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  1. Inaktiver User

    Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Ich weiß nicht, ob das das richtige Forum hierfür ist - ein besseres habe ich nicht gefunden.

    Eine Frage, die mich seit längerem beschäftigt, ist: Kann man Schuld an der Krankheit eines anderen haben? Ich meine nicht den direkten Umstand der Ansteckung, sondern: Wenn man bei einem Menschen psychische Probleme verursacht und sich dieser Mensch zu dieser Zeit eine Krankheit zuzieht, von der es heißt, sie kann psychosomatische Ursachen haben - trägt man dann auch eine Verantwortung für diese Krankheit? Auch Jahre später noch?

    Vielleicht gibt es hier jemand, der dieses Problem versteht? Der einem anderen die (Teil-)Schuld für seine möglicherweise psychosomatische Erkrankung gibt? Oder jemand, der sich schuldig an so einer Erkrankung eines anderen fühlt? Oder ist das ganze völliger Quatsch?

    Viele Grüße
    Cariad

  2. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Liebe Cariad,

    Schuld ist ein moralischer Begriff... und damit kannste dich richtig schön verrückt und fertig machen. Schuldgefühle sind auch keine Gefühle, sondern eine innere Stimme, die dir sagt, du hast was "Böses" gemacht.

    Ich geh davon aus, dass du jemanden nicht krank machen oder verletzen wolltest, aber es doch getan hast?

    Oder hast du absichtlich jemandem Leid zugefügt?

    Dafür trägst du die Verantwortung, und dafür gibt' schlaflose Nächte gratis.

    Aber: hast du gewusst, was das mit dem Andern anrichtet? Denn was dein Verhalten mit dem andern macht, liegt nicht in deiner Hand. Was den einen nicht juckt, bringt den andern um.

    Gewaltverbrechen wie Missbrauch oder Vergewaltigung oder Körperverletzung sind mal ausgeschlossen, hoffe ich?

    Der andere Aspekt ist die Wiedergutmachung. Denn sich mit schlechtem Gewissen durch's Leben schleppen ist Masochismus.

    Kannst du was tun?

    Oder fühlst du dich seit Jahren "in der Pflicht", etwas wieder gut zu machen?

    Nur so als konkretes Beispiel:

    Die Geburt meiner Tochter löste bei mir eine Wochenbettdepression aus - die dann in eine
    Sucht mündete.

    Meine Tochter ist garantiert nicht schuld dran.

    Von daher kann es schon sein, dass jemand "scheinbar" der Auslöser für etwas ist - aber das Problem war doch schon da, sonst hätte es niemand hervorholen können.

    Liebe Grüsse

  3. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Hallo Evemie, danke schon mal!

    Bevor noch jemand fragt: Nein, ich rede nicht von solchen Sachen wie Missbrauch, um Himmels Willen! Auch nicht von einer vorsätzlichen Verletzung - was passiert ist, habe ich nicht gemacht, um diese Person zu verletzen. Aber ich habe es wohl ein Stück weit in Kauf genommen. Natürlich ohne zu wissen, welchen Schaden es anrichtet.

    Ich weiß nicht mal genau, ob ich diesen Schaden angerichtet habe (die Krankheit könnte auch einen rein physischen Auslöser haben, nur leider ist das nicht festzustellen).
    Es ist ja auch nichts, was mir seit Jahren schlaflose Nächte macht... Nur ein Gedanke, der immer wieder in meinem Hinterkopf rumspukt.

    Jedenfalls danke für deine Gedanken dazu!

    Grüße, Cariad

  4. User Info Menu

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Jeder ist seines Glückes Schmied.

    Klar finden sich immer wieder Menschen, die versuchen andere Menschen zu dominieren oder meinetwegen auch willentlich seelisch zu verletzten.

    Aber dann hat meines Erachtens nicht nur die erste Person ein Defizit, sondern auch die zweite Person, die eine solche Behandlung hinnimmt. Oder anders gesagt, es gehören immer zwei dazu, wenn ein Ungleichgewicht entsteht.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  5. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Oder meinst du so etwas:

    Ich habe Asthma. Nicht stark, aber doch. Wird ausgelöst durch verschiedene Reizstoffe, wobei einer alleine in der Regel nicht reicht, sondern eine Kombination von zwei oder mehreren zusammenkommen muss, aber auch dann nicht immer.
    Ursache des Asthmas - also warum ich überhaupt diese Anfälligkeit für eine Reaktion auf gewisse Stoffe entwickelt habe - ist nicht ganz klar, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die Tatsache, dass in meiner Kindheit mein Vater zu Hause geraucht hat wie ein Schlot, dazu geführt oder zumindest beigetragen hat.
    Er wusste, dass seine Raucherei mich störte und nicht nur ihm sondern auch den anderen im Haushalt schadete, hat sich aber nicht darum gekümmert.

    Wie gesagt, es ist nicht gesichert, dass dies die Ursache für mein Asthma ist, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Bin ich meinem Vater deswegen böse? Naja, ich halte ihn für einen Trottel, dass er damals diese Einstellung hatte. Aber böse? Nein. Kann ja nichts mehr daran ändern und lebe mit dem Asthma meistens problemlos.

    Weiss mein Vater von der Diagnose (sie wurde erst erstellt, dass meine Eltern schon geschieden waren und ich bei der Mutter lebte)? Nein, ich habs ihm nicht gesagt - bzw. nur, dass ich leichtes Asthma habe, aber nicht, was als Ursache dafür vermutet wurde. Das werde ich ihm auch nie sagen. Wozu? Ist nicht mehr zu ändern, Schuldgefühle seinerseits nützen gar niemandem (und die hätte er, denn unterdessen hat er aufgehört zu Rauchen und hält sich selbst für einen Trottel, dass er so lange geraucht hat).

  6. User Info Menu

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Ich würde beim Rauchen differenzieren, Horus.
    Jeder, der heute sein Kind in der gemeinsamen Wohnung vollqualmt, betreibt Körperverletzung. Es dürfte auch den ignorantesten Rauchereltern nicht vorborgen geblieben sein, dass Passivrauchen extrem schädlich ist.

    Meine Eltern haben damals auch geraucht, zumindest während der ersten sechs Lebensjahre, aber sie wussten nichts von der Gefährlichkeit des Passivrauchens. Insofern würde ich es ihnen, selbst wenn Folgen daraus erwachsen wären, nicht ankreiden.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  7. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich weiß nicht, ob das das richtige Forum hierfür ist - ein besseres habe ich nicht gefunden.

    Eine Frage, die mich seit längerem beschäftigt, ist: Kann man Schuld an der Krankheit eines anderen haben? Ich meine nicht den direkten Umstand der Ansteckung, sondern: Wenn man bei einem Menschen psychische Probleme verursacht und sich dieser Mensch zu dieser Zeit eine Krankheit zuzieht, von der es heißt, sie kann psychosomatische Ursachen haben - trägt man dann auch eine Verantwortung für diese Krankheit? Auch Jahre später noch?

    Vielleicht gibt es hier jemand, der dieses Problem versteht? Der einem anderen die (Teil-)Schuld für seine möglicherweise psychosomatische Erkrankung gibt? Oder jemand, der sich schuldig an so einer Erkrankung eines anderen fühlt? Oder ist das ganze völliger Quatsch?

    Viele Grüße
    Cariad
    Hallo Cariad,

    ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstanden hab', möchte Dir darum kurz schreiben, was mir passiert ist.
    Als ich vor zig Jahren etwas gelebt hab', was nicht so ins Weltbild meiner Eltern paßte, kam von meiner Mutter der Spruch, meine Oma solle es bloß nicht erfahren, wenn Ihr dann was passiere, weil sie sich so aufrege... (sei es ja quasi meine Schuld...)
    Ein Schuh, den ich mir so garnicht angezogen hab'. Ist mein Leben, ich habe mit dem Verhalten niemanden verletzt, ja, und ganz schlimm fand ich, daß meine Mutter meine Oma vorschob, obwohl sie selbst erstmal das Problem damit hatte...

    Also wenn's bei Dir auch um solche Sachen geht - ich halte hier die "Schuldfrage" für ziemlich grenzwertig. Okay, jemand hat ein Problem mit Deinem Verhalten, aber es ist Dein Leben und ich gehe davon aus, daß es keine bewußten Verletzungen sind.

    Liebe Grüße,
    Ondine

  8. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Hallo!

    "schuld" ist relativ. Aber ich will dir was erzählen: Meine Mama ist chronisch krank - eine Krankheit die durch schwere psychische Probleme verursacht wird. Nennt sich chronisches Erschöpfungssyndrom. Verursacht durch Jahrelangen Zoff innerhalb der Familie (meine Oma, ihre SchwieMu) wohnt mit im Haus, macht allen das Leben schwer. Nun - wer hat schuld???

    kommt eben immer auf die Situation an.Ich hoffe, dass dir alle geschriebenen Beiträge weiter helfen.

    Liebe Grüße

  9. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Hallo!

    "schuld" ist relativ. Aber ich will dir was erzählen: Meine Mama ist chronisch krank - eine Krankheit die durch schwere psychische Probleme verursacht wird. Nennt sich chronisches Erschöpfungssyndrom. Verursacht durch Jahrelangen Zoff innerhalb der Familie (meine Oma, ihre SchwieMu) wohnt mit im Haus, macht allen das Leben schwer. Nun - wer hat schuld???

    kommt eben immer auf die Situation an.Ich hoffe, dass dir alle geschriebenen Beiträge weiter helfen.

    Liebe Grüße
    Wenn sich doch die Menschen genauso gut um sich selbst wie um andere kümmern würden.

    Es gab sicher ganz "vernünftige" Gründe, dass die Oma im Haus lebte - aber gerade wir Frauen gehen eher lieblos mit uns selber um, als dass wir dafür sorgen, dass es uns gut geht.

    Was hat deine Mutter daran gehindert, die Wohnsitution zu ändern? (ist nicht provokativ gemeint!)

  10. Inaktiver User

    AW: Schuld an der Krankheit eines anderen?

    Die Schuldfrage hilft nicht weiter.

    Manche Dinge sind Fakt, nicht mehr zu ändern.

    Ich war in meiner Kindheit massivem Stress durch meine Familie ausgesetzt, über Jahre. Bis ich in der Lage war, mich sowohl physisch als auch psychisch zu distanzieren und eigene Wege zu gehen, waren fast zwei Jahrzehnte vergangen.

    Versuche, mir von aussen Hilfe zu holen, landeten jeweils in Sackgassen - es wollte sich niemand einmischen, ich war ja nicht "grün und blau" geschlagen.

    Ich entwickelte bereits in der Kindheit (übrigens auch in einem Raucherhaushalt lebend) schweres Asthma, später eine Autoimmunerkrankung. Jeder weiss, dass das Immunsystem von Dysstress schwer beeinträchtigt werden kann.

    Ist meine Familie schuld daran, dass ich so krank wurde? Ja. Ohne Zweifel.

    Ändert dieser Umstand etwas an den Tatsachen?

    Im Gegenteil - halte ich mich damit auf zu lamentieren über das, was sich nicht mehr umschreiben, nicht mehr ändern lässt, trage ich SELBST dazu bei, mich weiter zu schwächen. Mir war und ist wichtig, meinen Frieden mit dem, was in meiner Kindheit passiert ist, zu machen - das trägt entscheidend zu meinem Wohlbefinden und damit auch zu mehr Gesundheit bei. Gesund werde ich nie wieder werden können, zuviel ist irreparabel zerstört, aber daran ändern Schuldfragen, Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen gar nichts. Es ist wie es ist, und ich mache das Beste draus und sorge HEUTE, oder genau genommen seit ich ein erwachsener Mensch bin, der selbst Entscheidungen für sein Leben treffen kann, dafür, dass ich schädlichen Einflüssen nicht mehr ausgesetzt bin oder aber mich entschieden abgrenze, wenn sich das nicht vermeiden lässt.

    Als Kind war es mir nicht möglich, dies zu leisten. Da hatte ich nur die Möglichkeit zu dissoziieren und auf diese Weise zu "flüchten".

    Grüssle
    Seawasp

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