Hab weder diesen Strang noch den entsprechenden Artikel gelesen, weise aber mal darauf hin, dass heute ein großer Artikel über die Inklusion von Asperger-Autisten in der FASZ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) steht.
Ich fand es verwunderlich, dass sich bei Aspergern überhaupt die Frage stellt (wie kommt man auf die Idee, dass die auf was anderes als eine normale Schule gehen könnten???), aber vielleicht ist eine gewisse Betreuung des Aspergers und der Klasse schon nicht schlecht.
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24.08.2014, 13:26
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
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24.08.2014, 13:36Inaktiver User
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24.08.2014, 15:59
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Ich halte es nicht für ein Handeln im Interesse des Kindes, wenn man das Kind mit Gewalt unbedingt dazu bringen möchte sich so zu integrieren als wäre es nicht behindert.
Wenn das Kind dann erwachsen wird kann es sich auf dessen Psyche sogar negativ auswirken, wenn es das Gefühl bekommt seine Behinderung ist etwas Schlechtes, etwas das keiner will, weil gerade seine Eltern so viel Wert darauf gelegt haben es lieber mit Nicht-behinderten Kinder aufwachsen zu sehen als wie mit anderen Kinder die genauso sind wie das Kind selber.
Zunächst einmal muss man allerdings unbedingt unterscheiden ob es sich um eine körperliche oder eine geistige Behinderung handelt, zudem ist es natürlich auch relevant wie ausgeprägt diese Behinderung den Alltag, bzw. zunächst einmal das Lernen, beeinträchtigt.
Man kann da nicht pauschal von DEM behinderten Kind sprechen.
Ich habe jetzt nicht alle Seiten gelesen und die meisten Beiträge nur überflogen, daher weiß ich nicht, ob folgendes schon angesprochen wurde:
1. Ich verstehe, dass Eltern von behinderten Kindern sich für das eigene Kind die selben Chancen wünschen später im Leben wie für nichtbehinderte Kinder. Die Inklusion läßt die Behinderung jedoch nicht verschwinden bis zum Ende der Schulzeit, und letztendlich entscheiden doch die Arbeitgeber, wen sie einstellen möchten.
Mehrere Bewerber mit gleichem Abschluß bzw. Ausbildung werden eingeladen zum Vorstellungsgespräch und derjenige der nach Ansicht des Arbeitgebers am Besten ins Team paßt wird eingestellt.
Vielleicht sehe ich es auch als Nichtbetroffene total falsch, ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es je nach Schweregrad der Behinderung manchmal für ein Kind besser sein kann, dass es entsprechend SEINEN Fähigkeiten gefördert wird anstatt ihm zuzumuten täglich auf einem Niveau mitarbeiten zu MÜSSEN, welches das Kind permanent überfordert.
Gerade ein behindertes Kind, welches es später als Erwachsener auf dem "normalen" Arbeitsmarkt besonders schwer haben wird, sollte doch besser dorthin gelenkt werden, wo es später auch Chance auf einen Arbeitsplatz hat.
Ein Arbeitsplatz in einer Behindertenwerkstatt ist allemal besser als Arbeitslosigkeit und permanente Ablehnung auf dem freien Markt.
Eltern sollten sich genau überlegen, welche Chancen ihr Kind mit der jeweiligen Behinderung später tatsächlich haben, nicht was sie sich wünschen. Es geht schließlich um die Zukunft und das gesamte spätere Leben des Kindes. Entsprechend egal sollte ihr momentaner Stolz sein.
Einige schreiben über die positien Effekte auf die anderen Kinder bzgl. Sozialverhalten, wenn in der Klasse die Inklusion eines behinderten Kind stattfindet.
Ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass die Integration behinderter Kinder für die Mitschüler positive Effekte hat und ihr Sozialverhalten positiv fördert. Aber wird hier das behinderte Kind nicht mißbraucht den anderen Kindern etwas beizubringen, was eigentlich deren Eltern von kleinauf ihnen anerziehen sollten?
Wie gesagt, es gibt in Bezug auf Behinderungen himmelweite Unterschiede, und ich denke es sollte im Einzelfall stets abgewogen werden, mit welchem das behinderte Kind am Ende für sich den bestmöglichen Start ins Leben ermöglicht bekommt, so dass es sich später auch selbstverantwortlich im Leben behaupten und versorgen kann. Denn die unterstützenden Eltern leben nicht ewig. Daher sollte deren "Stolz" auf keinen Fall das ausschlaggebende Kriterium dafür sein, welche Schule für das Kind letztendlich gewählt wird.
2. Bis zu einem gewissen Alter kann eine Inklusion für beide Seiten für sehr positive Entwicklungen sorgen - auf jeden Fall! Insbesondere wenn die Behinderung zwar offensichtlich ist, aber überwiegend ein nach Empfinden der gesunden Kinder "normales" Miteinander möglich ist.
Es fördert das Sozialverhalten definitiv, wenn Nicht-behinderte Kinder die Rücksichtnahme lernen, ebenso sind die Effekte positiv für das behinderte Kind zu erfahren, dass "normale" Kinder es nicht ausschließen.
Aber mit der Pupertät kann sich das Ganze sehr schnell ins Gegenteil verkehren, zu Lasten des behinderten Kindes. Ab einem gewissen Alter fangen Mädchen an sich für Jungs zu Interessieren, und Jungs sich für Mädchen.
Ein behinderter Junge, der zum Spielen stets integriert wurde, auf dessen Behinderung auch Rücksicht genommen wurde, der bekommt nun plötzlich zu spüren, dass er doch "anders" ist.
Denn es ist dann doch nochmal etwas Anderes, wenn ein Mädchen den ersten Jungen als "ihren" Freund bezeichnet, mit dem sie händchenhaltend über den Pausenhof stolziert. Da ist dann nämlich vorbei mit dem "politisch korrekten Sozialverhalten", da wird der Junge der "anders" ist stets das Nachsehen haben hinter den "normalen" Jungen und dieses SEHR schmerzlich spüren.
Die Lehrer können die Kinder dahin erziehen, dass sie ein behindertes Kind gleich gut behandeln und integrieren wie ein nichtbehindertes, aber sie können Jugendlichen nicht anerziehen nach welchen Kriterien sie sich ihre "Teenagerlieben" aussuchen sollen.
Natürlich gibt es auch nichtbehinderte Kinder, wo es mit Schul-Liebeleien bis zum Abitur nicht klappt, aber selbst diese leiden schon sehr darunter, wenn sie der Meinung sind sie werden aufgrund von äußerlichen Defiziten abgelehnt.
Noch schlimmer stelle ich es mir jedoch vor für ein behindertes Kind, welches natürlich (und es wird recht haben damit) davon ausgeht, dass es aufgrund seiner Behinderung für das andere Geschlecht "weniger liebenswert" ist.
Diese (sicher prägende) Erfahrung würde ich als Mutter meinem behinderten Kind gerade in der schwierigen Zeit der Pubertät lieber ersparen. Und würde mir schon überlegen, ob es unter anderen Kindern mit ähnlicher Behinderung nicht glücklicher erwachsen werden würde. Denn dort ist es nicht "anders", dort erlebt es Gleichbehandlung statt Ausgrenzung, auch wenn es um die ersten Verliebtheiten in der Pubertät geht.
Wäre es vielleicht ein Ansatz die Inklusion von behinderten Kindern bis zur Pubertät zu unterstützen, und danach darauf zu achten Kinder mit ähnlichen Behinderungen zusammen weiter zu unterrichten und zu fördern?
Früher hat man Jungen und Mädchen getrennt zum Anfang der Pupertät, zu meiner Zeit (vor 30 Jahren) auch noch, wenn damals auch nur noch für den Sportunterricht.
So dumm war das gar nicht, in dieser Phase passiert nun mal eine Veränderung bei allen Kindern/Jugendlichen, die läßt sich auch nicht "politisch Korrekt" wegdiskutieren.
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24.08.2014, 17:31Inaktiver User
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Eine Mutter eines behinderten Kindes sagte mir, die Kinder merken sehr schnell, dass sie vieles nicht können, was die anderen können und leiden darunter.
Gestern erzählte mir eine Mutter, in Frankreich sind schon lange behinderte Kinder mit gesunden Kindern zusammen in der Schule und das ginge wunderbar. Darauf konnte ich ihr entgegnen, dass es in Frankreich nur Gesamtschulen gibt, die ganz miserabel sind. Intelligente Kinder gehen da unter. Jeder, der etwas Geld hat, schickt seine Kinder auf Privatschulen. So eine Zwei-Klassen-Gesellschaft wollen wir in Deutschland nicht.
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24.08.2014, 18:18
AW: Wie steht ihr zur Inklusion Behinderter in den Regelschulen?
Als "miserabel" würde ich unsere integrierte Gesamtschule, die unsere behinderte Mittlere ( übrigens Asperger Autistin) besucht, nicht bezeichnen.
Unsere Älteste war auch dort, und da diese IGS nur bis Klasse 10 geht, hat sie fürs Abi aufs ganz normale Gym gewechselt ( sie war der letzte G9 Jahrgang) und dort relativ problemlos ein sehr gutes Abitur gemacht.
Ich gebe Dir aber ein Stück weit recht, sie sind derzeit besser im Fördern der Schwachen als im Fordern der ganz starken Cracks.
Quirin, gerade Aspies fallen durch alle Raster. Für die meisten SChüler gibts keine passenden Förderschulen. Auf der SChule für emotionale und soziale Entwicklung - wo sie theoretisch, weil es eine seelische Behinderung ist, hingehören- sind sie "falsch". Meist kommen sie mit den Auffälligkeiten ihrer Mitschüler dort noch schlechter zurecht als alle anderen Schüler. Der Lernstoff entspricht meist gerade so der Hauptschule, viele Aspies sind aber ziemlich intelligent, dann langweilen sie sich dort auch noch zusätzlich.
Am liebsten wäre unserer Tochter vermutlich Einzelunterricht gewesen. Am PC. Und nur in naturwissenschaftlichen Fächern, die interessierten sie schon immer brennend, wobei Sprachen so gar nicht ihres waren und sind. Es reicht für ne solide 3, also "gutes Handwerk", das wars aber auch schon.
Eine Sprachentwicklungsverzögerung hatte Tochter ebenfalls, die war aber nach Besuch des Sprachheilkigas und ein Jahr verspäteter Einschulung "behoben". Geblieben ist ein zwar großer Wortschatz beim Sprechen- der sich aber schriftlich nicht niederschlägt. Und Dinge wie das Intepretieren von Balladen etc. sind ein Drama.
Von ihrem Notenbild her wäre Tochter am Ende von Klasse 4 eine klar Gym- Kandidatin gewesen- da hätte sie aber nicht die Unterstützung im SChulalltag bekommen, die nötig gewesen wäre. Dinge wie plötzlicher Stundenausfall, plötzlicher Raumwechsel, plötzliche Stundenplanänderungen brachten sie damals noch völlig aus der Fassung.
Daher besucht sie eine IGS, dort eine Integrationsklasse, erst als I-Kind, mittlerweile, sie ist 16, als Regelschülerin. Sie hat sich an die SChule und die Begleiterscheinungen gewöhnt, das ist für sie "Alltag", da besteht dann auch kein "Sonderförderbedarf" mehr. Kognitiv gabs eh nie Probleme.
Vermutlich hätte sie auf dem Gym "vertieftes Allgemeinwissen" bekommen. Für sie stand aber "soziales Lernen" im Vordergrund. Wir können ihr die Welt nun mal nicht so machen, wie sie sie gerne möchte, sondern müssen sie ein Stück weit befähigen, in dieser Welt so gut als möglich klarzukommen.
Und in diesem Punkt ist sie auf dieser Schule so gut wie möglich aufgehoben.
Als Beispiel- mit 11 Jahren sprach sie in der Schule, außer im Unterricht bei Fragen, gar nicht. Durch die jahrelange gute Betreuung ihrer Lehrer ( ihre Bedingungen waren aber auch sehr gut und nicht der Regelfall- kleine Klasse, ständig zwei Lehrer im Unterricht, die zweite Lehrkraft eine Sonderpädagogin, die bis Klasse 10 dieses Jahrgangs fest an dieser Schule bleibt und quasi zusätzliche Klassenlehrerin ist, eine Klasse, die relativ schnell eine gute Klassengemeinschaft gebildet hat und sich auch "privat" trifft) fühlt sie sich dort so sicher, dass sie - sie sang schon immer gern und sehr gut- mittlerweile Solosängerin ihrer Schulband ist.
Wenn man das Mädchen dann bei Auftritten in der vollen Schulaula sieht, kann man sich nicht vorstellen, dass es das gleiche Mädchen ist, was vor einigen Jahren gar nicht sprach.
Für sie ein "Riesensprung". Das wiegt so einigen nicht so vertieften Lehrstoff absolut auf!
Sie ist eine im Großen und Ganzen gut integrierte Schülerin, die einige Freunde hat, andere Mitschüler nicht mag...ganz normal eben.
Alle Mitschüler wissen, dass Tochter 2 manchmal etwas seltsam ist, das wird aber so hingenommen. Es hat ja jeder so seine Macken.
Was die Schulhoflieben angeht- Tochter ist ja nun 16, da ist das schon Thema- ist es bei ihr so, dass sie in diesem Punkt ziemlich "ruhig" ist. Für sie ist ein Junge dann interessant, wenn er ihre Interessen teilt ( was bei Dingen wie Physik ( Cluster etc.) nicht soo einfach ist...). Wenn überhaupt, dann trifft sie sich mit Nerds aus der benachbarten BBS II- Abteilung Fachgymnasium Technik.
Ihre Freundinnen sind ähnlich gestrickt und auch keine Party- und Discogängerinnen.
Ihre Freizeit verbringt sie meist bei der Freiw. Feuerwehr, ist nach 6 Jahren Jugendfeuerwehr gerade in die aktive Abteilung gewechselt- und mit jemandem, auf dem man sich im Ernstfall verlassen können muß, fängt man lieber nichts an, befindet Kind.
Derzeit verteilt sie also noch fröhlich Körbe- und fragt sich- warum müssen Jungs immer so ein Theater machen. Warum können sie, anstatt einen wochenlang anzustarren, nicht einfach herkommen und sagen: Hey, ich bin....Ich finde Dich ganz hübsch und möchte Dich gerne kennenlernen.
Warum geht das nicht?
Zu Beantwortung dieser Frage hab ich sie zu meinem Mann geschickt. DAS habe ich mich früher nämlich auch gefragt- und das ohne das Asperger Syndrom zu haben


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