Garnichts!
ich habe die letzten 7 Jahre Kinder mit Förderbedarf in eine zentrale Förderschule transportiert. Es waren Sehbehinderte und blinde Kinder, sprachgestörte und gehörlose. Ich habe in der Zeit gesehen, welche Erfolge die Sonderschulpädagogen erreicht haben. Das wäre in einer Regelschule schlicht nicht möglich, es sei denn man fasst dort die Kinder mit ihren speziellen Behinderungen in "Sonderklassen" zusammen.
Eine unserer Grundschulen im Ort soll jetzt von einer Einrichtung für geistig Behinderte gekauft werden mit dem Ziel eine inklusive Grundschule zu schaffen. Eltern haben ein Referendum durchgesetzt, es wird in der Ferienzeit darüber abgestimmt.
Die Einrichtung hat erst vor 5 Jahren eine eigene Schule gebaut bekommen, vom Feinsten und gutes pädagogisches Personal. Sie suchen ständig nach Kindern von außen, weil Jahrgangklassen mit 5 Kindern auch für eine Förderschule zu winzig sind.
In unserem Ort besteht eine private evangelikale Grundschule mit riesigem Zulauf. Selbst unser Bürgermeister ist wieder in die Kirche eingetreten, damit seine Kinder sie besuchen können (Kirchenzugehörigkeit ist Pflicht). Die Eltern können sicher sein, dass kein muslimisches Kind die Privatschule besucht.
Ich Inklusion nur für ein Schlagwort. Und es soll ausschließlich Geld einsparen. Denn mehr pädagogisches Personal ist ja nicht vorgesehen.
Natürlich halte ich es für eine Zumutung, dass Kinder mit hohem Förderbedarf täglich bis zu 4 Stunden in einem Transportbus sitzen, weil es keine Förderung in der Nähe gibt. Aber mit einem Schlagwort lässt sich das Problem nicht lösen.
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03.07.2013, 13:26
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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03.07.2013, 14:29
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Geändert von Timur09 (03.07.2013 um 14:53 Uhr)
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03.07.2013, 14:53
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Ja, ich bin Schulbusfahrer. Ja, der Erfolg der privaten Grundschule beruht darauf, dass Eltern nicht ihre Kinder in öffentliche Schulen anmelden, weil dort zumindest die türkischen und arabischen Schüler ziemliche Rabauken sind.
Du kannst als Muslima nichts dafür, dass diese Jungen sich teilweise schlimm aufführen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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03.07.2013, 15:04
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Was mich störte, war die Bezeichnung „Sonderschule für Lernbehinderte“. Der Begriff Sonderschule hat eine derart negative Konnotation, dass ich nicht so ohne Weiteres jemandem erzählt hätte, dass ich eine solche Schule besuche. Vor allem der Zusatz „für Lernbehinderte“ störte mich. Bei einem Sonderschüler wird erst einmal angenommen, dass dieser debil wäre und grundlegende Schulfertigkeiten unzureichend beherrsche. Mit den Begriffen Sonderschule bzw. Sonderschüler sind bestimmte Assoziationen verbunden. Auch die Medien tragen dazu bei, dass Begriffe wie Sonderschüler oder Lernbehinderte bestimmte Assoziationen hervorrufen, wie bei diesem Artikel des Spiegels, der – mit Bezug auf eine ehemalige Sonderschülerin – wunderbar ein Klischeebild des Lernbehinderten zeichnet.
Arbeit für Lernbehinderte: Ein Traum mit halben Äpfeln - SPIEGEL ONLINE„Lernbehindert ist, wer die Schule nicht packt, wer Probleme mit Lesen, Schreiben und Rechnen hat und dazu sich generell ein bisschen komisch gebärdet. "Drei Euro neunzig", wie viel Rückgeld gibt man dann bei einem Zehn-Euro-Schein? Wer lernbehindert ist, weiß so was nicht. Wer lernbehindert ist, kann in der zehnten Klasse, am Ende der Schulzeit, lesen und schreiben wie ein mittelmäßiger Grundschüler.
Früher, als neben den Fließbändern keine Steuerungsgeräte standen und Hausmeister keine Elektriker sein mussten, früher gab es Jobs, in denen man trotzdem arbeiten konnte. Lesen, Schreiben, Rechnen brauchte man dort nicht. Diese Jobs gibt es jetzt in Asien, aber nicht mehr hier. Wie soll jemand, der diesen Text hier nicht lesen, geschweige denn verstehen kann, einen Computer bedienen? […] So ging es auch Sema, als sie vor fast zwölf Jahren ohne Abschluss die Sonderschule beendete. Danach ging sie ein Jahr zur Berufsvorbereitung, ein Jahr zur Jugendwerkstatt, machte ein Praktikum in einer Drogerie, in einer Apotheke und dann noch beim MiniMal-Supermarkt. Es folgte ein Ein-Euro-Job zusammen mit vielen Leuten, die gerade von Drogen runter waren. Dann einer im Altersheim, sie sortierte Essen in Wägen. […] "Briefkasten!", ruft sie und rupft einen Brief aus dem unsichtbaren Kasten vor sich, "ich war schockiert, richtig schockiert. Hätte man mir auch sagen können!" Sie ging noch mal hin, wollte, dass man ihr die Kündigung erklärt. Sie müsse "das lernen", sagte man ihr. Lernbehinderte können nicht alles lernen und vor allem nicht so schnell. Daran lässt sich kaum etwas ändern.
Wahrscheinlich hat sie beim Einsortieren der Essen in die Wägen Fehler gemacht. "Manchmal hab' ich Angst zu fragen", sagt sie, "oder wenn was auf den Boden fällt, hab' ich Angst, dass ich Ärger kriege." Lernbehinderte haben ein Problem mit Kommunikation, sie können nicht alles sagen oder fragen.“
Der Artikel bezieht sich auf eine zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 29-jährige, ehemalige Sonderschülerin. Ich besuchte auch die 9. Klasse einer Lernbehindertenschule, konnte aber als 8-Jähriger problemlos lesen und das Wechselgeld ausrechnen.
Das Leistungsspektrum bei Förderschülern ist breiter gefächert, als allgemein angenommen. Ich denke, dass nicht wenige Schüler aus dem Schwerpunkt Lernen erfolgreich zu inkludieren wären, aber es gibt auch Förderschüler, die selbst im Erwachsenenalter nicht richtig schreiben und lesen können und keine ihren Alter entsprechende intellektuelle Reife erreichen.
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03.07.2013, 15:17
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Zumindest in NRW heißen die Sonderschulen nur noch "Förderschulen" mit dem Zusatz für wen diese Schule existiert: Förderschule für Sprache und Kommunikation, Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, Förderschulen Geistige Entwicklung, Förderschulen Sehen.Was mich störte, war die Bezeichnung „Sonderschule für Lernbehinderte“. Der Begriff Sonderschule hat eine derart negative Konnotation
Das heißt kein Kind bekommt ein Abgangszeugnis einer "Sonderschule" sondern einer Förderschule. Als ich selbst Schüler war, hießen diese Schulen Pestalozzischulen und waren verschrien.
Es ist aber egal, wie man eine Schule nennt, ein Lehrherr weiß, wo der Schüler seinen Abschluss gemacht hat.
Vor 40 Jahren hat man die Zuchthäuser und Gefängnisse abgeschafft, sie heißen seither Justizvollzugsanstalten. Wer aber darin ist oder daraus kommt, hat nach allgemeinem Verständnis im Knast gesessen.
Ein Bezeichnung ändert in meinen Augen nichts als der besonderen Situation.Geändert von Opelius (03.07.2013 um 15:44 Uhr) Grund: schreibfehler
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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03.07.2013, 15:45Inaktiver User
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Das Gesetz ist jedenfalls in NRW durch und die Eltern klagen es z.T. schon ein, das ihr Kind eine normale Schule besucht.Zumindest in NRW heißen die Sonderschulen nur noch "Förderschulen" mit dem Zusatz für wen diese Schule existiert: Förderschule für Sprache und Kommunikation, Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, Förderschulen Geistige Entwicklung, Förderschulen Sehen.
Zitat :Schwerpunkt Inklusion, WDR.de Sie verraten die Kinder v.Rainer Kellers,Kommentar v.22.06.13
Die Gegner:
"Das Gesetz ist ein Hohn für alle Beteiligten! Es ist unter diesen Bedingungen unmöglich behinderte Kinder adäquat zu fördern. Und die "normalen" Kinder - von denen ein großer Teil Verhaltensstörungen, LRS, Dyskalkulie, ADS und ADHS etc. hat - müssen auch gefördert werden. Wie soll das alles ein einzelner Lehrer in einer Klasse mit 29 Kindern schaffen? Frustration und Scheitern bei allen Beteiligten sind vorprogrammiert. Ich vermisse: Klare Aussagen zur Klassengröße, zur personellen Ausstattung von Inklusionsklassen (Sonderpädagoge, Therapeut, Integrationshelfer, Psychologe), wer sonderpädagogischen Förderbedarf feststellt und Umfang der Förderung festlegt, zu Umbaumaßnahmen, zum Bedarf an zusätzlichen Räumen (z.B. für Auszeiten für SE-Kinder, Therapien). Unter diesen Bedingungen bin ich ganz klar GEGEN INKLUSION! Gute Inklusion kostet sehr viel mehr als das bestehende Förderschulsystem und bevor die Politik das nicht begriffen hat und umsetzt, brauchen wir über Inklusion nicht reden."
Meine Schw.-T. ist Sonderpädagogin an einer Grundschule. Die Inklusion ist praktisch eine sehr schwierige Sache , auch an ihrer Schule. Es müssen so viele Bedingungen erfüllt und geschaffen werden, das ist für die Schule ein weites Feld. Der Grundschullehrer muss u.a. auch integriert werden. Ein Inklusions-Schüler hat oft 3-4 Helfer an seiner Seite: die So.-Pädagogin,den Intergrationshelfer und/oder eine soziale"Kraft" die mit einem behinderten Schüler die Pausen,Toiletten u.ähnliche Bereiche auf sucht. Diese Dinge des täglichen Bedarfs kommen noch dazu. Für alle Beteiligten keine einfache Sache, was auch unter den Kollegen Unmut erzeugt und hohe Kosten verursacht. Apropo Kosten: Eine Sonderpädagogin/ge verdient 2 Stufen mehr als der Grundschullehrer. Da an Grundschule meistens Frauen unterrichten.... na ja ein anderes Thema.Geändert von Inaktiver User (03.07.2013 um 16:36 Uhr)
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03.07.2013, 16:47
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Nur 2,5% der Schüler sollen eine Lernbehindertenschule bzw. eine Förderschule des Schwerpunkts Lernen besuchen. Kaum zu glauben, zehn Prozent der 15-jährigen Schüler in den allgemeinbildenden Schulen sollen nicht in der Lage sein, einfachste Texte zu verstehen. Ich habe nie eine Regelschule besucht, las aber mein erstes Erwachsenenbuch „griechische Mythologie“ mit neun Jahren. Zum damaligen Zeitpunkt besuchte ich die Lernbehindertenschule bereits 1 1/2 Jahre. Ich verstehe das nicht. „Zehn Prozent aller Fünfzehnjährigen aus allgemein bildenden Schulen sind nicht in der Lage, einfachste Texte zu verstehen.“ (Hasselhorn / Gold: Pädagogische Psychologie, 2009, S. 74)
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03.07.2013, 16:57
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03.07.2013, 17:01
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03.07.2013, 17:22
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
die gebärdensprache ist eine eigene sprache. und es wäre nicht allzuviel verlangt, wenn sich die lehrkräfte darauf einstellen würden, einfach mehr an die tafel zu schreiben, darüber würden sich auch schüler freuen, die es nicht so schnell kapieren. und der blickkontakt, den ein lehrer haben sollte, tut ein übriges hinzu, damit die klasse bei der übung bleibt.
bin da ganz bei dir.
bei 52 wochen-14 wochen schulferien im jahr, verbleiben noch 38 wochen, die mit maximal 5.000 euronen anzurechnen wären (arbeitgeberteil incl.), das macht bei ca. 50.000 euronen. weit weg von deiner genannten summe.
das problem sehe ich in der politik und gesellschaft in deutschland und der denkweise hier.
schwarz-weiss, sparzwang und nichtwissen.
da wird ein haufen geld rausgeschmissen für fördermaßnahmen bis zum abwinken bei unwilligen und straffällig gewordenen jugendlichen, ohne dass konsequenzen erfolgen und sie sich dinge erarbeiten müssen.
und gleichzeitig wird jeder andersartige mensch (blind, körperbehindert...) täglich in eine einrichtung gefahren, obwohl die schule um die ecke mit wenig aufwand und gutem willen, eben dies leisten könnte.
mit verstand und gutem willen, sowie kooperation ist viel machbar, aber auch nicht alles möglich. die balance hier zu finden und sich abzustimmen gilt es.



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