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  1. User Info Menu

    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Ich bin Lehrerin und der Schmarrn - ganz direkt gesagt - wird wohl an mir vorübergehen (Berufsschule, ein geistig behinderter Schüler hat gar keine Chance auf eine Lehrstelle in "meiner" Branche).

    Auch ich sehe das differenziert:

    Körperlich behindert - kein Problem, das ist eine Frage der Infrastruktur und des guten Willens. Aber auch das muss passen - ich kann schlecht ein gehörloses Kind und ein Blindes gemeinsam unterrichten... deren Anforderungen widersprechen sich ja komplett.

    Geistig behindert - das haben sich Sesselpupser ausgedacht, die wahrscheinlich noch nie im Leben vor einer realen Klasse gestanden haben. Ich hatte mal so eine Gruppe: ein Autist (leicht, nicht so krass wie bereits beschrieben), zwei Hochbegabte, ein Klassenkasper, ein Rechtsradikaler, 2 ständig strickende Schwatztüten, ein Mobbingopfer, ein Macho mit türkischen Migrationshintergrund, der sich prinzipiell von Frauen nichts sagen ließ - dazu noch 10 andere, die einfach nur in Ruhe lernen wollten.

    Oder - Eine Kollegin von mir unterrichtet in speziellen Klassen mit Kindern, die kein Deutsch können - eine Lehrerin, 15 verschiedene Muttersprachen, von Analphabeten bis zum höchst Geförderten - alles dabei.

    Klar... noch zwei Kinder mit Down-Syndrom sind auch noch drin... - das ist keine Pädagogik, das ist eine Zumutung!

    Was ich klasse fände: ein Schulhaus, gemeinsame Hortbetreuung - aber getrennter Unterricht. Denn das geht nur in der Theorie gut - und in der können ja Physiker bekanntlich beweisen, dass sich ein Elefant, mit seinem Schwanz an einem Gänseblümchen hängend, über einen Abhang lehnen kann, ohne runterzufallen...

  2. Inaktiver User

    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Ich würde mal sagen, 140.000 € Kosten im Jahr für den Einsatz des Gebärdendolmetschers sind eine Summe, von der ich weiß, daß sie die meisten Schulen nicht mal im Ausgaben-Budget haben.

    Wenn ich sage, daß im gleichen Schulbezirk an einer anderen Grundschule das Toilettenpapier durch den Elternbeirat bezahlt wird, weil einfach das Schulbudget nicht reicht...

    Ich bin der Ansicht, auch "nichtbehinderte" Kinder haben Rechte - unter anderem auch das auf Lernen - und bedingungslose Inklusion schafft in der Realität, daß die Eltern, die es sich leisten können eine Schule notfalls gegen Geld wählen, die ihren Kindern die Möglichkeit bietet, die sie wünschen. Und der Rest darf sich mit einer verfehlten Bildungspolitik herumschlagen.

    Das von mir genannte Förderzentrum gilt im übrigen als "zweisprachig" - "die Hörgeschädigtenklassen mit zusätzlicher Förderung der Gebärdenkommunikation durch den Einsatz von lautsprachbegleitenden Gebärden und Unterricht in der Deutschen Gebärdensprache sowie der deutschen Laut- und Schriftsprache in Form eines zweisprachigen Unterrichts" -

    Antje

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    was ist ein Menschenleben wert?????

    Gehörlose Menschen sind nicht geistig behindert!!!!

    Alle körperbehinderten Menschen und Menschen mit einer Sinnesbehinderung sollten doch die Bildung erfahren wie jeder andere auch. Bei geistig behnderten Menschen sollte das auch gelten. Allerdings sind manche so stark betroffen, und ich rede nicht von dem Vorzeige-Trisomie21-Betroffenen, sondern von Bildern die leider nicht so gut zu vermarkten sind. Es gibt Eltern, die freuen sich, wenn ihr Kind halbwegs unfallfrei eine Suppe löffeln kann, nach mehreren Jahren. Manche schaffen das nie. Auch diese Kinder haben ein Recht auf Bildung und Förderung. Und das kann wohl keine Regelschule leisten. Auch Kinder mit Einschränkungen haben ein Recht auf Bildung und ein Erfolgserlebnis. Alles in ihrem Rahmen. Auch wenn das sein sollte, dass sie ihre Schuhe allein schließen können, 12 Jahre alt sind und die Schuhe haben Klettverschuss.

    Mal einfach erklärt. Das kann doch keine "Regelschule".

    Grüße Renard

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Zitat Zitat von Renardrouge Beitrag anzeigen
    was ist ein Menschenleben wert?????

    Gehörlose Menschen sind nicht geistig behindert!!!!

    Alle körperbehinderten Menschen und Menschen mit einer Sinnesbehinderung sollten doch die Bildung erfahren wie jeder andere auch. Bei geistig behnderten Menschen sollte das auch gelten. Allerdings sind manche so stark betroffen, und ich rede nicht von dem Vorzeige-Trisomie21-Betroffenen, sondern von Bildern die leider nicht so gut zu vermarkten sind. Es gibt Eltern, die freuen sich, wenn ihr Kind halbwegs unfallfrei eine Suppe löffeln kann, nach mehreren Jahren. Manche schaffen das nie. Auch diese Kinder haben ein Recht auf Bildung und Förderung. Und das kann wohl keine Regelschule leisten. Auch Kinder mit Einschränkungen haben ein Recht auf Bildung und ein Erfolgserlebnis. Alles in ihrem Rahmen. Auch wenn das sein sollte, dass sie ihre Schuhe allein schließen können, 12 Jahre alt sind und die Schuhe haben Klettverschuss.

    Mal einfach erklärt. Das kann doch keine "Regelschule".

    Grüße Renard
    Bei einem Aspekt, der mit dem Lernen im herkömmlichen Sinne nicht viel zu hat, aber vielleicht für Geistigbehinderte noch wichtiger ist, kann eine Regelschule Möglichkeiten bieten, die keine Förderschule bieten kann, nämlich Geistigbehinderte eine Chance zu bieten, Freundschaften zu Nichtbehinderten aufzubauen. Geistigbehinderte haben normalerweise keine Möglichkeiten, Kontakte zu gleichaltrigen Nichtbehinderten zu knüpfen.

    Ich halte aber trotzdem eine Inklusion Geistigbehinderter in einem normalen Klassenverband für Unsinn.
    Geändert von Timur09 (02.07.2013 um 23:29 Uhr)

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und noch nie hab ich verstanden, warum kognitiv "normale" Kids, nur weil sie blind, gehörlos oder RollstuhlfahrerInnen sind, ausSONDERnd und FÜRsorglich "belagert" werden müssen. [...] Guntram Schneider erst in allerletzter Linie in die Normalschulen mit einbezogen - frühestens 2020. Grund: es sind ja so wenige. Die meisten SchülerInnen seien halt lern"behindert". Da werden stattdessen reihenweise lern"behinderte", sozial auffällige, emotional gestörte und kognitiv eingeschränkte Kids auf LehrerInnen ohne entsprechende Ausbildung, auf heterogene Klassen (Grundschule!) und unvorbereitete Schulen losgelassen und quasi zu "Beistell-Behindis" gemacht, die auf die 90 Minuten sonderpädagogische Betreuung warten und in der "Zwischenzeit" bunte Bildchen ausmalen - den LehrerInnen bleibt ja kaum was anderes bei den Klassengrößen, -zusammensetzungen und der nicht vorhandenen Vorbereitung/Ausbildung.
    Wer ist denn für dich „kognitiv normal“? Wo beginnt bei dir kognitive Normalität? Du schreibst, dass u.a. „Lernbehinderte“ reihenweise auf die Schulen losgelassen werden. Meinst du damit die Schüler der Lernbehindertenschulen allgemein? Ich denke nicht, dass, wenn wir inkludiert gewesen wären, unsere Teilhabe am Unterricht sich aufs Malen von Bildchen beschränkt hätte.

  6. VIP

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich würde mal sagen, 140.000 € Kosten im Jahr für den Einsatz des Gebärdendolmetschers sind eine Summe, von der ich weiß, daß sie die meisten Schulen nicht mal im Ausgaben-Budget haben.

    Wenn ich sage, daß im gleichen Schulbezirk an einer anderen Grundschule das Toilettenpapier durch den Elternbeirat bezahlt wird, weil einfach das Schulbudget nicht reicht...

    Ich bin der Ansicht, auch "nichtbehinderte" Kinder haben Rechte - unter anderem auch das auf Lernen - und bedingungslose Inklusion schafft in der Realität, daß die Eltern, die es sich leisten können eine Schule notfalls gegen Geld wählen, die ihren Kindern die Möglichkeit bietet, die sie wünschen. Und der Rest darf sich mit einer verfehlten Bildungspolitik herumschlagen.

    Das von mir genannte Förderzentrum gilt im übrigen als "zweisprachig" - "die Hörgeschädigtenklassen mit zusätzlicher Förderung der Gebärdenkommunikation durch den Einsatz von lautsprachbegleitenden Gebärden und Unterricht in der Deutschen Gebärdensprache sowie der deutschen Laut- und Schriftsprache in Form eines zweisprachigen Unterrichts" -

    Antje
    woher hast du diese Summe? Meines Wissens bekommt ein Gebärdendolmetscher für eine volle Stelle 2800€ Netto. Übersetzen während der Schulzeit kann höchstens als 3/4 Stelle (Gymnasium). Bei einer vollen Stelle plus Arbeitgeberanteil, errechne ich da 56.000€ im Jahr.

    das von dir genannte Förderzentrum bietet den Gehörlosen welche Schulabschlüsse? Wie viele der dortigen Schüler sind normalbegabt und gehörlos, wie viele haben eine Lern/Geistige Behinderung?

    Einerseits Inklusion für Regelschulen ablehnen, ohne das Wissen, dass es gerade in Schulen für Sinnesbehinderungen häufig vorkommt, dass Kinder mit mehrfachen Behinderungen unterrichtet werden. Für viele Eltern ist es leichter zu sagen 'Mein Kind geht in eine Blindenschule' als 'Mein Kind geht in eine Schule für Geistgbehinderte'?*

    Inklusion scheitert am Geld. Denn sie erfordert eine Umorganisation des Schulbetriebs, mehr Personal, mehr/andere Räume (Behinderten gerecht), mehr/anderes Lehrmaterial, usw.
    Das Problem sind in meinen Augen nicht die verschiedenen Ausprägungen von Behinderungen, sondern die schlechte pädagogische Infrastruktur (Personalmenge) und die bürokratisch verhärteten Strukturen (Umdenken beim pädagogischen Personal). Erst wenn die Menge deutlich aufgestockt ist, fällt das Umdenken leichter. Das Umdenken muss auch bei den Eltern passieren.
    Deutschland tut sich da schwer, es gibt kein anderes Land der Welt, dass schulisch so stark differiert und separiert.


    *Ich habe hier bewusst den Begriff verwendet, um meine Argumentation zu verdeutlichen. So existiert der Begriff in Dtld. Meines Wissens nicht.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Zitat Zitat von MokeyFraggle Beitrag anzeigen
    Sehe ich auch so. An meiner Grundschule wurde da bereits in den 80ern praktiziert. Mit koerperbehinderten ueberhaupt kein Problem.
    Und wie wäre es mit Schülern aus Lernbehindertenschulen? Wäre das ein Problem?

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Zitat Zitat von scorpiane Beitrag anzeigen
    Die Vielfalt der Behinderungen stellt offensichtlich das Problem dar.
    Ein Kind im Rollstuhl, ein hörbehindertes oder blindes Kind zu integrieren, das ansonsten mit den anderen mithalten kann, scheint machbar zu sein, wenn Unterstützung gegeben wird.
    Wie sieht es mit Schülern aus dem Schwerpunkt Lernen aus?

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Was haltet ihr davon, Förderschulen komplett abzuschaffen?

    Ich würde es sehr schade finden, wenn meine ehemalige Förderschule geschlossen wird.

    Ich bin aber der Meinung, dass nicht wenige Schüler zu Unrecht eine Lernbehindertenschule besuchen müssen.

    Und ich bin der Auffassung, dass Förderschulen ihre Schüler hinsichtlich der Schulleistungen schlecht fördern, vor allem in Hinblick auf die weitere schulische und berufliche Zukunft.

    Problematisch ist der Begriff „Lernbehinderung“, der wissenschaftlich umstritten und unscharf definiert ist. Ich habe in meiner langjährigen Sonderschulzeit den Eindruck gewonnen, dass nicht wenige Schüler mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf in Förderschulen ausselektiert werden, obwohl ihr tatsächliches kognitives Potenzial nicht der wissenschaftlichen Definition einer Lernbehinderung entsprach.

    Aber ich möchte auch erwähnen, dass eine gute Förderschule im Vergleich zu einer schlechten Hauptschule durchaus Vorteile haben kann. Wer will denn schon auf einer Hauptschule, wie die Rütli-Schule, gehen? Die Bildungsforschung kommt aber zum Ergebnis, dass die Nachteile einer Sonderbeschulung die Vorteile eindeutig überwiegen.
    Geändert von Timur09 (03.07.2013 um 12:58 Uhr)

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    AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?

    Zitat Zitat von Timur09 Beitrag anzeigen
    Und wie wäre es mit Schülern aus Lernbehindertenschulen? Wäre das ein Problem?
    Kommt darauf an, was Lernbehinderung bedeutet. Damals (in den 80ern) gab es viele "Lernbehinderungen" noch gar nicht (=sie waren noch nicht definiert oder es hat einfach keinen interessiert) und die Kinder waren eh auf einer normalen Schule. In meiner Klasse waren so einige, die heute als Legastheniker, ADHS oder sonstiges durchgehen wuerden. Das ging relativ gut (mal abgesehen von der einen Stoerung hier oder da durch die "ADHS"ler, aber nicht extrem) und aus allen ist was geworden. Bei einigen (so auch bei meiner besten Freundin) verschwand die Lernschwaeche irgendwann und wurde nie wieder erwaehnt...

    Es kommt darauf an, wuerde ich sagen, ob sich das Kind "einfach nur schwer tut" und es mit ein bisschen Nachhilfe und Extralernen ausserhalb der Schule (oder in Einzelfoerderstunden) getan ist, oder ob das Kind wirklich rund-um-die-Uhr-Extrabetreuung braucht. Geht es allein um ein Fach (z.B. Legasthenie) und das Kind kann aber allem folgen, sollte dies kein Problem darstellen. Fuer Einzelbetreuung rund um die Uhr fehlen einfach die Mittel. Ausserdem sehe ich den Sinn und Zweck nicht, ein Kind "neben" einer normalen* Klasse zu unterrichten (d.h. Kind befindet sich zwar im selben Raum, aber es gibt keinerlei Unterrichtsueberschneidungen).

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