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  1. Registriert seit
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    Umgang mit Freiberuflern

    Hallo Forum,

    mein Betreff sagt es ja schon...

    Ist es bei Euch auch so, dass man zunehmend übler behandelt wird, sowohl menschlich als auch was Arbeitsbedingungen angeht?

    Kurz zur Info: Ich übe einen akademischen Beruf aus, arbeite für Unternehmen. Es geht in den Bereich "beratende Tätigkeit" hinein und ich muss z.B. in ganz Deutschland Veranstaltungen moderieren und teilweise danach eine Analyse / Bericht schreiben.

    Ich bin jetzt schon viele Jahre selbständig und weiß, dass ich gut und schnell arbeite. Ich bin absolut zuverlässig und meine Stammkunden loben meine Arbeit. Eigentlich hatte ich immer das Gefühl, auf Augenhöhe zu interagieren. Klar bin ich Dienstleister, aber man kann sich ja trotzdem mit Respekt behandeln. Inhaltlich liebe ich meine Arbeit sehr.

    Besonders mit neuen Kunden gibt es aber zunehmend Probleme. Und auf Neukunden ich halt leider auch angewiesen.

    Seit ca. 2 Jahren werden Honorare gedrückt, Auftragsbedingungen ständig nach oben geschraubt (und dann die Mehrarbeit aber nicht bezahlt), etc. Früher war das nicht so, und es gibt einfach einen Punkt, an dem es nicht mehr wirtschaftlich oder auch nicht mehr zumutbar ist.

    Ein paar Beispiele:

    Früher habe ich für ein Tageshonorar ca. 8-10 Stunden gearbeitet, jetzt sind es teilweise bis zu 16! Und das für weniger Tagessatz als früher.
    Wenn ich zu meinen Aufträgen quer durch die Republik reisen muss, darf ich die Zeit nicht mehr abrechnen und neuerdings schreibt man mir auch noch die Verkehrsmittel vor (verbietet mir die Fahrt mit dem Auto, auch wenn es ohne Auto fast unmöglich ist, eine Location zu erreichen).

    Man erwartet zudem, dass ich am selben Tag an- und abreise, damit es Übernachtungskosten spart. Nur ist alleine diese Fahrtzeit insgesamt schnell mal 8-10 Stunden.
    Also früh um 5:00 mit einem Sparticket losfahren und mit dem letzten Zug um 1:00 nachhause kommen. Das sind 20 Stunden....

    Natürlich kann man das MAL machen - aber das ist jetzt zur Regel geworden und macht mich kaputt.

    Jeder - und auch Ihr wahrscheinlich - denkt / sagt da: "Dann lass das doch nicht mit Dir machen, selbst Schuld!".

    Nur wenn ich meine Grenzen ziehe und z.B. sage, dass sowas mehr kostet, weil es mehr Aufwand ist etc. oder dass ich bei solch langen Tagen eine Übernachtung einplanen muss, dann kommt immer dasselbe Totschlagargument: "stellen Sie sich nicht so an, Sie sind die Einzige, die ein Problem damit hat". Ich kann diesen Satz nicht mehr hören.

    Natürlich gibt es Dinge, in denen Andere besser sind oder die für Andere kein Problem sind - aber ich WEISS, dass ich gut arbeite. Bin einfach schon lange in der Branche und kenne genug Vergleiche.

    Neulich wollte ich mit einer Kundin so einen grenzwertigen Auftrag klären und war wirklich positiv gestimmt, dass wir uns einigen. Daraufhin hat sie mich am Telefon rundgemacht wie ein kleines Kind und regelrecht beleidigt.

    Ich finde diese ganze Entwicklung einfach unmenschlich. Und es geht mir weniger um das Geld, sondern darum, wie man behandelt wird.

    Welche Erfahrungen macht Ihr denn so mit Euren Kunden?

    Viele Grüße
    Whippet


  2. Registriert seit
    03.07.2005
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Zitat Zitat von Whippet Beitrag anzeigen
    Nur wenn ich meine Grenzen ziehe und z.B. sage, dass sowas mehr kostet, weil es mehr Aufwand ist etc. oder dass ich bei solch langen Tagen eine Übernachtung einplanen muss, dann kommt immer dasselbe Totschlagargument: "stellen Sie sich nicht so an, Sie sind die Einzige, die ein Problem damit hat". Ich kann diesen Satz nicht mehr hören.
    Gewisse Kunden kann man sich schlicht nicht leisten.

    Liegt es nie drin, zu sagen "danke, aber nein danke - entweder mit Übernachtung (bzw zu korrekten Bedingungen), sonst komme ich nicht."

    oder halt "ja dann müssen Sie halt jemand anders beauftragen, der das mitmacht"


    Natürlich gibt es Dinge, in denen Andere besser sind oder die für Andere kein Problem sind - aber ich WEISS, dass ich gut arbeite. Bin einfach schon lange in der Branche und kenne genug Vergleiche.
    Das müssten ja auch deine Kunden wissen. Oder es halt merken, wenn die andere Person die gewünschte Leistung nicht bringen kann.

    Daraufhin hat sie mich am Telefon rundgemacht wie ein kleines Kind und regelrecht beleidigt.
    da ist ja eine Zusammenarbeit ja gar nicht möglich, mit solchen Leuten

    Welche Erfahrungen macht Ihr denn so mit Euren Kunden?
    je besser sie zahlen, desto netter sind sie. jene, die einen guten Preis zahlen, sind dieselben, die dann auch noch einen Kaffee spendieren (mit Keks dazu), und dieselben, die sich tausendmal entschuldigen, wenn sie ausnahmesweise mal kurzfristig absagen müssen, und die darauf bestehen, ausgefallene Termine trotzdem zu zahlen.

    Die ständigen Preisdrücker sind jene, die auch sonst ständig an allem nörgeln, unzuverlässig sind, ärgerlich sind. Braucht kein Mensch, sowas.

    als ich lernte "nein" zu sagen zu unmöglichen Ansprüchen, sind die unmöglichen Kunden relativ schnell aus meinem Leben verschwunden, und warden nicht mehr gesehen, mit wenigen Ausnahmen.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  3. Registriert seit
    28.09.2019
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Liebe Barbara,

    danke für Deine schnelle und nette Antwort. Das tut gut!

    Ich muss gestehen, dass ich diese Tage wirklich gerade richtig schlecht drauf bin, weil ich wieder so ein ganz mieses Projekt von einem Neukunden habe, das sich zu einem totalen Horror entwickelt hat.

    Vorhin habe ich dem Kunden eine Email geschrieben, dass ich jetzt an einem Punkt bin, an dem ich keine weiteren Zugeständnisse machen werde, sonst werde ich das Projekt abgeben.
    (Was dann heißt, dass alle Arbeit umsonst war und ich gar kein Geld bekomme und Gefahr laufe, dass er mit Regressforderungen kommt).


    Das Problem bei meinen Projekten ist, dass die zusätzlichen Anforderungen "häppchenweise" untergejubelt werden, sodass es schwierig ist, DEN Punkt zu finden, an dem man sagt "bis hierhin und nicht weiter".

    Natürlich ist es ok und auch normal, dass mal ein Arbeitstag 14 oder 16 Stunden dauert.
    Natürlich ist es ok und normal (für meine Branche), dass sich kurzfristig was ändert und man dadurch Umstände hat.
    Usw.

    Das summiert sich aber so auf, dass es sich im Nachhinein betrachtet kaum gelohnt hat (und nachträgliche Aufschläge sind in meiner Branche leider nicht üblich).

    Du hast Recht, dass die Kunden, die gut zahlen, insgesamt die angenehmeren und netteren sind. Nur habe ich solche leider momentan nicht mehr :-(
    Mein bester Stammkunde beauftragt meine Art von Dienstleistungen wegen der Globalisierung nicht mehr von deutschen Anbietern, deswegen bin ich da raus und eben abhängig von neuen Kunden, die mich gesundheitlich wirklich fertig machen.

    Ich habe vorhin mit einer anderen Freiberuflerin meiner Branche telefoniert, die meinte, dass sie kaum jemanden über 40 kennt, der diesen Job noch machen kann / mag. Das zeigt mir ja auch, dass es nicht (nur) an mir liegt und ich mich schweren Herzens umorientieren muss, wenngleich ich ja eben meine Arbeit an sich liebe :-(

    Liebe Grüße und danke noch mal für Deine Antwort!

    Whippet

  4. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Du bist die Selbständige, warum gibst du nicht deine Bedingungen vor? Wenn sie dich unbedingt haben wollen, dann nehmen sie dich auch. Wenn nicht, finden sich andere. Ich finde man muss sich nicht unter Wert verkaufen.
    Evangelisch schlecht gelaunt, zieh ich meine Runden
    „Fünf Jahre nicht gesungen“ Thees Uhlmann

  5. Avatar von ereS
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    whippet
    wenn du schreibst der kunde kann dir mit regress kommen, sind deine vertraege nicht in ordnung
    hast du die mal von einem anwalt ueberpruefen lasssen ?
    auch die sache, der kunde bestimmt, mit welchem verkehrsmittel und wann du anreist

    tut mir leid, du gibst die rahmenbedingungen vor, schließlich sollst du an der veranstaltung leistung bringen, und dazu mußt du einen tag vorher anreisen und ausgeschlafen sien, deshalb gibst DU die bedingungen vor

    je mehr du dich da runterdruecken laesst, umso mehr drueckt der kunde den preis fuer gute arbeit, das ist eine abwaertsspirale die sich dann in der gesamten branche wiederfindet

    die muessen kapieren, das gute arbeit geld kostet, ansonsten ist es auch fuer dich nicht lohnenswert
    das auge der moderatoren ist ueberall...

    ueber rechtschreibfehler in meinen beitraege bitte ich hinwegzusehen, ich sehe sie aktuell auch nicht richtig...


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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Hallo ereS und xanidae,

    leider ist es nicht so einfach. Teilweise gelten automatisch die AGB des Kunden und nicht mehr meine. Das ist in meiner Branche leider normal. Da kann man in seinen AGB schreiben, was man will.

    Dann ist vieles auch Auslegungssache bzw. - wie beschrieben - geschieht das alles scheibchenweise während des Auftrags. Und dann ist man in einer Zwickmühle: Wenn man sich dann nicht einigt und der Auftrag mittendrin platzt, hat man gar nichts verdient. Klar könnte es theoretisch sein, dass ich irgendwas einklagen könnte, aber so umfangreich sind die einzelnen Aufträge auch nicht, dass sich das lohnen würde. Und schade wär's obendrein, wenn es in so eine Richtung läuft.



    Ich habe vor einiger Zeit mal klare und transparente Rahmenbedingungen formuliert, da wurde mir von einigen Kunden der Vogel gezeigt mit den Worten "kein Mensch macht sowas". In meiner Branche ist (leider) eine Art Handschlaggeschäft üblich, ohne echte Verträge etc. Wenn man damit ankommt, beauftragen die einen eh nicht.

    Jetzt kann man sich fragen, warum ich das überhaupt mache: Früher war es einfach nicht so, jedenfalls hatte ich keine solchen Kunden. Man hat vor dem Auftrag gesprochen, dann kam das Ok, und dann lief es. Darum habe ich diesen Job einfach immer gerne gemacht und alles gegeben. Es stand einfach das Ergebnis im Vordergrund und nicht, ob ich nun 50 Euro mehr Reisekosten verursache.

    Meinen Preis lasse ich nur bis zu einem gewissen Punkt drücken, weil mir klar ist, dass es sonst insgesamt die Preise kaputt macht. Leider musste ich aber in letzter Zeit deswegen schon viele Aufträge ablehnen. Ich nehme an, dass meine Wettbewerber sich auf die Dumpingpreise einlassen, wie die davon leben - keine Ahnung.

    Naja, ich denke, meine Branche ist einfach "kaputt" und ich stehe an einem Scheideweg und muss überlegen, wie es weiter geht. Ich identifiziere mich sehr über meine Arbeit, die Vorstellung, dass ich mich noch 25 Jahre lang ausbeuten lassen muss und null gewertschätzt werde, ist unerträglich. Da arbeite ich lieber gewertschätzt in einem anderen Bereich, auch wenn das dann ggf. unter meinen Fähigkeiten ist oder so :-(


  7. Registriert seit
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Zitat Zitat von Whippet Beitrag anzeigen
    leider ist es nicht so einfach. Teilweise gelten automatisch die AGB des Kunden und nicht mehr meine. Das ist in meiner Branche leider normal. Da kann man in seinen AGB schreiben, was man will.
    Es geht ja wohl weniger um die AGB und mehr darum, was im Vertrag steht? Dinge wie "Ein Tagessatz beinhaltet eine maximale Arbeitszeit zu 8h, zusätzliche Stunden werden zu den Konditionen XY vergütet" kann man ja auch in den Vertrag fürs laufende Projekt schreiben.

    Doch wenn die Branche wirklich so kaputt ist, ist es wohl besser, sich nach etwas Anderem umzusehen.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Zitat Zitat von Whippet Beitrag anzeigen
    In meiner Branche ist (leider) eine Art Handschlaggeschäft üblich, ohne echte Verträge etc. Wenn man damit ankommt, beauftragen die einen eh nicht.
    Was ist das für eine Branche?

    Ich bin jetzt mal die septem artes liberales durchgegangen kann mir aber nix vorstellen, wo es mit Handschlag liefe


  9. Registriert seit
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Zitat Zitat von Whippet Beitrag anzeigen
    (Was dann heißt, dass alle Arbeit umsonst war und ich gar kein Geld bekomme und Gefahr laufe, dass er mit Regressforderungen kommt).
    Ich kenne es so, dass z. B. auch ein Pitch bezahlt werden muss und bezahlt wird.

    Ich sehe es so, dass du am kürzeren Hebel sitzt und andererseits solltest du dringend mal deine Verträge von einem deiner! Standesvertreter durch sehen lassen. Bist du in einem Berufsverband organisiert?


  10. Registriert seit
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    AW: Umgang mit Freiberuflern

    Wenn es so informell ist, dann musst du dich vielleicht im Moment, wenn solche Ansprüche kommen, besser wehren?

    Einige Dinge kann man wirklich nur mit "seid ihr eigentlich noch ganz dicht?" oder auch "sicher nicht" beantworten.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

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