusätzlicher Grund für Zweifel und vielleicht beginnende Verzweiflung, aber andererseits stecken dahinter ganz große Gefühle, nämlich Scham, Selbstzweifel und Angst - auch wieder eine Rutschbahn in eine "Beruhigung" durch Konfabulation und Ersatzbefriedigung und letzlich in eine Sucht. Es ist also doch wohl kein vorsätzliches oder notorisches Lügen, Dein Partner kein "Charakterschwein".
An der Stelle wird nun gerne auf professionelle Beratung gedrängt. Im Prinzip absolut richtig, nur ist oft der Partner nicht dazu bereit (auch wieder aus Scham oder Verleugnung der sich entwickelnden Tiefe der - beiderseitigen - Problematik) oder es ist schwer, einen wirklich geeigneten Mediator oder Therapeuten zu finden.
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Wenn Du also nicht Klartext mit ihm reden kannst - was ich unter den gegebenen Umständen erst einmal von beiden Seiten her verstehe - würde ich mit dem Gedanken spielen, seine Bedürfnisse zu manipulieren - immerhin hast Du es nicht mit einer stofflichen Sucht zu tun, die zwangsweise zu einem Steigerungsdruck führte und allein einen Entzug als Therapie möglich machte.
Mag sein, dass er das Prinzip dahinter dann erkennt oder es als Verzweiflung fehlinterpretiert. Aber ich sähe durchaus Chancen, die Steuerung zu übernehmen und in eine Richtung zu gehen, die genau das Gegenteil der üblichen (muss ich leider so sagen) Entwicklung erreicht: Ein bewussteres Verhalten und eine festere Bindung mit gestärktem Vertrauen. Wer nichts tut, riskiert m. E. viel mehr und erreicht viel weniger, jedenfalls im Positiven. Und Appelle an andere Werte vertärken nur kontraproduktive Schuldgefühle.
Übrigens lassen sich nicht nur seine Lügen relativieren, sondern auch seine Bevorzugung des "Gegenteils" von Dir: Er versucht eventuell, Dich unbewusst aus seinem (inneren) Fetisch herauszuhalten, zu vermeiden, dass es insgesamt sexuell immer weniger um Dich geht - durch eine Trennung oder Abspaltung. Komischerweise (für mich) akzeptieren viele gerade diese Erklärung beim Pornokonsum: Dass es wildfremde Menschen seien, die da agieren und die gezeigten Exzesse ja quasi abstrakt, nicht realistisch.
Fetische sind, so gesehen, auch nicht realistisch, aber letztlich, wie die Anregung durch "Massenverkehr", systemimmanent, der Sexualität prinzipiell innewohnend . Aber man kann sie in Maßen ins eigene Spiel integrieren, was mir mit Rammelpornos und ihrer karikativen Dauer-Lüsternheit (die Schweizer sagen "Rüttelfilme" dazu) irgendwie nicht so wirklich möglich erscheint.
Ich will's jetzt mal dabei belassen - es gibt aber noch viel mehr sich ergänzende Denkmöglichkeiten, solange der Fetisch keine persönlichkeitseinschränkende Obsession ist, und keine ist ein Dogma. Es gibt nicht nur "50 Shades of Grey" (oder: "of Color"), es gibt tausende und sie sind lange veränderbar - aber zu schnell dann nicht mehr in einer Isolation (der Ablehnung, aber besonders einer - heimlichen - Suchtspirale). Bis dahin ist m. E. das meiste graduell und noch nicht pathologisch.
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P.S.:
Die Menge ist nicht so sehr das Problem - im Internet ist alles "Menge", vieles bloße "Gelegenheit". Ein Mangel führt zu viel nachhaltiger wirkender Beschäftigung mit etwas.
Bei allen Menschen, die mir je über Therapien sexueller Fetische oder BDSM berichtet haben, liefen die erfolgreichen darauf hinaus, diese Abweichungen weitgehend anzunehmen, sie eventuell zusätzlich zu modifizieren oder sogar in den Alltag einzubeziehen, sie irgendwie einvernehmlich in eine Partnerschaft zu integrieren. Die Therapie war also, die Wirkungen auf Persönlichkeit und Beziehung beherrschbar bis unproblematisch zu gestalten und nicht, das Problem wegzutherapieren.
"Gestalten" ist hier m. E. überhaupt das Entscheidende!
Manche mussten sich dazu allerdings trennen und einen kompatiblen Partner suchen, andere mussten für sich (als noch Suchende) oder gemeinsam (als Paar) Spielpartnerschaften zulassen, keiner war (länger) erfolgreich mit Wegtherapieren oder Unterdrücken bzw. Abstinenz. Bei vielen und vielem hat sich die Geschichte mit dem Ausleben dann sogar langsam nahezu erledigt - wenn die Partnerschaft sich ansonsten entwickelte. Andere werden ihren Vorlieben bis in die beginnende Gebrechlichkeit oder selbst so empfundene "Albernheit" hinein frönen.Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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07.12.2013, 17:22
AW: Fetisch Nylons
Liebes Tinchen,
Auch ich lebe mit einem Mann zusammen der einen Nylon Fetisch hat. In seinem Fall darfst Du Nylon auch wörtlich nehmen - er steht tatsächlich auf die steifen 50er Jahre Dinger. Im Notfall darf es aber auch mal ein moderner Strumpf sein
Ich weiß auch dass er sich entsprechende Pornos auf dem PC ansieht.
Es gibt also deutliche Parallelen.
Deswegen eines vorab: es geht um Dich in diesen Strümpfen!
Ein Fetischist braucht seinen Fetisch. Das ist nun mal eine Tatsache, die Du nicht ändern kannst.
Er liebt Dich und begehrt Dich, doch seine Begierde wird durch Strümpfe gesteigert. Du in Strümpfen ist für ihn der Gipfel des Glücks.
Wenn Du das für Dich verstehen kannst hast Du schon einen großen Schritt in eine gute gemeinsame Richtung gemacht.
Die Masse der Bilder hat Dich geschockt. Das kann ich verstehen. Auch ich tue mich schwer damit zu begreifen was Männer generell an Pornos und pornografischen Fotos finden. Ich bin aber bereit zu glauben dass es nichts mit der Beziehung zu tun hat.
Er lügt Dich an aus Scham und weil er keine Lust auf eine Szene hat. Wieso kam es denn überhaupt zu einem Gespräch über Strumpfbilder?
Dein Verhalten ( keine Nylons mehr tragen) signalisiert ihm, dass Du seinen Fetisch nicht wirklich akzeptierst. Da tut er sich natürlich schwer mit Dir darüber zu sprechen.
So das waren meine Gedanken zum Thema. Vielleicht konnte ich Dir ein wenig helfen. Ich wünsche Dir alles Gute!
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07.12.2013, 19:26
AW: Fetisch Nylons
Hi Tinchen,
ich muss noch eine Erklärung für die Manipulation nachliefern:
Da Dir das Tragen von Nylons ja ursprünglich keine Probleme bereitet hat, würde ich an Deiner Stelle überlegen, es beizubehalten - um den Partner mit seinem Fetisch nicht so ganz in die bisher selbstgewählte Isolation am PC zu "verbannen". Also eher kein totaler Boykott - auch, wenn ich Deine Beweggründe verstehen kann. Allerdings würde ich mir Änderungen und Eigenwilligkeiten dazu überlegen.
Als erstes könntest Du versuchen, dieses bloße Bedienen seines Fetischs für Dich selbst angenehm umzudefinieren. Ich hab' mit Nylons jetzt keine Erfahrung, weiß nur, dass es historische Nahtnylons auch gefaked gibt und das echte ein ziemlich störrisches Zeugs sein sollen, verglichen mit modernen Fasern und Gewirken (das hat Bigbeat ja bestätigt). Deshalb gehe ich mal davon aus, dass es nicht um wirkliches "Retro" geht und so sind meine Vorschläge vielleicht etwas daneben - aber sie zeigen hoffentlich, was ich im Prinzip meine:
Suche Dir halt "Nylons" aus, in denen Du Dich selbst besonders attraktiv findest und wohl fühlen kannst (von den Farben und Mustern her, der Blickdichte, der Haptik) oder weiche auf Leggings aus, Gymnastik- oder Sportkleidung etc. pp. Kurz: Mach (auch) irgendwie etwas Eigenes!
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Kombiniere sie z. B. mit Kleidung, die Deiner Meinung nach besonders gut dazu passt - mach einen modischen "Auftritt" nach Deinem Geschmack daraus (wenn das für Dich mental geht). Lege für den Partner bemerkbar Wert auf Qualität und Geschmack, etabliere (D)einen Anspruch. Transportiere das sozusagen aus der "billigen" (Deine Wortwahl) Fetisch-Ecke in eine exklusivere Alltäglichkeit und beobachte die Reaktion, wenn Du so die Gestaltung übernimmst und sie zu drehen versuchst.
"Alltäglichkeit" meint besonders auch "außerhalb des direkten sexuellen Zusammenhangs" - banalisiere den eigentlichen Fetisch etwas, erfülle ihn nur partiell, ohne Deinen Partner so ganz eindeutig anmachen zu sollen/wollen. Aber wehre Dich auch nur gegen diese (vermutete) Wirkung, wenn's Dir wirklich nicht passt oder gestalte die Situation von vorneherein so, dass es nicht passen kann (trage z. B. die "Klamotten" nur draußen).
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Oder, quasi umgekehrt: Richte Dich allein nach Deinem Körpergefühl: Was findest Du angenehm zu spüren, zu streicheln, darin gestreichelt zu werden? Probiere das erst einmal alleine (nach meinem Empfinden, um selbst Sicherheit zu gewinnen bzw. Flops zu vermeiden, die Dir nicht gefallen, ihm aber - dann blöderweise - schon...).
Außerdem bestehe auf Deinen Genuss - was immer Du als solchen dabei hoffentlich herausgefunden oder Dir "erarbeitet", nein, für Dich "erbeutet" hast. Wenn man sich nicht total dagegen wehrt oder mit seinem Körper extrem unzufrieden ist, verändern enge Klamotten das Körperempfinden schon positiv - man muss aber Experimente mögen und nicht schnell aufgeben.
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Du kannst auch versuchen, die KdB (Klamotte des Begehrens
) auffällig nur zu ganz bestimmten Gelegenheiten zu tragen - ob zu "geeigneten" oder zu "ungeeigneten". Oder sie zu entschärfen: Wollsocken und Oversized Pulli zu Leggings beim Flezen und Lesen von wichtigen Büchern über Kinderthemen etc. auf dem Sofa. (aber nicht gleich an ihn rankuscheln - oder genau doch: allein Deinem Empfinden für den Moment nach...)
Wie gesagt, leider kenne ich mich da nicht wirklich aus, aber um ein Beispiel zu geben: Die Bereiche "Strümpfe" und "Fashion" von Wolford finde ich aufregender, als Pornos oder "Billige-Strümpfe-an-billigen-Frauen-Bildchen" oder auch verspielten Rüsch, Plüsch und Retro-Look bei sogenannten Dessous. Das ist freilich Geschmackssache und auch eine Frage der Sichtweise. (Echte Nylons würde ich heute der Burlesque und beispielsweise Dita von Teese zuordnen - auch nicht mein Fall.)
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Ich glaube, um einen Fetisch für einen Fetischisten mehr als zu "bedienen", muss man selbst eine Neigung dazu entwickeln, die sich durchaus auch auf Umwegen einstellen kann - durch die Wirkung auf den Partner oder zusätzliche Rituale. Es gibt da natürlich nichts Überzeugenderes, als gesteigertes Selbstempfinden und epochalen Sex oder (besser: und) das Gefühl einer ganz besonderen, eben nicht mehr nur "normalen" Intimität, eher eines sehr speziellen Paar-Geheimnisses bzw. -Rituals (der bekannte Sexualforscher Volkmar Sigusch bezeichnet es als "milde perverse Inszenierung" - und für Fetische, BDSM etc. prägte er den Begriff Neosexualitäten PDF-Artikel dazu).
Wenn das aber nicht geht, kann man "das Ding" m. E. eben so weit wie möglich zu "normalisieren", ihm seine zu bestimmende Rolle zu nehmen versuchen, was natürlich nicht mit jedem Fetisch geht - aber oft gibt's dann andere Strategien, eine gewisse Deutungs- und Gestaltungshoheit (wieder) an sich zu reißen. Der Fetischist muss allerdings mitgehen wollen. (Leider findet sich da öfters eine gewisse Enge und innere Isolation. Aber ich würde natürlich auch ein Entgegenkommen von der Seite erwarten - nur nichts total Widersprüchliches.)
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Ich will hiermit keinesfalls fordern, dass Frauen sich grundsätzlich anpassen oder sich irgendetwas abringen sollten (auch Männer nicht - denen geht es tatsächlich genauso, wenn sie - vielleicht seltener - auf eine Frau mit besonderen Vorlieben treffen). "Nein, geht nicht!" oder "Nein, geht jetzt nicht mehr!" sind absolut adäquate Entscheidungen und je nach Fetisch möglicherweise auch völlig unvermeidbar.
Aber wenn sie nur aus Hilflosigkeit, Informationsverweigerung oder mangelnder Fähigkeit zu beidseitiger Klärung und Entgegenkommen getroffen werden (müssen), sind es halt manchmal verspielte Chancen, möglicherweise sogar verspielte Chancen auf etwas ganz Besonderes. Tja, und leider auch Trennungsgründe - auch nur innerer Trennungen.
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Ich glaube übrigens, dass nahezu jeder von uns (mindestens) einen Fetisch hat - nur zeigen die sich nicht immer so symbolhaft-eindeutig und zielgerichtet oder (sexuell) fixiert, oder sie werden ob ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und Medienverbreitung einfach nicht (mehr) als solche wahrgenommen.
Wie viele Frauen und Männer fetischisieren zum Beispiel die rasierte Scham, rasierte Beine, enthaarte Achseln. Natürlich ist das ja nun nicht gerade... "Vernünftige" Erklärungen sind schnell zur Hand, zur Not müssen sogar die Hygiene und der Ekel herhalten, mindestens aber "Alle..." oder "Man...". Und es geht ggf. noch weiter: Menschen, die (noch) auf Behaarung stehen, werden ihrerseits zu Fetischisten (v)erklärt oder tun das sogar selbst...
Vielleicht sind auch fast alle Männer Busen-Fetischisten? (Und was Frauen an Schwänzen und dem sonstigen Dingeling finden, kann ich mir auch nur als Fetisch erklären - warum nicht Salatgurken oder Bananen?
)
Im Prinzip lässt sich Fetisch auch sehr oft mit der Architektur unserer Wahrnehmung erklären - aber dazu vielleicht später noch etwas (ich "vernachlässige" gerade jemanden). Das geht dann in die Richtung, die Bigbeat so ausdrücklich betonte:
(Wobei ich das nicht bei jedem unterschreiben würde. Lies auch ruhig mal den verlinkten Artikel von V. Sigusch.)Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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07.12.2013, 20:08
AW: Fetisch Nylons
Vielen dank für eure Antworten. Sie haben mir sehr viele gute gedankenanstösse geliefert. Das mit dem "keine Nylons" anziehen habe ich genau einen Tag durchgezogen. Ich trage sie ja selbst gerne und ich mag es, wie er da drauf reagiert.
Heute morgen hat sich eine Gelegenheit gegeben, das anzusprechen. Erst hat er alles abgestritten, dann aber alles bestätigt. Es ist ein sehr langes und sehr ruhiges Gespräch gewesen (für mich erstaunlich, bin da sonst eher der hochgehende Typ). Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm seinen eigenen Teilbereich in der Sexualität gönne, dass mir diese Menge aber Angst machen und ich mich reduziert fühlen würde.
Lange Rede kurzer Sinn: er hat es so ähnlich gesagt, dass es um mich gehen würde, das mit den Bildchen sei jagen und sammeln - und er würde sie danach gar nicht mehr angucken. Ich hab gemerkt, dass er sehr darunter gelitten hat, wie es mir ging.
Ich habe das Gefühl, das ganze hat uns noch näher zusammen gebracht und ich bin sehr froh, dass wir darüber reden konnten und ich keine Spielchen gespielt habe.
Zudem bin ich sehr froh zu hören, dass es auch anderen so geht.
Diesen Fetisch an sich akzeptiere ich als Teil seiner Persönlichkeit und unserer Sexualität, nein mehr, habe es auch für mich als "lustgewinn" integriert. Nur wenn der bloße Fetisch überhand nimmt und sein ganzes denken beherrscht, damit käme ich nicht klar. Ich habe ihm gesagt, dass ich kein Problem habe, wenn er das macht, aber es darf nicht oberste Priorität vor allem haben. Das hat er verstanden. Den Ordner hat er übrigens gelöscht und er will es nicht wieder machen.... Auch wenn ich ihm noch ml versichert habe, dass er es nicht lassen muss. Ob es so sein wird? Keine Ahnung, ich werde es nicht kontrollieren, denn ich habe heute gemerkt, dass ich eben doch wichtiger bin, und das reicht mir!!!!!
Vielen vielen dank für eure Antworten und eure gedankenanstösse und das teilhaben lassen an eigenen Erfahrungen!!!!!!!!
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08.03.2014, 13:09
AW: Fetisch Nylons
Hallo Ihr Lieben,
ich bin neu hier im Forum und das Thema echte Nylons interessiert mich wirklich sehr.
Ich habe auch eine gewisse Erfahrung damit, die ich gerne mit Euch teilen möchte.
Wenn ich es richtig verstehe, geht es hier in diesem Beitrag von tinchen1974 auch um genau diese Strümpfe, allerdings glaube ich das da einiges hier als Nylons bezeichnet wird, dass in Wirklichkeit aber einfach nur Strümpfe aus allen anderen Materialien sind.
Wer mich kennt, weiß, dass ich eine ausgesprochene Nylonliebhaberin bin und ich großen Wert auf "echte Nylons" lege. Also die klassischen Strümpfe, die wirklich aus 100% Nylon gewirkt werden und natürlich mit Strapsen zu tragen sind.
….ja und ich trage Sie tatsächlich fast jeden Tag, mit und auch ohne Naht, je nach Anlass. Im Büro und Kundenverkehr eher die ohne Naht.
Es gibt echte Nylons leider nicht in den üblichen Kaufhäusern, da muss man schon etwas genauer im Internet suchen, aber es gibt sie und sie haben auch ihren Preis, doch wer sie einmal probiert hat, der will nix anderes mehr an seinen Beinen haben.
Hier gibt es eine sehr gute Beschreibung worauf es bei echten Nylons drauf ankommt:
[editiert]
Man kann nun sagen das sei ein Fetisch, vielleicht, aber auf jeden Fall sind echte Nylons ein ganz besonderes Kleidungsstück, am besten noch zu vergleichen mit einem teuren Seidenschal (der Seidenstrumpf ist übrigens der Vorfahre des Nylonstrumpfes!).
Viel Spaß damit und ich würde mich freuen wenn ich viele Frauen (und sicher auch Männer) ebenso für wirklich Echte Nylons begeistern könnte.
Übrigens, wer das Thema noch vertiefen will, der sollte sich diesen Film bei Spiegel online mal ansehen: Nylons - Mythos von Schönheit, Erotik und Wohlstand
Ich würde mich über Eure Rückmeldungen und Erfahrungen mit echten Nylons sehr freuen.
Liebe Grüße Eure EllaGeändert von R-osa (17.03.2014 um 16:51 Uhr) Grund: Wiederholter AGB Verstoß; Werbung gelöscht
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13.03.2014, 10:37
AW: Fetisch Nylons
Hallo zusammen,
ein sehr interessantes Thema, natürlich das Thema Nylons an sich, aber auch das Thema Nylonfetisch. Ich selbst bin 46 männlich und würde mich auch dem Thema Nylons hingezogen fühlen. Ich selbst trage aber definitiv keine, mag es aber wenn meine Partnerin sie trägt...... leider ist meine Partnerin eine Hosenträgerin und hat am Anfang unserer Beziehung sehr gerne für mich Nylons getragen, weil sie wusste wie sehr es mich anspricht....der Alltag hat uns wieder.....und sie meckert versteckt, das wir weniger Sex haben, aber wenn ich vorsichtig mit dem Thema Strümpfe/Nylons komme, dann blockt sie ab.... wie oft soll ich denn noch darum " betteln "... es ist genauso wie beschrieben, ich wünsche mir nur sie in Nylons, sonst nichts, aber ich erwische mich dabei, das ich suche.....Liebe Grüße aus Frankfurt
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13.03.2014, 11:37Inaktiver User
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14.03.2014, 07:34
AW: Fetisch Nylons
Hallo ambiva,
das ist natürlich komplett falsch rübergekommen, wir haben Sex, zwar nicht täglich, aber schon.... und der macht mir auch Spaß, aber mir fehlt ab und an mal der Kick, das fehlt mir, vielleicht einmal im Monat, dann wäre ich schon total zufrieden. Vorallem würde es mich freuen, wenn sie es freiwillig macht und ich nicht darum betteln muss....verstehst du?
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17.03.2014, 19:49
AW: Fetisch Nylons
Ja als Mann vertsehe ich das. Genau bis zur Hochzeit hat meine Frau auch "freiwillig" und gerne ab und zu feine Dessous und Strümpfe getragen. Seit mehr als 20 Jahren nicht mehr - auch auf Bitten nicht.
Es ist kein gutes Gefühl wenn erfüllbare Wünsche bewußt abgelehnt werden. Gespräche über eigene Beürfnisse verstummen.
Eintönigkeit macht sich breit.
Sex wird langweilig.
Mann/ Frau hat keine Lust mehr
Mann/Frau wundert sich
Geht aufeinander zu solange Ihr noch auf dem gleichen Weg seid!
Gruß Cur


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