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  1. Avatar von Aloe
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    Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Hallo zusammen,

    ich bin seit 11 Jahren selbständig und habe nun zum ersten Mal das Problem, dass eine Kundin nicht zahlen will. Trotz des Versuchs, sich gütlich zu einigen...Wie ist jetzt das Vorgehen? Erstmal ganz normal 3 Mahnungen rausschicken per Mail oder gleich mit der Keule "Gerichtliches Mahnverfahren" um die Ecke kommen?
    ...
    Klar ist, ich bin nicht bereit, mehr als 50 Euro für sowas auszugeben...sehr ärgerlich das Ganze

    Habt ihr Tipps?
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

  2. Avatar von Sariana
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Drei Mahnungen sind nicht nötig.
    Auf deiner Rechnung steht doch sicher ein Zahlungsziel?
    Zahlungserinnerung mit Fristsetzung, in der Regel eine Woche, bis zum eingehend auf dem genannten Konto.

    Gleichzeitig kannst du sie darauf hinweisen, dass sie sich bei nicht fristgerechtem Zahlungseingang in Zahlungsverzug befindet. Wenn sie darauf nicht reagiert, ankündigen, dass du ohne weitere Mahnung vom gerichtlichen Mahnverfahren Gebrauch machst, sofern nicht binnen (einer Woche) das Geld auf deinem Konto gutgeschrieben ist.

    Der Termin setzen, an dem Abend des Termins Konto überprüfen und online den Antrag auf gerichtliches Mahnverfahren stellen.

    Ich würde die Zahlungserinnerung vorab per Email und dann in Papierform per Post senden.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  3. Avatar von Sariana
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Was die Kosten anbelangt: du bekommst eine Rechnung vom Amtsgericht, die musst du begleichen.
    Diese Kosten werden dem Schuldner im Mahnverfahren berechnet.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  4. Avatar von Vienna__
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Um die Dame wirksam in Verzug zu setzen, sende ihr eine Zahlungsaufforderung mit einem Stichtag (Datum) an dem das Geld auf Deinem Konto sein muss, Frist würde ich 2 Wochen setzen. In dem Schreiben teilst Du mit, dass nach fruchtlosem Ablauf des genannten Termins Du ohne weitere Ankündigung das gerichtliche Mahnverfahren gegen sie einleiten wirst.

    Dieses Schreiben sendest Du bitte per Fax oder Einschreiben (Zugangsnachweis). E-Mail reicht nicht.

    Die Höhe der Gerichtskosten des gerichtlichen Mahnverfahrens, die Du verauslagen musst, richten sich nach dem Gegenstandswert. Sprich nach der Höhe Deiner Forderung. Wenn Du also nicht mehr als EUR 50,00 verauslagen willst, musst Du ggf. Deine Forderung reduzieren im MB-Antrag und als "Teilforderung" bezeichnen. Macht für mich aber keinen Sinn. Hier würde ich selbstverständlich die Gesamtforderung geltend machen und entsprechend auch die anfallenden Gerichtskosten verauslagen.

    Es sei denn, Du hast eine hohe Forderung, dann ist es in der Tat sinnvoll, erstmal nur einen Teilbetrag geltend zu machen, um GK zu sparen und zu irgendeinem Titel zu kommen. Das heißt, man wägt wirtschaftlich ab, ob es sich bei dem Schuldner lohnt, in die "Vollen" zu gehen oder sich ggf. "irgendwo dranzuhängen und einzureihen", weil man davon ausgehen kann und muss, dass es außer einem selbst noch zig andere Gläubiger vor einem gibt ... tbc.

    Im MB-Antrag selbst kannst dann noch Zinsen i.H.v. 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab dem Tag nach Ablauf Deiner gesetzten Frist geltend machen. Wie @Sariana schon gesagt hat, werden die Kosten des Mahnverfahrens, sprich Deine verauslagten GK, dem MB automatisch zugeschlagen.

    Je nachdem wie es dann weiter geht in dem Verfahren, sind die von Dir verauslagten Gerichtskosten auch nicht "verloren". Sollte es z.B. ins streitige Verfahren gehen, weil sie Widerspruch gegen den MB einlegt, zahlst Du für das streitige Verfahren dann nur noch die Hälfte der weiteren Gerichtskosten, weil Du mit dem MB schon eine Hälfte bezahlt hast. Wehrt sie sich nicht und Du kannst Antrag auf Vollstreckungsbescheid stellen, sind die Gerichtskosten im VB auch komplett dann tituliert.
    Geändert von Vienna__ (17.05.2020 um 22:51 Uhr) Grund: ergänzt

  5. Avatar von Aloe
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Super, vielen lieben Dank für eure Tipps.

    Ich habe gestern per E-Mail eine Zahlungserinnerung geschickt, 1 Woche Frist. Die werde ich nun auch schriftlich und per Einschreiben hinschicken, gute Idee.

    Und dann mal sehen, ich ärgere mich mega, aber das hilft ja auch nicht. Das Ganze kann sich jetzt Monate hinziehen, aber es geht um viel Geld für mich, für andere wären das wahrscheinlich Peanuts. Ich versuch's trotzdem, 5 Wochen Arbeit umsonst geht einfach gar nicht...noch mal danke
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

  6. Avatar von dekomaus24
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    öhm, dann bitte höchstens nur einwurfeinschreiben nehmen, mit rückschein und unterschrift kannste dir sparen - wenn die kundin dem postboten nicht die tür aufmacht und unterschreibt (in corona zeiten eh fraglich, wie das gehändelt wird) kommt dein einschreiben ungelesen zurück.
    Einschreiben sind rechtlich wertlos - Rechthaber. Der Jurablog von Graf & Partner
    Rechtssichere Zustellung von Briefen durch Einschreiben?

  7. Avatar von Wiedennwodennwasdenn
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Zitat Zitat von Aloe Beitrag anzeigen
    Klar ist, ich bin nicht bereit, mehr als 50 Euro für sowas auszugeben
    Willst Du Dein Geld bekommen oder nicht ? Mit nur einem Fuffi Einsatz wird Dir das nicht gelingen.

    Mahnung mit Fristsetzung rausschicken (per Einwurf-Einschreiben !). Wenn die Frist verstrichen ist, zum Anwalt damit. Die Schuldnerin ist dann im Verzug und muß die Kosten des Mahnverfahrens tragen.

    Kunden, die ihre Rechnungen nicht bezahlen, werden auf Deine Schreiben nicht reagieren. Der Briefbogen eines Anwaltes hat da eine ganz andere Wirkung.
    Keiner kann verhindern, dass ich klüger werde (Konrad Adenauer).

  8. Avatar von Vienna__
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Ich teile ja nicht die Ansicht, dass bei einem Schreiben durch einen RA eher gezahlt wird. Im Gegenteil. Will oder kann jemand nicht bezahlen, bezahlt er nicht. Da ändert auch das außergerichtliche, anwaltliche Forderungsschreiben nichts. So meine Erfahrung.

    Der Vorteil, das Ganze über einen RA laufen zu lassen ist aber natürlich klar der, dass man das Thema los ist und sich darum selbst nicht mehr kümmern muss.

    Ich aber würde - sofern die Forderung bis EUR 5.000 ist - das Mahnverfahren erst einmal selbst anleiern. Ist die Forderung über EUR 5.000,00 kann man abwägen, gleich einen RA zu nehmen, da beim LG Anwaltszwang herrscht, sprich man spätestens nach Einlegung eines evtl. Widerspruchs gegen den MB einen RA beauftragen muss, um die Anspruchsbegründung bei Gericht einzureichen. Aber wie gesagt, das ist nur was ich persönlich tun würde. Bequemer und angenehmer ist natürlich sicherlich, das Ganze sofort einem RA zu übergeben.

    Die Kosten des gerichtlichen Mahnverfahrens muss natürlich der Schuldner bezahlen, auch die des RA. Hieran ändert sich evtl., je nach Verlauf und Ausgang des Verfahrens, erst was, wenn das Ganze ins streitige Verfahren geht und mit einem Urteil / Vergleich endet.

    Aber auch der Anwalt verlangt natürlich vorab die Gerichtskosten vom Mandant, die er verauslagen muss. Manche auch einen Honorarvorschuss.
    Geändert von Vienna__ (18.05.2020 um 20:41 Uhr)

  9. Avatar von Wiedennwodennwasdenn
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Zitat Zitat von Vienna__ Beitrag anzeigen
    Will oder kann jemand nicht bezahlen, bezahlt er nicht. Da ändert auch das außergerichtliche, anwaltliche Forderungsschreiben nichts.
    Wenn der Schuldner nicht zahlen kann, gebe ich Dir recht. Wenn er aber nicht will, halte ich ein anwaltliches Schreiben für zielführender als eines vom Vertragspartner. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

    Zitat Zitat von Vienna__ Beitrag anzeigen
    Der Vorteil, das Ganze über einen RA laufen zu lassen ist aber natürlich klar der, dass man das Thema los ist und sich darum selbst nicht mehr kümmern muss.
    Einen weiteren Vorteil hast Du vergessen: Durch die Einschaltung eines Anwaltes vermeidet man im Mahnverfahren Anfängerfehler, die der Durchsetzung der eigenen Ansprüche nicht zuträglich sind.
    Keiner kann verhindern, dass ich klüger werde (Konrad Adenauer).

  10. Avatar von Vienna__
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    AW: Mahnverfahren, wie vorgehen?

    Zitat Zitat von Wiedennwodennwasdenn Beitrag anzeigen
    Wenn der Schuldner nicht zahlen kann, gebe ich Dir recht. Wenn er aber nicht will, halte ich ein anwaltliches Schreiben für zielführender als eines vom Vertragspartner. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.



    Einen weiteren Vorteil hast Du vergessen: Durch die Einschaltung eines Anwaltes vermeidet man im Mahnverfahren Anfängerfehler, die der Durchsetzung der eigenen Ansprüche nicht zuträglich sind.
    Mag sein, dass Du diese Erfahrung hast. Ich habe sie nicht. Ganz im Gegenteil, wie gesagt. Viele Gegner könnten - aus rein finanziellen Gründen - die Forderung bezahlen, machen sie aber nicht. Umkehrschluss: Wenn es so wäre, wie Du sagst, hätten viele RAe ja nix groß zu tun. Die Hauptsache, warum Forderungen nicht bezahlt werden, ist schon immer noch die, weil Streit über die Sache an sich besteht.

    Jo, mag sein, dass es vllt. zu einer Monierung kommt beim MB-Verfahren, falls man da was falsch ausfüllt, wenn man es selbst macht. Aber auch das ist nicht schädlich, dann kommt eben eine Monierung und dann korrigiert man das in dem Monierungs-Formular. Und lass Dir gesagt sein, selbst Anwälte kriegen ab und an ein Monierungs-Formular - wegen den unterschiedlichsten Gründen.
    Geändert von Vienna__ (18.05.2020 um 23:14 Uhr)

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