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  1. User Info Menu

    Verteidigung der Dissertation

    Liebe Bri,

    nach langerlanger Zeit ist meine Dissertation (Sozial-/Wirtschaftswissenschaft) eingereicht und die Verteidigung steht bevor. Nun sitze ich an der Vorbereitung für diesen Termin und bin ratlos ob des wie. Mein Vortrag wird ca 25min dauern mit anschließender Fachdiskussion. Nun bin ich unsicher, wie ich das alles aufbauen soll. Ich dachte mir, mein Vortrag spiegelt einfach nur meine Arbeit wider, sprich eine ganz normale Präsentation mit Folien und meinen Ausführungen dazu. Aber sonst?

    Die Gutachten liegen mir vor und ich stehe zwischen zwei Noten. Ist es nun üblich, sich für die folgende Diskussion auf die Kritikpunkte vorzubereiten, da diese wahrscheinlich angesprochen werden? Fange ich nun nochmal an, nach Veröffentlichungen zu meinem Thema zu suchen, die nach meiner Abgabe entstanden sind? Ich verfolge die Tagespresse, da es aktuelle Bezüge zu meinem Thema gibt.
    Aber was kann ich noch tun? Ich fühle mich so hilflos, meinen Doktorvater kann und mag ich aus verschiedenen Gründen nicht fragen.
    Ich habe auch mehrfach als Beisitzer solche Verteidigungen erlebt, aber ich kann daraus nur bedingt Rückschlüsse ziehen. Momentan gehe ich davon aus, dass die große Frage bei mir nur sein wird, welche der beiden Noten am Ende gegeben wird. Trotzdem will ich ja einen guten Auftritt hinlegen und nichts riskieren.

    Wie war das bei euch? Habt ihr Tipps für mich? Ich bin gerade eine völlig überforderte Palimpalim!

  2. Inaktiver User

    AW: Verteidigung der Dissertation

    Zitat Zitat von Palimpalim Beitrag anzeigen
    Nun bin ich unsicher, wie ich das alles aufbauen soll. Ich dachte mir, mein Vortrag spiegelt einfach nur meine Arbeit wider, sprich eine ganz normale Präsentation mit Folien und meinen Ausführungen dazu. Aber sonst?

    Ist es nun üblich, sich für die folgende Diskussion auf die Kritikpunkte vorzubereiten, da diese wahrscheinlich angesprochen werden?
    Ich war zwar noch nie in Deiner Situation, aber in vielen Prüfungen auf beiden Seiten des Tisches.

    Die "Veranstaltung" heißt nicht von ungefähr "Verteidigung". Das heißt, Du wirst beweisen müssen, dass Du zu 100% im Stoff stehst. (Wenn es etwas zu verteidigen gibt, hat man besser die neuesten Waffen dabei und kämpft nicht mit altem Geschütz).

    Wissenschaftlich arbeiten, heißt ja auch, sich einer Sache nicht nur einseitig, sondern von vielen Seiten zu nähern, diese Seiten (Meinungen) gegeneinander ins Feld führen und unter Berücksichtigung des aller neuesten, wissenschaftlichen Standes daraus Deinen daraus begründbaren derzeitigen Schluss darzulegen.

    = Du musst die Kritiken vorweg nehmen in Deinem Vortrag, solltest Neues bieten, auch allein schon, um das Interesse der Prüfenden wach zu halten.
    Keine neue Arbeit, aber 1-2 neue Gesichtspunkte anführen, die auch beweisen, dass Du immer noch dran bist am Thema.

    Du brauchst diese neuen Punkte nicht ausführlich von allen Seiten abklopfen, aber Du solltest eben auf dem neuesten Stand sein -auf dem Deine Prüfer vielleicht auch gerade angekommen sind.
    Es genügt sicherlich, diese Punkte anzuführen, kurz zu erläutern, Deine vorläufige!! Meinung dazu zu geben und darauf hinzuweisen, dass dies in Zukunft stärker zu untersuchen sei (von anderen oder möglicherweise auch -wenn's stimmt!- von Dir).

    Nebengedanke: Vielleicht hast Du ja schon in Deiner Arbeit angeführt, welchen Nutzen sie
    für wen bringen kann. Wenn nicht, solltest Du auf eine Frage dazu, Dich vorbereiten.
    Manchmal werden in Prüfungen genau solche trivialen Fragen gestellt, die den Prüfling dann
    in seinen Grundfesten erschüttern, weil er sich in seiner Vorbereitung in "höheren Sphären"
    bewegt hat.

    Bist Du rhetorisch fit? Wenn nicht: dringend ein Training nachholen.
    Geändert von Inaktiver User (07.03.2014 um 14:19 Uhr)

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    AW: Verteidigung der Dissertation

    Liebe Palimpalim,

    es ist gar nicht so einfach, hier allgemeingültige Ratschläge zu geben - es gibt von Uni zu Uni (oder sogar von Fakultät zu Fakultät) große Unterschiede, wie eine Verteidigung abläuft. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen:

    zum Vortrag:
    Die Promotionskommission besteht vermutlich nicht nur aus Leuten, die thematisch ganz nah dran sind. Es ist günstig, wenn der Vortrag so gestaltet ist, dass Du die "Laien" nicht gleich auf der ersten Folie verlierst. Häufig wird es aber andererseits ganz gerne gesehen, wenn im späteren Verlauf des Vortrags dann doch Teile kommen, die nur noch für die Fachleute wirklich verständlich sind.

    Ganz wichtig ist in jedem Fall, dass Du klar rausarbeitest, wo Dein eigener Beitrag ist. Also zum einen klar vom Stand der Forschung abgrenzen und zum anderen ruhig auch statt des sonst meist üblichen "wir" "ich" sagen (Ich habe gezeigt....).

    Und: Auf jeden Fall einen Probevortrag halten! Die ersten Versionen von Promotionsvorträgen sind nach meiner Erfahrung immer zu überladen - es ist verdammt schwierig aus dem, womit man sich jahrelang beschäftigt hat, Material für nur 25 Minuten zu extrahieren. Es hilft wirklich, den Vortrag vorab schon mal einem kritischen Publikum (Mitdoktoranden z.B. ) zu halten.

    zur Vorbereitung auf die Fachdiskussion:
    Das hängt ganz stark von der jeweiligen Fakultät ab. Wie intensiv wird bei Euch gefragt? (Ich kenne Verfahren, da gab es zwei Fragen und das wars, aber auch Promotionsordnungen, in denen mindestens 30 Minuten Fragen vorgeschrieben sind). Wird nur zur Arbeit und zum unmittelbaren Umfeld gefragt oder auch zum Rest des Faches? Eine Vorbereitung auf die Kritikpunkte kann nicht schaden (schon allein, weil Du ruhiger in die Prüfung gehst, wenn Du an der Stelle vorbereitet bist) - oft (aber nicht immer) werden dazu tatsächlich Fragen gestellt. Aktuelle Veröffentlichungen zu kennen ist natürlich auch kein Fehler - mindestens die relevanten der Kommissionsmitglieder... .

    Viel Erfolg!

  4. Inaktiver User

    AW: Verteidigung der Dissertation

    Zitat Zitat von fraudiane Beitrag anzeigen
    aber auch Promotionsordnungen, in denen mindestens 30 Minuten Fragen vorgeschrieben sind
    Das braucht mich auf den Gedanken und allgemeinen Tipp: Am besten üben, umfassend und ausführlich auf Fragen zu antworten. Je länger Du sprichst, desto weniger Fragen können gestellt werden.

    Aktuelle Veröffentlichungen zu kennen ist natürlich auch kein Fehler - mindestens die relevanten der Kommissionsmitglieder... .
    Ganz wichtiger Hinweis ! Aber nicht sich auf dessen Seite schlagen ....wenn Du nicht weißt, wie die anderen dazu stehen.

    Viel Erfolg! Es wird schon klappen. Du hast die Arbeit selbst geschrieben, die Arbeit ist
    benotet worden -sie ist also nicht durchgefallen - Du kannst Deine Note eigentlich nur
    verbessern.
    Berichte bitte mal.

  5. Inaktiver User

    AW: Verteidigung der Dissertation

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Je länger Du sprichst, desto weniger Fragen können gestellt werden.
    Und das kann sehr nachteilig bewertet werden.

    Wie fraudiane schrieb: es wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Lies Dir noch einmal Deine Promotionsordnung durch und rekapituliere, wie die Verteidigungen, bei denen Du schon dabei warst, gelaufen sind. Ich zB kenne es so, dass durchaus auf die Kritikpunkte der Gutachten schon im Vortrag eingegangen werden soll. Aber ich habe es auch erlebt, dass dem Promovenden die Gutachten gar nicht vorher bekannt waren.

    Viel Erfolg!

  6. Inaktiver User

    AW: Verteidigung der Dissertation

    Liebe palimpalim, ich nehme an, es gibt eine Promotionsordnung. In der Regel ist da auch in etwa das Ziel des mündlichen Teiles festgelegt. Das variiert zwischen den Unis und zwischen den Fakultäten, was sich auch in unterschiedlichen Bezeichnungen für diesen Teil niederschlägt.
    Statt die Bri zu fragen würde ich mal den 1. Gutachter fragen, was üblich ist und erwartet wird.


    Sorry, ich sehe gerade, dass andere Userinnen schon in ähnlicher Richtung argumentiert haben.

  7. User Info Menu

    AW: Verteidigung der Dissertation

    Vielen Dank für eure Hinweise! Ja, ich habe schonmal nach Literatur gesucht, die seit meiner Abgabe veröffentlicht wurde. Ach, ich befürchte, ich mache mir zuviel Sorgen und die Angst lähmt mich ein wenig. Die Stimmung zwischen meinem Erstgutachter und mir ist, gelinde gesagt, sehr frostig. Aber vermutlich erwartet er trotzdem, dass ich nochmal Männchen mache und artig frage, was er sich denn so vorstellt... *seufz*

    Die Promotionsordnung gibt leider nur sehr allgemein eine ungefähre Gesamtdauer an mit dem Vermerk, dass in der Diskussion die Dissertation das Thema sein soll. Ich werde über nichts weitergehendes geprüft. Ich berichte natürlich, aber es wird noch wenig dauern. Ab nächster Woche wird dann das Vortragen geprobt, rhetorisch bin ich schon ganz fit. Aber eine große Restnervosität bleibt...

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    AW: Verteidigung der Dissertation

    .

  9. Inaktiver User

    AW: Verteidigung der Dissertation

    Liebe Palimpalim,
    ich finde den Rat, auf Dich selbst und das Wesentliche Deiner Arbeit zu schauen, sehr sinnvoll, denn dies erlaubt Konzentration und Reduktion. Ich habe mir damals fünf Punkte aus meiner Diss aufgeschrieben, die den Kern der Arbeit und der Kritik an ihr ausmachten. Drei galten Thesen, zu denen ich mir sehr sicher war und die die Stärken meiner Arbeit herausstellten. Ich habe sie am Beginn präsentiert, denn so konnte ich sicher auftreten und auch klarmachen, dass ich darüber gar nicht mehr diskutieren will, und wenn, viel schlauer bin als alle im Raum. Zwei gingen unmittelbar auf Kritikpunkte ein, die ich aus den Gutachten kannte, und zwar nicht als "Verteidigung" ("so war es gemeint"/"darum habe ich Recht"), sondern als Weiterentwicklung und Reflexion dessen, was ich in der Arbeit geschrieben hatte ("Infolge der Anregung habe ich mir Gedanken gemacht..."). Die nahmen den zweiten Teil ein und leiteten in die Diskussion über, für die ich ein paar mögliche Einwände und meine Reaktion darauf überlegt hatte. Das war insofern eine gute Strategie, als dass der Zweitgutachter, bei dem ich zwischen zwei Noten stand, nun wusste, was für ihn nicht passte, nachfragen konnte, die Note anhob und mir wertvolle Tipps für die Veröffentlichung gab.
    Ich habe nichts mit in die Sitzung genommen als den Zettel mit den fünf handschriftlichen Stichpunkten. (Natürlich wäre das bei einer Verteidigung, bei der empirisches Material o.ä. zugrunde liegt, nicht ratsam.) Das war meine Rettung, denn natürlich hatte ich "zu viel Luft in der Lunge für zu wenige Trompeten" - ich wusste sehr viel mehr zum Thema als die Kommissionsmitglieder, hab gelesen und nochmal drumrumgeschaut etc. Kein Gutachter hat die Zeit, das gleiche Arbeitspensum zu dem oft sehr speziellen Thema einer Diss zu bewältigen. Darum haben mir meine reduzierten Punkte sehr geholfen, vom individuellen Detail wegzukommen und zu übergreifenden Thesen zu gelangen, die auch die Kommissionsmitglieder, die nicht nah am Thema waren, mitnahmen und ins Gespräch einbanden.
    Mein Betreuer übrigens wünschte im Vorfeld eine "kurze Einleitung, Formulierung von ein paar steilen Thesen, damit wir in die Diskussion kommen."
    Ich wünsche Dir viel Erfolg!

  10. User Info Menu

    AW: Verteidigung der Dissertation

    So... ich wollte ja noch berichten wie es ausgegangen ist.

    Es lief letzte Woche nicht wirklich gut für mich. Ich habe mich während der Präsentation schon nicht gut gefühlt und in der Fragerunde hinterher auch nicht. Ich konnte mit den Fragen nicht wirklich viel anfangen und hab mich teilweise auch irritieren lassen, weil mein Erstgutachter total merkwürdig in seinem Stuhl hing und ich zwischendurch sehr verunsichert war.
    Da ich zwischen zwei Noten stand, wurde angeblich heiß diskutiert und es ist bei der schlechteren Note geblieben. Aber das ist ok.

    Ich habe es am Ende so gemacht, dass ich nur auf meine Arbeit eingegangen bin, was habe ich gemacht, wie bin ich drauf gekommen, und was ist bei rausgekommen. Die Kritikpunkte aus den Gutachen kamen überhaupt nicht zur Sprache und es kamen (für mich) sehr merkwürdige, weit gefasste Fragen, mit denen ich teilweise auch nicht viel anfangen konnte. Grundsätzlich waren sie aber alle sehr wohlwollend und haben mir dann jedes Mal eine Brücke gebaut und es war auch ok, als ich einmal meinte, dass ich dazu nicht wirklich was sagen kann.

    Alles in allem ist es so in Ordnung für mich und ich bin im Moment einfach nur erleichtert, dass das ganze jetzt ein Ende hat. Danke für eure Ratschläge!

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