Hallo,
ich kenne das Problem aus weiblicher Sicht. Mein damaliger Ehemann erkrankte an Prostatakrebs, trotz Beschwerden ging er nicht zum Arzt. Als er endlich ging, hatte er schon Metastasen. Er musste eine Hormonblockade beginnen, verweiblichte zusehends und verlor jegliches Interesse an Sex: kein Kuss mehr, keine Berührungen, alles erinnerte ihn zu sehr an die Zeit, als er noch gesund war. Ich fühlte mich nicht mehr als Frau an seiner Seite. Es war eine ganz schlimme Zeit. Drüber reden war auch nicht möglich, es kam nur immer der Satz: "Da muss du jetzt durch, ich kann es nicht ändern." Unsere Beziehung zerbrach, wobei viele mir die Schuld gaben und meinten, es sei meine Pflicht, auf jeden Fall bei meinem Mann zu bleiben und ihn zu unterstützen. Mittlerweile ist mein damaliger Mann verstorben, hat aber kurz vorher noch mal geheiratet.
Ich habe dann einen neuen Mann kennen und liebengelernt. Bei uns stimmte einfach alles, es war das Gefühl endlich den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Aber - auch dieser Mann bekam Prostatakrebs, zwar lief alles glimpflicher ab, aber ich habe wieder die gleichen Probleme. Diesmal können wir drüber reden und ich glaube, dass wir auf jeden Fall zusammenbleiben. Auch ein bisschen viel für ein Leben!
Hier gibt es Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige. Das war eine große Hilfe für mich. Hier konnte ich meine Probleme ansprechen und wurde verstanden. Allerdings bekommt man auch die anderen Kranheitsgeschichten mit, das kann belastend sein.
Auch Frauen können in eine solche Situation geraten. Es hat viel Überwindung gekostet, das jetzt hier mal aufzuschreiben.
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06.02.2012, 16:17Inaktiver User
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
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06.02.2012, 16:45
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
Hallo VirginiaV,
ich finde es toll, dass du den Mut gefunden hast, das zu schreiben. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwer das ist.
Zu deinem Passus, mit der Pflicht, die man als Partner hat, kann ich nur sagen:Bullshit! Niemals sowas annehmen..ich weiss, es nagt unterschwellig doch.
Wenn man sich diese Menschen mal anguckt, stellt man fest, dass sie nie in einer vergleichbaren Situation waren, aber ständig den Allwissenden rauskehren. Ich entgegne denen inzwischen nur mit dem Spruch von Dieter Nuhr: "Einfach mal die Fresse halten".
Ich respektiere deine Entscheidung, deinen ersten Mann zu verlassen, ich könnte es für mich nicht (ehrlicher müsste ich sagen: wer weiss was kommt und wie entscheide ich dann??)
Intressehalber: wie lange läuft die Behandlung bei Prostatakrebs und wird da auch mit Tabletten gearbeitet?
Wie lange geht so etwas?
Bleib weiter mutig!
Liebe Grüße
ruhrpott79Geändert von ruhrpott79 (06.02.2012 um 16:54 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler gehören mir!
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06.02.2012, 16:48
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?

Hallo cheetah2000,
nee, da ist bei manchen einfach Essig. Kurz überflogen den Post und dann mal eben niedertippen, was das
Kleinhirn ohne das Großhirn ausgibt.
In einer Ego-Gesellschaft ist das leider kein Einzelfall. Aber man sieht hier, dass es eben immer noch (Gott sei Dank!) andere gibt!
Danke!
ruhrpott79
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06.02.2012, 16:52Inaktiver User
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
Das geht leider oftmals unter, das auch der Partner "mit drin hängt", ob er nun will oder nicht.
Was übrigens, am Rande bemerkt, auch bei Pflegefällen im Alter ebenso gilt - auch für etwaige pflegende Angehörige! Selbst wenn es nach Aussen hin nicht den Anschein hat - man beginnt leicht sich zu verstellen...Es gibt IMMER mehrere Parteien.... bei solchen Dingen.
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06.02.2012, 16:53
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
@Rosa_Roth
gedacht daran habe ich schon, nur stell ich das immer wieder zurück,da die täglichen Anforderungen mich oft überrollen oder ich mich überrollen lasse.
Ich nehm mir das jetzt mal zu Herzen und geh nächste Woche zum Hausarzt!
ruhrpott79
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06.02.2012, 16:55Inaktiver User
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06.02.2012, 16:57
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
genau das trifft zu. Von außen wird erwartet, dass der Partner pflegt, sich kümmert und sich natürlich selbstverständlich aufgibt. Ich glaube, das ist in Deutschland so, weil jeder Angst hat, er könnte mal als Verwandter, Freund etc. in die Pflicht genommen werden, sich auch mal um den Kranken/Pflegebedürftigen zu kümmern.
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06.02.2012, 17:04
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
Ruhrpott, mal aus der Sicht einer zeitweise lustlosen Frau: ich konnte auch keine zärtlichen Berührungen oder Kuscheleien zulassen, weil ich immer Angst hatte, er könnte "mehr" wollen.
Da können ganz klare Absprachen helfen, zum Beispiel "Sex nur, wenn sie will" oder "Sex nach Kalender" oder tatsächlich abgesprochen "die nächsten vier Wochen auf keinen Fall Sex". Heute weiß ich, wenn wir darüber geredet hätten, wären wir besser und vermutlich auch schneller damit zurande gekommen.Bis auf Weiteres a.D.
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06.02.2012, 17:15Inaktiver User
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06.02.2012, 17:16
AW: Kein Sex mehr nach Brustkrebserkrankung...erwarte ich zuviel ?
Mmhh,
klingt für mich so, als hättest du die BriCom einmal vorwärts und rückwärts zitiert. Ein Parforce-Ritt querbeet durch verschiedene Foren!
Wirklich viel für ein Leben.
Sorry, aber ich muss Dharma09 uneingeschränkt zustimmen:
Hast du nur einmal an Deine erkrankte Frau gedacht?
Und seine eigenen, erwachsenen Kinder als "lebensuntüchtig" zu bezeichnen, und sich zu beschweren, dass sie machen, was sie wollen, obwohl sie erwachsen sind??
Ja, das ist doch ihr gutes (Menschen-)Recht! Jeden Tag, jede Stunde!
Nennt sich Leben.Viele Grüße
"Nichts schenkt mir mehr Frieden als mein schlafender Hund" (Nina Sandmann)


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Finde ich eine gute Entscheidung... denn "passieren lassen" funktioniert leider nicht, denn das zieht einfach noch mehr Kraft, als wenn man sich damit auseinandersetzen kann.

