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  1. Avatar von Antje3
    Registriert seit
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Hallo

    ich nehme an, daß Du nicht der einzige Arzt auf weiter Flur bist (in einem ländlichen Gebiet ohne ärztliche Versorgung würde mein Rat vielleicht etwas anders aussehen).

    Also kannst Du davon ausgehen: Es gibt Kollegen, es gibt Notärzte, es gibt vielleicht sogar eine kassenärztliche Bereitsschaftspraxis und es gibt Krankenhäuser mit Notaufnahme.

    Du kannst also davon ausgehen, daß kein Patient stirbt, nur weil Du Mittagspause machst und auch Feierabend.
    Mach das zu Deinem Mantra.

    Es ist einfach so, daß so gut wie jedem Menschen das eigene Bedürfnis wichtiger ist, als das des anderen. Leute wie Du mit einem großen Pflichtgefühl und vielleicht einem Helfersyndrom in einem sozialen Beruf gehen dabei gerne vor die Hunde.
    Weil alle an sie Forderungen stellen.

    Menschen sind distanzlos.

    Ich arbeite in einer ganz anderen Branche - in der "Notfälle" superselten sind. Mein einer Chef nutzt sein Mobiltelefon privat und geschäftlich. Du glaubst gar nicht, wie oft schon Firmen spät abends oder am Wochenende angerufen haben wegen Banalitäten. ("an wen müssen wir denn die Rechnung stellen"....., "haben Sie mal schnell Zeit - ich würde mir das jetzt auf der Baustelle gerne angucken"... ).

    Man MUSS sich abgrenzen. Wenn Du diesen Ansinnen immer nachgibst, hast Du sehr schnell die Situation "kleiner Finger, ganze Hand": "Ich brauch doch nur noch schnell ein Rezept - das können Sie doch noch.....", "ich dachte, ich komme schnell vorbei, sie sind doch da....".

    Mein früherer Hausarzt hat z.B. konsequent einen Tag die Praxis geschlossen, um die Abrechnungen zu machen (ich glaube einmal im Quartal). Jeder wußte das, jeder war darauf eingerichtet. Die Welt ging nicht unter, die Mitarbeiter konnten das in Ruhe ungestört abarbeiten und gut.

    In seiner Pause war zu. Die Praxis war ebenerdig - und die Rollos der straßenseitigen Fenster waren dann auch zu. Um "die ganz neugierigen und unverfrorenen auszubremsen. Aus basta. Und das war ein sehr empathischer und engagierter Arzt.

    Es ist doch keinem Patienten damit gedient, wenn Du draufgehst. Die brauchen Dich noch länger - also sorge wirklich für Dich.
    Wer glaubt, daß Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten..


  2. Registriert seit
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Wieso stehen die überhaupt so zeitig Schlange?
    Weil du die ohne Termin dann doch in der Reihenfolge reinpackst?
    Also weil Patienten wissen, wer um 13.00 als erster die Schlange eröffnet, wird um 14.00h als erster dazwischen geschoben?

    DAS kann man langfristig umerziehen. Triage....

  3. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Wieso stehen die überhaupt so zeitig Schlange?
    Weil du die ohne Termin dann doch in der Reihenfolge reinpackst?
    Also weil Patienten wissen, wer um 13.00 als erster die Schlange eröffnet, wird um 14.00h als erster dazwischen geschoben?

    DAS kann man langfristig umerziehen. Triage....
    Ist hier gängige Praxis. In nahezu jeder Praxis.
    Ich mache heute was für Bauch, Beine, Po.
    Pfannkuchen mit Nutella.

  4. Inaktiver User

    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Wieso stehen die überhaupt so zeitig Schlange?
    Weil du die ohne Termin dann doch in der Reihenfolge reinpackst?
    Also weil Patienten wissen, wer um 13.00 als erster die Schlange eröffnet, wird um 14.00h als erster dazwischen geschoben?

    DAS kann man langfristig umerziehen. Triage....
    Nö, die kommen nach Reihenfolge der Einbestellung dran. Aber irgendwie glauben sie das wohl nicht.

  5. Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Ich denke jede Freiberuflerin steht immer mal wieder vor dieser Frage und muss ihre eigene Lösung finden.

    Ich hatte das Thema vor einiger Zeit mit einer befreundeten Ärztin und für sie war die Lösung noch eine Kollegin in Teilzeit einzustellen. Dadurch hatte die Praxis längere Öffnungszeiten und auch die Geräte wurden besser genutzt und sie selbst konnte ebenfalls auf Teilzeit umstellen.

    Eine andere Alternative (wenn man das Personal dafür findet) ist, die Abrechnung oder andere administrative Dinge auf Angestellte auszulagern.


    Aber hauptsächlich musst du dir vermutlich die Frage beantworten, ob die Welt untergeht, wenn du morgen nicht mehr da bist.
    Und die ehrliche Antwort wird lauten: Nein. Ein paar Menschen werden dich eine Weile vermissen, aber alle deine Patienten werden eine andere Ärztin finden und nicht sterben, nur weil du sie nicht mehr behandelst.

    Du bist ersetzbar. Der Friedhof ist voll von Menschen, die sich für nicht ersetzbar gehalten haben und die Erfahrung lehrt, sie waren alle ersetzbar. Das ist im ersten Moment frustrierend, auf den zweiten Blick ist es aber auch beruhigend und eröffnet dir die Möglichkeit NEIN zu sagen. Denn letztlich sagst du derzeit ja hauptsächlich JA, weil du meinst, dass du unersetzlich bist und dass die Welt untergeht, wenn du Nein sagen würdest.


    Es ist zwar wichtig, seine Motivation für die Arbeit aus der Arbeit und der Zufriedenheit, dem Respekt und der Anerkennung anderer zu ziehen - wenn man das nicht mehr kann, dann endet man wie ich (dazu gleich), aber man sollte sich auch nicht zu wichtig nehmen.


    Und ja, der erste Schritt ist das Abstellen der Klingel und ein klares außeres Zeichen, dass die Sprechstunden von a bis b geht und vorher und nachher Klingeln keinen Zweck hat.


    Alles andere, insbesondere ob Patienten dazwischen geschoben werden können, ist eine Frage der Fachrichtung und der Gesamtorganisation. Ich schätze zB bei meinem Zahnarzt, dass die vereinbarten Termine immer eingehalten werden (ich halte diese Termine aber in der Regel auch für gut planbar) und habe bei meinem Hausarzt viel Verständnis dafür, wenn ich mal warten muss, weil eine Patientengespräch vor mir länger braucht - das Wartezimmer ist nie übervoll, aber auch ich bin dankbar, wenn er sich für unser Gespräch Zeit nimmt, wenn das notwendig ist. Und als mein Orthopäde mich letztlich in der Notfallsprechstunde schnell dran genommen und geröngt hat, als ein Verdacht auf einen Bruch bestand und ich weder stundenlang warten musste noch Tage vorher einen Termin vereinbaren war ich auch sehr dankbar. Die Frage ist eben, wie man das organisiert und bei letzterem waren es zweimal drei Minuten beim Arzt (ich kann mich da auch kurz fassen) und nochmal fünf Minuten im Röntgenraum, einschließlich Warten war ich nach 45 Minuten wieder draußen.



    Ich selbst habe meine Arbeitszeit als Freiberuflerin drastisch eingeschränkt und damit auch mein Einkommen, aber ich bin auch in einem anderen Bereich tätig und halt in einem, von dem ich selbst sage, "ich mache Papier schmutzig und versuche das teuer zu verkaufen" - ich empfinde meine Tätigkeit selten als sinnstiftend und habe insbesondere die Nase von der gesamten Verwaltungstätigkeit, die zu meiner eigentlichen Tätigkeit on top kommt schlicht die Nase voll. Eventuell wäre eine Lösung für mich, dass ich wieder angestellt arbeite statt selbständig, aber das nach zwanzig Jahren Selbständigkeit ist auch keine leichte Entscheidung.


    Das könnte für dich unter Umständen die andere Alternative sein - such dir einen Job als angestellte Ärztin in einer anderen Praxis - allein die Entlastung von Verwaltung und Verantwortung kann sehr befreiend wirken.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  6. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Liebe TT,

    ich stehe gerade selbst vor einer ähnlichen Frage, bzw. muss sehen, wie ich eine gute Balance halte in einer stressigen Zeit (Forschungsprojekt mit Deadline, plus noch ein Klinikanteil).


    Ich weiss nicht, ob es für dich auch in Teilen zutrifft, aber ich merke immer wieder deutlich, dass ich einfach eine sehr schmale Übergangszone habe zwischen "im Flow und in der Balance" mit viel zu tun und viel Lust und Freude am Tun (nicht nur Arbeit, auch häusliche Dinge), und "am Rand, zu "high", kann nicht mehr abschalten und werde zum Duracell-Kaninchen".


    Will sagen, ich mag es aktiv und intensiv, das stimuliert mein Hirn und macht mir Lust, ich fühle mich lebendig. Aber der Weg ist kurz bis zur Überlastung. Ich bin "so gestrickt", und ich möchte mein gutes Gefühl nicht aufgeben, auch wenn ich weiss, der Grat ist schmal.


    Ich sehe im Vergleich zu anderen, dass ich da ein bisschen eigenartig bin (aber nicht einzigartig, sind andere Kolleginnen, die ähnlich ticken). Und so muss ich, habe ich inzwischen eingesehen, auf meine Weise damit umgehen. Keine "ganz andere" Herangehensweise, sondern einfach sensibler wahrnehmen, wann ich die von dir zitierte Selbstfürsorge extra einsetzen muss, bewusst Dinge wegwählen, mich zentrieren, "runterkommen".




    Das hat nicht so viel damit zu tun, dass ich mich "für unersetzlich" halte. Ich habe Kollegen, die viel übernehmen können, auf der anderen Seite habe ich mittlerweile Spezialfelder, in denen ich (zumal für die Patienten, die ich in Behandlung habe) tatsächlich schwer zu ersetzen bin. Aber das ist keine narzisstische Überschätzung, das ist nüchtern betrachtet, und da kann ich auch abwägen.

    Was ich früher hatte, aber durch Supervision besser sortieren konnte, war die Idee, ich müsse "alle retten". Das war übersteigert. Aber das kann ich mittlerweile gut abgeben.


    Was bleibt ist meine Seinsweise und meine Art, intensiv zu arbeiten. Balance is an ongoing process :-)
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  7. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dank dem wunderbaren Herrn Spahn musste ich meine Nachmittagssprechstunden wieder aufstocken, damit der Freitag frei bleiben kann.
    Als gäbe es keine Hausbesuche, kein Büro, keine Berichte, Gutachten, Steuer, Technikprobleme usw....
    Dem guten Herrn Spahn würde ich mal empfehlen, wenigstens für ein paar Tage in einer Hausarztpraxis zu hospitieren. Dann würde er sich seine vielen sinnigen Pläne ganz schnell aus dem Kopf schlagen
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner


  8. Registriert seit
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Bei mir ist das grosse Ding, dass niemandem durch mich Umstände entstehen dürfen. Nicht meiner Familie, meinem Chef, meinen Kollegen, meinen Mitarbeitenden, nichtmal wildfremden wie zB einer Arzthelferin. Keinesfalls. Umstände. Durch. Mich.

    Dafür mache ich alles möglich. Bonuspunkte gibt es natürlich, wenn ich anderen Umstände abnehme (Kinder betreuen, Sachen mitbringen...)

    Es handelt sich ganz klar um ein Selbstwert-Ding. Und während ich bei „ich muss belastbar sein“ (verwandtes Thema) kleine Fortschritte mache, wenn es nur mich betrifft wird es schwierig, wenn andere mit hineingezogen werden.
    A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer


  9. Registriert seit
    20.07.2010
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nö, die kommen nach Reihenfolge der Einbestellung dran. Aber irgendwie glauben sie das wohl nicht.
    okay. Dann ist eure Praxis zu gemütlich

    Stell die Klingel ab, zieh den Kittel aus, andere Schuhe, Haare aufmachen, andere Brille so vorhanden aufsetzen, durch atmen, laut sagen "jetzt hab ich Pause" und dann bist du im Privatmodus.

    Probier das echt mal! Wenn du arbeitest hast du den Kittel an (oder was du halt trägst - Uniform ist daher gar nicht so übel)
    Und wenn du den an den Haken hängst, signalisiert es "jetzt nicht mehr"

    Verwandel dich bewusster.... Hilft.


  10. Registriert seit
    20.07.2010
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    AW: Selbstfürsorge - selbst & ständig?

    Zitat Zitat von Minstrel02 Beitrag anzeigen
    Bei mir ist das grosse Ding, dass niemandem durch mich Umstände entstehen dürfen. Nicht meiner Familie, meinem Chef, meinen Kollegen, meinen Mitarbeitenden, nichtmal wildfremden wie zB einer Arzthelferin. Keinesfalls. Umstände. Durch. Mich.
    Klein anfangen und dann reinwachsen.

    Heute bestellst du dir als erstes und zum üben mal eine andere Milch für den Kaffee.
    "haben sie auch Fettarme? Soja? Vollmilch - je nach dem halt

    Oder du probierst dich mal durch in einem Schuhgeschäft (muss ich jetzt nicht erklären oder? )

    ich meine das ganz ernst, übe es erst niederschwellig. Bei Gelegenheiten, die den anderen gar nicht als "Umstand" machen auffallen, weil es für sie Alltag ist.

    Wenn du das aushältst, gehst du weiter: Du liegst auf der Couch und dein Herr und Meister soll dir bitte einen Latte und die SZ bringen. Bitte. Und dann eine Wärmflasche. Und Tempos.

    Masterclass ist dann der Versuch die Urlaubspläne von der Abteilung deinen Vorstellungen entsprechend ....
    Das hat Zeit! Keine Panik.
    Erstmal "Den Kaffee bitte mit Vollmilch ohne Lactose. Und bitte einen kleinen Schuss ganz kalte Milch mit rein bitte. Können Sie mir meinen Becher schnell heiß ausspülen, bitte? Ich habe den heute schon benutzt und noch keine Gelegenheit gefunden. Danke! Das ist sehr nett. Danke"

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