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    Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Ich wollte mich mal besonders bei den Doktorandinnen hier erkundigen, ob ihr Erfahrungen habt, in Forschungsarbeiten eingebunden zu werden und ob bzw. wie ihr bezahlt werdet.
    Es geht um folgendes: Ich arbeite seit letztem Oktober bei einem Evaluationsauftrag mit, meine Aufgabe besteht im wesentlichen aus Organisatorischem, das heisst, ich übersetze und führe den Kontakt mit der deutschen Uni aus dem Ausland. Ich habe das Arbeitstreffen organisiert, begleitet und die Protokolle geschrieben. Dafür soll ich, wenn auch nicht besonders gut, bezahlt werden. Jetzt steht ein Folgetreffen an, zu dem ich alleine fahren und es natürlich auch entsprechend dokumentieren soll. Reisekosten werden natürlich bezahlt, das wars dann aber auch. Mich kostet das ein Wochenende plus im Vorfeld die Organisation, die ziemlich nervt, weil ich alles über die Agenturen, mit der die Uni hier Verträge hat, abwickelt muss und nicht locker übers Internet bestellen kann und dann kommt eben noch der Bericht.
    Ich bin im Moment total knapp mit meiner Zeit, die Evaluation hat null mit meinem Forschungsthema zu tun und der leitende Prof ist nicht mal mein Doktorvater, sondern aus einer anderen Abteilung, was ohnehin immer wieder zu Spannungen führt.
    Ich frage mich, ob sich das für mich überhaupt lohnt, da weiter hinein zu investieren, auch weil ich inzwischen nicht mehr sicher bin, ob das mit der Bezahlung für das erste Projekt klappt (die Administration ist hier gräßlich und der Antrag läuft immer noch) und weil ich auch dem leitenden Prof nicht richtig über den Weg traue. Er sagt, dass ich natürlich als Mitautorin der Evaluation genannt werde, wann und in welchem Rahmen diese erscheint, steht aber völlig in den Sternen. Und irgendwie kommt mir das selber nicht richtig vor, weil ich ja mit der inhaltlichen Arbeit nichts zu schaffen haben. Das ganze Projekt erscheint mir inzwischen doubios und seine Arbeitsweise finde ich schrecklich. Zum Beispiel hat er mich die deutsche Arbeitsgruppe einladen lassen, obwohl klar ist, dass es dafür weder den Rahmen noch die Mittel gibt. Ich muss die jetzt quasi dauernd fadenscheinig vertrösten. Ich frage mich auch wie ich aus dieser Nummer wieder rauskommen kann, ohne den Prof zu düpieren oder ob es besser ist, in den sauren Apfel zu beissen und ein letztes Mal hinzufahren und mich dann zurückziehe.

    Vielen Dank fürs Lesen , das Ganze liegt mir inzwischen richtig im Magen
    Sehnsucht............... Weltschmerz...............Eleganz

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    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    upps, fällt echt keinem von euch irgendwas zu der Sache ein? Hab ich den Fall unklar beschrieben?
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  3. Inaktiver User

    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Hallo Mirage,

    ich bin zwar keine Doktorandin, aber ich würd dein Dilemma mal so zusammenfassen:

    Du arbeitest, wirst schlecht bzw. gar nicht bezahlt, bist eine bessere Sekretärin, arbeitest für einen Prof, den du komisch findest und sollst deinen Kopf für Inhalte mit-hinhalten, die du gar nicht vertreten kannst und zudem bleibt deine Doktorarbeit auf der Strecke.

    Korrigier mich, wenn ich was missverstanden hab! *smile*

    Gibt es einen guten Grund, der für's weitermachen spricht? (Hab irgendwie keinen entdecken können...)
    Was sagt denn dein Doktorvater?

    Liebe Grüsse

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    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    :

    Du arbeitest, wirst schlecht bzw. gar nicht bezahlt, bist eine bessere Sekretärin, arbeitest für einen Prof, den du komisch findest und sollst deinen Kopf für Inhalte mit-hinhalten, die du gar nicht vertreten kannst und zudem bleibt deine Doktorarbeit auf der Strecke.
    Danke Evemie für die Zusammenfassung (und für deine Antwort ), so gelesen klingt das echt total

    Die Gründe, die fürs Weitermachen sprechen:
    Die Evaluation wurde vom französischen Bildungsministerium vergeben, ich war auf gemeinsamen Besprechungen dabei und stehe in der Vergabe drin. Keine Ahnung, wie bedeutsam das ist, ich habe aber Bedenken, einfach so abzuspringen und dann dort in Verruf zu geraten. Das kann mir insofern nicht ganz egal sein, weil mein Forschungsthema ein Vergleich französisch-deutscher Bildungspolitiken ist. Und dann will ich in dem Bereich später auch arbeiten und ich stelle mir vor, dass es durchaus möglich ist, dass dir dann Leute wiederbegegnen (das Netzwerk, das sich für mich durch diesen Job erschließt, war ein Grund, warum ich das letztes Jahr überhaupt angefangen habe). Das gleiche beunruhigt mich bezüglich dem deutschen Team, wenn ich jetzt quasi "desertiere".

    Deshalb ja auch meine Überlegung, wie ich da wieder rauskomme, einen Vertrag, der irgendwann auslaufen oder etwas schriftliches, das meine Aufgaben beschreibt und auf das ich mich beziehen könnte, gibt es nicht.

    Was sagt denn dein Doktorvater?
    Das ist das nächste Problem, mein Doktorvater und er sind total überkreuz (wußte ich im letzten Jahr noch nicht). Für meinen Doktorvater wäre das gefundenes Fressen, wenn ich ihm von den Pannen im Projekt erzählen würde. Der würde das eher als Munition verwenden als mir aus dem Dilemma raushelfen.

    Uarrrg, so ein Scheiß, ich hätte nie gedacht, dass man so aufpassen muss, wie und wo man sich engagiert. Ich fühle mich hier manchmal wie am Hof des Sonnenkönigs, wo man sich mit Intrigen gegenseitig demontiert.
    Sehnsucht............... Weltschmerz...............Eleganz

  5. Inaktiver User

    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Hallo Mirage,

    Himmel, gibt es denn keine netten Profs bei dir? *zwinker*

    Jetzt hab ich nochmal ein paar praktische Fragen:

    1. Wieviel Zeit pro Woche geht für das Projekt drauf?
    2. Wieviele Leute arbeiten ebenfalls umsonst für das Projekt? Ist nur der Prof schwierig oder der Rest des Teams auch?
    3. Wo stehst du mit deiner Doktorarbeit?

    Ansonsten ist mir das Wort "dubios" aufgefallen - könnte dir das Projekt also auch schaden (abgesehen von den Kontakten?)

    Oder findest du das Projekt gut, nur die Umsetzung merkwürdig? Denn bevor du ein gutes Projekt wegen der Arbeitsweise sausen lässt, kannst du doch deine Energie in eine Veränderung der Arbeitsweise stecken?

    Wenn du die Methoden des Profs nicht mitmachen möchtest, kannst du ihm ja z.B. sagen, dass du der deutschen Arbeitsgruppe klar sagen wirst, dass du erst dann verbindliche Zusagen machen kannst, wenn er die Mittelzusage geklärt hat, weil du deine Glaubwürdigkeit gerade als Berufsanfängerin nicht verlieren möchtest.

    Kennst du denn persönlich Leute im frz. Bildungsministerium? Das ist ja schliesslich der Auftraggeber, der doch Vorgaben (zeitliche?) gemacht haben muss und sicher kein "dubioses" Projekt finanzieren will?

    Liebe Grüsse

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    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Falls es für dich keinen erkennbaren Nutzen gibt und alle anderen nur aus dir Nutzen ziehen, läuft da was Grundsätzliches falsch.
    So richtig habe ich auch nicht verstanden, wovon du jetzt überhaupt lebst und in welchem direkten oder indirekten Zusammenhang deine Aufgabenbereiche bestehen. Es ist natürlich immer gut, sich eigenen Netzwerke zu knüpfen, mitunter weiss man da am anfang noch nicht, inwiefern man später davon profititeren kann, manchmal lernt man "nur" etwas.
    Eine Lösung wäre, eine Aufstellung aller Aufwendungen deinerseits zu erstellen und damit zu dem Prof zu gehen. Dann kann er dir gerne erzählen, was er bereit ist, in Zukunft in dich zu investieren. Ansonsten hast du leider keine Zeit mehr, diese Aufgaben weiterhin zu betreuen, da du dir eine bezahlte Arbeit suchen musst.
    Wenn ich dich richtig verstanden habe, nimmst du dort Sekretärinnen die Arbeit weg, sieh es mal so.
    Viel Glück
    Gruss
    strong

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    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Ja, also nett sind die Profs alle hier, man darf sich nur nicht darauf verlassen, was sie sagen, und da sind sich schon alle mehr oder weniger gleich.

    Ich investieren vielleicht einen halben Nachmittag pro Woche in die Sache, das ist nicht soviel, aber wenn der Ertrag für mich gegen Null strebt, finde ich das trotzdem zuviel, zumal ich im Moment überhaupt keine Nerven habe, schon wieder auf Reisen zu gehen. An meiner Doktorarbeit sitze ich seit letztem November eher weniger als mehr, weil ich nebenher an einem Lycée als Sprachassistentin arbeite und Kurse an der Uni gebe. Deshalb wären diese beiden Monate Juni-Juli auch so wichtig für mich, weil diese Verträge auslaufen und ich jetzt endlich mal Zeit am Stück habe, um vernünftig an meinem Thema zu arbeiten. Im August und September gehts nach Brüssel und dann gehen Schule und Uni wieder los. Wenn bis dahin keine annähernde Struktur für meine Diss. steht, wird das wieder nix mit dem parallel Arbeiten. Das Geld könnte ich supergut brauchen, um den Sommer zu überbrücken.

    Ich habe quasi keinen Kontakt mit den anderen Mitarbeitern, gemeinsame Teambesprechungen gibt es nicht (außer den Treffen in Paris, die dann die Mitarbeiter am Lehrstuhl nutzen, um alles andere zu klären), alles läuft über den Prof. Der verteilt auch die Mittel, die das Ministerium für das Projekt vergeben hat. Es gibt noch zwei andere Doktoranden im Team, die sind aber in den zu evaluierenden Regionen und nicht an der Uni selbst wie ich ja auch für mein Gebiet, Deutschland, alleine dastehe.
    Allerdings hat mir der Prof. erzählt, als ich das letzte Mal das Thema Bezahlung angesprochen habe, dass er nichts tun kann (im Sinne von Beschleunigung des Verfahrens) und dass heute schon ein anderer Student da gewesen sei und jede weitere Mitarbeit verweigert habe. Das gibt es also offenbar häufiger, dass nicht, oder mit enormer Verzögerung bezahlt wird. Ich könnte mich ja auch darauf berufen, das Problem bleibt nur weiterhin, dass ich bereits zugesagt habe, nochmal nach Deutschland zu fahren.

    Dubios deshalb, weil gar nicht ganz klar ist, was und wie evaluiert wird
    Sehnsucht............... Weltschmerz...............Eleganz

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    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Hallo Mirage,

    solche Aufträge kenne ich leider aus leidvoller Erfahrung. Ich finde es etwas schwierig, von außerhalb zu raten, weil wir hier nicht wissen können, wie die Fäden da gesponnen sind und ob sich das langfristig auszahlen kann. Die Frage wäre eben, ob es für Dich Nachteile haben kann, wenn Du das nicht mehr weitermachst.

    Es ist sehr schwierig, eine "Bitte" solcher Art abzuschlagen, weil das Abhängigkeitsverhältnis zu den Profs leider ein sehr übles ist.

    Ich habe ein ähnliches Projekt mit "Augen zu und durch" ungefähr 15 Monate lang mitgeschleift und es hat mich ca. 1 Jahr Diss-Zeit gekostet. Ob sich das auszahlt, weiß ich nicht, im Nachhinein kann ich es immer noch nicht sagen. Hätte ich abgelehnt, wären ein paar Leute ziemlich sauer gewesen. Ist halt die Frage, ob das das 1 Jahr aufwiegt oder nicht...

    Ach so, noch ein Nachtrag: Vielleicht ist es auch richtig, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Umsonst arbeiten - eigentlich ist Deine Arbeit doch sicher mehr wert, oder? Das war auch so meine Überlegung, aber letztendlich war ich wohl doch zu feige. Oder zu vorausschauend, wenn man es mal positiv formulieren will...

    LG
    Nimwen

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    AW: Mitarbeit in Forschungsprojekt ohne Bezahlung?

    Zitat Zitat von Nimwen
    Hallo Mirage,
    Ich finde es etwas schwierig, von außerhalb zu raten, weil wir hier nicht wissen können, wie die Fäden da gesponnen sind und ob sich das langfristig auszahlen kann. Die Frage wäre eben, ob es für Dich Nachteile haben kann, wenn Du das nicht mehr weitermachst.
    Ich kann das auch nicht wirklich einschätzen und habe mich deshalb entschieden, Ende Juni auf die Tagung zu fahren. Ich habe schon alle Tickets und Unterlagen zusammen und habe mir das damit versüßt, dass ich vorher noch ein paar Tage bei meinen Eltern vorbeischaue.

    Ach so, noch ein Nachtrag: Vielleicht ist es auch richtig, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Umsonst arbeiten - eigentlich ist Deine Arbeit doch sicher mehr wert, oder?
    Genau das ist auch mein Hauptproblem, es entwertet meine Arbeit für mich, wenn sie nicht bezahlt wird. Außerdem will ich nicht, dass der Prof glaubt, er kann es mit mir machen. Soviel Zeit wie du will ich aber nicht darein geben. Jetzt kommen die Semesterferien und ab Herbst werde ich nur dann aktiv werden, wenn ich bezahlt werde und eine genaue Aufgabenbeschreibung habe. Mit diesem Kompromiß fühle ich mich ganz wohl.
    Nimwen, hat dir das denn nichts konkretes wie eine Publikation oder ähnliches gebracht, war das dein Doktorvater?
    Solidarische Grüße
    mirage
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