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  1. Moderation

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    "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karriere

    Angeregt von einem Parallelstrang, in dem wir, so befuerchte ich, einer Fragestellerin gerade die Promotion ausreden, wuerde ich gerne eine neue Diskussion eroeffnen:
    Gemeinhin wird mit einem Doktor eine medizinische oder akademische Karriere verbunden, manchmal auch eine privatwirtschaftliche. Auf jeden Fall werden mehr oder minder "grosse Dinge" von jemandem erwartet, der ein "Dr." vor dem Namen traegt (oder tragen koennte). Die Realitaet ist aber oft alles Andere als glanzvoll.

    Beim Nachdenken darueber kam mir ein Cartoon in den Sinn, ich glaube sogar von Peter Gaymann, den ich nach der Geburt meines Sohnes von meinen Eltern auf einer Postkarte erhielt: Darauf sieht man zwei Muetter, die jeweils ein Baby im Wagen vor sich herschieben, und die eine sagt: "Dabei habe ich eigentlich mal promoviert..." Und die andere: "Wow, echt? Ich verplempere hier nur mein Diplom."

    Natuerlich kenne ich zahlreiche erfolgreiche Akademiker (bei wem haette ich sonst studieren sollen? ), und auch die ein oder andere Fuehrungskraft, der ich bisher begegnet bin, hatte einen Doktor.

    Aber es gibt halt auch viele, viele andere:
    Jungakademiker hangeln sich von Vertrag zu Vertrag zu Vertrag und ziehen oder pendeln gar dazu quer durch die ganze Republik. Das extremste mir bekannte Beispiel ist eine junge Dozentin, die jeweils eine halbe Stelle in Berlin und Dresden hat.

    Andere von uns verschwinden in normalen Brotjobs und legen dabei noch nicht einmal die steile Karriere hin.

    Oder, Schock-Horror, wir bekommen Kinder!

    Vielleicht haben einige Lust, hier ueber die vielen verschiedenen Lebenslaeufe zu diskutieren, die sich nach der Promotion ergeben koennen, auch als Anregung fuer Doktoranden und solche, die es werden wollen.


    Wie seht Ihr das? "Verplempert" man seine Ausbildung, wenn auf die Promotion nicht die ruhmvolle oder finanziell lukrative Karriere folgt?
    Hat jemand eine klassische Universitaetskarriere hingelegt und mag erzaehlen, was dazu noetig war an Leistung, Strategie und vielleicht auch Glueck?
    Hat jemand einen ganz anderen Nutzen aus der Promotion gezogen?
    Habt Ihr zwar weiter keinen Nutzen vom Doktor, seht ihn aber als Bereicherung?
    Oder bereut jemand tatsaechlich die langwierige (und eventuell kostspielige) Ausbildung?

    Diese oder auch ganz andere Themen wuerden mich interessieren. Mal sehen was kommt!

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    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Ich sehe es nicht so, dass mit dem Doktor automatisch eine akademische Karriere verbunden ist. Leute mit Dr.-Titel (den meinst Du doch in erster Linie) findet man wohl häufiger in der Privatwirtschaft wieder.

    Wer tatsächlich an der Uni bleibt, hat oftmals das Problem mit den befristeten Verträgen, das ist richtig.

    Ich kenne eine Person, die die klassische Akademiker-Karriere hingelegt hat (okay, und dessen Kollegen und Kolleginnen ), also Studium, Promotion, Berufung zum Professor (keine Habil, da an der Fachhochschule). Der Job ist mit Familie ganz gut vereinbar.

    Berufsbedingt und auch privat kenne ich viele Doktoren. Meist Männer. Einige haben die Diss nach der Familiengründung hingeworfen bzw. nicht fortgeführt, andere sind in die Wirtschaft gegangen und hochbezahlt.

    Dass irgendjemand während einer Kinderpause das Diplom oder die Promotion als verschwendet ansieht, ist mir nicht bekannt. Zugegeben, diese Leute sind aber auch eher nicht die Mütter/Väter, die 3 Jahre nur beim Kind bleiben.

    Übrigens kann man die Verschwendung auf jeden Abschluss übertragen, wenn man so will. Verschwendet eine Juristin/Lehrerin ihre Staatsprüfungen, wenn sie daheim bleibt?

  3. gesperrt

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    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Ich kann nur das darstellen was ich gesehen habe....bis heute.

    Der "Doktor" ist eigentlich nichts anderes als ein Türöffner wenn man Vitamin B wenigstens hat, mit Leistung hat es oft wenig zu tun wenn ein "Doc" ein Pöstchen bekommt.

    Die welche ich kennengelernt habe, waren in anderen Lebensbereichen ziemlich...äh....unfähig,was mich eigentlich wenig wundert.Wer immer bloß lernt hat eben für anderes keine Zeit.

    Ganz besonders nett ist die Gschaftlhuberei bei den Burschenschaftlern,da werden auch schwere Alkoholiker auf verantwortungsvolle Posten gehieft weil Opa aus der gleichen BS da auch gesessen hat. Diese "Gesellschaft" macht gerade wieder Punkte in unserer schwierigen Wirtschaft.

    Manche werten auch ihr mangelndes Selbstwert mit nem Titel auf....und wundern sich am Ende warum trotzdem nichts vorangeht.

    Ich bin der Ansicht auf grund eigener Erfahrung,dass man nach seinen Fähigkeiten gehen muß um erfolgreich sein zu können....manchmal braucht es dazu ein Studium, oft aber geht's auch anders.

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    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Das kommt immer auf den Einzelfall an, würde ich sagen. Als Diplom- Chemiker bekommst Du z.B. in der Regel gar keinen Arbeitsplatz ohne Promotion.
    Die wird von der chemischen und pharmazeutischen Industrie vorausgesetzt. Dafür muss man etwas 3 Jahre Zeit veranschlagen.
    Diejenigen, die Chemie studieren wissen aber, was auf sie zukommt. Wer das nicht weiß, hat sich nicht ausreichend über Studium und Möglichkeiten informiert.
    Als Mediziner ist die Diss zugegeben weniger aufwändig und man kann während des Studiums damit beginnen.
    Wer beabsichtigt, in der medizinischen Forschung zu arbeiten, sollte darauf achten, dass das Thema entsprechend anspruchsvoll ist und auch einen Auslandsaufenthalt einplanen.
    Als niedergelassener Arzt bringt es finanziell keine direkten Vorteile. Allerdings erwarten viele Patienten noch ein "Dr." am Praxisschild eines Arztes.
    Sicher bringt es auch nix, zu promovieren, wenn man hinterher 3 Jahre Erziehungspause macht, falls man wissenschaftlich arbeiten will.
    Da ziehen andere, jüngere an einem vorbei.
    Auch in den Gewi- Fächern, habe ich den Eindruck, dass gewisse Jobs nur mit Promovierten besetzt werden. Eine Freundin von mir ist Kunsthistorikerin. Nur mit dem Magister wäre sie nichts geworden. Man hat ihr während des Studiums ganz klar gesagt, dass, wenn sie mal eine Sammlung/ Abteilung im Museum/ Kunsthalle leiten möchte, der Doktorgrad zwingend sei.
    Sie hat also auch noch drei Jahre drangesetzt und promoviert. Heute hat sie eine leitende Position in einer Kultureinrichtung.
    Ich denke für Fächer wie Kulturwissenschaften gilt das Gleiche.
    Anders bei promovierten Lehrkräften. Hier besteht sicher kein direkter Vorteil durch eine Diss. Sie werden von A 12- A16 ( Oberstudiendirektor am Gym) besoldet, egal ob promoviert oder nicht.
    Und was Du schreibst über die halben Stellen an verschiedenen Unis, das kenne ich auch. Hatte auch eine Freundin, die jahrelang zwischen zwei halben Stellen pendelte und heute Professorin für Germanistik ist. Sie hatte viele magere Jahre, nur ein WG Zimmer in zwei verschiedenen Städten, Auto konnte sie sich nicht leisten.

    Dazwischen gibt's sicher auch viele, die entweder die Diss nicht zu Ende bringen, oder ewig als schlechtbezahlter, wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Kurzzeitverträgen im akademischen Mittelbau hängen bleiben.
    Eine Diss kann durchaus vergeblicher Aufwand sein und sich nicht auszahlen.
    Man muss auch nicht unbedingt Akademiker sein um sehr gut zu verdienen. Eine Freundin von mir, abgebrochenes Pharmazie Studium, dann Ausbildung als Immobilienkauffrau, heute selbstständig als Hausverwaltung verdient durchschnittlich 5000 € netto im Monat.
    Und sie sagt selbst, sie arbeitet sich dafür nicht ab.
    Wer nicht gerade Mediziner ist, oder einen Top Job in Industrie und Wissenschaft hat, verdient als Akademiker im Schnitt auch nicht viel besser.
    Geändert von Elixia (23.07.2015 um 13:21 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Zitat Zitat von Elixia Beitrag anzeigen
    Eine Freundin von mir ist Kunsthistorikerin. Nur mit dem Magister wäre sie nichts geworden. Man hat ihr während des Studiums ganz klar gesagt, dass, wenn sie mal eine Sammlung/ Abteilung im Museum/ Kunsthalle leiten möchte, der Doktorgrad zwingend sei.
    Wieviele Leute beenden jedes Jahr ein kunsthistorisches Studium, wieviele davon promovieren, und wieviele davon bekleiden später mal eine leitende Position in einem Museum?

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    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Was willst Du damit aussagen? Ich habe da jetzt keine empirische Studie zur Hand bzgl. Kunsthistorikern speziell und gehe von dem aus, was ich im Laufe meines Lebens an beruflichen Werdegängen kennengelernt habe.

    Sicher kann man davon ausgehen, dass weniger Menschen ein Studium in Kunstgeschichte abschließen als ein Studium in BWL oder Medizin.
    Denn statistisch ist BWL der Studiengang, der die meisten Studienanfänger und auch den größten Anteil der Studienabschlüsse stellt.
    Allerdings ist es in BWL nicht unbedingt notwendig oder zwingend finanziell vorteilhaft zu promovieren, denn ein überdurchschnittliches Gehalt winkt auch mit z.B. anschließender Steuerberaterprüfung oder in Unternehmensberatungen. Vorausgesetzt die Abschlussnote ist sehr gut.
    In Fächern, wo eine Diss. zwingend ist für eine dem Studium angemessene Position wie z.B. bei Chemikern kann man ja keinesfalls von "verschwendeter" Zeit für die Diss. sprechen.
    Ich glaube kein Dipl. Chemiker möchte den Rest seines Lebens als Chemielaborant verbringen.


    Und statistisch betrachtet, gibt's auch mehr Studienabbrecher in den Geisteswissenschaften, was womöglich der unsicheren Perspektive im Beruf (außer Lehrämter) geschuldet ist.

    Ich bin keine Gewi, gehe aber gerne und oft in Museen und Ausstellungen. Und wenn ich mir da die Namensschilder an den Türen von Abteilungsleitern/ Verantwortungsträgern etc. für bestimmte Sparten ansehe, steht fast immer ein "Dr." vor dem Namen.

    Insoweit gehe ich mal davon aus, dass man in solchen Fächern möglichst promoviert haben sollte, wenn man einen guten Job und einigermaßen gutes Gehalt haben will. Und meine Freundin, die Kunsthistorikerin ist sich das nicht aus den Fingern gesogen hat und nicht drei Jahre ohne Zweck und Ziel promoviert hat.
    Und klar gibt's im Kunst- und Kultursektor weniger offene Stellen als für Ingenieure, Ärzte, Naturwissenschaftler.


    Daher schrieb ich ja in meinem ersten Posting, dass man den Einzelfall betrachten muss, da kommen doch viele Faktoren zusammen.
    Ist ein Doktorgrad in dem Fach zwingend ( Chemie, ja, BWL, nein) und wird er üblicherweise erwartet oder nicht.
    Geändert von Elixia (23.07.2015 um 17:26 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Ich finde nur die Aussage seltsam, dass man für eine Museumsstelle eine Promotion braucht, wenn die Aussicht auf eine Museumsstelle an sich miniklein ist.

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    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Ich habe gleich im Anschluss an meinen Magister in eunem GEWI Fach berufsbegleitend promoviert und es nie bereut. Beruflich konnte ich mich nachher in Richtung Lehre weiterentwickeln und arbeite nun an meiner Habilitation.

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    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Was ist daran seltsam, dass die Aussichten und Arbeitsstellen für Gewis nicht so gut sind, wie für Mint Fächer? Nach Deiner Logik, sollte man daher besser kein Gewi Fach (außer auf Lehramt, da in vielen Bundesländern noch verbeamtet wird)) studieren, klar auf dem Standpunkt kann man stehen.
    Die meisten Gewis wissen aber, worauf sie sich einlassen und wie Du am obigen Posting siehst, muss es ja kein Museum sein, eine wissenschaftliche Laufbahn geht auch, aber vor der Habilitation ist eine Diss nun mal notwendig. Also keinesfalls Zeitverschwendung.
    Jetzt kannst du wieder einwenden, dass die Chance auf eine Professur auch miniklein ist....
    Ja sicher, aber für sehr gute Leute, die an sich glauben, geht auch bei den Geisteswissenschaften etwas. Ich denke die meisten studieren diese Fächer aus Überzeugung und Interesse.
    Und sie wissen, dass sich die Arbeitssuche unter Umständen schwerer gestaltet, als in anderen Fächern.

    Es bringt ja nichts völlig konträr zu den eigenen Begabungen und Interessen zu studieren, z.B. Informatik für Leute, die schon in der Oberstufe Probleme mit Mathematik hatten. Auch wenn Informatiker sehr gesucht sind...

  10. Inaktiver User

    AW: "Ich verplempere hier nur mein Diplom" oder: Ein Doktor ohne (akademische) Karrie

    Ich kenne ein paar promovierte Kunsthistorikerinnen, von denen macht keine beruflich irgendwas, was mit Kunst zu tun hat. Lassen wir die Diskussion, ich denke, wir würden nur aneinander vorbeireden.

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