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    Schulsystem(Abitur) in UK

    Hallo,
    wer kann was zum Schulsystem in Grossbritannien sagen,va bez Hochschulzugangsberechtigung.

    Unser Austauschschüler konnte uns das auch nach 2 mails nicht erklären, was die sog. " A-Levels" betrifft.

    Ausgangspunkt: letztes Jahr wurde in der brit. Presse in mehreren Artikeln dargestellt, dass es bei den Abschlusszeugnissen (A-L= unser Abitur?) Unstimmigkeiten gegeben hätte. Manche Schulen hätten zu gute Abschlüsse.
    Das las sich, als gäbe es kein Abi in unserem Sinne mit zentral gestellten Prüfungsaufgaben (By,BaWü,Sachsen), sondern schulintern gestaltete Prüfungen. Die Ergebnisse der Prüfungen dürfen aber nicht zusehr von den langjährigen Ergebnissen der jeweil. Schule abweichen.

    Wie muss man sich das vorstellen? Oder habe ich die Artikel falsch verstanden?
    Wer dort die Schule absolviert hat, hat sicher genauere Infos.

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Ich versuche es mal zu erklären. Falls es unverständlich ist, bitte nachfragen!

    GCSE (Mittlere Reife) und A-Levels (Abitur) sind vergleichbar mit dem deutschen Zentralabitur.

    Allerdings ist es hier nicht nach geographischen Bedingungen wie zB Bundesländer organisiert. Es gibt verschiedene Exam Boards die den Lehrstoff der Fächer festlegen und die Prüfungen stellen.

    Die Prüfungen werden landesweit im Mai/Juni geschrieben.

    Die Schulen sind nicht auf ein Exam Board festgestellt, sondern können je nach Fach entscheiden, welches Board sie wählen.

    In der Regel schreiben die Schulen intern (also ohne festgelegte Prüfungsregeln) Probeexamen zwischen Dezember und Februar. Meist innerhalb einer Examenswoche, die sogenannten Mock Exams. Diese sind in der Regel schon ein ganz guter Anhaltspunkt für die „richtigen Examen“ im Sommer.

    In 2020 wurden die Mock Exams noch regulär durchgeführt, doch mit dem Lockdown am 23. März kam der reguläre Unterricht zum Erliegen.

    Es wurde auch nahezu sofort entschieden, das im Sommer keine Prüfungen durchgeführt werden.

    Das hat natürlich sofort die Frage aufgeworfen, wie die Abschlussnoten erfolgen sollen.

    Es wurde dann beschlossen, das alle Schüler sogenannte predicted grades (also von ihren Lehrern und der Schule festgelegt, auf Basis ihrer Leistung bis zum Lockdown) für jedes ihrer Fächer bekommen.

    Generell ist dies kein unbekanntes Vorgehen für die Schulen. Denn auch für ihre Unibewerbungen, die bereits im letzten Schuljahr erfolgen, bekommen Schüler solche predicted grades.

    Es hieß dann, auf Basis dieser Grades und eines Algorithmus werden die Endnoten berechnet.

    Als dann im August 2020 die Schüler ihre Endnoten erhalten haben, brach das totale Chaos aus.

    Alle Endnoten wurden nur auf Basis des Algorithmus errechnet. Da alle Examensergebnisse für jede Schule für die vergangenen Jahre dokumentiert sind, hat man davon ausgehend versucht, auch das Jahr 2020 gemäß dieser Verteilung für jede Schule abzubilden. Jeder Schule wurde also vorgegeben welche Endnoten sie in welchem Fach zu vergeben hat. Dieses Vorgehen hat oft nicht annähernd die zu erwartenden Noten auf Basis der individuellen Leistungen ergeben.

    Anders als in D erfolgt die Bewerbung an den Unis und das Angebot eines Studienplatzes, bereits während des letzten Schuljahres und nicht nach Erhalt dear Endnoten.

    Da ja allen Schülern zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Uniangebote (auf Basis von predicted grades) vorlagen, und nun ein Großteil rein mathematisch berechnete Noten hatte, die nicht ausgereicht haben für ihr Angebot, hätte dies bedeutet, das sie ihren Uniplatz verlieren. (Verständlich?)

    Daraufhin hat die Regierung 24h später einen Rückzieher gemacht und allen Schülern, die von ihrer Schule im Sommer eingereichten Noten als Endnoten gegeben.

    Zur Unibewerbung braucht man 3 A-Levels. In der Kursbeschreibung geben die Unis an, welche Grades sie erwarten (also zB ABB). Je höher die geforderten Grades um so „besser“ ist idR die Uni (Oxbridge erwartet idR A*A*A). Dazu kommen dann noch das personal Statement und evt. Test und Interview.

    Entscheidend ob man den angeboten Platz bekommt, ist dann ob man im August die im Uniangebot geforderten Grades erreicht hat.
    Mabel-Grace

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Vielen Dank mabel-grace.

    Jetzt sehe ich klarer. Ich hatte in den medien " algorithmus" gelesen, konnte das aber nicht glauben. Und auch der Aufruhr von Schülern, die sich zunächst ungerecht behandelt fühlen gg Schuljahrgängen vor ihnen .
    Offensichtlich wollte man seiten der Schulverwaltung nicht noch mehr Ärger angesichts der Pandemie und hat Schülerfreundlich umdisponiert.

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Hallo Daphina,

    Ja da hast du meiner Meinung nach die richtigen Rückschlüsse gezogen.

    Wobei ich denke, der letztjährige Jahrgang ist noch mit einem blauen Auge davon gekommen.

    Bis zum Lockdown war an vielen Schulen der Lehrstoff schon abgeschlossen und es ging in die Prüfungsvorbereitung. Da die Examen dann ja ausgefallen sind, hat dieser Jahrgang wenig verpasst.

    Durch die Vergabe der Endnoten auf Basis der CAG (Center Assessment Grades, also Benotung der Schulen) haben prozentual mehr Schüler dieses Jahrgangs das Uniangebot ihrer ersten Wahl erreicht. Dadurch mussten die Unis zum Teil auch mehr Studenten annehmen als in den Vorjahren (und sie eigentlich Plätze haben).

    Aus meiner Sicht ist der diesjährige Abschlussjahrgang stärker negativ betroffen.

    Durch Unterrichtsausfall und Online Unterricht haben sie deutlich mehr Lehrstoff verpasst.

    Die Endnoten werden wieder als CAG vergeben. Das ist schon länger bekannt und die Schulen unter enormen Druck.

    Es besteht die Angst, das Unis dieses Jahr weniger und höhere Angebote vergeben haben, um nicht nochmal wie im vergangenen Jahr deutlich mehr Studenten annehmen zu müssen.
    Mabel-Grace

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Hier hat der ausgefallene Unterricht auch Auswirkungen auf die Abitur-Note und dadurch evt schlechtere Studienplatz-Chancen in NC-Fächern.
    Beschwerden kamen schon für Mathe (wobei das Fach nicht in allen Bundesländern Pflicht-Prüfungsfach ist) und Englisch.
    Meine Schwester unterrichtet Physik und berichtet von Unmengen unter 4-Noten.

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Ein grosses Problem letztes Jahr im UK war, dass gehaueft schlechtere A -level Abschlussnoten errechnet worden sind, da der Algorithmus sich sehr stark an der frueheren Gesamtleistung der Schule orientiert hat. Da es zwischen Schulen hier aber grosse Unterschiede gibt (die auch statistisch erfasst und einsehbar sind) waren die gute Schueler an diesen Schulen schlechter gestellt. Da es insgesamt schon problematisch ist, dass zumindest die britischen Studenten oft aus einer bestimmten 'Class' sind, musste das zuegig geaendert werden.
    Die Universitaeten, die mit einem heftigen Einbruch der Studentzahlen gerechnet hatten (und damit einen Einbruch ihrer Einnahmen), waren gar nicht so ungluecklich ueber die 'Studentenschwemme' - nur die Arbeit fuer die Lehrenden (meist online) ist dabei explodiert. Das hat die Uni-Administration aber nicht gestoert.
    Das Leben ist Zeichnen ohne Radiergummi.

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Dir auch Dank, Denglish.
    Das mit den Einnahmen der Unis ist ja nochmals ein Unterschied zu Deutschland (Ausnahme Privatuniversitäten).

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    AW: Schulsystem(Abitur) in UK

    Hallo Denglish,

    Kann ich mich hier mit einer Frage zum Thema an Dich anschließen?

    Es gibt ja verschiedene Exam Boards und Schulen können unterschiedliche Exam Boards und damit Prüfungen für Fächer wählen.

    Nach meinem Verständnis haben diese Prüfungen durchaus unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Es gibt also Prüfungen für ein Fach mit unterschiedlichen Leistungsniveaus.

    Anhand der ausgehändigten Zertifikate ist das ja erkennbar und diese werden auch bei der Unibewerbung via UCAS eingereicht.

    Es ist für mich jedoch nicht ersichtlich, wie Unis bei der Vergabe von Studienplatzangeboten diese Leistungsunterschiede der Examen berücksichtigten.

    Es werden ja nur die Grades (AAB etc) gefordert evtl für ein bestimmtes Fach ein Mindestgrade.

    Aber aus meinem Verständnis kann ja ein A eines Exam Boards durchaus dem Niveau eines B Grades eines anderen Exam Boards entsprechen.

    Obwohl ich nun schon mehrere Unibewerbungen begleitet habe, hat es sich mir bis heute nicht erschlossen, wie die geforderten Grades bei der Angebotsvergabe mit den unterschiedlichen zugrundeliegenden Prüfungen gelinkt werden.

    Kannst du mir das erklären?
    Mabel-Grace

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